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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
09.05.2021
57
105.740
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05.04.2021 2.095
 
„Mr. Coulson“
Sie schüttelte ihm lächelnd die Hand, bevor sie sich setzte.
„Miss Potts. Freut mich, dass Sie Zeit erübrigen konnten.“
Auch er nahm wieder Platz, ihr gegenüber und nippte kurz an seinem Kaffee. Sie schätze er musste schon eine Weile hier sein, da selbiger fast leer war und das obwohl sie pünktlich gekommen war.
Ihre fast wöchentlichen Telefonate waren, seit sie in New York waren, in monatliche Treffen und gelegentliche Telefonate übergegangen.
S.H.I.E.L.D. besaß hier einen nichtssagenden langweiligen Bürokomplex und obwohl sie stark vermutete, dass das nicht ihre eigentliche ‚Basis/Agentenhöhle' war, bezeichnete ihr Gegenüber das Gebäude stets hartnäckig als ‚Hauptquartier‘.
Sie fand das ganze Gebäude aber einfach zu unspektakulär. Howard Stark hatte die Truppe mitgegründet und diese Gentlemen wollten ihr erzählen, dass der Mann als Hauptquartier einen Bürokomplex gemietet hätte? Er war immerhin ein Stark, das war doch mal bei weitem zu unkreativ.
Ein Geheimdienst gegründet von Howard Stark?
Da erwartete sie fliegende Festungen, oder Unterwassertempel…

Aber vielleicht sah sie auch einfach zu viele Filme…

Agent Coulson hatte auf jeden Fall irgendwann vorgeschlagen ihre Treffen in dieses Café zu verlagern, zum einen, weil das weniger trist war, zum anderen, weil der Kaffee hier wirklich schmeckte und zuletzt, weil das Café für sie besser zu erreichen war.

Dieser Ortswechsel war eine seiner besseren Ideen gewesen.

Nachdem Tony sie zur CEO gemacht hatte, hatte er logischer Weise keine persönliche Assistentin mehr gehabt.
Die simple Lösung für ihn war, dass JARVIS das übernahm.
Die künstliche Intelligenz konnte genauso gut E-Mails schreiben, Rechnungen überprüfen, Termine festlegen und Kalkulationen überblicken.
Was er nicht konnte, war sich mit Leuten tatsächlich zu treffen.
Tony hatte behauptet, das mit den Treffen würde er wunderbar hinbekommen.

Überraschung: das war nicht der Fall.

Auch wenn es ihr in den meisten Fällen egal war, wenn er Treffen mit Mr. So-und-So verpasste, so war es ihr nicht egal, dass er auch Treffen mit dem Vorstand und Treffen mit Staat, Militär oder S.H.I.E.L.D. verpasste.
Beim Vorstand war es ihr offensichtlich nicht egal, weil alles an Arbeit, die er nicht tat, an ihr hängen blieb.
Im zweiten Fall verfluchte sie ihn auf regelmäßiger Basis, weil er weiter versuchte einen auf Batman zu machen, während allerdings alle Welt wusste, wer der maskierte Rächer war.

Beim Staat und beim Militär rührte sie keinen Finger für ihn. Sie erinnerte ihn sehr regelmäßig an Termine und Treffen, machte aber nicht mehr.
Gut, alle paar Wochen griff sie ein, bevor Tony etwas wirklich dummes tun konnte, aber ansonsten hielt sie sich da raus.
Iron Man war sein Ding, also sollte er sich verflucht nochmal auch darum kümmern.

S.H.I.E.L.D. war eine andere Sache.
Tony hatte nur bedingt Lust mit ihnen zusammenzuarbeiten und der Geduldsfaden des Geheimdienstes war auch nicht gerade reißfest.
Er braucht sie aber. Die Agenten, allen voran Agent Coulson, halfen ihm auf regelmäßiger Basis.
Sie standen in der gleichen Ecke des Ringes.
Sie hasste es wenn er furchtlos in seiner Blechbüchse loszog und sie hatte gesteigertes Interesse daran, dass ihm nichts passierte.
S.H.I.E.L.D. steigerte seine Chancen.
Wenn sie also wollte, dass es bei dieser zerbrechlichen Partnerschaft bleib, würde sie also alles tun, nur nicht Tony dazu zwingen, sich mit S.H.I.E.L.D. zusammenzusetzen.

„Für Sie doch immer. Was kann ich für Sie tun?“
Das war eine rhetorische Frage. Die Gespräche liefen immer bemerkenswert ähnlich ab.
Sie würden Tonys vorangegangene Einsätze besprechen. Er würde ihr einen Haufen vertrauliche Akten aushändigen, die sie Tony aushändigen sollte. Er würde kurz alle Punkte auflisten, die absolut unverantwortlich waren. Anschließend folgte meistens ein Zitat von Direktor Fury, den Agent Coulson auf sehr regelmäßiger Basis zitierte und dann würden sie wahrscheinlich grob darüber reden, was sonst so in der Welt passierte.

„Wir waren ein wenig… irritiert darüber, dass Mr. Stark es offensichtlich für wichtiger hielt, zwei Einbrecher in Boston festzusetzen-"
„Drei. Es waren drei Einbrecher.“, sie wusste nicht mal, warum sie ihn verbesserte. Wahrscheinlich ein Reflex Tony zu verteidigen. Sie hatte es auch nicht verstanden…
„Verzeihung. Drei Einbrecher festzusetzen, als den Einsatz, den wir ihm nahegelegt haben, anzunehmen.“
Sie rieb sich kurz über die Stirn, schon lange nicht mehr irritiert darüber, dass die Tonlage ihres Gegenübers nie schwankte. Er blieb immer ruhig und freundlich.

„Er hat ihren Auftrag nicht angenommen, weil es der zweite war, den sie ihm gegeben haben. Er nimmt nur jeden vierten an.“
Sie hatte kurz gezögert, ob sie ihm das sagen sollte und dann beschlossen, dass es ihr egal war.
Coulson sah nur minimal verwirrt aus.
„Was soll das heißen, er nimmt nur jeden vierten an?“
„So ziemlich genau das, was die Aussage impliziert. Er zählt durch und jeden vierten Auftrag nimmt er an.“
„Ich fürchte, ich verstehe den Sinn nicht. Wenn Sie mich erleuchten könnten, Miss Potts?“
„Nun, er sieht sich selber nicht als Teil von S.H.I.E.L.D., sondern als Berater. Tony hält es also für essentiell deutlich zu machen, dass er nicht Zitat ‚nach Augenklappe’s Pfeife tanzt', weshalb er nur jeden vierten Auftrag, den ihr ihm nahelegt, annimmt.“
Ihr müde Stimme sprach deutlich davon, was sie von diesem Vorgehen hielt.
„Nun, so wie sie klingen, sind sie selber keine Anhängerin, dieses Vorgehens. Ich muss also keine Gründe vorlegen, warum das keine gute Idee ist.“

Nein. Nein das musste er nicht. Sie selbst hatte schon dutzende Male versucht mit Tony zu reden. Sie verstand, warum er auf seine Unabhängigkeit von S.H.I.E.L.D. beharrte, das tat sie wirklich. Was sie nicht verstand war, dass er wirklich durchzählte. Das konnte er doch nicht dem Zufall überlassen! Er meinte immer wieder starrköpfig, dass er keine Menschenleben gegeneinander abwägen würde und dass er die Entscheidung deshalb absolut zufällig treffen würde.
Die alte ‚wenn du die Möglichkeit hast drei junge Kriminelle oder drei ältere gutherzige Leute zu retten, wen würdest du retten' – Debatte.

Sie legte ihren Kopf leicht schief.
„Würde ich ihn in diesem Vorgehen unterstützen, hätte ich Ihnen wohl kaum davon erzählt.“
Ihr Gegenüber nickte leicht.
„Sachen, die uns wirklich wichtig sind, kommen also jetzt an vierter Stelle?“
Jetzt nickte sie leicht.
„Gut. Die Einbrecher aus Boston werden übrigens für lange Zeit kein Tageslicht mehr sehen. Man hat schon jetzt vernichtende Beweise gegen jeden von ihnen, um sie für lange Zeit hinter Gitter zu schicken.“
Sie nickte wieder ernst. Obwohl Tony sich weigerte Einsätze für S.H.I.E.L.D. zu übernehmen, konnte man immerhin nicht sagen, dass der faul auf seinem Hintern saß.
Immer wenn er eigentlich losgeflogen wäre für S.H.I.E.L.D., folg er los um ein anderes Unrecht gerade zu rücken.

„Wir haben diese Woche keine Tipps für Mr. Stark.“
Jetzt blickte sie überrascht auf. Normalerweise hatte er immer einen kleinen Stapel Akten dabei, den sie Tony überreichen konnte.
Es waren Notizen, an wen er sich demnächst wenden sollte in Bezug auf Recht und PR und ähnliches.
Oft waren Einsatzbeschreibungen dabei und persönliche Anmerkungen und Wünsche von Fury.
Coulson nannte diesen kleinen Aktenstapel auf regelmäßiger Basis ‚Tipps'.

„Darf ich fragen, ob das einen bestimmten Grund hat?“
Und dann sah sie das erste richtige Lächeln von Phil Coulson, an diesem Tag.
„Es könnte groß sein. Es könnte richtig groß sein. Ein Forschungstrupp in der Arktis hat eine Spur. Ich unterliege da strenger Geheimhaltung, aber Mr. Stark wird wissen, auf was wir gestoßen sein könnten. Fragen Sie ihn.“
Ihr Mund klappte auf. Sie musste nicht fragen, wovon der Mann redete. Sie war nun mal in dem Haushalt aufgewachsen, in dem sie aufgewachsen war. Sie wusste natürlich von Howard Stark's endlosen Expeditionen. Auch Tony hatte es ein paar Mal angeschnitten.
„Sie könnten endlich seine Leiche bergen? Sie haben das Flugzeug gefunden?“
Ein gewichtiges Nicken kam zurück.
„Vielleicht können wir ihn endlich würdigen wie er es verdient. Er hat es niemals verdient ewig im Eis zu liegen. Wir könnten das Schild bergen und diese alte Hydra-Technologie. Aber vor allem könnten wir den Mann anständig zur Ruhe setzen.“

„Das freut mich. Das freut mich wirklich. Wie sicher ist das ganze?“
Er schein kurz im Kopf nachzurechnen.
„Wir schätzen, dass wir noch ein, zwei Monate brauchen, um wirklich sicher zu sein. Dann müssen wir ein Camp errichten, die Fachkräfte dorthin verlagern und mit der Expedition des Flugzeugs beginnen. Je nachdem, wie schnell die Arbeiten vorangehen und immer unter der Voraussetzung, dass das das Schiff ist und seine Leiche nicht, wie auch immer, verschwunden ist, zum Beispiel verbrannt, in einer Explosion oder ähnlichem, schätze ich, dass wir in sechs Monaten mit dem Schiff weitestgehend durch sind und Captain Rogers nach Hause bringen können.“

Das war schlicht und ergreifend unglaublich.
„Hat der Mann noch lebende Angehörige?“
Sie wusste nur, dass Steve Rogers selber ledig gewesen war und keine Kinder hatte.
„Nein. Es wäre aber auch sowieso noch zu früh, irgendwem Bescheid zu sagen. Wir hatten, weiß Gott, schon zu viele Fehlalarme.“
Agent Coulson schien zu bemerken, dass er schon zu viel gesagt hatte und verstummte.
Sie schüttelte leicht den Kopf.
„Hoffen wir, dass sie dieses Mal Erfolg haben und Gratulation, falls es wirklich so ist!“
Dee Mann nickte dankend.
„Die Chancen stehen dieses Mal gut, alles ist in heller Aufregung. Über 70 Jahre im Eis und der Mann sorgt immer noch dafür, dass wir alles stehen und liegen lassen für ihn.“

Sie schmunzelte leicht, während die praktisch orientierte Stimme in ihrem Kopf flüsterte, dass es wahrscheinlich auch an dem multimillionen Dollar Schild und der geheimen Hydra-Ausrüstung lag.
„Was tut man nicht alles für den ersten Superhelden…“
„Es gibt im Moment nicht viel was S.H.I.E.L.D. nicht für ihn tut. Jede Abteilung ist eingebunden, die meisten Einsätze wurden abgebrochen, damit man nicht zusätzlich Leute zum überwachen und koordinieren selbiger absetzen muss, Fury springt praktisch im Dreieck.“
„Wenn Miss Romanov sich jetzt langweilt und die Branche wieder wechseln möchte, richten Sie ihr bitte aus, dass sie höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten haben wird, ihren Job hier zurückzubekommen.“
Coulson schmunzelte leicht.
„Ich denke, wir werden Miss Romanov beschäftigen können.“

„Werden Sie auch für eine Weile in die Arktis verschwinden?“
Phil Coulson setzte sich ein wenig aufrechter hin.
„Nicht nur das. Tatsächlich leite ich die Operation. Ich treffe im Moment die letzten Vorbereitungen für meinen Aufbruch.“
Sie nickte ernst.
„Ich werde unsere Treffen vermissen, Mr. Cou-"
„Phil.“
„Phil?“
Jetzt war es an ihm ernst zu nicken.
„Leute mit denen ich weitaus weniger interagiere nennen mich ‚Phil' und man kann wahrlich nicht behaupten, dass unsere Gespräche nie persönlicher werden würden.“
Sie war überrascht. Er erschien ihr nicht wie eine Person, die von sich aus mit so etwas auf andere zugehen würde.
Lächelnd streckte sie ihm erneut die Hand hin.
„Pepper.“

Das Gespräch hielt sich noch etwas länger beim Thema ‚Captain America‘.
Er erzählt von seinen steinalten und angeblich sehr wertvollen Sammelkarten, sie erzählte, dass wahrscheinlich große Teile ihrer Familie morden würden, um diese Karten in die Hände zu bekommen.
Relativ trocken erwähnte er, dass er mehrere Kampfsportarten beherrschte und sie gab zurück, dass zumindest einer ihrer Brüder an den zwei Metern kratzte und Offizier bei der Army war.

Es war angenehm sich mit dem Mann zu unterhalten. Das merkte sie immer wieder, wenn das der Fall war. Sie hielten Kontakt seit Oktober 2008 und sie hatten wirklich nicht lange gebraucht, um miteinander warm zu werden.
Sie befanden sich einfach auf einer Wellenlänge.
Sie zeichneten sich beide dadurch aus, auch in den anstrengendsten Situationen, ein freundliches Lächeln und eine ruhige Tonlage zu bewahren.
Sowohl Phil Coulson, als auch sie selbst waren absolut professionell in dem was sie taten und sie teilten eine ähnliche Arbeitsmoral und Einstellung zu verschiedensten Problemen.

Sie kannte kleinere Anekdoten aus seinem Privatleben und er wiederum wusste das ein oder andere aus ihrem Privatleben.
So kannte er zum Beispiel die Story, dass Tony jedem Mitglied ihrer Familie zu Weihnachten Iron Man-Schlafanzüge geschenkt hatte und sie wusste, dass eine seiner liebsten Kindheitserinnerung das herumschrauben an einem alten roten Auto namens ‚Lola' mit seinem Vater war.
Sie wusste auch, dass er sich in einer Beziehung mit einer Cellistin war, deren Name sie vergessen hatte und er wusste natürlich selbstverständlich mit wem sie in einer Beziehung war.
Alles in allem schätze sie Phil Coulson sehr.

Sie verabschiedeten sich erst voneinander, als es dämmerte und das letzte was sie tat, bevor sie sich ins Taxi setzte war, ihm viel Glück zu wünschen und ihn darum zu bitten, sie auf dem Laufenden zu halten.
Er nickte gewichtig und verschwand dann schließlich aus ihren Sichtfeld.
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