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I'm only human oder Polizisten sind auch nur Menschen

von oakley
OneshotFreundschaft / P12
01.08.2020
04.09.2020
5
19.520
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Dieses Kapitel
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08.08.2020 3.256
 
Hallo Ihr Lieben,
bevor es mit der zweiten Geschichte weitergeht, erst mal ein großes Dankeschön an alle, die meine Geschichten lesen und sich die Zeit nehmen, sie zu kommentieren, favorisieren oder gar empfehlen. Vielen lieben Dank!!! Und jetzt viel Spaß mit der neuen Story,
Oakley

°Die Prinzessin auf der Erbse°
(Heidi Matera)


Heidi Matera liebte das Leben und das Leben liebte sie. Zumindest sah sie das so. Sie war Polizisten mit Leib und Seele, ihr Beruf gab ihr Erfüllung und den Glauben, etwas Sinnvolles und Wichtiges im Leben zu leisten. Sie hatte nette Kollegen, von denen sie einige sogar als wahre Freunde bezeichnen konnte, und sie hatte ihren Balkon.
Sie liebte Blumen und Pflanzen, einfach alles, was grünte und blühte.
Diese Leidenschaft hatte sie schon als Kind entwickelt und nie verloren.
Als sie aus beruflichen Gründen aus dem ländlichen Hessen nach Köln gezogen war, hatte sie sich anfänglich, wie in einer Steinwüste gefühlt. Häuserketten säumten unzählige Straßen und ließen keinen Platz für die Natur. Doch mit jedem neuen Tag, den Heidi in der Millionenstadt verbrachte, entdeckte sie mehr grüne Flecken und lernte die Stadt schließlich lieben.
Endgültig hatte sie ihr Herz an Köln verloren, als sie eine Wohnung in Köln Lindenthal gefunden hatte, nicht nur lag der Stadtteil zwischen dem Inneren- und dem Äußeren Grüngürtel, war also eingebettet in Grün, die Wohnung verfügte über einen herrlichen Balkon, zur Südseite gelegen, der es Heidi ermöglichte, Blumen und Gemüse in den verschiedensten Varianten anzupflanzen und ihre Farbenpracht und Ernteerfolge zu genießen.
Im Laufe der Jahre hatte sie alle erdenklichen Pflanzen in ihren Balkonkästen und Blumentöpfen herangezogen, angefangen bei Geranien über Petunien, Kapuzinerkresse und Salvien bis hin zu Lavendel und verschiedenen Rosensorten, die ihren Duft, wie ein Seidentuch über ihren Balkon verteilt hatten und alle Anspannung des Tages von ihren Schultern genommen hatten.
In den vergangenen Jahren hatte sie sich allerdings mehr und mehr der Gemüsezucht gewidmet.
Alles hatte mit einer kleinen unbenutzten Blumenschale angefangen. Alle Pflanzbehältnisse waren schon gefühlt gewesen, es hatte gegrünt und geblüht, doch eine kleine Schale hatte noch immer verwaist in einer Ecke des Balkons gestanden. Ihr 'Stammsupermarkt' hatte seit einiger Zeit Samentütchen im Angebot und eines Tages hatte Heidi sich dazu hinreißen lassen ein Tütchen zu erstehen. Der Samen war nicht teuer gewesen, 99 Cent und die Aussicht auf selbst gezogenen Pflücksalat hatten sie zum Kauf animiert. Zuhause angekommen hatte sie die Schale mit Erde befüllt und die Saat ausgebracht. Mit Argusaugen hatte sie über die Aussaat gewacht und schon nach wenigen Tagen hatten sich die ersten grünen Sprösslinge gezeigt. In den folgenden sechs Wochen war der Salat prächtig herangewachsen und schließlich zur Ernte bereit gewesen. Fast schon ehrfürchtig hatte Heidi den Salat gezupft, gewaschen und schließlich zubereitet.
Mit einem Glas Wein hatte sie es sich auf ihrem Balkon bequem gemacht, die Salatschüssel auf dem Schoss und hatte den Erfolg ihrer Arbeit genossen, und das hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes.
An jenem Abend hatte die Polizisten beschlossen einige ihrer Blumenkästen im nächsten Jahr für die Gemüsezucht zu reservieren. Und so war es gekommen, dass in den folgenden Jahren Möhren, Radieschen, Tomaten, Zucchini, Erdbeeren und Lauchzwiebeln in ihren Blumenkästen wuchsen. Das Gemüse hatte die blühende Farbenpracht mehr und mehr zurückgedrängt, bis schließlich jeder Kasten der Gemüsezucht diente.
In diesem Jahr hatte Heidi sich der Erbsenzucht verschrieben. Sie hatte es, als Kind geliebt, durch den hauseigenen Gemüsegarten zu streifen und hier und da von dem reifen Gemüse und Obst zu kosten.
Der saftig frische Geschmack von Erbsen, die eben noch am Strauch hingen, die Schote, da, wo die Erbsen saßen, verdächtig gewölbt, das Aufbrechen dieser Schoten, das Freilegen der grünen Kügelchen und schließlich ihr herauspulen aus der Schote, um sie genussvoll zu verspeisen, eine schöne Kindheitserinnerung, die es wert war wiederbelebt zu werden.
Also hatte Heidi im Frühjahr ihre Mission 'Erbse' begonnen. Nach einem langen und ungewöhnlich kalten Winter hatte sich, Anfang April, die allgemeine Wetterlage in soweit verbessert, dass nicht mehr mit Nachtfrösten zu rechnen war und eine stetige Bodentemperatur von 8 Grad Celsius gewährleistet werden konnte. Heidi konnte mit der Aussaat beginnen. Sorgfältig hatte sie alle Pflanzgefäße mit Erde, die sie zuvor mit Kompost angereichert hatte, befüllt und die Erbsen darin ausgesät. Schon nach wenigen Tagen keimten die ersten Samen und nach circa drei Monaten, in denen sich die Polizisten sorgsam um ihre grünen Schützlinge gekümmert hatte, waren die Erbsen zur Ernte bereit.
Heidi freute sich, wie ein kleines Kind, als sie mit einem Weidenkorb bewaffnet auf ihren Balkon trat. Mittlerweile war es Ende Juni geworden und der schöne Frühsommer ging mit jedem Tag mehr in den Hochsommer über. Die Temperaturen lagen schon jenseits der achtundzwanzig Gradmarke und die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel.
Die Polizisten atmete tief durch und begann schließlich mit der Ernte.
Ihr Korb war schon gut nach wenigen Minuten gut gefüllt und Hiedi überlegte, was sie mit all den Erbsen anfangen sollte. Gedankenverloren griff sie eine Schote und brach sie auf. Feuchtigkeit spritzte aus der Schale und lief über ihre Finger. Ein leises Giggeln kam über ihre Lippen, manche Dinge änderten sich einfach nie und das war auch gut so. Sie pulte die Erbsen aus der Hülle und sammelte sie in ihre Handfläche. Wie in alten Tagen führte sie die Hand zum Mund und ließ alle Erbsen auf einmal in ihren Mund rutschen.
Just in diesem Moment klingelte ihr Telefon. Erschrocken zuckte sie zusammen, die Erbsen rutschen durch ihre Kehle, doch eine fand ihren Weg in Heidis Luftröhre. Die Polizisten hatte sich verschluckt. Als Reaktion darauf fing sie kräftig an zu husten. Tränen stiegen in ihre Augen, sie rang nach Luft. Sie taumelte leicht zur Seite, glaubte zu ersticken, ihre Hand suchte das Balkongeländer. Als sie es endlich gefunden hatte, umgriff sie es fest und beugte sich nach vorne. Sie hustete noch zwei- dreimal, dann bekam sie plötzlich wieder Luft. Langsam richtete Heidi sich wieder auf. Sie atmete tief ein und aus, spürte, wie sich ihre Lungen wieder mit Luft füllten. Sie räusperte sich noch ein paarmal, ein unangenehmes Kratzen in ihrem Hals, war als einzige Erinnerung an den Zwischenfall geblieben. Sie schüttelte den Kopf. "So was Dummes", maulte sie und griff nach ihrem Telefon, das in der Zwischenzeit verstummt war. Sie warf einen kurzen Blick auf das Display und zuckte die Schultern. 'Nichts Wichtiges.'
Die Wochen zogen ins Land. Auf Heidis Balkon wuchsen jetzt verschiedene Kürbissorten, die Abende wurden langsam wieder kürzer und erste Schleier des nahenden Herbstes hingen in der Luft.
Hier und da zeigten sich die ersten Farben in den Laubbäumen und malten die Natur bunt.
Doch in diesem Jahr konnte Heidi sich an der farblichen Verwandlung nicht erfreuen. Schon seit einigen Wochen quälte sie ein hartnäckiger Husten, der sich einfach nicht vertreiben ließ. Nicht einmal das alte Hausrezept ihrer Mutter, selbst gemachter Zwiebelsaft, konnte ihm Einhalt gebieten.
Zugegebener Maßen war sie recht leichtfertig mit dem Husten umgegangen, hatte ihn als 'Nichts weiter' abgetan, doch seit einigen Tagen hatte sich ein eitriger Auswurf eingestellt, der den Verdacht auf eine verschleppte Bronchitis oder gar Lungenentzündung nahelegte.
Aber eine Heidi Matera ließ sich davon nicht kleinkriegen, ihrem Leitspruch 'Kommt von selber, geht von selber' treu ergeben, hatte sie sich einfach ein weiteres Mittel zum Abhusten aus der Apotheke besorgt und auf das Beste gehofft.
Als sie an diesem Morgen aufwachte, wusste sie intuitiv, dass diese Hoffnung vergebens war. Die Polizisten fühlte sich krank, richtig krank, so krank, dass sie am Liebsten im Bett geblieben wäre. Aber als pflichtbewusste Beamtin kam so ein Verhalten nicht infrage. Sie quälte sich aus ihrem Bett. Etwas unsicher auf den Beinen, leicht schwindelig und irgendwie fiebrig torkelte sie ins Badezimmer.
Nach einer heißen Dusche, einer Tasse Kaffee und einer Dosis Hustensaft und zur Sicherheit ein paar Schmerztabletten fühlte sie sich bereit, ihren Dienst anzutreten.
Sie erreichte die Wache in Köln Mühlheim noch gerade rechtzeitig zum Schichtwechsel.
"Da sind wir heute aber spät dran" neckte ihr Kollege Michael Weber sie beim Eintreten, doch ein Blick in das Gesicht der Frau, ließ ihn verstummen. "Mensch Heidi", er hastete der Polizisten entgegen, "was ist den mit dir los? Du siehst ja aus, wie der Tod auf Latschen, du gehörst ins Bett." Er legte seine rechte Handfläche auf ihre Stirn. "Du glühst ja."
"So ein Quatsch." Heidi stieß die Hand weg. "Mir geht es gut.", erklärte sie voller Überzeugung und hätte ein Hustanfall nicht ihre Worte Lügen gestraft, Michael hätte ihr beinah geglaubt.
"Das sehe sich", kommentierte er skeptisch, "Mensch Heidi, du hustest doch schon seit Wochen und es wird einfach nicht besser", Sorgen schwang in seiner Stimme, "du solltest endlich mal zum Arzt gehen und nicht ..."
Mit einer Hand wehrte Heidi jedes weitere Wort ab. Keuchend sog sie Luft ein. "Alles gut", röchelte sie.
Michael schüttelte verständnislos den Kopf. "Wenn du es sagst."
Ein Lächeln quälte sich das Gesicht der Polizistin. "Es geht schon." Sie schickte sich an, in den Dienstraum zu gehen, als ihr plötzlich schwarz vor Augen wurde. Der Boden schwankte unter ihren Füßen, mühsam kämpfte sie darum, ihr Gleichgewicht zu halten. Sie taumelte zur Seite, stieß noch ein heisere "Ah" aus und stürzte im nächsten Moment bewusstlos zu Boden.
"Heidi!" Michael fiel neben seiner Kollegin auf die Knie, fühlte nach einem Puls und stieß erleichtert die Luft aus, als er einen fand.
"Klaus", rief er in den angrenzenden Dienstraum, "wir brauchen einen RTW, aber pronto!"
°°°

Langsam tauchte Heidi aus der Dunkelheit wieder auf. Sie hörte Stimmen, fremde Stimmen, die sich unverständliche Worte zuwarfen, wie bei einem Ballspiel ohne Regeln.
"Sie wacht wieder auf." Eine Hand legte sich um ihren Arm und schüttelte ihn sachte.
"Frau Matera, hallo, aufwachen, machen sie die Augen auf."
Heidi stöhnte leise. Sie wollte die Augen nicht öffnen, fühlte sich wohl in der Dunkelheit, doch die Stimme neben ihr gab einfach nicht nach.
Kaum merklich nickte Heidi mit ihrem Kopf. Mit ihrer Zungenspitze befeuchtete sie ihren trockenen Lippen. "Aber nur kurz", krächzte sie und im gleichen Moment zwang sie ihre Augenlider nach oben.
"Na geht doch." Heidi blickte in das freundliche Gesicht einer jungen Frau. Aus dem Schütteln an ihrem Arm war mittlerweile ein sanftes Streicheln geworden. "Wie geht es ihnen? Tut ihnen etwas weh?"
Heidi runzelte die Stirn. "Wo bin ich?" Sie hob ihren Kopf und blickte sich hilfesuchend um, das war eindeutig weder die Wache, noch ihr Zuhause, vielmehr - Heidi schluckte schwer, "Bin ich im Krankenhaus?"
"Sie sind ohnmächtig geworden", erklärte die Fremde mit beruhigender Stimme, "ihr Kollege hat angegeben, dass sie schon seit Wochen unter einem hartnäckigen Husten leiden."
"Ach papperlapapp", fuhr Heidi dazwischen, doch selbst in ihren Ohren klang ihre Stimme kraftlos und wenig überzeugend.
"Schon gut", beschwichtigte sie die Frau, "Wir kümmern uns jetzt um sie. Sie haben ziemlich hohes Fieber. Wir machen ein paar Tests und dann ..."
"Wir?" Heidis kriminalistischer Instinkt setzte ein, "Wo bin ich eigentlich und wer sind sie und überhaupt" Heidi kämpfte sich in eine sitzende Position, "ich will nach Hause."
"Eins nach dem anderen", lachte die Frau, "ihr Kollege hat uns schon vorgewarnt."
Heidi zog die Stirn in Falten. "Michael", schimpfte sie leise.
"Alles wird gut, sie sind in der Uniklinik, ich bin Dr. Maybach", erklärte die Ärztin, "und wir kümmern uns jetzt um sie."
"Ja aber", versuchte Heidi einen Einspruch.
"Kein aber, Frau Matera." Die Ärztin drückte sie zurück in die Kissen, "wir machen ein paar Tests und dann sehen wir weiter."
Mürrisch gab sich Heidi schließlich geschlagen.
Die Tests zogen sich schon über Tage hin. Unzählige Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen und sogar ein MRT hatten bisher keine befriedigenden Ergebnisse gebracht.
Und obwohl man die Polizistin mit einem Breitspektrumantibiotikum und Hustenlösern behandelte, ging es ihr von Tag zu Tag schlechter. Zeitweise musste ihr sogar Sauerstoff über eine Nasenkanüle zugeführt werden.
Am Morgen hatte die Ärztin eine weitere Röntgenuntersuchung angeordnet und Heidi wartete nun angespannt auf das Ergebnis.
In ihrem Kopf spielten sich unzählige Horrorszenarien über die mögliche Ursache ihres Befindens ab, und das unheilvolle Wort 'Krebs' spielte dabei eine große Rolle.
Heidi hatte Angst. Angst davor ernsthaft krank zu sein, Angst davor sich einem übermächtigen Feind gegenüber zu sehen, Angst davor, zu sterben.
Eine Träne stahl sich aus ihrem Augenwinkel.
"Verdammt!" Wütend über sich selber schlug sie mit ihren Fäusten auf die Matratze.

Gefolgt von einem kurzen Klopfen trat Doktor Maybach in ihr Krankenzimmer. In der Hand hielt sie eine Reihe von Röntgenbildern. Ein gezwungenes Lächeln lag auf den Lippen der Ärztin.
"Frau Matera", grüßte sie betont freundlich.
Heidis Magen zog sich zusammen, sie spürte, dass etwas nicht stimmte, das Schicksal hatte sich entschlossen zuzuschlagen und kannte dabei keine Gnade.
Was ist es", platze es aus der Polizistin heraus. Noch nie der Typ Frau für Weichzeichner, kam sie direkt auf den Punkt. "Ist es Krebs?" Heidi bemühte sich um Stärke, doch ein leichtes Beben in ihrer Stimme und die tränennassen Augen straften ihr Heldentum lügen.
"Nun", die Ärztin räusperte sich sichtlich unbehaglich, "die letzten Röntgenaufnahmen zeigen einen Schatten auf ihrer linken Lunge."
"Oh Gott" Heidis Kopf sank auf ihre Brust, "wie lange noch?"
"Also Frau Matera, wir wissen doch ..."
"Keine Mätzchen Frau Doktor, wir wissen beide, was ein Schatten auf der Lunge bedeutet." Heidi hob ihren Kopf und blickte die Ärztin an.
Die jüngere Frau setzte sich auf die Bettkante, "Schon möglich, das sie es wissen, ich weiß es nicht. Es kann Krebs sein, muss es aber nicht. Das Blutbild zeigt nur erhöhte Entzündungswerte, aber keine erhöhten Tumormarker."
"Aber warum geht es mir immer schlechter, statt besser", Heidi konnte ihre Verzweiflung nicht länger verbergen. Sie schluchzte leise auf. "Ich will das nicht, ich will nach Hause und alles soll wieder gut sein."
Die Ärztin schluckte schwer. "Ich verstehe ihre Sorge, aber ..."
Heidi lachte verbittert auf. "Sorge? Ich habe Angst."
Dr. Maybach ergriff die Hand der Polizistin. "Wir werden nachsehen", erklärte sie knapp.
"Was?" Heidi runzelte die Stirn.
"Wir operieren Sie, morgen, und dann werden wir weitersehen." Die Worte der Ärztin ließen keinen Widerspruch zu, die Operation war beschlossene Sache.

Michael Weber und Klaus Wiebel waren als Einzige von Heidis Kollegen über ihren Zustand und die anstehende Operation informiert. Die anderen Kollegen wähnten sie zu Hause mit einer verschleppten Bronchitis und auf dem Weg der Besserung.
Nervös harrten die beiden Polizisten in einem der Warteräume der Uniklinik aus und warteten auf Nachricht.
Michael lief unruhig auf und ab, während Klaus stoisch auf einem unbequemen Plastikstuhl hockte.
"Ich verstehe nicht, wie du so ruhig bleiben kannst", bemerkte Michael nach einem Blick auf seinen Kollegen, der sich in eine Zeitschrift vertieft hatte.
"Nützt es was, wenn ich hier ebenfalls hin und her laufe?", gab Klaus zu bedenken. Er hob den Kopf und blickte seinen Kollegen an. "Alles wird gut werden", bekräftigte er und nickte zuversichtlich.
"Woher weißt du das?" Michael konnte die Zuversicht seines Kollegen nicht teilen. "Krebs, es ist vielleicht Krebs und ..."
"Ja genau, vielleicht und vielleicht ist es auch was anderes."
"Was für ein Scheiß Klaus, was sollte es denn anderes sein." Michael schüttelte vehement den Kopf. "Du hast doch selbst gesehen, wie schlecht es ihr ging. Es ist bestimmt Krebs." Tränen stahlen sich in die Augen des erfahrenen Polizisten. "Was sonst."
Die Tür zum Warteraum hatte sich unbemerkt geöffnet. Dr. Maybach lehnte im Türrahmen und lauschte dem Gespräch. "Tja, was sonst", gab sie sich schließlich zu erkennen.
Michael zuckte erschrocken zusammen und Klaus sprang von seinem Stuhl auf. "Wie geht es ihr?", fand er als Erster seine Stimme.
Die Ärztin stieß sich vom Türrahmen ab und trat in den Raum. "Setzten wir uns doch", schlug sie vor.
"Oh Gott, oh Gott", flüsterte Michael im sicheren Glauben, dass dies nichts Gutes verheißen konnte. "Ich möchte lieber stehen bleiben", gab er sich trotzig, gerade so, als könnte er so das Schicksal beeinflussen.
"Michael" ermahnte Klaus, doch die Ärztin winkte ab.
"Ganz, wie sie möchten." Sie räusperte sich kurz und zog ein Plastikbeutel aus ihrer Kitteltasche, den sie den beiden Polizisten vor die Nase hielt.
Michael und Klaus sahen sich irritiert an. "Was soll das sein?", fragten sie unisono.
"Na sie sind doch die Polizei", ein deutliches Lachen war in der Stimme der Ärztin zu hören.
"Darf ich?" Klaus griff nach dem Beutel und beäugte den Inhalt genau. "Hm", ließ er vernehmen, "wenn ich es nicht besser wüsste" Er runzelte die Stirn und reichte Michael den Plastikbeutel. "Was meinst du?"
Der Polizeihauptkommissar musterte den Inhalt. "Das sieht aus, wie irgendein Sprössling, eine Art Pflanze.", ließ er schließlich verlauten. Er sah die Ärztin verständnislos an. "Was soll das? Wollen Sie uns verarschen?"
"Michael", ging Klaus beschwichtigend dazwischen. "Entschuldigen Sie Frau Doktor, aber wir sind ziemlich angespannt und ..."
"Schon gut, schon gut", die Ärztin ließ sich ihre gute Laune nicht nehmen. "Dies meine Herren ist eine Erbse und wir haben sie in Frau Materas Lunge gefunden."
"Wie bitte?" Die beiden Männer blickten sich ungläubig an. "Ich, wir verstehen nicht ganz."
"So ging es dem Operateur auch, als er den Sprössling entdeckte." Dr. Maybach verschränkte die Arme vor der Brust. "Irgendwann in den letzten Monaten muss Frau Matera Erbsen gegessen haben und eine ist durch die Luftröhre in der Lunge gelandet, wo sie sich eingenistet und schließlich gekeimt hat."
"Sie meinen, dies ist der Grund, warum es Heidi so schlecht ging", Michael wedelte mit der Plastiktüte in der Luft herum, "kein Krebs? Sondern eine Erbse?" Ein ungläubiges Lächeln zog an seinen Mundwinkeln.
"So ist es. Ihrer Kollegin wird schon bald wieder die Alte sein."
"Das sind ja gute Nachrichten", warf Klaus ein. Ein Stein fiel ihm vom Herzen, denn auch, wenn er den Zuversichtlichen gegeben hatte, hatte ein innerer Zweifel an ihm genagt.
"Sehr gute Nachrichten", korrigierte Michael und klopfte seinem Kollegen und Freund auf die Schulter. "Wann können wir zu ihr?"
"Heute nicht mehr meine Herren", dämpfte die Ärztin die Euphorie, "Frau Matera braucht jetzt erst mal Ruhe. Kommen Sie morgen im Laufe des Vormittags wieder." Dr. Maybach lächelte aufmunternd. "Alles wird wieder gut werden", versprach sie zum Abschied und wandte sich zum Gehen.
"Aber ..." , wollte Michael sich nicht damit abfinden.
"Komm Michael, du hast die Ärztin gehört. Die Prinzessin auf der Erbse braucht jetzt ihre Ruhe", warf Klaus ein.
Michael lachte auf. "Prinzessin auf der Erbse, lass sie das bloß nicht hören."
"Tja, damit muss sie jetzt wohl leben", gab Klaus zurück und lachte ebenfalls auf.
"Und leben wird sie.", bestätigte Michael euphorisch, "unsere Prinzessin auf der Erbse."

°Ende°



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