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Das gebrochene Streunerland

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Osamu Dazai
31.07.2020
31.07.2020
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31.07.2020 714
 
Es war nun schon genau 2 Monate her, seit Mori ihn... seit Odasaku fort war.

Leise, darauf bedacht keinen Laut von sich zu geben, humpelte der rot Haarige auf ihn zu.

"Ah, Chuuya, du zeigst dein hässliches Gesicht auch mal wieder? Das heißt wohl, dass du noch gar nicht aufgegeben hast, was?"

Der braun Haarige lächelte, seine braunen Augen wirkten im seltsam starken Mondlicht gerade zu rot. Und tot. Ein toter, von jeglicher Hoffnung verlassener Blick, der den anderen dazu brachte, seine Krücke fallen zu lassen.

"Das ist bedauerlich, aber ich schätze daran kann man nichts ändern."

"Du hast nicht vor, dich selbst anzuzünden."

Es klang so vertraut, der starke, genervte Ton des rot Haarigen, dessen kompletter Körper darauf angelegt war, das Feuerzeug zu fangen, mit den bloßen Händen wenn nötig, sollte er es wirklich fallen lassen.

Dazai lachte, pustete die Flamme aus.

"Chuuya, du bist nicht lustig, wenn du schlau bist, lass das lieber sein."

Er schob sich die Öl verschmierten Haare aus dem Gesicht, lachte nochmal.

"Es stimmt, ich habe nicht vor, das Feuer heute zu erheben, dafür wird noch genug Zeit morgen sein, wenn Mori mich am Abend weg führt. Du wirst nur diese eine Chance haben, also verhau es nicht, ja?"

"Du willst mit Mori mitgehen? Bist du bescheuert?"

Es klang so vorwurfsvoll, es überraschte den braun Haarigen. Er rettete mit seinem Plan alle hier, auch die ganz kleinen, obwohl er das gar nicht wollte. Jetzt war es eh egal.

"Mori hat mir einen schnellen Tod versprochen - es könnte nichts schöneres für mich geben, als mit einem Selbstmord alle zu retten-"

Ein lautes Klatschen war zu hören, es kam unerwartet und brannte höllisch auf seiner Wange. Auch wenn er keine Ahnung hatte, warum Chuuya immer so gute Testergebnisse hatte (er war, Stroh doof, wirklich), musste er dem rot Haarigen seine Stärke lassen.

"Jemanden retten, in dem man sich selbst opfert? Sag das nochmal und ich lass das Streichholz selber über dir fallen."

Es war geflüstert, folgte damit, dass der rot Haarige ihn packte und in die Höhe hob.

"Bild die ja nicht ein, dein Plan hätte irgendeinen Sinn, wenn er deinen Tod mit plant!"

"Es gibt keinen anderen Weg. Wenn wir es versuchen, ohne dass ich sterbe, wird Mori uns alle wieder einfangen. Dann wäre Odasakus Opfer ganz umsonst gewesen. Sieh es doch ein, Chuuya-"

"Es gibt einen anderen Weg!"

Jetzt klang der rot Haarige lauter, warf den anderen zu Boden, sah auf ihn herab.

"Weil du ja immer so schlau warst und niemanden gebraucht hast, dachte ich, dass du während den letzten zwei Monaten absichtlich nicht die anderen aufgesucht, die Planung mir überlassen hast - aber du hast tatsächlich aufgegeben, du verdammter Idiot! Natürlich gibt es einen anderen Weg. Wir haben die ganze Zeit geprobt, Odas Anweisungen genauestens befolgt, während du traurig Däumchen gedreht hast! Wir fliehen noch heute Nacht, also zieh dich um."

Erstaunt sah der braun Haarige zu seinem Freund hoch. Dann lachte er (er hätte es wissen müssen. Natürlich würde Odasaku nicht ohne einen Plan verschwinden, Chuuya ihn nicht einfach sterben lassen wollen), laut und ausgiebig, bekam kaum noch Luft.

"Na schön, na schön. Und wie hat unser weichherziger Aufpasser (es tat weh) sich die Flucht vorgestellt? Wie willst du Mori bitte aus tricksen? Mori!"

Der rot Haarige streckte ihm eine Hand entgegen.

"Vertrau mir einfach, ja?"

~...~

Im Endeffekt mussten sie das Haus doch anzünden. (Chuuya war halt blöd, übersah bei all seiner Planung das Offensichtliche, so hätten sie seinem Vater nie entkommen können. Zum Glück aller war Dazai ja da.)

Nur das Mori tatsächlich ohne zu zögern in die Flammen springen würde, seinen Namen gerade zu schreien würde - es passte nicht zu dem Bild, das der 12 Jahre alte Junge sich von seinem Vater gemacht hatte. Es passte überhaupt nicht.

Und als er nach Chuuya griff, ihm im letzten Augenblick nicht erwischen konnte, wusste der braun Haarige nicht, ob er lachen oder winken sollte. Er spürte den Blick der roten Augen auf ihm, beeilte sich, im Wald zu verschwinden. Nun, wen kümmerte es.

Er konnte genau so gut noch ein wenig leben. Warum auch nicht.
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