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12% eines Genies - Pepper Potts

von Hirnwanze
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hogan Happy James "Rhodey" Rhodes Jarvis Natalie Romanoff / Black Widow Tony Stark / Iron Man Virginia "Pepper" Potts
01.08.2020
02.03.2021
40
66.933
6
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18.08.2020 1.231
 
Pepper hatte kein Auge zugetan. Hin und her hatte sie sich gewälzt und inständig gehofft schlafen zu dürfen. Einen kurzen Moment des inneren Friedens zu erleben und zu vergessen.
Es war ihr verwehrt gewesen.
Gegen 5 Uhr hatte sie aufgegeben, sich einen Kaffee gemacht und intensiv nachgedacht. Mittlerweile saß sie an ihrem Schreibtisch und kritzelte wie versessen auf einem Blatt Papier herum, neben sich bereits ein gutes Dutzend zerküllte Exemplare. Schließlich richtete sie sich einigermaßen zufrieden auf und schaute kurz auf die Uhr, stand dann auf und streckte sich. Sie hatten einen Plan. Zumindest den Ansatz eines Planes.
Mindestens 12% eines Plans.

Als sie am Spiegel vorbeikam erschrak sie vor sich selbst. Die Haare offen und zerzaust, zerknitterte Schlafkleidung, leichenblass mit roten, geschwollenen Augen und einer offenen Lippe. Die hatte sie wohl ohne es zu merken aufgebissen, als sie rastlos vor Panik und Schrecken in ihrem Bett gelegen hatte.

Eine gute Stunde später fuhr sie unangemeldet vor der Firmenzentrale von Stark Industries vor, hastete mit gesenktem Kopf durch die Eingangshalle und meldete der Sekretärin von Obadiah Stane ihren dringenden Besuch an. Sie ließ sich auf einen der Stühle im Wartebereich fallen und versuchte einen entspannten Eindruck zu machen. Äußerlich konnte man einzig an ihren noch immer leicht geröteten Augen und der ungesunden Blässe die ihr Gesicht zierte erahnen, wie es um ihre Gefühlswelt bestellt war. Allerdings schien heute morgen sowieso niemand auf sie zu achten. Das Gebäude summte um sie herum, Angestellte liefen an ihr vorbei und quatschen munter, aktuelle Nachrichten wurden über Bildschirme an der Decke verkündet und immer wieder wurden schwere Geräte durch die Gänge geschoben.
Mr. Stane bat sie herein und begrüßte sie lachend und laut. Pepper gab sich Mühe die enthusiastische Begrüßung angemessen zu erwiedern, doch Obadiah Stane wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.
Er fragte sie nach ihrem Befinden und Pepper schilderte in kurzen Sätzen mit tonloser Stimme die Ereignisse. Seine Gesichtszüge waren wie in Stein gemeißelt. Er unterbrach sie kein einziges Mal und blieb, nachdem sie geendet hatte,  eine Weile stumm. Pepper glaubte tiefen Schmerz in seinen Augen zu sehen, aber sonst blieb Obadiah Stane fast gespenstig ruhig.
„Was sind unsere Optionen? Was denken Sie?“
In diesem Moment bewunderte sie ihn noch stärker als sonst. Sie hatte stundenlang leidend auf dem Bett gelegen und sich die Augen aus dem Kopf geweint, während dieser Mann, der Tony Stark näher stand als irgendwer sonst, seine Gefühle hintenan schob und sich auf das Wesentliche fokussierte.
„Nun“, hob sie erneut an, während sie ihm ihre Liste hinüber schob, „meines Erachtens nach haben wir nur folgende Optionen. Die Army befreit Tony, er kann irgendwie fliehen oder wir zahlen ein Lösegeld. Keine der Optionen kann ich ausschließen, auch wenn eine Befreiung durch die Army das Wahrscheinlichste ist. Auch ein hohe Lösegeldforderung ist nicht unwahrscheinlich, aber das man ihn nach der Zahlung laufen lässt schon. Eine Flucht ist, laut Colonel Rhodes, dagegen fast unmöglich.", sie räusperte sich kurz, "Egal wie es läuft, meiner Meinung nach ist es das Wichtigste, Tonys Entführern so lange wie möglich keine große Bühne zu geben, das heißt, seine Abwesenheit zu verschleiern.“
Sie blickte ihr Gegenüber etwas unsicher an, doch dieser nickte nur zustimmend und ließ sie fortfahren.
„Ich habe lange über die ersten beiden Möglichkeiten nachgedacht und wie wir sowohl Mr. Stark, als auch der Army helfen könnten und bin zu dem Schluss gekommen, dass unser Prototyp der Such- und Aufklärungsdrohne unsere beste Hoffnung für eine adäquate Hilfe für die Army ist. Aber egal was wir tun, wir müssen es schnell tun, da die Zeit gegen uns läuft.“
Wieder kramte sie kurz in ihrer Tasche und zog die Baupläne des Prototypen heraus.
Mr. Stane beugte sich eine Zeit lang über die Baupläne und dachte kurz nach.
„Wie weit ist die Drohne?“
„Der Prototyp funktioniert sehr gut und ist quasi sofort einsatzbereit…“, sie zögerte kurz.
„Aber die Firmen sind noch nicht für die Produzierung bereit?“, beendete ihr Gesprächspartner leicht resigniert den Satz.
Widerstrebend nickte Pepper.
„Ich rechne mit einem Monat, bis wir einsatzfähige Duplikate haben.“
„So lange können wir Tonys Verschwinden nicht unter der Decke halten!“
Pepper nickte leicht und dachte kurz nach.
„Ich würde sagen, dass ich es zwei bis drei Wochen geheim halten könnte. Länger aber auf keinen Fall!“
Stane lehnte sich zurück und starrte an die Decke.
„Tony, Tony. Was machst du nur für Sachen", murmelte er mehr zu sich selbst als zu Pepper.
„Wir machen es, wie Sie gesagt haben. Wir halten es solange geheim wie es geht. Wenn die Army finanzielle Mittel benötigt stellen wir sie zu Verfügung. Ansonsten liegt es im Bereich des Möglichen, dass Tony es vielleicht schafft an ein Funkgerät zu kommen. Wir brauchen also Empfänger. Darum kümmere ich mich. Sie halten in der Villa die Stellung. Wir verbreiten die Geschichte, dass Tony… ähm…“
„Mr. Stark hat sich eine Lungenentzündung eingefangen.“, schlug Pepper vor, froh darüber, dass Mr. Stane die Ruder in die Hand genommen hatte.
„Sehr gut. Tony ist schwer krank. So machen wir es. Kein Wort zu niemandem!“
Sie nickte angespannt. Der Plan war nicht schlecht, aber Sorgen machte sie sich dennoch. Sie musste stark bleiben. Sie musste es einfach. Für ihren Boss.
Sie besprachen noch zwei weitere Stunden Details ihres Planes, bis sie Beide mit der Fassung zufrieden waren.
Als Pepper sich verabschiedet hatte und den Weg zur Villa einschlug, merkte sie, dass ihr mit jedem Meter, mit dem sie dem Anwesen näher kam, flauer im Magen wurde.
Zögernd ging sie die Einfahrt hinauf und rang schon wieder mit ihrer Fassung. Sie drückte die große Eingangstür auf und wurde prompt von JARVIS' angenehmer Stimme empfangen und begrüßt. Pepper blieb stocksteif stehen. An Tony Starks K.I. hatte sie überhaupt nicht mehr gedacht. Wie sagte man einer künstlichen Intelligenz, dass ihr Erschaffer verschwunden war? Wäre die Situation nicht so schrecklich gewesen, hätte man das lustig finden können.
„JARVIS? Mr. Stark ist verschwunden. Er wurde angegriffen und, so vermutet die Army, entführt.“, rasselte sie schließlich herunter und wartete dann fast ängstlich auf eine Antwort von JARVIS. In solchen Situationen wünschte sie sich immer wieder, JARVIS hätte irgendeine reelle Gestalt. Einen Gesichtsausdruck oder Körperhaltung. So horchte sie in den leeren Raum hinein. Die K.I. schwieg lange und die Stille kam ihr ohrenbetäubend vor.
„Bitte erzählen sie mir mehr, Miss Potts.“
Täuschte sie sich, oder klang seine Stimme traurig? Ging das überhaupt? Zum zweiten Mal an diesem Tag erzählte Pepper die gesamte Geschichte und fügte ungefragt hinzu, welchen Plan Mr. Stane und sie ausgearbeitet hatten. Die K.I. stellte immer wieder Zwischenfragen, schien aber recht kurz angebunden zu sein.
„Meinen Berechnungen zu Folge stehen Mr. Starks Überlebenschancen bei ungefähr 10 Prozent. Zusätzlich sinken diese exponentiell mit dem Vergehen der Zeit. Selbst wenn eine Flucht gelingen sollte, können die psychischen Folgen dieser traumatischen Erfahrung gravierend sein. Ihr Plan steuert diesen Fakten nur geringfügig entgegen, andere Handlungsschritte kann ich Ihnen jedoch auch nicht nennen. Ich erlaube mir, Ihnen mein herzliches Beileid auszusprechen.“
Diese Zusammenfassung war so ernüchternd, dass Pepper meinte man hätte ihr gegen den Kopf geschlagen. Sie taumelte zum Sofa und brach förmlich darauf zusammen.
Sie spürte wieder Tränen in den Augen und blinzelte sie weg. JARVIS hatte es selbst gesagt. Der Plan mochte nicht viel bringen, aber „geringfügig entgegensteuern" tat er dennoch. Egal wie klein die Chance war Tony Stark zu retten, sie würde nicht eher aufgeben, bevor sie nicht alles versucht hatte!
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