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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
09.05.2021
57
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29.03.2021 1.730
 
Camila Maria Rojas hatte ihr letztes Vorstellungsgespräch am 31. Juli gehabt und am ersten September angefangen zu arbeiten.

Persönliche Assistentin von Virginia ‚Pepper' Potts.

Sie hatte ehrlich versucht das nicht in jedem Satz Familien, Freunden und oft genug auch Fremden gegenüber mehr oder weniger beiläufig zu erwähnen, es aber nicht so recht hinbekommen.

Sie war aber auch immerhin PERSÖNLICHE ASSISTENTIN VON VIRGINIA POTTS!

Sie half an vorderster Front mit eins der größten Unternehmen dieser Zeit zu leiten.
Es waren schon drei Monate vergangen und sie musste bei dem Gedanken daran noch immer jedes Mal breit grinsen.

Jeden Morgen erschien sie pünktlich um acht bei der Arbeit und wurde relativ grundsätzlich von ihrer Chefin schon erwartet.
Sie besprach mit selbiger Chefin den Tag und konnte bei den Besprechungen jedes Mal feststellen, dass diese all die Daten und Fakten in der Regel schon kannte und fühlte sich so mit Ende des Gespräches für diesen Teil der Tagesordnung immer recht nutzlos.
Sie arbeitete dann bis exakt halb eins und hatte dann 45 Minuten Mittagspause, bevor sie die Arbeit wieder aufnahm.
Nachmittags begleitete sie dann ihre Vorgesetzte zu unzähligen Terminen, bis sie schließlich um Punkt vier Uhr Feierabend hatte und ihre Chefin verließ, die grundsätzlich etwas länger im Büro blieb.

Hatte sie den weltbesten Job des Universums ergattert? Ja. Ja, das hatte sie!

Alles hatte damit angefangen, dass sie in der Zeitung davon gelesen hatte, dass Stark Industries seine Firmenzentrale für die nächste Zeit nach New York verlegen würde.
Um den Bau des ‚Stark Towers' zu beaufsichtigen würde Virginia Potts hierher kommen, um von hier aus die Firma zu leiten und dafür brauchte sie eine persönliche Assistentin (Camila schätze, dass die aus LA wohl nicht hatte umziehen wollen).

Sie hatte sich auf gut Glück beworben, hatte Vorstellungsgespräch um Vorstellungsgespräch besucht, nur um vor Freude das halbe Haus zusammen zu kreischen, als sie den Job schließlich bekommen hatte.
Während all dieser Gespräche, nicht mal beim finalen, hatte sie Miss Potts zu Gesicht bekommen.
Der Grund, das hatte sie seitdem realisiert, passte zu ihr wie die Faust aufs Auge.

Von Tag eins an hatte die Frau sie fasziniert.
Nie hatte sie jemanden getroffen, der bei so viel Nähe, die er ausstrahlte, so distanziert war.
Wenn man redete, etwas vorstellte, oder etwas erzählte, dann hörte sie einem zu.
Sie hörte einem richtig zu. Es gab dann keine Sekunde, in der sie einen nicht anschaute. Wenn ein anderer mit ihr redete, dann ließ sie sich nicht ablenken, sie schaute nicht auf die Uhr, oder auf das Handy, sie spielte nicht mit ihrer Kleidung, nein, sie vermittelte dir das Gefühl, dass nichts auf der Welt gerade wichtiger für sie war, als zu hören, was man sagte.
In der Cafeteria hatte sie gehört, dass vor drei Jahren von oberster Instanz die Ausgaben fürs Essen gekürzt worden waren.
Das erste was ihre Chefin getan hatte, war dies rückgängig zu machen.
Ein besserer Lieferant zu gleichen Preisen für die Mitarbeiter.
Die standartmäßigen Beileidskarten für Unglücke im Familienkreis brachte sie persönlich vorbei.
Von Anfang an hatte sie klargemacht, dass wenn Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen irgendwelche Probleme haben sollten, diese bitte zu ihr kommen sollen.
Sie hatte mit eigenen Augen gesehen, wie diese Frau in den ersten Tagen ihres Daseins in New York in ihrer Mittagspause durch die Personalordner gegangen war, um alle Namen der Angestellten auswendig zu können.

Auf der anderen Seite schien sie keinerlei tiefere Beziehungen aufbauen zu wollen. Sie gab keine persönlichen Fakten über sich preis.
Die gesamte Zeit über schien sie sich hinter dem immer gleichen Gesichtsausdruck zu verstecken. Es war ein freundlicher Gesichtsausdruck, keine Frage, aber es war dennoch eine Maske.
Wenn sie mal erschöpft war, bekam es keiner zu sehen.
Wenn sie wütend war, bekam es keiner zu sehen.
Wenn sie traurig war, bekam es keiner zu sehen.
Naja, oder Pepper Potts kannte diese Wesenszustände einfach nicht, denn sie bekam sie auch nicht zu sehen.
Es waren drei Monate vergangen und sie sprach von Tony Stark, der immerhin ihr Freund war, in ihre Gegenwart und auch in der Gegenwart von so ziemlich jeder anderen Person, nur als ‚Mr. Stark'.

Sie hatte ihr gleich zu Beginn angeboten, sie, wenn sie zu zweit waren, als ‚Pepper' anzusprechen und natürlich hatte sie ihr daraufhin angeboten sie ‚Mila' zu nennen und war glücklich über dieses wunderbare Verhältnis zu ihrem Boss gewesen.
Keine Frage, es war für ein Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis wunderbar.
War es irgendwas darüber hinaus? Nein.
Persönlicher als der Vorname wurde es bisher auch nicht mehr.
Wenn sie über etwas außerhalb der Arbeit redeten, dann war es
a)     Über das Wetter
b)     Über den Verkehr, oder
c)     Die aktuellen Nachrichten (ohne, dass Pepper ihr Meinung dazu abgeben würde)
Hin und wieder erzählte sie etwas persönlicheres und bekam dann wieder ein Kostprobe von den außerordentlichen Zuhörerqualitäten ihres Bosses.

Zu den Vorstellungsgesprächen war sie zu Gründen nicht erschienen, die dazu wunderbar passten.
Sie hatte sie an einem regnerischen Nachmittag gefragt, kurz bevor sie gefahren war.
Die andere Frau hatte den Kopf schien gelegt und leicht gelächelt.
„Ich wollte, dass der oder die Beste eingestellt wird für den Job. Wäre ich dabei gewesen, wäre die Entscheidung nicht mehr objektiv gewesen und ich habe den Gentlemen, die damit betraut waren, die Entscheidung zu treffen, in ihrer Objektivität vertraut.
Es sollte nicht darauf ankommen, ob ich persönlich mit demjenigen klarkomme. Ich kann persönliche Gefühle von der Arbeit trennen und das erwarte ich auch von meinen Arbeitnehmern.
Insofern, war es nur vernünftig die Entscheidung von jemand anderem treffen zu lassen, damit nicht am Ende ich, wenn vielleicht auch unterbewusst, nur den oder die zweit Beste auswähle.“
Sie schien, als hätte sie ihr die nächste Frage auf dem Gesicht ablesen können und ihr Lächeln war etwas herzlicher geworden.
„In diesem Fall hätte ich aber auch im Raum sein können.“

Was konnte sie sonst noch über ihren Boss sagen?
Sie schien sich nicht wirklich wohl damit zu fühlen, Arbeit an Andere abzugeben.
In ihrer ganzen Zeit hatte sie bis jetzt keine Überstunde machen müssen, war nie darum gebeten worden früher zu kommen, oder ihren freien Tag doch nicht zu nehmen.
Sie wusste, wie jeder andere in der USA, dass Miss Potts zehn Jahre selbst persönliche Assistentin gewesen war und das hatte bei ihr wohl die Gewohnheit hinterlassen alles selbst machen zu wollen und grundsätzlich nicht um Hilfe zu bitten.

Natürlich musste man erwähnen, dass Pepper Potts ein Genie war, in dem was sie tat.
Sie war gewitzt, sie war schlau, sie war unglaublich organisiert und sie war begabt in Gesprächen mit Interessenten, Partner und Leuten, die sich beschwerten.
Der Klatsch ließ durchblicken, dass sie die Firma de facto schon um einiges länger leitete, weil Mr. Stark selbst, die Arbeit wohl hauptsächlich auf seine Assistentin abgeschoben hatte.
Vielleicht war also das der Grund, dass sie quasi dafür gemacht schien die Firma zu leiten.

Das aller verwunderlichste war aber, für sie persönlich, dass ihre Vorgesetze, die zu niemandem ein Verhältnis führte, dass über den Smalltalk hinausging (von ihrer Seite aus), eine sehr gute Freundin von einem Mann zu sein schien, dem man den unpassendsten Spitznamen aller Zeiten gegeben hatte: Happy.
Sie hatte den Kerl noch nie in ihren drei Monaten lächeln sehen. Noch nie.
Happy Hogan war ein Mittelding zwischen Bodyguard, Fahrer und Sicherheitsberater und offensichtlich engster Vertrauter von Pepper Potts in der Firma.
Die beiden verbrachten fast jede Mittagspause zusammen und schienen sich echt und ehrlich zu mögen.

Der Mann hatte sie auch nach zwei Monaten noch jeden Morgen durchsucht, bis Pepper ihn davon abgehalten hatte (sonst würde er es wohl immer noch tun).
Mittlerweile erwiderte er ihre Begrüßungen mit einem knappen Nicken, was eine große Steigerung zu den Drohungen am Anfang war.

Es war wohl irgendwie ironisch, dass sich ihre Vorgesetzte ausgerechnet zu dem Mann öffnete, der sich noch hundertmal schwerer damit tat, eine persönliche Beziehung zu jemand anderem aufzubauen.

Wurde es besser?
Vielleicht ein wenig.
Das Frustrierende war, dass sie ihre Chefin wirklich mochte. Wenn es nach ihr ginge, hätte sich schon längst eine gute Freundschaft entwickeln können.
Sie schätzte, dass man wohl ziemlich paranoid wurde, wenn man zehn Jahre lang dafür bezahlt wurde die Geheimnisse von jemandem zu bewahren und sie wusste, dass Miss Potts ihre Privatsphäre sowieso ziemlich wichtig war.
Schätze sie also die kleinen Schritte, die sie machten?
Auf jeden Fall.

Sie konnte durchaus behaupten, dass Pepper Potts ihr fachlich zu 100 % vertraute.
Wenn sie behauptete, dass etwas stimmte, dann würde ihr Boss nicht nachhaken und das auch ganz sicher nicht kontrollieren.
Wenn etwas für sie stimmte, dann stimmte es auch für Pepper (was der Grund war, dass sie selbst alles 25 Mal kontrollierte).
Hin und wieder rutschte ihr in ihrer Gegenwart neben all den ‚Mr. Starks' ein ‚Tony' raus.
Sie wusste mittlerweile, wie sie ihren Kaffee am liebsten hatte (wenig Milch, wenig Zucker) und dass sie für ihr Leben gern Krimis las.
Wie gesagt, sie machten kleine Schritte.

Der ‚Stark-Tower' machte riesige Fortschritte.
Tony Stark selbst half mit das Ding hochzuziehen und umzusetzen und sowohl die Iron Man-Rüstung, als auch der Mann in ihr hatten den Bau um ein vielfaches beschleunigt.
Die Rüstung schleppte tonnenschwere Teile problemlos und das Genie hinter hier löste die schwierigsten technischen und mathematischen Probleme mit einem Fingerschnippen.

Das er an vorderster Front am Bau beteiligt war und ihre Chefin mehr eine Art Mastermind hinter dem großen Ganzen war, hatte sie den Milliardär erst ein paar Mal getroffen.

Er hatte sie nach den ersten paar Sekunden des Treffens mit dem Spitznamen ‚Moneypenny' belegt und dann das Büro mit einem lauten „Hey, Pep" praktisch gestürmt.
Er war charismatisch, witzig, gutaussehend und arrogant.
Mochte sie ihn? Ja. Ja, man kam mit ihm aus.

Sie wusste, dass sie beiden zusammen in einem Apartment im Westen lebten, wobei man unter ‚Apartment' wohl die Milliardärs-Variante verstehen musste.
Sie wusste, dass wohl das oberste Stockwerk mit direktem Anschluss zum Dach sein musste, etwas das den beiden aus irgendeinem Grund sehr wichtig schien und dass Stark wohl die komplette untere Etage mitgekauft hatte, um sie zu einem Labor umzubauen.
Beide Fakten hatte sie natürlich nicht aus Miss Potts herausbekommen, sondern aus einem sehr mitteilungsbedürftigem Tony Stark, der sie während einer gemeinsamen Autofahrt zu eben jener Miss Potts begleitet hatte

Konnte man sagen, dass sie sich jeden Morgen freute, zur Arbeit zu fahren?
Ja. Ja, das konnte man.
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