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Sister, Sister – Zwei Schwestern. Eine Wahrheit. [Projekt]

von Lilliam
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
"Ich" Maxim de Winter OC (Own Character)
31.07.2020
08.10.2020
8
12.333
1
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
31.07.2020 787
 
Hallo!
Da ich wieder mal bei dem Projekt Schreib meine Geschichte von Mozambique mitmachen wollte und dafür den Buchtitel "Sister, Sister – Zwei Schwestern. Eine Wahrheit" (Sue Fortin, Psychothriller) bekommen habe, entsteht hier nun diese kurze Geschichte. Zuerst wusste ich nicht, was ich schreiben sollte, doch dann ist mir irgendwie eine Idee gekommen und die Ergebnisse seht ihr nun hier.
Wie gerade angedeutet, es wird keine lange Geschichte werden, ich wollte aber auch keinen Oneshot machen. Irgendwie musste eine Trennung durch Kapitel her.
Ich werde jeden Freitag ein Kapitel posten :)
Achja: Die Kapiteltitel sind Songtitel aus verschiedenen Musicals. Fand ich irgendwie passend, ich weiß auch nicht genau, warum.
Viel Spaß!
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Kapitel 1: Milady ist zurück



Es waren 5 Monate vergangen, seit Manderley von den Flammen zerstört wurde.
Maxim und ich waren übergangsweise in ein Häuschen in einer Kleinstadt gezogen und hatten versucht, die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Am Anfang schreckte ich noch jede Nacht hoch, geplagt von Alpträumen. Doch mittlerweile ließen mich die schrecklichen Bilder und Erlebnisse jener Zeit größtenteils in Ruhe.
Während mein Mann seine Geschäfte erledigte und auf der Suche nach einer dauerhaften, neuen Bleibe war, ging ich oft an der Küste spazieren. Der frische Wind und der Ausblick auf das Meer erinnerten mich daran, wie Maxim und ich uns kennengelernt hatten und brachten mir ein wenig Ruhe.
So auch an diesem Tag.
Ich hatte mir gerade die Schuhe ausgezogen und lief barfuß durch den weichen Sand, als eine Windböe mir den Hut vom Kopf wehte. Auch das noch. Ich versuchte ihn in der Luft zu fangen, doch ich war zu langsam. Er landete mehrere Meter entfernt vor zwei kleinen Felsen und ich beeilte mich, dorthin zu laufen. Ich biss die Zähne zusammen, als sich viele Steinchen in meine Fußsohle drückten. Seit einigen Wochen war meine Haut an den Füßen empfindlicher als sonst und so schmerzte jeder Schritt, als würden die Steine tatsächlich meine Haut durchdringen.
Als ich mich bückte und nach dem roséfarbenen Hut griff, hörte ich ein Räuspern hinter mir. Ich dachte, ich wäre allein gewesen? Wie ungeschickt ich mal wieder ausgesehen haben musste. Ich würde wohl doch nie eine richtige Lady sein. Doch solange Maxim mich liebte, brauchte ich mich nicht zu verstellen.
Ich setzte mir den Hut schnell auf den Kopf und drehte mich um. Vor mir stand eine Frau, die ich einige Jahre älter als mich schätzte. Als ich ihren Blick traf, sah sie nicht etwa peinlich berührt weg, im Gegenteil. Sie hielt meinem Blick stand und zog mit ihren Fingern die Schleife am Ende ihres langen, geflochtenen Zopfes ein wenig fester. Ihre Haarfarbe erinnerte mich an Zimt, doch die Duftwolke, die von ihr ausging, rief in mir eher den Gedanken an eine Blumenwiese hervor.

„Verzeihen Sie, dass ich Sie einfach so anspreche, aber ich habe Sie hier spazieren gehen gesehen und dachte, ich nutze die Gelegenheit. Ich bin neu in dieser Stadt und da ist mir jedes freundliche Gesicht willkommen.“
Sie klang nicht unfreundlich, doch irgendetwas in ihrer Art zu sprechen ließ mich unruhig werden.
Ich blinzelte ein paar Mal, bevor mir meine Manieren wieder einfielen.
„Willkommen! Mein Mann und ich leben auch noch nicht lange hier, doch dieses Städtchen ist recht schnell erkundet. Es wirkt auf den ersten Blick sehr ruhig hier, doch irgendwo ist immer etwas los. Ich bin Mrs. de Winter.“
Ich hielt ihr meine Hand hin und hoffte, dass sie noch nicht von uns und unserem Schicksal gehört hatte. Jeder, der aus dieser Gegend kam, sprach davon. Direkt nach dem Brand schien es kein anderes Gesprächsthema mehr gegeben zu haben. Auch das war weniger geworden, doch auf eine Mitleids-Arie konnte ich trotzdem gut verzichten.
Doch nichts dergleichen geschah. Etwas, was ich nicht definieren konnte, blitzte in ihren Augen auf, bevor sie ein Lächeln aufsetzte und fest meine Hand ergriff.
Ich runzelte die Stirn, als ich die Gesichtszüge der Frau genauer betrachtete. Sie kamen mir seltsam vertraut vor, und doch so fremd. Aber woher könnte ich sie kennen? Etwas war merkwürdig. Falsch. Sie lächelte zwar, doch es erreichte ihre Augen kaum.
Dieses Lächeln… Dieses Gesicht…Wo-
Stromschläge fuhren durch meinen Körper, mein Magen drehte sich um und ich fühlte mich, als würde ich jeden Augenblick zusammenbrechen.
Natürlich. Aber… Es war unmöglich!
Entweder verlor ich meinen Verstand, oder jemand spielte mir einen üblen Streich.
Ja, ich hatte diese Frau gesehen, und zwar auf den vielen Fotografien, die Mrs. Danvers (ruhe sie in Frieden) vor der Vernichtung gerettet hatte. Die Welt um mich herum begann sich zu drehen und ich hörte nichts, als ein lautes Rauschen in meinen Ohren.
Vor mir stand niemand anderes, als Rebecca de Winter!
Ich spürte noch wie meine Beine wegknickten und ich im Sand landete, bevor alles dunkel wurde.
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