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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
09.05.2021
57
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14.03.2021 4.024
 
„Tony. Tony. TONY.“
Blinzelnd schlug er die Augen auf und sah Pepper neben sich knien, die Haare leicht feucht und nach ihrem Frucht-Schampoo duftend.
„Guten Morgen.“, flötete sie ihm zu.
Er gähnte und versuchte die Müdigkeit abzuschütteln.
Wie konnte sie nur so wach sein?
Sie schien seine Gedanken erraten zu haben, denn sie lachte leicht.
„Ich hab Frühstück bestellt. Dein rettender Kaffee naht.“
Kaffee klang gut. Schlafen klang allerdings besser. Er gähnte und streckte sich leicht.
„Uhrzeit?“, brachte er schließlich mit rauer Morgenstimme heraus.
„8:30 Uhr. In zwei Stunden und dreißig Minuten müssen wir da sein.“
Wäre er nicht so müde, hätte er über die Notwendigkeit diskutiert, zwei Stunden und 30 Minuten vor einem Event aufzustehen. Eine Stunde hätte ihm locker gereicht.

Das Frühstück verlief relativ entspannt, auch wenn er Pepper die Aufregung ansehen konnte. Während er sich duschte und rasierte, zog sie sich im Nebenzimmer um (schätzte er) und als er schließlich mit absichtlich verhunzten Anzug (um der guten alten Zeiten Willen) aus dem Bad kam, haute ihn ihre Erscheinung wieder einmal um.
Schwarze flache Schuhe, eine weiße Strumpfhose gegen die Kälte und ein rotes langärmliges Kleid. Die Haare kompliziert zurückgeflochten (sie musste den Spiegel in Flur zur Hilfe genommen haben) und so dezentes Make-Up, dass ihre Sommersprossen zu sehen waren.
Es war immer wieder erstaunlich, wie umwerfend sie selbst in etwas schlichteren Outfits aussah.

Mit einem feinen Lächeln trat sie näher und machte sich wortlos daran, seinen Anzug zurecht zu ziehen.
Sie schien einen Moment unsicher, ob sie das, was sie anscheinend im Sinn hatte, wirklich sagen sollte, dann holte sie tief Luft.
„Ich will nicht über-nervös klingen, aber…“
„Allein dieser Satzanfang lässt dich über-nervös klingen.“, unterbrach er sie grinsend.
„Hast du wenigstens die Hälfte von dem, was ich dir gesagt habe im Kopf?“
Ah, darum ging es also.
„Alles wird gut, Pep. Ich verspreche, ich werde nur den Teil deiner Verwandtschaft demütigen, den du nicht leiden kannst und vielleicht deinen Bruder… nur ein Spaß. Nur ein Spaß. Ich werde deinen Bruder natürlich nicht demütigen.“
Sie blickte ihn scharf an.
„Es wird niemand gedemütigt, es werden keine doppeldeutigen Bemerkungen in Gegenwart meiner Großmutter gemacht und weder Captain America, noch die Army werden in irgendeiner Weise diskreditiert, oder ich schleppe dich zu ausnahmslos jedem Meeting dieses Jahr.“
Er schluckte.
„Klingt fair.“

Diese ganze Veranstaltung war bis jetzt sooo verwirrend.
Es fing an mit den Namen.
Pepper hatte ihn vorher durch große Teile der Gästeliste geschleppt, aber so viele Gäste hatte er nicht erwartet.
Dazu kam, dass jeder der Gäste zusätzlich zu seinem eigenen Namen, noch mindestens ein Dutzend Spitznamen hatte.
Da waren Peppers Brüder, die wahlweise Benjamin, Benji und Ben, bzw. Steven, Stevie und Steve genannt wurden.
Das mag noch nicht sehr verwirrend klingen, aber natürlich gab es immense Steigerungen.

Peppers Nichten hießen Vanessa und… ähm… Dings… Marina, wurden aber wahlweise Nessi, Nessa, Vanni, bzw. Rina, Rinchen und Ina gerufen, oder mit diversen Kosenamen belegt. Pep selbst setzte dem die Krone auf, in dem sie ihre Nichten ‚Sunny' und ‚Dopey' rief (keine Ahnung, zu wem welcher Spitzname gehörte).
Und das waren jetzt schon 16 unterschiedliche Namen, für lediglich vier verschiedene Personen.

Pepper selbst toppte das natürlich.
Auf der ganzen Party gab es zwei Personen, die sie tatsächlich ‚Virginia‘ nannten und das waren ihre Mitter und ihre Großmutter.
Ansonsten rief man sie mit ‚Ginny' und ‚Ginia' (da war auch eine Person gewesen, die sie ‚Gin' genannt hatte, bis Pepper sie ziemlich kalt gefragt hatte, wer sie überhaupt sei und dass sie wohl noch beim Nachnamen wären (nein, sie war immer noch nicht angetan von ihren Spitznamen)).
Er selbst bleib natürlich bei ‚Pepper' und ‚Pep' und dann war da noch ihr schräger Onkel  gewesen…

Sie hatten gerade lose mit Benjamin geredet, die übliche Vorstellung hinter sich gebracht und Pep hatte ihren Bruder ausgefragt.
Benjamin war der Zweite in der Familie, der ihn direkt ‚Tony' nannte und hatte ihm im Gegenzug angeboten ihn ‚Benji' zu nennen.
Der Offizier sah seinem Bruder wirklich unglaublich ähnlich, mit der Ausnahme, dass er geradezu lächerlich trainiert war, allerdings schienen sie sich im Wesen zu unterscheiden.
Auch Benjamin Potts teilte die familieneigene ungesunde Bewunderung für Steve Rogers  (Tony machte drei Kreuze, dass Pepper dieser Tradition entkommen war), aber sonst schien er mehr nach seiner Mutter zu kommen.
Alles in allem kam man mit ihm aus.
Tony nippte bereits an seinem zweiten Glas Champagner, als plötzlich eine raue, laute Stimme durch den Raum schallte.

„CAT?“

Er hatte sich für eine Sekunde ernsthaft mit der Frage beschäftigt, wer es geschafft hatte, sich bereits so sehr zu betrinken, dass er das Wort ‚Katze' durch den ganzen Saal brüllen musste, als Pepper herum fuhr und sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. Als auch er sich umdrehte, erkannte er sofort, zu wem die Stimme gehören musste, denn jeder im Raum starrte ihn an.
Der Mann war locker zwei Meter groß und gebaut wie ein Kleiderschrank. Tony schätze ihn auf Anfang 60.

Das bemerkenswerteste an ihm waren nicht die Schulterlangen Haare, die bis auf ein paar rote Strähnen längst grau-weiß waren und in die tatsächlich jemand bunte Perlen eingeflochten hatte oder der struppige Vollbart, nein, das bemerkenswerteste war die Auswahl der Kleidung.
Es war tiefster Winter und dieser Mann sah aus, als käme er direkt vom Strand. Tatsächlich war er gekleidet, wie einer dieser Hipster-Surfer und er trug Flip-Flops. FLIP-FLOPS!
„Onkel Morgan. Hi!“, rief Pepper mit einem Grinsen zurück und begann auf den Mann zuzugehen.

Das war also ihr exzentrischer Onkel…

Naja, wer diesen Mann als Patenonkel hatte, den konnte dann wohl tatsächlich nichts mehr überraschen. Jahrelang hatte er sich gefragt, wie Pepper immer zu unbeeindruckt dreinblicken konnte, bei seinen zahlreichen Eskapaden…

Er musste auch Grinsen. Diese Hochzeit könnte doch noch ganz lustig werden…

„ACH, CAT. MEINE ERBIN! MEINE ERSTGEBORENE! ES ERFEEUT MICH WAHRLICH DICH ZU SEHEN!“, grölte der Mann zurück, überwand die letzten Meter bis zu seiner Nichte und zog sie in eine knochenbrechende Umarmung.

Seine Erstgeborene?
Benji musste seinen fragenden Blick bemerkt haben, denn er beugte sich zu ihm herüber.
„Das sagt er immer um unseren Vater zu verärgern. Dad hasst es, wenn er es sagt und wenn man es genau nimmt, hasst Stevie es auch. Außerdem liebt Onkel Morgan nichts mehr als Leute zu schocken.“
Wenn Tony seinen Ton richtig einschätzte, dann mochte es Benji auch nicht, aber er hütete seine Zunge.
„Und er nennt sie Erbin, weil sie die einzige von uns ist, die sein und Dad's Haar hat und weil er davon überzeugt ist, dass sie ihm ähnlicher ist, als irgendwer sonst in diesem Raum.“, jetzt klang Benji nicht nur grimmig, sondern auch ungläubig.
„Wie auch immer, ich suche mal den Bräutigam. Viel Spaß mit meinem Onkel.“
Mit diesen Worten drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand in der noch immer gaffenden Menge.

Tony’s Blick wanderte zurück zu Pepper, die ihrem Onkel irgendwas erzählte und auf ihn zu geschlendert kam.
Pepper schien sich kurz zu wundern, wo ihr Bruder hin war, dann setzte sie zu einer weiteren unnötigen Vorstellung an, die ihr Onkel sofort unterbrach.
„Cat, wir wissen beide wer der andere ist.“, er grinste ihm zu, „Wie geht’s denn so, Bilbo Beutlin?“
Tony zog kurz die Nase kraus.
„Nicht schlecht und selbst… Hagrid?“
Der bärenhafte Mann verfiel in ein dröhnendes Lachen, während Pepper die Augen verdrehte.
„Der gefällt mir. Scheint kein Speichellecker zu sein, so wie der letzte.“
„Du hattest gar nicht erwähnt, dass dein Onkel nicht nur meine Leidenschaft für Spitznamen teilt, sondern auch, ebenso wie ich, ein echter Charmebolzen ist, Pep. Wir hätten beste Freunde werden können.“, rief er gespielt trauernd aus und legte dem Älteren kumpelhaft einen Arm um die Schulter, was Morgan erneut auflachen ließ.
Pepper ignorierte sie einfach.
„Wo ist Benji hin, Tony?“
Er musste nicht antworten, denn der andere schlug ihr mit der Hand auf die Schulter und lachte wieder.
„Dein Bruder ist geflohen, um einer Konversation mit mir zu entgehen und um die Kopie meines Bruders zu finden, damit sie zusammen gespielt entsetzt aussehen können, obwohl sie genau wussten, was sie erwartet.“, der Ton des Mannes war erstaunlich diebisch geworden.
„Und das ist auch gut so, denn er hat seinen Champagner dagelassen".
Mit diesen Worten wurde das halbvolle Glas geext und mit viel Schwung zurück auf den Tisch gestellt.
Tony nickte nur zu Bestätigung der Geschichte.
„Wie dem auch sei, ich muss deinen Vater suchen, Cat. Ich habe vor, ihn vor der Messe noch mindestens zwei Mal vor den Eltern der Braut zu blamieren.“, Morgan Potts sagte das in einem erstaunlich geschäftsmäßigen Ton.
Er sah deutlich, wie Pepper versuchte ein Grinsen zu unterdrücken.
„Wird es jemals ein Familientreffen geben, an dem du ihn verschonst?“
„Eher nicht.“, er wandte sich zum gehen.
„Ach eins noch, Bilbo. Deine Aura ist ganz grün. Vermutlich wirst du in den nächsten Wochen sterben.“
Er lachte noch mal dröhnend und ließ einen ausnahmsweise sprachlosen Tony Stark und eine sehr amüsierte Pepper Potts zurück.
Er brauchte ein paar Sekunden, bevor er wieder etwas sagte.
„Dein Onkel hatte Recht, Pep. Du bist seine Erbin. Es ist tatsächlich noch jemandem gelungen, mich sprachlos zu machen.“

Er hatte eine ungefähre Vorstellung von Hochzeiten. Er kannte die Adjektive die damit assoziiert wurden. Wunderschön, glücklich, verliebt usw..
Doch Himmel, wer hatte in dieser Aufzählung ‚einschläfernd‘ vergessen?

Gut, er wollte fair sein.
Die eigentliche Feier war bisher ok, aber die Messe? Kaum zu glauben, dass sich das die meisten Leute hier gerne antaten.
Sie hatten Logen-Plätze bekommen, doch er beneidete Happy, der irgendwo in der letzten Reihe saß und wahrscheinlich grimmig die Ein- und Ausgänge im Auge behielt.
Er wusste, dass Pepper (sehr zum Missfallen ihrer Familie) nicht an irgendwelche Götter glaubte und dass das den Gott der Christen definitiv miteinschloss.
Sie sang die Lieder mehr aus Pflichtbewusstsein mit und ließ die Gebete ganz aus (ein paar ältere Damen, die wahrscheinlich Tanten oder so etwas waren, warfen ihr deshalb missbilligende Blicke zu), aber sie schien die Zeremonie selbst zu genießen.
Wenn man der Wahrheit ins Auge blicken wollte, war sie sogar ziemlich berührt und überglücklich für ihren Bruder. Sachen gibt’s.


Pepper Potts konnte nicht aufhören zu lächeln.
Die Zeremonie war vorüber und sie hatte als eine der ersten die Möglichkeit gehabt, dem Brautpaar zu gratulieren.
Das sanfte und stolze Lächeln ihres Bruders, neben dem breiten Grinsen und der funkelnde Augen von Sue, war einfach wunderbar gewesen.
Sie war überglücklich für die beiden, die zwei so wundervolle Töchter hatten und sich so klasse ergänzte. Sie waren wahrlich ein schönes Paar.

Sie hatte beide umarmt und nur vage mitbekommen, wie Tony Susan grinsend die Hand geschüttelt hatte, mit den Worten:
„Glückwunsch… Sie haben es geschafft Tony Stark auf ihre Party zu bekommen.“
Bevor sie irgendwas dazu sagen konnte, hatte ihr Onkel sie aufgehalten, sie ein weiteres Mal umarmt und ihr grinsend ins Ohr geflüstert, dass Tony wirklich erheiternd wäre und dass sie ihn ihm zu liebe bitte nicht zu Schnecke machen sollte.
Also hatte sie kopfschüttelnd so getan, als hätte sie es nicht gehört und sich kurz mit Benji unterhalten, der der Trauzeuge seines Bruders gewesen war.

Die Halle war wirklich schön dekoriert, in hellgrün und weiß gehalten, den Farben des Tages. Die beiden Trauzeugen hielten ihre Reden, das Brautpaar hielt seine Rede und schließlich hielt auch Vanessa eine kurze Rede, hauptsächlich weil die fünf-Jährige es wohl lustig fand ins Mikrofon zu sprechen.
Das Essen war vorzüglich, sie genoss die Gelegenheit Zeit mit ihren Brüder, ihren Nichten und ihren Eltern zu verbringen und sie liebte die Momente, die sie nur mit Tony verbrachte.

Natürlich zogen sie mehr Aufmerksamkeit auf sich, als es ihr Recht gewesen wäre und nachdem der erste Junge (einer der Söhne vom Bruder von Sue) den Damm brach und Tony nach einem Autogramm fragte, wurden sie immer wieder von ähnlichen Wünschen unterbrochen, aber es gab Schlimmeres.

Als sie sich schließlich zu Tisch begaben, musste sie feststellen, dass ihr direktes Gegenüber ihre Großmutter war und ihr schwante übles.

Sarah Peabody hielt sich selbst für eine fortschrittliche Dame. Da sowohl sie, als auch Pepper’s Mutter, ihre Kinder früh bekommen hatten, war sie noch erstaunlich gut zu Fuß und funktionierte noch hervorragend als Kontroll-Instanz…
Das Konzept ‚kein Sex vor der Ehe' fand sie definitiv veraltet. Sie präferierte die moderne Version davon: ‚kein Sex vor der Verlobung‘. Wäre Steven Potts nicht in allen sonstigen Kategorien ein perfekter Enkel, hätte sie ihm seine Töchter wohl nicht so schnell verziehen…

Pepper wusste nicht genau, ob sie glaubte, dass Benji und sie sich tatsächlich an diese Vorgabe hielten, aber sie hielt es definitiv nicht für ratsam, die Illusion ihrer Großmutter von sich aus zu unterbrechen.
Sie musste wohl nicht zweimal erwähnen, dass Tony diesem Plan potenziell nur zu gut im Weg stehen könnte. Sie war schon erleichtert gewesen, dass ihre Großmutter keine Ahnung gehabt hatte, wer Tony war (unnötig festzustellen, dass sein Lebensstil der alten Dame nicht im Ansatz gefallen hätte).


Tony Stark kam zu der Einsicht, dass er mit Pepper wahrscheinlich sogar 7-stündige-Ballettaufführungen besuchen könnte, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, dass ihm langweilig werden könnte.

Mit ihrer Familie um sich herum, voller Freude für ihren Bruder und in ihrer Heimat, blühte sie förmlich auf.
Sie war gelöst und glücklich und er liebte es sie so zu sehen. Sie stellte jeden der Anwesenden in diesem Raum völlig mühelos in ihren Schatten, während sie gleichzeitig ehrlich versuchte jede Art von Aufmerksamkeit die sie bekam wieder von sich zu lenken.
Es war bereits später Nachmittag und sie erzählte gerade eine Anekdote aus ihrer Kindheit, als plötzlich ein dunkelblondes Mädchen neben ihr auftauchte, neben ihr auf die Bank kletterte und fragte, ob Pepper mit ihr malen würde.
Er kniff kurz die Augen zusammen und versuchte sich verzweifelt daran zu erinnern, wie das Kind hieß, als Pepper sie mit ‚Dopey‘ ansprach.
Eine ihrer Nichten also…
Pep warf ihm einen entschuldigenden Blick zu und begann dann eine lockere Unterhaltung mit dem kleinen Mädchen.

Er hatte sie eine ganze Weile unauffällig beobachtet und war ziemlich beeindruckt, wie gut sie mit dem Kind umging (zumindest schätzte er, dass sie gut mit dem Mädchen umging, letztendlich hatte er keine Ahnung von Kindern), als hinter ihm ein Stimme ertönte.

„Sie ist wirklich lieblich, wenn sie mit ihren Nichten zusammen ist, nicht wahr?“
Ein wenig verwirrt drehte er sich um, nur um sich einer älteren Frau gegenüber zu sehen, die sich ihm vor ein paar Stunden mit ‚Mrs. Peabody‘ vorgestellt hatte und die anscheinend Peppers altmodische Großmutter war.
Er brummte zustimmend.
„Planen Sie zusammen Kinder zu haben?“
Fast augenblicklich verschluckte er wich an seinem Champagner. Kinder? Er? Unvorstellbar. Er brauchte eine Weile bis er sich gefangen hatte.
Die Frau ihm gegenüber schien seinen Hustenanfall jedoch missverstanden zu haben.
Sie ließ ein kleines Lachen ertönen.
„Sie haben natürlich Recht. Wie dumm von mir zu fragen, sie sind ja nicht mal miteinander verheiratet. Geschweige denn verlobt.“
Sie blickte ein wenig missbilligend auf das Mädchen neben Pepper.
„Nicht das das ihren Bruder aufgehalten hätte, aber sie scheinen mir ein sehr ehrbarer Mann zu sein.“
Vor seinem geistigen Auge sah er Pepper vor sich, die in diesen Moment wohl Schwierigkeiten gehabt hätte, ein Grinsen zu unterdrücken.
Er nickte vage.
„Planen Sie ihr bald einen Antrag zu machen?“, fuhr die Frau in einem lockeren Plauderton fort, als wäre es das Normalste der Welt, dies mit einem Mann zu diskutieren, den sie kaum drei Stunden kannte.
Er musste an den Ring denken, der just in diesem Moment in Happy’s Tasche war, nur ein paar Tische von hier entfernt.
Er räusperte sich.
„Wir- wir sind erst seit acht Monaten zusammen...“
Mrs. Peabody lächelte geziert und tätschelte tatsächlich seine Hand.
„Oh, mein Mann hat mir nach zwei Monaten einen Antrag gemacht. Nach acht waren wir längst verheiratet und ich war schwanger mit meinem ersten Kind. Ich versichere Ihnen, acht Monate reichen.“
Er schluckte den Kommentar herunter, dass sie sich nicht mehr in der Steinzeit befanden und heutzutage die Dinge einen Tick anders liefen und nickte vage mit dem Kopf.
Die ältere Dame musterte ihn kurz, dann verdunkelte sich ihr Gesichtsausdruck.
„Ich verstehe. Sie denken unsere Virginia würde keine gute Ehefrau abgeben... Das liegt alles an ihrem Patenonkel. Ich konnte erfolgreich verhindern, dass dieser Mann Pate von Steven und Benjamin wurde, aber leider sind meinem trotteligen Schwiegersohn bei seinem dritten Kind keine guten Entschuldigungen mehr eingefallen. Jetzt ist das arme Kind Gottlos und so schrecklich sarkastisch und solch reizende Männer wie sie, wollen sie nicht heiraten.“
Er blickte sein Gegenüber ungläubig an.
Seiner Meinung nach, hatten in den Jahren ihrer Anstellung bei ihm eindeutig zu viele ‚reizende‘ Männer Interesse an ihr gehabt.
„Nein. Nein. Das ist es nicht. Ich denke, sie würde eine hervorragende Ehefrau abgeben-"
Es war als hätte man eine Lampe angeknipst, so schnell hellte sich ihr Gesicht auf.
„Das ist ja wunderbar. Also wollen Sie sie doch heiraten. Ich hoffe sie beeilen sich, ich würde die Hochzeit meiner Enkelin zu gerne noch erleben.“
Tony hatte das vage Gefühl, dass diese Frau sie wahrscheinlich alle überlebte.
„Sie würden wunderbar in so einem schwarzen Anzug aussehen. Ich sage ihnen, scheuen sie keine Kosten und Mühen. Lassen sie den Anzug anfertigen und Sie müssen unbedingt silberne Elemente einbauen, damit sie zu Virginia passen.“
Er fragte sich vage, ob die Frau Peppers Hochzeit-Outfit schon im Schrank liegen hatte und die Frau schien seine Gedanken zu lesen.
„Oh, Wertester, sie wird silberne Akzente auf ihrem Kleid haben. Ich werde nicht ruhen, bevor ich das sichergestellt habe. Allein der Gedanke, dass sie beige tragen könnte… oder lachsfarben…?“, sie fasste sich an die Stirn und seufzte.
„Nein. Keine Angst. Ich werde verhindern, dass dies geschieht.“
Sie schien ihn beruhigend anzulächeln, als wäre auch seine größte Sorge, dass Pepper beige tragen könnte, zu ihrer Hochzeit.
Seine größte Sorge war, niemals gut genug für sie zu sein. Sie könnte im Kartoffelsack kommen und wäre immer noch die schönste Frau weit und breit…

Das Erscheinen von Morgan Potts erlöste ihn von weiterem Smalltalk, denn er quetschte sich mit auf die Bank, verstrubbelte Peppers Nichte die Haare und tat so, als würde er den missbilligenden Blick von Sarah Peabody nicht bemerken.
„Was eine lahme Veranstaltung, nicht wahr? Aber immerhin waren sie Sitzbänke in der Kirche gepolstert, so konnte ich noch ne Runde pennen.“
Die ältere Dame sah kurz so aus, als würde sie einen Herzanfall bekommen, schnaubte dann und verschwand mit einem äußerst empörten Blick, ohne ein weiteres Wort.

Beide Männer schauten ihr eine Sekunde nach, dann trafen sich ihre Blick wieder.
„Ich denke, du schuldest mir Dank, Stark.“
„Dank? Wofür? Ich war gerade dabei, das Gespräch mit Mrs. Peabody so richtig zu genießen.“, er hielt sein Gesicht ausdruckslos bei diesen Worten und der Mann verfiel wieder in sein charakteristisches dröhnendes Lachen, was dafür sorgte, dass auch Pepper wieder etwas von ihrer Umgebung mitbekam und verwirrt aufschaute.
„Oh, hey Onkel.“, sie blickte kurz den Tisch entlang, „Ist Granny geflohen?“
„Du weißt ja, was für einen Effekt ich auf die meisten Mitglieder hier habe, Cat.“
Pepper schmunzelte leicht und nickte.
Ihr Onkel stand bereits wieder auf.
„Ich bin dann wieder weg. Ich muss noch ein bisschen mehr vom Buffet klauen, als dass ich mich die nächste Woche davon ernähren könnte…“
Die Verwirrung zeigte sich jetzt ganz deutlich auf ihrem Gesicht und ihr Onkel zwinkerte ihn zu.
„Oh, ich war nur kurz hier, um den Gentlemen neben dir von einem Gespräch zu befreien, dass er nicht führen wollte, Cat.“
Damit verschwand er wieder und Pep hätte nicht schneller zu ihn herumfahren können, die Neugierde war ihr auf die Stirn geschrieben.
„Welches Gespräch?“
„Warum nennt er dich ‚Cat'?“, fragte er im selben Moment.
Sie lächelte leicht.
„Es gibt tatsächlich eine Pop Kultur Referenz, die der großartige Tony Stark nicht versteht? Ich bin mir sicher, du kommst noch drauf.“
Er würde definitiv JARVIS danach befragen. Da sie allerdings seine Frage nicht beantwortet hatte, hatte er auch eine Entschuldigung ihre nicht zu beantworten.

Sie hatte erst mit ihrem Vater getanzt, dann mit dem Bräutigam, dann mit Benji und schließlich mit dem Bruder der Braut, dessen Name er vergessen hatte und der, als nicht Blutsverwandter, der einzige war, bei dem es Tony wirklich gestört hatte.

Tatsächlich hatte er gesehen, dass er Pepper gerade zu einer zweiten Runde auffordern wollte, als er beschlossen hatte zu handeln.
Er hatte sich leicht rustikal zu ihr hingearbeitet, den anderen Mann einfach aus dem Weg geschoben, immerhin war sie seine Freundin, sein Recht mit ihr zu tanzen, war wohl höher und sie um einen Tanz gebeten.

Der Andere hatte ein paar Sekunden Krawall geschoben, bis Tony die Augenbrauen gehoben hatte und den Mann trocken vor die Wahl stellte, zu gehen oder Happy gegenüber zu treten, der ihn wahrscheinlich als erstes vor allen Gästen umgetackelt hätte. Der Abgang war schnell und leise erfolgt.

„Du hast Glück, dass dieser Mann wirklich kein angenehmer Zeitgenosse ist und ich mich auf einen Tanz mit dir schon den ganzen Tag gefreut habe.“, riss Pepper ihn aus den Gedanken, als sie beide Tanzhaltung einnahmen und begannen, sich zur Musik zu bewegen.
Er grinste schief und dachte bei sich, dass er wohl wirklich Glück hatte.
„Ich fand es nicht ganz gerecht, noch länger auf einen Tanz mit der schönsten Frau des Abends zu warten.“
Ihr Wangen wurden einen Tick rötlicher und sie fand zu ihren breiten Lächeln zurück.
„Das Beste kommt zum Schluss.“
„Du meinst wohl ‚der Beste'.“, gab er neckend zurück.
Sie zögerte einen Moment und ihr Lächeln, wurde ein wenig sanfter.
„Ja… das auch.“
Sie meinte es völlig ernst und ihm bleib fast der Atem weg, als sie ihn so ansah. Sie sah ihn an, als sähe sie einen Menschen in ihm, der so viel besser war als er und als würde sie gleichzeitig glauben, dieser Mensch wäre tatsächlich er.
Er zog sie automatisch näher an sich heran, unfähig irgendwas zu sagen, solange sie ihn auf diese Weise ansah.

„Ich… liebe dich.“, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, als sie das sagte.
Oh Gott. Meinte sie das ernst? Wie konnte sie das ernst meinen? Wie konnte sie ihn lieben? Wie konnte das Wirklichkeit sein? Er widerstand der Versuchung, sich zu zwicken und konnte nicht anders als sie anzustarren.

Er begriff nicht, wie er diese Frau, die an ihm lehnte, in diesem roten Kleid, für sich hatte gewinnen können.
Er wusste genau, dass er sie liebte. Wie könnte er nicht?
Aber sie liebte ihn auch…

Er bemerkte erst, dass er stocksteif stehen geblieben war, als sie sich vorlehnte und ihn leicht auf die Wange küsste. Ihr Lippen berührten kaum seine Haut und doch lief ihn ein angenehmer Schauer über den Rücken.
Fast mechanisch begann er sich wieder zu bewegen, während seine Gedanken noch immer rasten.
Er war nicht geübt darin, seine Gefühle in Wort zu packen. Vor ihrer Beziehung, hatte er das das letzte Mal mit zehn oder zwölf Jahren gemacht.
Pepper schien sein Gesicht zu studieren und was sie auch fand, es schien sie dazu zu bringen, zu lächeln und sich noch ein wenig mehr an ihn zu lehnen.
„Alles gut, Tony. Wenn es sein muss, warte ich Jahre auf deine Antwort darauf. Ich- ich musste es dir nur einfach sagen…“

Er verfluchte sich selber. Er kannte die Antwort auf diese Aussage. Er würde sie wohl verdammt nochmal in Worte fassen können.
Er räusperte sich.
„Du musst keine Jahre warten, Pep. Ich liebe dich auch. Wie könnte ich nicht?“
Ihre Augen trafen wieder sein und er konnte ihre pure Freude problemlos darin lesen.
Sie setzte an etwas zu sagen, doch was immer es war, sie würden es nicht erfahren, denn er schloss ihre Lippen mit einem Kuss und versuchte alles ungesagte, durch ihn zu sagen.

Es war der perfekteste Moment in seinem Leben.

Ihr Kuss schmeckte nach der vertrauten Note an Pfefferminz und sein Kuss schmeckte wahrscheinlich nach der vertrauten Note an Kokosnuss und Metall und dennoch war es anders, als die unzähligen Male zuvor, an denen sie sich geküsst hatten.
Er wusste, dass sie ihn liebte und sie wusste, dass er sie liebte.

Alles war gut.
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