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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
14.04.2021
50
90.298
8
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24.08.2020 1.360
 
Die nächsten Tage funktionierte sie wie ferngesteuert. Sie gab sich große Mühe alles so zu machen  sonst. Sie arbeitete bis ungefähr neun Uhr, beantwortete E-Mails, machte Besorgungen (die jetzt nur niemand brauchen konnte), griff Obadiah so gut es ging in der Firmenführung unter die Arme, übte Druck auf die Fabriken aus und gab sich in den Medien als besorgte aber zuversichtliche persönliche Assistentin, des bemitleidenswerten, an einer Lungenentzündung leidenden Tony Stark.

Lediglich fünf Minuten am Tag ließ sie diese professionelle Maske fallen, wenn sie allabendlich mit Rhodey telefonierte um nach Neuigkeiten zu fragen. Immer wenn sie die tonlose, gebrochene Stimme von Colonel Rhodes hörte, zerbrach wieder etwas in ihrem Inneren. Oft schwiegen sie nach diesem winzigen Informationsaustausch nur noch, bis schließlich einer von beiden auflegte. Trotz besseren Wissens hoffte Pepper jedes Mal auf eine positivere Antwort, auf einen Hoffnungsschimmer seitens ihres Gesprächspartners. Jedes einzelne Mal holte dieser jedoch aus und zerschmetterte diese Hoffnung ohne Gnade mit sechs einfachen Worten, während er selber dabei unendlich zu leiden schien. Und dennoch waren diese fünf Minuten bald das Wichtigste an ihrem Tag für sie. Einen Moment lang durfte sie es sich erlauben ihre wahren Gefühle zu offenbaren, sich ihrem Schmerz hinzugeben und Rhodey schien das genauso zu sehen, denn schon bald rief er sie an, wenn sie sich verspätete, oder wenn sie schlicht die Zeit vergaß. Dann fragte sie wieder mit leicht hoffender Stimme „Und?“ und er antworte wieder „Nichts. Es tut mir so leid!“. Stille. Irgendwann hörte man dann das Klicken in der Leitung und die harte Realität holte den Offizier und die Assistentin wieder zurück und forderte Stärke von ihnen ein.

Aus Tagen wurden Wochen. Eine Woche. Zwei Wochen. Drei Wochen. Tonys Verschwinden flog auf. Seine Entführung beherrschte die Medien, die Pepper nun komplett mied. Obadiah predigte über sämtliche Kanäle Hoffnung und Vertrauen, wurde intern aber
immer angespannter.

Albträume beherrschten ihre Nächte und die Tage brachten keine Besserung. Sie funktionierte noch und sie zwang sich dazu weiter zu funktionieren. Ihre Freunde und ihre Familie sprachen ihr Mut zu, doch sie erkannte an den heimlichen Blicken hinter ihrem Rücken, dass sie nicht an ein Überleben Tonys glaubten. Sie machte weiter. Sie zwang sich regelrecht dazu, Tony nicht aufzugeben und an ihn zu glauben. Es mochte abergläubig und irrational sein, aber sie glaubte fest daran, dass sie Tony über die Distanz ihren emotionalen Support geben musste und sie redete sich ein, dass er erst verloren war, wenn auch sie ihn aufgegeben hatte. Und so hoffte sie weiter.

Sie zerbrach sich den Kopf darüber wie sie ihm helfen konnte. Nächtelang brütete sie über Ideen und sei es nur um den Albträumen zu entgehen. Immer wieder sah sie Tony in diesen. Gefoltert und gebrochen. Tot im Wüstensand, frisches Blut sickerte aus einer Schussverletzung am Kopf. Er schrei sie an, dass sie nicht genug getan hatte, um ihn zu retten. Und dann wieder gefangen, in feuchten Kellern und stinkenden Löchern. Sie lebte mit der Angst vor neuen Variationen dieser schrecklichen Bilder, aber genauso viel Angst hatte sie vor den Bekannten. Und so saß sie so lange wie möglich wach da und kämpfte gegen den Schlaf an. Sie ließ nichts unversucht um ihrem verschollenen Boss zu helfen. Doch nichts zeigte Erfolg. Sogar in die Kirche war sie gegangen etwas was sie praktisch seit Jahren nicht mehr tat und hatte inbrünstig gebetet. Doch immer wieder endeten ihre Ideen und Hoffnungen mit den Worten „Nichts. Es tut mir so leid".


„Erzählen Sie mir, wie Sie all diese Sprachen gelernt haben.“
Yinsen blickte nur kurz auf, tat seinen Zug und starrte dann ins Leere.
„Ich bin viel gereist. Die Länder auf diesem Fleck der Erde habe ich alle schon gesehen. Immer für mich allein, oder höchstens zu zweit, mit einem Freund. Dann lernte ich meine Frau kennen und wurde sesshaft…“, er sprach nicht weiter. Es war auch nicht nötig. Tony kannte das Ende der Geschichte. Ein Überfall. Brutalität und Gewalt. Er schluckte. Seine Waffen hatten dies getan.

Er machte ebenfalls seinen Zug, mehr mit halben Auge, als ganz konzentriert. Sie waren zum Dame-Spiel übergegangen.
„Guter Zug.“
Das Gespräch verebbte langsam, während beide Zug um Zug taten und ihren Gedanken nachhingen. Er hatte längst den Überblick verloren, wie lange er in dieser Höhle saß. Tage oder Wochen? Vielleicht schon Monate? Er konnte es nicht sagen. Das dämmrige Licht in der Höhle unterschied nicht zwischen Tag und Nacht. Um sie herum herrschte das Chaos, aber ein geordnetes Chaos. Gerade so chaotisch war es, dass ihre Entführer nicht sagen konnte, was sie in dieser improvisierten Werkstatt zusammenbastelten und gerade so ordentlich, dass keiner von ihnen den Überblick verlor.
„Erzählen Sie mir von ihrem Leben in Malibu.“, jetzt blickte ihn Yinsen ganz an.
So überbrückten sie ihre Zeit, in Erinnerung schwelgend, selten redend über das hier und jetzt, den anderen immer entführend an einen anderen Ort.
„Malibu ist wunderbar. Meine Villa steht direkt an den Klippen. Das ganze Jahr über herrschen angenehme Temperaturen. Riesige Sandstrände und dann das Meer. Und meine Werkstatt müssten Sie sehen!“, jetzt nahm Tonys Tonfall etwas schwärmerisches an, „eine ganze Etage gewidmet einem fantasievollen Geist. Wenn wir hier weg sind, dann lade ich sie dorthin ein. Sie werden erblassen vor Neid.“
Ein seltsamer Enthusiasmus ergriff Tony bei seinen Worten.
„Jep. Genau so machen wir es. Wir kommen raus, finden ihre Familie und dann kommen Sie mich besuchen. Wir werden am Strand liegen, Wein trinken, schwimmen und es uns so richtig gut gehen lassen.“
Yinsen lächelte etwas verhaltender, nickte aber zustimmend.
„Ein schöner Gedanke. Ein wirklich schöner Gedanke"
„Ein Gedanke der Realität werden wird! Ich verspreche Ihnen, das Erste was ich machen werde, wenn ich zu Hause bin, ist Pepper zu sagen, dass sie eure Reise planen und Flugtickets besorgen muss. Sie ist spitze in so was und wenn ich es machen würde, würden Sie wahrscheinlich in Alaska landen.“
„Wer ist Pepper?“
Tony sah ihn groß an. Dann lächelte er leicht und seine Augen nahmen einen verträumten Glanz an.
„Ich habe Ihnen noch nicht von ihr erzählt? Sie ist wunderbar. Sie wären begeistert von ihr. Pep ist meine Assistentin. Ich wäre ehrlich komplett aufgeschmissen ohne sie. Pepper ist schlau und schlagfertig, sie ist organisiert wie keine Zweite und steht mir schon seit Jahren zur Seite“, Tony schien nach den richtigen Worten zu suchen und zögerte kurz, „Sie… sie macht sich jetzt wahrscheinlich auch wieder tierische Sorgen, das tut sie immer. Ich… ich hab sie eigentlich nicht verdient!“, seine Stimme klang jetzt zerknirscht, „Ich habe es ihr all die Jahre nicht leicht gemacht, aber sie hält trotzdem zu mir. Ich kanns nur wiederholen. Sie ist echt wunderbar!“
„Ich dachte, Sie hätten niemanden, zu dem Sie zurück kommen könnten?“
Tony seufzte gequält auf.
„Pepper ist nicht…ich meine wir sind nicht...wir sind kein Paar. Sie ist einfach nur eine Freundin.“
„Ein Zustand der Ihnen nicht gefällt?“, Yinsen hatte sich aufgesetzt und sah ihn jetzt unverwandt an.
„Ich weiß es nicht.“, Tony korrigierte sich, „Nein, er gefällt mir nicht… aber das ist ok! Pep ist viel zu schlau um eine Beziehung mit mir anzufangen.“
„Geht es Ihnen nicht gut? Seit wann stapelt Tony Stark tief? Wenn diese Pepper nicht erkennt, dass Sie so viel mehr sind, als was Sie bisher gezeigt haben, dann ist sie nicht so schlau, wie Sie denken!“
Seine Worte wärmten Tony das Herz. Er blickte Yinsen an und fing aufrichtig an zu lächeln, als er erkannte, dass sein Gesprächspartner seine Worte ernst meinte.
„Danke… es ist bei Pep einfach nicht so wie bei anderen. Sie würden sich gut mit ihr verstehen, glaube ich. Sie versuchen beide, mich auf die richtige Spur zu bringen.“
Yinsen lächelte leicht und nahm einen Schluck Wasser.
„Tony. Wenn wir hier raus kommen, dann habe ich eine Bitte an Sie.“
Tony setzte sich nun auch auf und blickte den Älteren fragend an.
„Nutzen Sie ihre zweite Chance. Vor ihnen liegt eine großartige Zukunft, verschwenden Sie sie nicht. Ich glaube, dass Sie und Pepper, die wahrscheinlich, wenn ich raten müsste, einer der Gründe dafür ist, dass Sie sich aufgerafft haben und kämpfen, eine gemeinsame Zukunft haben “
Tony blickten ihn ernst an.
„Sie ist DER Grund, warum ich mich aufgerafft habe!“
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