The Story Of Our Song

GeschichteAllgemein / P16
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
31.07.2020
16.09.2020
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Caras Sicht


Plötzlich wurde das Licht angemacht und ich schreckte hoch. Ich war ja tatsächlich eingeschlafen. Das wunderte mich auf diesem harten, kalten Boden. Aber ich spürte ebenfalls wie ein Arm um meine Schulter gelegt war; es war Nialls. Wohin hatte ich mich bitte während des Schlafs gedreht? Naja… ich hatte wieder diesen schrecklichen Traum geträumt, wie Niall mir die Show stahl. Aber schlief ich während dieses Traums wirklich so unruhig? Vielleicht hatte er ja Albträume gehabt und sich um mich geschlungen, weil er nicht nachgedacht hatte.
Auf jeden Fall schreckte ich hoch und von einem auf den anderen Moment waren wir wieder voneinander getrennt. Über eins war ich mir sicher: Diesen Typen, der das Licht angeschaltet hatte, würde ich bezahlen, dass er nichts gesehen hatte. Das hier sollte schließlich kein großes Ding werden, was es ja schließlich auch nicht war. Ich schaute auf zu dem Kerl mit dem dunklen Haar und den dunklen herausstehenden Augen, der von Montag bis Freitag am Tresen saß und in sein Handy starrte – ernsthaft, ich hatte ihn nicht einmal ohne seinem Telefon gesehen. „Was macht ihr beide hier?“, fragte er etwas zögerlich als hätte er Angst, dass ich ihm den Kopf abreißen könnte, wenn er sich selbstbewusst zeigte. „Wir wurden hier im Studio von irgendwem unabsichtlich eingesperrt“, antwortete Niall wahrheitsgemäß. Der Handy-Typ zog den Kopf ein und meinte flach: „Naja… dann seid ihr jetzt wieder frei.“ Er hob die Hände an und sagte gespielt enthusiastisch, „Juhu.“ Was war das denn? Aber ehrlich gesagt war es mir egal. Ich war jetzt endlich wieder frei. Das beruhigte mich so dermaßen, dass ich das Gefühl gar nicht beschreiben konnte. Es übermannte mich. Ich war frei. Ich war nicht mehr eingesperrt. Ich konnte nach draußen.
Ich hielt es auch nicht zurück, dass ich sofort von hier verschwand. Ich nahm meinen Mantel und zog meine Schuhe wieder an und ging dann zur Tür. Es dauerte jetzt nicht mehr lange, da würde ich wieder Frischluft atmen. Doch noch bevor ich über die Türschwelle von Raum Nummer 6 trat, steckte ich Handy-Man fünfzig Dollar. „Sie haben nichts gesehen; nicht das ich etwas zu verstecken hätte.“ Mit einem so ernsten Blick, dass er hätte töten können, ging ich an ihm vorbei und verschwand dann ein wenig später aus dem Studio. Diese fünfzig Dollar waren es mir wert. Ich wollte ja schließlich nicht, dass er irgendwelchen Medien etwas davon erzählte. Das war das Letzte was sowohl Niall als auch ich gebraucht hätten.
Es war noch dunkel draußen, also schätzte ich, dass es erst um 6:00 Uhr sein musste. Dann war ich in diesem Studio insgesamt fünfzehneinhalb Stunden und mindestens zwölf davon eingesperrt; erschreckend, aber es fühlte sich auch so lange an. Wenigstens stand mein Auto noch an seinem Platz und als ich die Tür öffnete und ich auf den Beifahrersitz schaute – ich wusste nicht wieso ich das immer machte; wahrscheinlich irgendeine dumme Angewohnheit –, sah ich meine Tasche. Ich setzte mich erstmal in meinen Wagen und nahm sie dann. Ich schaute, ob alles da war und ja, sogar mein Handy; wieso war sie dann von Raum Nummer 6 in mein Auto gebracht worden? Das war ja mal komisch aber ich machte mir nicht allzu viele Gedanken darüber und startete meinen Opel Adams und fuhr nach Hause. Jetzt hieß es einmal mich frisch machen.

Die Stunden zuhause waren wirklich entspannend Ich duschte, trank einen Espresso, zog mir etwas Frisches an und landete dann auf der Couch. Mittlerweile war es acht und ratet dreimal an was ich gerade dachte: Nein, nicht an meine High-Heel Sammlung; es war natürlich Mr. Niall Horan. Ich fragte mich, wie das passieren konnte, dass ich mich wirklich so dermaßen an ihn geschmiegt hatte. War es eine Nachwirkung davon, dass wir uns den ganzen Abend gut verstanden hatten oder dieser dummer Traum. Ehrlich gesagt hatte ich keine Zeit über das nachzudenken; ich hatte zu viele Termine. Ich musste mich noch mit Leanne versöhnen (das stand ganz oben auf der Liste), dann hatte ich eine Schreibsession und später ging ich zusammen mit Gigi, Zayn, Niall und hoffentlich Lee zu diesem Weihnachtsmarkt. Ich hoffe diese Session würde schnell über die Bühne gehen; ich wollte noch nicht zurück in dieses Studio. Ich hatte fürs erste genug Zeit dort drin verbracht. Und da löste sich mein Problem von ganz alleine, denn Onkel Shane rief an. Ich wischte auf die grüne Seite und hob somit ab. Ich schaffte es gerade noch ein Hallo zu sagen, was Shane so wie es aussah gar nicht gehört hatte, denn wie immer quatschte er los und ich versuchte ihm zu folgen: „Cara, wahrscheinlich ist das eine schlechte Neuigkeit für dich, aber heute ist die Schreibsession mit One Direction abgesagt. Ich weiß keinen genaueren Grund – deren Manager ist so inkompetent, dass er mir nicht mal einen guten Grund liefern kann, wieso es heute nicht geht –, aber ich hab irgendwas verstanden von Zayn und schlafen. Keine Ahnung. Auf jeden Fall hast du den Nachmittag frei. Na dann… bye.“ Ein Tschüss schaffte ich gar nicht mehr zu sagen, denn er hatte bereits aufgelegt. Wie schnell sich meine Probleme lösten. Also musste ich nicht zurück ins Studio heute.
Jetzt kamen aber andere Fragen auf in meinem Kopf. Was war es genau, wieso 1D wegen Zayn nicht konnte. Das würde mich ziemlich interessieren. Und es klärte sich auch ziemlich schnell auf. Als ich eine halbe Stunde später das nächste Mal mein Handy anschaltete, poppte eine Nachricht am Display auf; sie war von Niall. Was wollte er denn? Ich klickte darauf und las: >Hey, du bist vorhin echt schnell abgerauscht Wolltest du etwa so schnell von mir wegkommen?<, darauf ein sarkastisch lächelnder Emoji, >Aber anscheinend sehen wir uns erst wieder heute Abend. Die Schreibsession ist ja schließlich abgesagt, wenn du schon davon gehört hast. Wir haben alle, damit meine ich Harry, Liam, Louis und ich und ich glaube auch Paul, eine Nachricht bekommen, die nur aus >Cancelt alle Termine!< bestand und ich habe noch ein >Wir sehen dich und Cara heute Abend< bekommen. Schätze er will nicht raus aus dem Bett.< Ein augenrollendes Emoji zierte die Nachricht. Ich wusste, worauf er anspielte. Gigi und Zayn hatten offensichtlich eine lange Nacht hinter sich; genauso wie Niall und ich… nur auf eine andere Art, wenn das zu verstehen ist. Ich drückte auf das Tastenfeld und begann zu antworten: >Ich bin ehrlich gesagt froh darüber, dass die Session heute abgesagt wurde. Ich bin total fertig von diesem Eigesperrt-Sein im Studio. Ein Tag Pause schadet niemanden und ehrlich gesagt ist ein wenig Ruhe vor dem großen Weihnachtsmarkt gar nicht so falsch, wenn du mich fragst< Ich spürte gar keine Abneigung das zu schreiben. Tief im Inneren hatte ich das Gefühl, dass Niall mir jetzt nicht mehr ganz so auf den Nerv ging. Er war ja eigentlich ganz ok, aber ob ich meinen Hass auf ihn schon vergessen konnte; keine Ahnung.

Eine Stunde später saß ich wieder in meinem Wagen und fuhr nun geradeaus zu Leannes Omas Haus. Jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen. War Lee unsere Freundschaft so wichtig, dass sie mir verzeihen konnte, dass ich mich so dumm verhalten hatte, oder würde sie mir die Tür vor der Nase wieder zuhauen; ich hätte es verdient. Eigentlich hatte ich mir schon seit ein paar Tagen Gedanken über dieses kommende Gespräch gemacht, aber nun, wo es wirklich ernst wurde, bildete sich ein fetter Kloß in meinem Hals, der immer größer wurde mit jeder Sekunde, in der ich fuhr. Ich musste mich aber trotzdem zusammenreißen, sodass ich mich voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren konnte. Ich konnte es mir nämlich absolut nicht leisten jetzt einen Unfall zu bauen. Das hätte ich wirklich nicht gebraucht.
Es dauerte nicht mehr lange, da fuhr ich in die Einfahrt des Hauses von Leannes Oma. Das zweistöckige Blockhaus, wie es für Kanada typisch war, sah wunderschön rustikal aus in seiner braun-grauen Farbe, den dunkelgrauen Dachziegen und den weißen Akzenten, die das ganze noch besser aussehen ließen. Manchmal spielte ich sogar mit dem Gedanken, ob ich nicht dieses Haus schöner finden sollte als meine Villa, die so übertrieben groß war, dass es von außen der reinste Traum und von innen der reinste Albtraum war für mich. Hätte ich diese Erkenntnis je zugegeben? Wahrscheinlich nicht.
Ich stieg aus meinem Auto und ging hinüber zur Tür. Kurz blieb ich davor sehen und blickte auf die braune Farbe. Ich war zu nervös vor diesem Gespräch; ich hatte Angst, dass Leanne mir nicht zuhören wollte oder schlimmeres. Was würde passieren, wenn sie mir nicht verzieh und mich wieder wegschickte? Komm schon, Cara. Es konnte schon nicht so böse ausgehen. Wieso war es so schwer einfach die Klingel zu betätigen und sich dann zu entschuldigen? Ich hasste es. Ich musste mich jetzt wirklich zusammenreißen. Ich atmete einmal durch und drückte auf die Klingel. Ok, jetzt gab es kein Zurück mehr. Jetzt hörte ich durch das offene Fenster, dass sich etwas tat. Es kam ein Gerümpel und schließlich wurde die Tür aufgemacht. Vor mir stand ein weiteres Mal Lees Großmutter. Heute trug sie einen gummiartigen, orangenen Bodysuit, der ihr viel zu klein war und der die schwabbeligen Hüften noch schwabbeliger aussehen ließ. Über die Stirn hatte sie ein Schweißband gebunden, dass dasselbe Material und dieselbe Farbe hatte. Die grauen, buschigen Haare waren irgendwie zu einem Zopf gebunden worden und ihre Brille hatte sie nicht auf. Ich schätzte, dass dieses Outfit für irgendeine Art von Workout war.
Ein war klar, als sie zu reden begann; sie hatte nichts von dem Streit zwischen Leanne und mir mitgekriegt, denn sie war freundlich wie immer: „Oh hallo! Ich hab dich ja schon lange nicht gesehen. Freut mich. Komm rein.“ Etwas unangenehm war mir schon zu Mute, als ich über die Türschwelle trat und wieder im, im Gegensatz zu meinem eigenen, kleinen Vorraum stand. Ich atmete ein weiteres Mal tief ein. Der Kloß in meinem Hals wurde größer. Und nicht, weil ich mich unfreiwillig entschuldigte, sondern weil ich keine Ahnung hatte, wie ich das richtig machte; ich hatte mich noch nie so richtig für etwas entschuldigt. Ok, damals in dem Kinderheim *musste* ich mich entschuldigen, weil ich unabsichtlich ein Glas Orangensaft von einem anderen Kind vom Tisch geschubst hatte und es angefangen hatte zu weinen. Aber so richtig und ernst gemeint… niemals hatte ich geglaubt, das je tun zu müssen.
„Willst du ein Glas Wasser?“, bot mir Lees Oma an. Ich schaute hinunter zu ihr – sie war kleiner als ich mit ihrem Buckel – und schüttelte den Kopf. Ich wollte nur zu Leanne und das hinter mich bringen. „Nein danke.“ Ich dachte damit wäre die Sache gegessen, aber diese Frau war hartnäckiger als ich sie eingeschätzt hatte. „Kommt gar nicht in Frage, dass du hier her kommst und dann nichts von uns annimmst. Komm!“ Sie griff nach meinem Handgelenk und schleppte mich in die Küche, die durch einen Durchgang mit dem Wohnzimmer verbunden war. Auch die Küche war, wie der Rest des Hauses, alles andere als modern, sondern eher rustikal. Die Fliesen waren in einem komisch alten grün und auch die Wände sahen aus wie im Mittelalter. „Setz dich“, befahl Leannes Oma – ja, sie *befahl* es. Ich wollte diese alte Dame nicht wütend machen, deshalb setzte ich mich an den kleinen braunen, hölzernen Tisch mit den Stühlen, aus demselben Material. Auf dem Tisch lag eine kleine bestickte Spitzendecke, was das Rustikale noch mal unterstrich. Lees Oma ging währenddessen zum Kühlschrank und nahm einen Krug Zitronensaft heraus. Das war zwar kein Wasser, wie sie es angekündigt hatte, aber ich konnte trotzdem nicht ablehnen. Sie kam mit einem Glas zu Tisch. „Freut mich, dass du da bist, Cara. Du warst lange nicht hier. Warum?“, fragte sie und legte ihren Kopf ein wenig schief. Ich konnte ihr nicht sagen, dass ich mich mit Lee gestritten hatte. Da hätte sie mich gleich wieder nach Hause geschickt. Also suchte ich mir eine andere Ausrede: „Ich hatte keine Zeit.“ Das war die solideste Antwort, die ich geben konnte. Die Neugier von dieser Frau war aber nicht zu toppen: „Was hast du gemacht?“ Innerlich schüttelte ich den Kopf und verdrehte die Augen.
Doch genau in dem Moment, in dem ich antworten wollte, kam jemand durch die Tür. Leanne war hier in der Küche aufgetaucht und sie sah wie immer toll aus mit den Jeans und dem lockeren Pullover. Die Haare in einem Knoten und auf der Nase einen gelben Farbfleck. Ja, das war Leanne. So hatte ich sie damals kennengelernt. Aber an diesem Tag in London hatte sie einen ganz anderen Gesichtsausdruck draufgehabt. Er war voller Freude (und auch ein wenig angehaucht vom Alkoholkonsum), doch heute… ihr Blick hatte sich in dem Moment, in dem sie mich gesehen hatte, von dem normalen Strahlen zu einer grimmigen Miene, die hundert Prozent mit mir zu tun hatte. Die Spannung, die sofort im Raum auftrat, war nicht zu nicht merken, doch Lees Oma tat dennoch so, als wäre alles bestens: „Oh Leanne, sieh mal wer hier ist. Cara!“ Leanne sagte erst nicht, sondern wandte sich vorher ab, um zum Kühlschrank zu gehen, doch als sie ihn aufmachte und sich sicher war, dass sie mich nicht mehr im Augenwinkel sah, antwortete sie: „Das habe ich nicht übersehen.“ Die Missbilligung in ihrer Stimme war kaum zu überhören. Es tat mir echt weh, dass sie so auf mich reagierte. Eigentlich hätte ich mich ja von Anfang an schon bei ihr entschuldigt, nur jetzt, wo Lees Oma mich hierher geführt hatte, schaute es echt so aus, als wäre ich irgendeine Schnorrerin. Und am aller wichtigsten: Es sah so aus, als wäre ich wieder so überheblich und tat so, als hätten wir uns nicht gestritten. Oh mein Gott… das war ja mal nach hinten losgegangen. Es tat mir so leid.
Leanne nahm den Krug Zitronensaft aus dem Kühlschrank und füllte ihn in ein Glas, nahm dieses und wollte gerade wieder gehen, als ihre Oma eingriff: „Warte, junges Fräulein! Willst du deiner besten Freundin nicht hallo sagen. Ich wette ihr habt nach dieser langen Zeit, in der Cara nicht da war, ein bisschen was zu bereden.“ Als nächstes erntete ich einen tötenden Blick von Leanne. Und das schlimmste war: Ich konnte es ihr nicht einmal übel nehmen. Ich verstand ja, dass sie mich hasste, nachdem ich mich so dumm verhalten hatte all die Jahre. Ich erwartete, dass Lee jetzt ohne eine Antwort zu geben wieder abhaute, aber sie blieb und setzte sich sogar zu uns an den Tisch. Die Spannung wurde größer, aber Oma Jones hatte wohl nicht die Absicht es zu merken. Und nach dem Augenblick, an dem sich Lee gesetzt hatte, brach ein Schweigen aus. Wir beide saßen gegenüber an dem kleinen Tisch und sie warf mir weiter böse Blicke zu, während meiner wahrscheinlich überirdisch schuldbewusst aussah. Leannes Großmutter saß zwischen uns und tippte mit ihrem passend orangen Sneaker am Boden, sodass ein ziemlich nerviges Geräusch daraus entstand. Es war ein so unangenehmes Schweigen, dass ich am liebsten weggerannt wäre. Das war ja mal ätzend. Irgendwann erlöste Leanne uns drei aber; zum Glück: „Grandma, könntest du uns bitte für einen Moment alleine lassen. Ich würde gerne etwas mit Cara unter vier Augen besprechen.“ Oma Jones stand sofort auf und sagte glücklich wie immer: „Ok, ich lasse euch Mädels einfach allein. Es kommt sowieso gleich Trudy und wir machen ein gemeinsames Workout, wie die im Fernsehen.“ Und dann verschwand sie aus der Tür.
Ich versuchte keinen anderen Gesichtsausdruck anzunehmen, als ich das bisher schon gemacht hatte. Es wäre mir unangenehm gewesen. Leanne stand auf. Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich jetzt bei einem Verhör war. Es fehlte nur die Lampe. „Warum bist du hier?“, fragte Lee mit einem so zerstörerischen Ton, der überhaupt nicht zu ihr passte. Jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen.“ Sofort änderte sich Leannes Blick von „Es ist mir egal“ zu „Damit hätte ich nicht gerechnet“. Ja, ich konnte mir vorstellen, wie es war, wenn ich mich mal für etwas entschuldigte, wo ich es vorher niemals gemacht hatte. „Du willst dich- was?“, fragte sie ungläubig. „Ich will mich entschuldigen dafür, wie blöd ich mich die letzten Jahre verhalten habe als eine beste Freundin. Ich war eine scheiße Freundin und dafür wollte ich mich entschuldigen.“ Leanne machte am Absatz kehrt und stand jetzt mit dem Rücken zu mir, die noch immer auf meinem Stuhl saß. „Das meinst du ernst?“ Ihr Ton wurde immer ungläubiger. Ich konnte mir schon vorstellen, dass sie niemals damit gerechnet hätte, dass ich jemals etwas derartiges tun würde. „Hundert Prozent. Du hast in allem Recht gehabt, worüber wir die letzten Wochen gestritten haben. Die 1D-Boys sind gar nicht so schlimm, wie ich das von Anfang an gesagt habe und Niall… ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll, aber ich verspüre keinen Hass mehr, wenn ich ihn sehe. Und genau das hast du mir gesagt. Du hast mir gesagt, ich soll sie mal kennenlernen, aber ich wollte dir nicht zuhören und das bereue ich zu tiefst. Ich hätte niemals so reagieren dürfen. Und diese dumme Angewohnheit, dass ich gehe, wenn ich etwas nicht hören will: Das tut mir alles so furchtbar leid. Ich habe dich vermisst, Leanne. Ich bereue es; ich bereue mein Verhalten. Ja, es tut mir so leid.“ Während meiner unvorbereiteten Rede war ich aufgestanden, ging vor sie, dass wir wieder voreinander standen, und gestikulierte dabei mit meinen Händen herum. So doll, dass Leanne mittlerweile nicht mehr ernst dreinschaute, sondern ein Grinsen auf den Lippen hatte. War das alles so lustig, wie ich mich ins Zeug legte, dass ich sie wieder zurückbekam? Hoffentlich war es so und nicht so, dass sie es lächerlich fand, wie ich versuchte sie wieder als meine beste Freundin zu haben. „Du meinst das wirklich ernst?“, sie sah trotz des Lächelns noch immer ungläubig aus, dass ich das jetzt wirklich getan hatte. Ich hatte mich entschuldigt; das erste Mal in meinem Leben. „Ja, das tue ich.“ Sie lächelte noch immer, aber eine richtige Antwort, ob jetzt alles wieder gut war, bekam ich nicht. Sie stand nur lächelnd da und sagte nichts. Das machte mich noch fertig. Jetzt hatte ich mich so ins Zeug gelegt und jetzt gab sie mir keine Antwort. Was hieß das? Was sollte das bedeuten?
„Vergibst du mir jetzt?“, fragte ich vorsichtig. Noch ein Schweigen, aber nur ein kurzes, denn im nächsten Moment umarmte mich Leanne. Ja, wir waren wieder beste Freundinnen.

Wie dankbar ich war, dass Leanne mir nicht mehr böse war. Ziemlich dankbar. Es freute mich und auch sie so sehr, dass Lee mich gleich bat, dass ich den Nachmittag bei ihr verbrachte.
Wir gingen nach oben in ihr Zimmer. Es war noch immer ungewohnt, wie sie es umgeräumt hatte, aber ich fand es sah viel besser aus jetzt. Leanne war eine Künstlerin; das sah man aus hundert Metern Entfernung. Allein die Jeans, die auf der weißen Kiste vor ihrem Bett lag, war der absolute Hammer. Es war eine normale weiße, weite Jeans, doch auf einem Bein war sie in einem Mondrian-Muster bemalt; sah grandios aus.
Wir ließen uns auf ihr Bett fallen und starrten hier für einen Moment an die Decke. Es erinnerte mich zu sehr daran, wie ich so mit Niall am Boden gelegen war gestern Abend und daran, wie ich dann unbewusst mit ihm gekuschelt hatte. Ich hatte keine Ahnung, wieso das so passiert war, aber ich ging mal davon aus, dass mein schlafendes Ich einfach nur irgendwelche Probleme gehabt hatte, die wahrscheinlich mit meiner Angst eingesperrt zu sein zusammenhangen. Ich spürte noch immer seine um meine Schulter gelegten Arme auf meiner Haut. Warum das so war? Keine Ahnung. Da viel mir wieder auf, wie viel ich eigentlich nicht über meine Gefühle wusste. Das kam mir komisch vor.
Es ging einige Sekunden so weiter, dass wir einfach so dalagen, aber einen Moment später kam ich darauf, dass ich ja eigentlich noch was erledigen musste, und sagte: „Leanne, du kennst ja Gigi Hadid. Nicht?“ Sie setzte sich auf und schaute zu mir. Sofort schien sie total aufgeregt. Ich wusste, dass sie ein großer Fan von Gigi war. Kein schreiender, weinender Fan, aber sie war ein Fan. „Was willst du mir jetzt sagen?“ In ihrem Ton lag Neugier und Aufregung gleichzeitig. Ich wollte sie ja nicht länger auf die Folter spannen. „Hast du Lust heute Abend mit Gigi Hadid, Zayn Malik, Niall Horan und mir auf einen Weihnachtsmarkt hier in Toronto zu kommen?“ Zuerst sagte sie nicht. Das war wohl die Schocksekunde, aber dann freute sie sich riesig. „Oh mein Gott! Ja, liebend gerne! Das wird sicher mega cool!“, wenigstens hüpfte sie nicht in der Gegend herum und schrie, denn das konnte ich gar nicht leiden. Doch nachdem sie diesen Satz beendet hatte, runzelte sie die Stirn. „Seit wann seid du uns Niall Freunde?“ Jetzt war wohl der Augenblick gekommen, in der ich ihr erzählte, dass was so zwischen uns passiert war. Ich würde ihr aber nicht alles erzählen, sonst hielt sie mir irgendeine Rede, die sowieso nicht stimmte. Auch wenn Lee und ich uns gerade erst wieder vertragen hatten, sollte sie zum Beispiel nicht von meinen Träumen erfahren. Das behielt ich lieber für mich. Ich antwortete: „Ich weiß nicht. Vielleicht gestern als wir in diesem Studio eingesperrt waren.“ Lee schaute überrascht drein. Dann erklärte ich: „Ich habe, wahrscheinlich genau wie er, gestern nicht geschlafen, also bin ich, genau wie er, während unserer gestrigen Schreibsession eingeschlafen. Und dann war plötzlich die Tür abgeschlossen und wir haben die Nacht im Studio verbracht.“ Ich wusste, dass in Leannes Kopf sofort falsche Dinge aufkamen. Sie war einer der Menschen, die gefühlt immer schmutzige Gedanken hatte. Das erkannte ich auch, dass sie die Augenbrauen auffällig nach oben zog. Ich rollte nur mit den Augen und verteidigte mich: „Denk nicht daran! Ich hab gesagt, dass ich Niall mittlerweile ertrage und nicht… nicht auf diese Art.“ Ich griff mir an die Stirn und wandte mich dann ab. Lee ließ sich wieder zurückfallen, sodass wir jetzt wieder nebeneinander lagen. „Trotzdem interessiert es mich“, begann Leanne, „Wie stehst du wirklich zu ihm?“ Was erhoffte sie sich? Das war die Frage und nicht, wie ich zu ihm stand. Ich stand zu ihm… naja, ich schätzte mal so halb-freundschaftlich. Ich wusste nämlich nicht, ob ich mich wirklich mit seiner Art anfreunden konnte. Ich wusste nicht, wie er zu mir stand und ich zu ihm. „Nicht mehr als Freundschaft; wenn überhaupt“, antwortete ich knapp. Das war ja auch die Wahrheit und mehr wollte ich nicht sagen. „Sicher?“ „Denke schon. Er ist ganz ok, aber es ist kein Mensch, den ich außerhalb der Arbeit sehen wollen würde.“ Damit gab sie sich zufrieden, aber nun blieb in mir die Frage offen.
Wie stand ich wirklich zu Niall?
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