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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
02.03.2021
40
66.933
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
29.08.2020 1.060
 
Sie stand noch eine Weile wie angewurzelt auf der Stelle und gab sich dann einen Ruck und schloss die Tür. Zwei Tage. Fieberhaft überlegte sie was sie noch tun könnte, befragte JARVIS und wog Ideen gegeneinander ab. Ein fast seltsamer Tatendrang hatte von ihr Besitz ergriffen, der einherging mit einer inneren Ruhe, die sie seit exakt 3 Monaten nicht mehr verspürt hatte. Mit der festen Deadline im Kopf hatte sie nun endlich ein so konkretes Ziel, dass sie an nichts mehr anderes denken konnte, aber vielleicht hatte sie auch einfach keine Tränen mehr übrig.

Ein paar Stunden später lag sie mit dem Gesicht zur Decke auf dem Sofa, ihre Schuhe ordentlich neben sich und starrte ins Leere. Der Tatendrang war erlahmt, jetzt kämpfte sie gegen die Resignation. Ihr viel nichts mehr ein, was sie nicht schon versucht oder verworfen hatte. Rein gar nichts. Wieder musste sie sich ermahnen, nicht aufzugeben. Es musste einfach ein Möglichkeit geben! Frustriert fuhr sie sich mit den Händen übers Gesicht und rieb sich die Augen. Sie verstand diese ganze Entführung an sich nicht. Kein Lösegeld. Keine Suche der Öffentlichkeit. Was wollten diese Leute sonst? Rache? Möglich, aber im Normalfall wurde diese Rache groß inszeniert. Normalerweise sollte immer alle Welt wissen, dass man sich gerächt hatte.
Ihr ging das alte Sprichwort durch den Kopf „Kenne deinen Feind“, sie kannte ihn nicht. Wie sollte sie einen Zug machen, wenn sie vom Zug des Gegners nichts wusste? Es war zum Haare raufen.

Sie schreckte vom schrillen Klingelton ihres Handys auf. Wo hatte sie es hingelegt? Ach dort, ans andere Ende dieses Monster-Sofas. Sie streckte sich, bekam es zu fassen und starrte auf die Nummer. Was wollte Rhodey von ihr? Es war eindeutig zu früh für seinen Anruf. Sofort bekam sie ein flaues Gefühl im Magen, drückte aber entschlossen auf den grünen Hörer.
Sie hörte im Hintergrund aufgeregte Stimmen und Fluglärm.
„Was ist passiert? Gibt es etwas neues?“, in ihrer Stimme schwang Panik mit.
„Kaum ist man drei Monate weg, schon bekommt man von seinen Angestellten nicht mal ne richtige Begrüßung. Ich fass es nicht… Ihnen auch einen schönen guten Tag, Miss Potts."

Ruckartig setzte sie sich auf und das Handy fiel ihr fast aus der Hand. Die Stimme am anderen Ende der Leitung würde sie unter tausenden erkennen. Sie klang zwar abgekämpft, aber das breite Grinsen konnte sie trotzdem heraus hören. Träumte sie? Mehrmals klappte sie den Mund auf und zu, brachte aber kein Wort heraus. Er lebte. Er war bei Rhodey und es schien ihm gut zu gehen. Sie konnte es nicht glauben. Drei Monate lang hatte sie auf diesen Moment gewartet. Freudentränen traten in ihren Augen und sie fing an breit zu lächeln. Sie zwickte sich. Nein, das war kein Traum. Das war die wunder-wunderschöne Realität! Mit einem Mal erschien ihr der Tag ein wenig heller.
„Das ich das nochmal erlebe. Ich habe Sie sprachlos gemacht. Erinnern Sie mich daran, dass ich das auf meine Visitenkarte schreibe.“
Noch nie war sie froher gewesen, seinen Spott zu hören. Sie stieß einen Art Lach-Schluchzer aus und räusperte sich kurz.
„Mr. Stark? Ich… ähm… ihnen auch einen schönen guten Tag, Sir", ihr Gehirn hatte sich in Pudding verwandelt.
Jetzt lachte er heiser.
„Sie können ja doch reden. Welch Freudentag!“, er klang so, als würde er sich wirklich freuen ihre Stimme zu hören, was ein warmes Gefühl bei ihr hinterließ.


„Wie geht es ihnen? Sind sie verletzt? Und wie - wie", sie geriet ins Stottern, „wie haben Sie das geschafft? Ich meine…“
Pepper konnte keinen einzigen klaren Gedanken fassen. Himmel, sie benahm sich wie ein Trottel. Sie ärgerte sich über sich selbst.
„Nun, ähm, das ist wohl eine längere Geschichte. Sie bekommen meine glorreiche Flucht, wenn ich zurück bin in allen Einzelheiten zu hören. Bis dahin, mir geht’s gut, obwohl mein körperliches Wohlbefinden in den Händen dieser Amateure bei der US Army liegt.“, im Hintergrund hörte sie Rhodey leise schnauben und musste unwillkürlich lächeln.
„Klar mein Arm ist ein bisschen angeknackst", Pepper zog scharf die Luft ein. Tony neigte dazu, seine Verletzungen nie so wirklich ernst zu nehmen. Wenn er also freiwillig zu gab, dass sein Arm ein „bisschen angeknackst“ sei, konnte sie sich fast sicher sein, dass selbiger Arm eher fast vor der Amputation stand.
„Ein bisschen angeknackst?“, fragte sie auch sogleich zögernd nach.
„Nichts wildes.“, sie könnte darauf schwören, dass er die Augen verdrehte, „der großherzige Quacksalber hier, hat mir ne Schiene verpasst. Alles ist in bester Ordnung!“
„Wann kommen Sie zurück, Tony?“
Sie hörte wie er sich kurz mit Rhodey besprach, dann sprach er sie wieder direkt an.
„Hm, bis Freitag werden Sie sich wohl gedulden müssen, bis Sie wieder in das Vergnügen meiner leibhaftigen Anwesenheit kommen.“
Das Lächeln, das seit sie seine Stimme gehört hatte, wie festgeleimt in ihrem Gesicht klebte, wurde zu einem breiten Grinsen. Er würde nach Hause kommen. Schlussendlich würde er nach Hause kommen und er würde der ganzen Welt beweisen, dass man Tony Stark nie abschreiben durfte.
„Morgen machen wir noch einen Zwischenstopp in staubiges-Land-langer-Name-den-ich-vergessen-habe und dann bekomme ich eine Expressmaschine zurück nach Amerika über Nacht. Wuhu.“
Peppers Lächeln wurde sanft.
„Ganz ehrlich. Ich freue mich darauf, Sie wiederzusehen. Ich… ich bin froh, dass es Ihnen gut geht!“

Am anderen Ende der Leitung hörte sie lange nichts und als Tony antwortete hatte er den Sarkasmus und den Witz abgelegt, wodurch die Strapazen und Entbehrungen der letzten Monate nun deutlich aus seinen Worten herauszuhören waren. Er klang müde und abgekämpft.
„In der Wüste dachte ich, es wäre aus… ich dachte, ich hätte gegen die Terroristen gewonnen, nur um gegen die Natur zu verlieren. Ich…“, er verstummte kurz, „Danke, das du an mich geglaubt hast, Pep! Ich freue mich auch nach Hause zu kommen.“
Sie konnte nicht ermessen, was er alles erlebt haben musste. Und doch hatte er überlebt. Es war kaum zu glauben.
„Pep? Ich muss Schluss machen. Rhodey nervt wegen irgendwas rum", sein freches Grinsen war zurückgekehrt. Die Worte klangen wieder locker und unbeschwert, „wir sehen uns am Freitag. Ähm und könnten Sie wohl Obi informieren, dass ich doch nicht ins Gras gebissen habe?“
„Ich richte es ihm aus. Einen guten Flug noch, Sir!“
Tony schien das Telefon abzugeben und kurz darauf hörte sie wie aufgelegt wurde. Es herrschte wieder Stille im Stark'chen Anwesen.
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