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Short Stories

von Oezge
SammlungAllgemein / P18 / Gen
01.08.2020
05.12.2021
20
34.962
2
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25.11.2021 381
 
Für Arionce.

LEUCOSIA

Mit sehnsüchtigem Blick schaust du auf die tosenden Wellen des salzigen Meeres, die gegen die Ufer branden. Der Sand unter deinen Fü0en ist warm, brennt sich durch die Haut und lässt dich für eine Millisekunde aufseufzen.
Vorsichtig gehst du einen Schritt nach vorne und lässt den warmen Sand durch deine Finger rinnen.
Du riechst den Geruch des Meeres.
Du hörst das Lachen der Kinder.
Du hörst das Brummen der Schiffsmotoren.
Du sehnst dich nach den Wellen, die deinen Körper umschmeicheln.

Ein verzweifeltes Seufzen verlässt deinen Mund. Dein Körper legt sich automatisch in den Sand. Die Lider fallen ganz automatisch zu.
Deine Erinnerungen treiben, wie verlorene Eisschollen, in deinem Kopf. Du versuchst sie zusammenzusetzen, doch es gelingt dir nicht.

Dein Körper erhebt sich, geht ein Stück näher an das Wasser heran. Du sehnst dich nach kühlem Nass auf deiner Haut. Den kleinen Salzkristallen, die auf der Haut kleben bleiben. Dem Geschmack des Salzen auf deinen Lippen. Dem Gefühl der Leichtigkeit.
Deine Finger krallen sich in den nachgebenden Sand, der leicht feucht ist. Die rauen Körner kleben an deiner Haut, fachen den Schmerz der Erinnerungen weiter an.
Es kümmert dich nicht.
Du kümmerst dich nicht um den Schmerz.
Um die Erinnerungen in deinem Kopf.

Du stehst da. Schaust in die Ferne und hast deine Augen noch immer geschlossen. Leises Geheul von Motoren dringt an deine Ohren. Wellen schlagen höher, gegen die Mauern. Sie versuchen dich zu locken, doch dein Körper bewegt sich nicht. Ist wie erstarrt.
Zur Salzsäule.

Du willst dich bewegen, doch es gelingt dir nicht.
Du willst ausbrechen, doch es gelingt dir nicht.
Du willst kämpfen, doch es gelingt dir nicht.

Deine Glieder zittern vor Anspannung. Muskeln sind zum zerreißen gedehnt. Leiser, flüsternder Schmerz pulsiert durch deine Adern. Hat das Blut aus ihnen verdrängt, um mehr Raum einnehmen zu können.
Keuchend geht deine Hülle zu Boden. Die Geräusche sind ohrenbetäubend laut. Du willst sie hindern, in deinen Kopf einzudringen, doch nichts.
Schritte erregen deine Aufmerksamkeit. Leise Gesprächsfetzen klammern sich an dein Bewusstsein. Schatten legen sich über deinen im Sand liegenden Körper.
Was machst du?
Schweigen.
Denn deine Sehnsucht ist größer als alles andere. Du begehrst das Wasser, die Schiffe, die Wellen. Und du kannst nichts davon erhalten. Nur zuschauen. Still und leise, bis dich die Gier auffrisst.
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