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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
09.05.2021
57
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Dieses Kapitel
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25.03.2021 2.086
 
Mit einem Mal fand sie ihre Idee wieder blöd.
Sie hatte die letzten vier Wochen fast ununterbrochen gearbeitet, um sich die beiden Tage freizuschaufeln, aber reichte das?
Dazu kam der Sturm der just in diesem Moment tobte und… und die Tatsache, dass Tony einfach einen etwas anderen Standard gewöhnt war…
Wahrscheinlich fand er es auch blöde…

Es war 6:30 Uhr und es dämmerte bereits leicht.
Wobei… vielleicht bildete sie sich das auch nur ein.
Sie musste automatisch an seine anderen Geburtstage denken.
Die Partys, die Geschenke, die Wochenend-Trips, die ausufernden Feierlichkeiten.

Sie dachte an seine einzige Ex-Freundin, die man wirklich so nennen konnte, da sie überraschender Weise die 7-Tage-Beziehungsgrenze überschritten hatte und damit die längste Beziehung in ihrer Amtszeit als persönliche Assistentin mit Tony geführt hatte.
Lara. Beziehungsweise „für Sie Ms. Rickard, wobei sie vielleicht schon bald die Gelegenheit haben, mich mit Mrs. Stark anzusprechen" (überhebliches Zwinkern).
Die Frau hatte Feierlichkeiten ausgerichtet, die eine ganze Woche gingen und danach noch einen ein wöchigen Urlaub in Paris eingelegt.
Zwei Wochen hatte sie sich mit einem Fingerschnipp freigeschaufelt und nicht im Traum daran gedacht zu arbeiten (wobei sie natürlich auch davor nicht wirklich viel gearbeitet hatte).

Wie bitte sehen daneben zwei Tage aus?
Armselig.

Was schenkt man jemandem, der alles hat?
Was schenkt man jemandem, der alles, was er nicht hat, problemlos kaufen kann?
Was schenkt man jemandem, dessen größte Wünsche man nicht erfüllen kann?

Sie hatte vor, ihm diese zwei Tage zu schenken.
Er sagte immer, wie sehr er es mochte, wenn sie einfach um ihn herum war, also würde sie genau das tun.
Sie würde ihm Gesellschaft leisten in der Werkstatt, all seine Lieblingsgerichte kochen (Zutaten hatte sie bereits eingekauft), den lebensrettenden Kaffee liefern, ihm zu Liebe so tun, als fände sie seine Musik gut und morgens so lange faul im Bett neben ihm liegen, wie er wollte.
Sie hatte eigentlich auch vorgehabt mit ihm auszugehen und dabei definitiv früher oder später einen Zwischenstopp auf einem Dach einzulegen, aber der Sturm machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Das Wetter war so beängstigend, dass sie sich nicht mal wirklich wohl fühlte zu ihm zu fahren.
Der Wind rüttelte an ihren Rollladen und erhellte ein Blitz die Dunkelheit.

Der ‚Stark-Tower', wie Mr. Warum-denken-nur-immer-alle-mein-Ego-wäre-so-groß-wie-die-Freiheitsstatue das Projekt in New York nennen wollte, beanspruchte unglaublich viel ihrer Zeit und so hatte sie in den letzten Wochen wenig Zeit für sich gehabt.
Sie freute sich also auch auf die kommenden zwei Tage. Also hoffentlich ‚auch'.

Kaum drei Stunden später parkte sie ihren Wagen vor dem Eingang, schnappte sich ihre Tüten und sprintete zum Eingang.
Die wenigen Schritte hatten gereicht, um sie komplett durchzunässen.

Sie zog sich eine andere Hose an (das Oberteil hatte sie durch eine Regenjacke retten können), ließ sich von JARVIS bestätigen, dass Tony noch schlief und bereitete mit aller Vorsicht seinen Geburtstagskuchen vor.
Dieser Geburtstagskuchen war eine ihrer längeren Traditionen.

Er hatte ihr im zweiten Jahr ihrer Einstellung beiläufig erzählt, seit seinem 13. Geburtstag keine Kuchen mehr bekommen zu haben.
Zwar bekam er Geschenke, aber immer nur edles und total exklusives Zeug und dabei dachte nie jemand daran, ihm einen Kuchen zu backen.
Seit diesem Jahr versuchte sie sich jedes Jahr an einer anderen Kreation.
Mal zauberte sie eine wirkliche Torte (das war 2006 gewesen und sie hätte beinah eine Herzattacke bekommen, so frustrierend schwierig war das gewesen), dann einen einfachen Butterkuchen mit SUPER viel Zuckerguss (das war 2003 gewesen).
2004 hatte sie einen Früchtekuchen hinbekommen, nur damit Tony sie ungläubig angesehen hatte und meinte:
„Pep. Ich will ehrlich sein. Der Kuchen ist gut. Aber welches Monster schmuggelt denn VITAMINE in einen Kuchen? EINEN KUCHEN! Das ist ein wenig barbarisch.“

2005 war es ein Tassenkuchen gewesen. Ein Tassenkuchen, der tatsächlich eine Fertigbackmischung gewesen war. Das war das Jahr gewesen, in dem er tatsächlich eine halbwegs funktionierende Beziehung geführt hatte, aber da sie die gute Ms. Rickard wirklich nicht ausstehen konnte und die blöde Kuh ihr den letzten Nerv raubte, hatte sie das kurzerhand an Tony ausgelassen.
Dieses Jahr ein Schokokuchen, mit einer Schicht Buttercreme und einer Schicht Schokocreme.

Dazu kam eine Kerze mit der Anzahl seiner erreichten Jahre, beziehungsweise SOLLTEN es die erreichten Jahre sein, aber sie gestaltete jedes Jahr aufs neue eine Kerze auf der die Zahl ‚29‘ stand, da Tony einmal scherzhaft meinte 29 zu sein (34 war der Wahrheit näher gekommen), da alles über 29 alt wäre und er wäre nun mal nicht alt.
Statt zu diskutieren, dass er lediglich fünf Jahre älter als die angegebene Zahl war und man 34 wirklich nicht als ‚alt‘ bezeichnen konnte, hatte sie schelmisch gemeint „wie Sie meinen, Mr. Stark" und bastelte seit dem aus Wachs immer eine neue 29 für die Kerze.

Vorsichtig balancierte sie die Kerze und den Kuchen nach oben, zündete sie vor der Tür an und schlich dann ins Zimmer.
Tonys Kopf lag auf der falschen Seite, eins seiner Beine lag ein wenig verdreht auf dem Kopfkissen und die dünne Bettdecke bedeckte ihn nur halb… wenn sie raten müsste, würde sie sagen, dass er eine unruhige Nacht gehabt hatte.
Behutsam stellte sie das Tablett ab und setzte sich auf die Bettkante.

Ihre Fingerspitzen berührten kaum seine Kopfhaut, als sie ihm federleicht durch die Haare fuhr, um ihn aus dem Reich der Träume zu locken.
Es dauerte eine Weile, bis er sich rührte und schließlich desorientiert und verschlafen blinzelte.
„Morgen, Tony. Happy Birthday.“, flüsterte sie schließlich, als er halbwegs aufnahmefähig aussah und beugte sich zu ihm herunter, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken.
„Pep? Was machst du hier? Ich dachte, du kommst erst heute Nachmittag oder so.“
Er gähnte erneut, behielt aber seinen verschlafen überraschten Gesichtsausdruck bei.
„Ich hab mir diese zwei Tage freigeschaufelt und dachte mir, ich überrasche dich zum Geburtstag.“
Ihr Lächeln wurde breiter, als sie sah wie sich sein Gesicht aufhellte.
„Das ist wahrlich ein Happy Birthday.“, murmelte er schließlich.
„Ich hab deinen üblichen Geburtstagskuchen gebacken, aber du siehst aus, als hättest du wenig Schlaf abbekommen diese Nacht. Willst du noch eine Runde schlafen?“
Sie war die letzten Tage nicht da gewesen und immer wenn das der Fall war, neigte Tony dazu komplett den Überblick über die Zeit zu verlieren. Es war also nicht komplett unwahrscheinlich, dass er auch erst vor vier oder fünf Stunden ins Bett gefallen war.
Er nickte leicht und bedeutete ihr dann zu ihm zu kommen, in dem er mehrmals neben sich klopfte und etwas unbestimmtes brummte.
Sie lächelte leicht, während sie sich zumindest eine Joggingshose anzog. Es gab definitiv schlimmeres, als die Vorstellung an ihn gelehnt noch einmal einzuschlafen.
Bevor sie zu ihm kroch, ließ sie ihn noch seine Kerze auspusten und wünschte ihm alles Gute für sein kommendes dreißigstes Lebensjahr, das wie jedes Jahr mit seinem 29. Geburtstag enden würde.
Er brachte ein schläfriges Grinsen zu Stande und zog sie schließlich einfach zu sich ins Bett, als sie gerade überlegte vielleicht doch noch das Oberteil zu wechseln.
Statt sich zu wehren, kroch sie dann doch unter die Decke und seufzte wohlig, als Tony einen Arm um sie schlang und sie ihren Kopf gegen seine Brust legen konnte.
Die beruhigende Wärme die von ihm ausging, sein stetiger Herzschlag und Atem, sein Arm, den er immer um sie schlang, als würde er sie vor allem Bösen beschützen und nie wieder loslassen wollen und der beständig prasselnde Regen lullten sie schließlich in den Schlaf.

Sie lagen den ganzen Mittag über im Bett. Den Kuchen verspeisten sie tatsächlich zum Mittagessen und hinterließen haufenweise Schokoflecken auf der Bettdecke.
Sie brachte ihm Schach bei, denn ganz ehrlich, es war eine Schande, dass er sich ‚Genie' nannte, aber kein meisterhafter Schachspieler war.
Jahrelang hatte sie gegen ihren Vater, ihren Großvater und ihren Bruder gespielt und dabei immer eine gute Figur abgegeben. Ganz genau genommen hatte sie die meisten Spiele sogar gewonnen.
Tony brauchte eine Runde, bevor er sie das erste Mal schlug. Vier Partien später war sie schon kein Gegner mehr für ihn.
Seinen Wunsch ihn für den restlichen Tag mit ‚Gott des Schachspiels‘ anzureden, schlug sie ihm lachend aus, was dazu führte, dass er eine 15-Minütige Diskussion startete, warum sie ihn sehr wohl so nennen sollte.

Nachmittags riefen Rhodey und Happy an, die beide aus unterschiedlichen Gründen nicht kommen konnten und nahmen Tony insgesamt eine knappe Stunde in Beschlag (Happy zehn Minuten, Rhodey fünfzig).

Abends starteten sie einen James-Bond-Marathon mit selbstgemachter Pizza und sie bekam eine insgesamt sieben stündige Analyse, was er alles besser gemacht hätte (alles), was alle anderen in diesen Filmen für Fehler gemacht hatten („Ehrlich, Pep. Warum erkennt niemand sonst, dass M eine absolute Pfeife in diesem Job ist. Wäre ich die verantwortliche Person…“) und warum James Bond ganz im allgemeinen im Vergleich zu ihm eine absolute Witzfigur war.

Die Nacht verbrachten sie nahezu schlaflos, was dazu führte, dass sie auch den folgenden Morgen komplett dösend im Bett verbrachten.

Der Regen hatte nachgelassen, aber keiner von beiden hatte wirklich Lust die Villa zu verlassen.
Tony brachte ihr die Grundzüge vom Pokern bei und schien noch immer mit Leib und Seele darauf hin zu arbeiten, sie in ein Casino zu schleppen.
Sie spielten schließlich ein Runde gegen Tony's Roboterarme, nachdem er diesen wirklich unglaublich schnell das Pokern beigebracht hatte.
Ganz genau genommen hatte sie nur zwei Mal Kaffee kochen müssen, bevor er fertig programmiert hatte.
Tony gewann die Runde haushoch und sie redete sich ein, dass er die Bots darauf programmiert hatte ihn gewinnen zu lassen und ihr das Leben schwer zu machen (wie sie Tony kannte, war das auch nicht unwahrscheinlich).

Sie endeten die zwei Tage mit einem Abendessen bestehend aus dem teuersten Wein den Tony auftreiben konnte und zwei großen Portionen Spaghetti Carbonara.

Kurz hatten sie sich tatsächlich über die Möglichkeit unterhalten, demnächst nach New York zu ziehen. Der Stark-Tower beanspruchte im Moment 90 % ihrer Aufmerksamkeit und es war abzusehen, dass sie in den nächsten Jahren immer öfter persönlich anwesend sein müsste. Tony auf der anderen Seite interessierte sich für nichts anderes, als Iron Man und diesen Turm und hatte schon mehrfach angedeutet, sich aktiv am Bau beteiligen zu wollen. Nicht weil er tatsächlich eine wirkliche Hilfe wäre, sondern viel mehr, weil ihn die Herausforderung reizte, aber da das Ergebnis das selbe war, beschwerte sie sich nicht.

Doch schließlich wechselte Tony schlicht das Thema und stellte fest, dass er an diesen Abend definitiv NICHT über die Arbeit reden wolle.
Ihr schelmischer Versuch über das Leben von Seegurken zu reden, war ihm dann aber auch nicht gut genug…

Schließlich landete das Gespräch bei einem Update Tonys' was er die letzten Wochen im Detail gemacht hatte.
Der Abend schritt langsam fort, die Flasche Wein wurde immer leerer (vor allem Tony’s Verdienst) und schließlich verlegten sie das weitere Gespräch auf die Couch.


Tony Stark's Geburtstags-Tage endeten damit, dass er seine erschöpfte schlafende Freundin im Arm hielt und träge mit ihren Haaren spielte.
Mit ihr hatte er das schönste Weihnachtsfest seit Jahren verbracht und natürlich hatte sie dafür gesorgt, dass er die letzten beiden Tage auch die schönste Geburtstagsfeier seit Jahren gehabt hatte.
Sicher waren die ausufernden Partys amüsant gewesen, aber er würde sagen, dass es durchaus was hatte, sich an seinen Geburtstag tatsächlich auch erinnern zu können.
Sie hatte die letzten beiden Tage ungefähr zweihundert Mal gefragt, ob er es wirklich ok fand. Auf die Frage war dann zweihundert Mal seine unermüdliche Antwort gefolgt, dass er es perfekt fand.
Er hatte sie nicht angelogen.
Lächelnd zwirbelte er ihre erdbeerblonden Haare um seine Finger.
Zu all ihren vielen Stärken zählte definitiv nicht der Optimismus.
Seine Gedanken wanderten nach New York.
Sie hatten das Thema heute Abend kurz angeschnitten. Vielleicht würden sie, zumindest bis der Tower fertig war, an einem gewissen Punkt nach New York gehen.

Er hatte vor sie zu fragen, ob sie dann mit ihm zusammenziehen wollen würde.
Er würde sagen, dass es finanziell und planungstechnisch sinnvoller wäre.
Er würde denken, dass er seit dem Kuss auf dem Dach wollte, dass sie bei ihm einzog.
Er würde dramatisch grinsend sagen, dass er alleine in New York wahrscheinlich keine einzige Sekunde schlafen würde und geregelte Mahlzeiten eine Fremdwort für ihn werden würden, wenn sie nicht da war.
Er würde denken, dass er sie jede Sekunde, die sie nicht bei ihm war, vermisste.

Darauf bedacht sie nicht aufzuwecken, drückte er ihr einen Kuss auf die Stirn und drückte schon jetzt die Daumen, dass sie zustimmen würde.
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