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ѕereɴdιpιтy – ͏after all this time...

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Het
Jimin Kim Seokjin OC (Own Character) RM Suga V
31.07.2020
17.04.2021
85
207.857
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Dieses Kapitel
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31.07.2020 2.221
 
Kapitel 1
„Zurück in die Hölle“


────•~❉᯽❉~•────

„Wherever I go, wherever I go
I hear your voice on a broken radio
Wherever I go, wherever I go
I know we'll burn like a rocket's afterglow
Don't ever let go, don't ever let go
Are we destined to hit the ground below?
Don't ever let go, don't ever let go
Are we just watching the final chapter close?“

Afraid of Heights – Billy Talent

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Sa., 6. Januar 2018

Moonhee

Die Flugzeugturbinen ließen den Innenraum vibrieren und erzeugten ein dauerhaftes Summen, das sich so langsam in meinen Ohren festsetzte. Nicht einmal die Foo Fighters konnten das in meinen Kopfhörern mit Everlong übertönen. Müde ließ ich meinen Kopf gegen die Plastikverkleidung der Deckwände sinken und schloss für einen Moment die Augen.

Viel zu oft hatte ich in den letzten Stunden die Stöpsel herausnehmen müssen, weil das seltsame englische Hippie-Pärchen neben mir ihre furchtbaren, aus einem Touristenhandbuch angelernten Koreanisch-Kenntnisse an mir austesten wollten. Und viel zu oft hatte ich bei dem ganzen Spiel auch noch freundlicherweise mitgespielt. Nun schienen sie ein Glück endlich genug zu haben und ließen mich in Ruhe in Selbstmitleid versinken. Ob ich wohl die einzige in diesem Flugzeug war, die der Landung nicht freudig entgegenblickte?

Ich öffnete die Augen wieder und warf einen Blick aus dem von Eiskristallen gezierten Fenster. Ob das da unten schon China war? Gut möglich, immerhin saß ich seit dem Abflug in Heathrow schon fast sieben Stunden auf diesem viel zu engen Platz in der Economy Class. Doch lieber hier eingequetscht als bald wieder zuhause zu sein. In unaufhaltsamen Flashbacks kamen mir wieder die alten muffigen Vorhänge in den Sinn, die Aussicht auf die gegenüberliegende Backsteinhauswand aus meinem Zimmer, der einladende Geruch von Eommas Japchae, Yunhees Geschrei, wenn Appa sie zum Erledigen ihrer Hausaufgaben gezwungen hatte und der immerhin nicht allzu weite Weg zur Schule… All das schien inzwischen so weit zurück zu liegen, dass es mir fast vorkam, als kehrte ich als alte Frau heim. Dabei war ich (mal ganz koreanisch betrachtet) mit dem Jahreswechsel gerade mal 24 Jahre alt geworden.

Ich wusste, dass mich nichts von diesen Erinnerungen erwarten würde, wenn ich in ein paar Stunden wieder bei meiner Familie ankam. Dass sie dank Sohee vor ein paar Monaten eine neue Bleibe hatten beziehen können. Eine schöne Wohnung im 16. Stock in Gangnam. Dieses Mal mit einer Aussicht über die Stadt und nicht auf Backsteinmauern. Yun hatte mir bereits Bilder geschickt und begeistert von ihrem vergleichsweise riesigen neuen Zimmer geschwärmt.

Dass Sohee mir eine eigene kleine Wohnung besorgen wollte, bewies nur, wie gut sie mich kannte. Auch nach meinem lautstarken Protest am Telefon war sie nicht davon abzubringen gewesen. Zwar konnte ich die Erleichterung nicht leugnen, dass ich dank ihr nicht bald nicht mehr bei meinen Eltern wohnen musste, doch dazu mischte sich dieses verdammte schlechte Gewissen. Wenn ich eins nicht wollte, dann mich von meiner großen Schwester finanzieren lassen. Schon gar nicht mit dauerhaften Zahlungen für die hohe Miete in Seoul. Und auch, wenn es von ihr ganz sicher nicht so gemeint war – es erschien mir nur wie ein weiterer Tritt in die Magengegend.

„Fotografie“, klang das Schnauben meines Vaters erneut in meinen Ohren. „Und dann auch noch im Ausland? Was willst du denn damit erreichen? Irgendwann Hochzeitsbildchen von anderen Paaren schießen?“

Ich wusste nicht, was er sich damals daraus erhofft hatte, mich auf die gleiche Schule wie Sohee zu schicken. Dass ich den gleichen Weg wie sie einschlagen würde? Der Familie Ruhm und Ehre bringen? Ich war mir sicher, dass er mir später nicht einmal zum bestandenen Studium gratulieren würde. Eomma würde es zumindest aus Höflichkeit tun…doch auch sie hatte mich damals nicht gerade begeistert aus dem Land verschwinden lassen.

Meine Gedanken schwebten mit den zuckerwatteartigen Wolken vor der Scheibe, über die wir wie in Zeitlupe hinweg flogen. Bald würde dieses Flugzeug auf dem Boden dieser verdammten Stadt landen. Diese Stadt, die ich vor vier Jahren nur zu gerne hinter mir gelassen hatte. Seoul. Warum kam ich überhaupt zurück? Warum blieb ich nicht einfach in London? London war schön. Zwar ständig von grauen Regenschauern verhangen und mindestens genauso bevölkert von Touristen, aber immerhin hingen dort keine Erinnerungen, die ich am liebsten vergessen würde.

Das Vibrieren meines Handys riss mich aus meinem blinden Starren und das Aufleuchten des Bildschirms offenbarte mir sofort Noahs Namen. Seufzend entsperrte ich mit meinem Fingerabdruck und öffnete mit einem Tippen die Nachricht. Immerhin mussten sich die verdammten 30 Pounds für das WLAN an Board noch bezahlt machen. Dies war das erste Mal, dass ich irgendwem antwortete, seit ich das Flugzeug betreten hatte.

[15:36] Noah: Alles gut bei dir? Melde dich bitte, wenn du wieder sicher auf dem Boden bist.

Ich wusste nicht, ob ich über diese Nachricht lächeln oder weinen sollte. Noah… Wieso war die Welt nur immer so unfair? Das hatte ich alles meinem abgelaufenen Visum und der mehr als fehlgeschlagenen Suche nach einem Job zu verdanken. Wäre ich bei letzterem erfolgreich gewesen, läge ich jetzt höchstwahrscheinlich noch glücklich in Noahs Armen in seiner kleinen Wohnung in Kensington, in der ich sowieso 90% meiner Zeit verbracht hatte. Doch er und ich waren nun erst einmal Geschichte. Eine Idee, die ich vorerst wieder in den Wind geworfen hatte. Es gab keine Zukunft für mich auf der Insel und genauso wenig eine für ihn in Südkorea.

Erinnerungen flatterten vor meinem inneren Auge vorbei. Wie er mich damals das erste Mal in der Kantine ansprach, obwohl ich dort immer alleine gegessen hatte. Unser erstes Date, bei dem ich von ihm zur besten Fish&Chips-Bude von ganz London ausgeführt worden war. Wie ich einfach nicht verstanden hatte, warum sie in diesem Land über alles Essig kippten. Wie er mich bei unserem dritten Date auf dem London Eye zum ersten Mal küsste…und wie ich ihm schließlich vor einigen Tagen am Ufer der Themse das Herz brach.

Noah und ich waren schon immer das seltsame, ungleiche Paar gewesen, das sich auf der University of London kennenlernte. Der typische große Brite mit den markanten Wangenknochen und zurückgelegten blonden Haaren und die kleine Koreanerin, die anfangs wie ein Geist durch die Flure des burgähnlichen, riesigen Gebäudes geirrt war und verzweifelt die Säle zu ihren Vorlesungen gesucht hatte. Nie hätte ich gedacht, einmal die Aufmerksamkeit von jemandem wie ihm zu erlangen.

Aber was brachte es jetzt noch, darüber zu philosophieren? Niemals würde ich von ihm verlangen, nach Südkorea zu kommen und meine Muttersprache zu lernen. Nein, ich hatte mich für den einfacheren und dennoch schmerzhafteren Weg entschieden. Ich hatte die Sache vorerst beendet.

Vielleicht war ich nicht forsch genug vorgegangen, dass er mich nun immer noch so freundschaftlich behandelte und sich um mich sorgte. Vielleicht hatte ich es wirklich nicht geschafft, ihm deutlich zu machen, dass ich für uns beide keine Zukunft sah. Wahrscheinlich betrachtete er es lediglich als Pause. Eine, die so lange währen würde, bis einer von uns zu einer Lösung für das Problem kam. Leider hatte ich diese Suche schon aufgegeben…

Dabei vermisste ich Noah wie die Hölle. Er hatte mich in den ganzen drei Jahren gezeigt, dass es auch eine Welt außerhalb von Seoul und all diesen schlechten Erinnerungen gab. Wenn auch unsere Mentalitäten und Weltansichten grundverschieden zu sein schienen. Aber so war das eben, wenn der Westen den Osten traf. Irgendwie hatten wir es mit der Zeit geschafft, uns mit all den Unterschieden zu arrangieren – wenn es sich auch nicht immer als einfach herausgestellt hatte.

„Alles gut. Ich melde mich bei dir, versprochen“, schrieb ich ihm zurück, ehe ich wieder auf meine Spotify-Playlist wechselte und zu Heroes von David Bowie skippte. Sofort machte sich wieder die melancholische Stimmung in mir breit, die der Song des Londoner Künstlers mit sich brachte. Warum hatte ich nur so ein Faible dafür, mich selbst immer mit Musik in eine deprimierende Laune zu versetzen? Reichte es nicht, bald wieder meiner Familie unter die Augen treten zu müssen? Vielleicht hatten sie recht. Vielleicht war ich wirklich ein hoffnungsloser Fall.

Gedankenverloren ging ich zurück auf meinen Messenger, um endlich nachzusehen, wer mir außer Noah eigentlich noch alles geschrieben hatte. Sofort sprang mir der Chat mit Yun entgegen und sogar Sohee hatte sich erkundigt, wann ich denn zuhause wäre. Dann natürlich die Nachricht von meinem Vater, wann er mich denn nun genau vom Flughafen abholen sollte. Was mir aber abgesehen von all dem ins Auge stach, war der Chat mit Chaewon.

[16:13] Chaewon: Habe vom Instagram deiner kleinen Schwester mitbekommen, dass du endlich wieder deinen Arsch hier her bewegst. Warum hast du nichts gesagt??? Wir müssen uns unbedingt treffen, wenn du wieder da bist :)

Lange starrte ich die Zeilen an, ehe ich langsam und unsicher eine Antwort zu tippen begann. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass Chaewon mich längst vergessen hatte. Vier Jahre waren eine lange Zeit und wir hatten seit meiner Abreise mehr sporadisch miteinander Kontakt gehalten. Unser letzter Austausch war, so zeigte mit KakaoTalk an, vor drei Monaten gewesen. Dazu kam, dass wir uns nie wirklich intensiv über unsere neuen Leben ausgetauscht hatten. Ich wusste nicht, was Chaewon inzwischen machte, ob sie noch zuhause wohnte und ob sie ihre Haare tatsächlich immer noch als Bob trug. Ihr Profilbild von einem Sonnenuntergang auf dem Mount Achasan ließ jedenfalls nicht viel darauf schließen.

[17:09] Ich: Tut mir leid, hatte wegen dem Umzug viel um die Ohren, aber ich würde mich freuen, dich wieder zu sehen. Wie wäre es mit Freitag?

Nachdem ich meine Antwort abgeschickt hatte, widmete ich mich zu meinem großen Leid auch endlich dem Chat von meinem Vater. Danach folgten noch zwei kurze Nachrichten an Sohee und Yun, ehe ich mein Handy sperrte und meinen Kopf erneut auf die inzwischen wieder erkaltete Plastikwand neben dem runden Fenster sinken ließ. Ich wusste eigentlich nicht wirklich, ob ich mich auf das Treffen mit Chaewon freute. Gerade war mir wirklich nicht danach zumute, mich auf irgendwas zu freuen. Auch wenn sie damals noch meine beste Freundin gewesen war. Die einzige, die geblieben war, nach… Nein. Ich durfte nicht schon wieder darüber nachdenken. Ich hatte mit diesem Kapitel abgeschlossen. Aber ob das auch für sie galt…?

Meine Gedanken kreisten und kreisten und ich merkte gar nicht, wie ich langsam zu den Klängen meiner Playlist abdriftete. Wie das Summen der Turbinen eins wurde mit Billy Talents Afraid of Heights und wie meine sich in den Höhen seltsam anfühlenden Glieder eine neu aufkommende Müdigkeit durchfuhr. Ich schloss meine Augen und versuchte meinen Kopf leerzuräumen, bis nichts als ein undurchdringliches, schwarzes Meer vor mir lag, über das ich hinweg flog. Erst die englische Durchsage des Co-Piloten ließ mich aus meinem Dämmerschlaf erwachen und obendrauf noch heftig zusammenzucken.

„Ladys and Gentlemen, wir setzen nun für den Landeanflug zum Incheon Airport an. Wir bitten Sie, alle technischen Geräte auszuschalten, Ihre Sitze aufrecht zu stellen, die Gurte anzulegen und Ihre Tische hochzuklappen. Vielen Dank.“

Das Pärchen neben mir tat auf die Sekunde genau wie geheißen, während ich noch immer ziemlich benommen in meinem Sitz hing. Erst, als mich ihre erwartungsvollen Blicke trafen, raffte ich mich auf, ebenfalls mein Handy auszuschalten und den Gurt wieder anzulegen. Ich konnte den Moment der Landung schließlich auch nicht durch solche Kinkerlitzchen herauszögern…so gerne ich es doch gewollt hätte.

Langsam nahm man wahr, wie sich die Reihen vor uns in der sich verändernden Position des Flugzeugs absenkten und als ich irgendwann endlich einen Blick aus dem Fenster warf, befanden wir uns schon mitten in der Wolkendecke. Oder dem Smog. Bei Seoul wusste man da nie so genau.

„Annyeonghaseyo Seoul“, frohlockte die Britin neben mir in meine Richtung, wobei sie das koreanische Hallo einfach nur zum Heulen falsch betonte, doch ich wollte sie in ihrer Freude nicht beirren. Stattdessen nickte ich nur mit einem kleinen Lächeln, das ich gerade so zustande bekam und wandte mich dann schnell wieder der Aussicht zu. Inzwischen zeigte sich Seoul wie eine von grau geprägte Spielzeugstadt. Die Sonne spiegelte sich in dem von hier oben ziemlich schmal aussehenden Hangang, genauso wie in den Fensterfronten der riesigen zahllosen Wolkenkratzer.

In wenigen Stunden würde ich ihnen wieder gegenüberstehen. Würde mir anhören müssen, wie wenig ich sie doch in den vergangenen Jahren besucht hatte oder mich besuchen hatte lassen. Schnippische Kommentare zu meinem jahrelangen Fernbleiben der Heimat ertragen müssen. Würde mich über meine Jobpläne ausfragen lassen. Einfach nur hoffen, dass der Abend schnell vorbeiginge und ich mich in mein neues Zimmer verziehen konnte.

Verdammt, wie sehr hatte ich dieses angebliche Zuhause nicht vermisst.


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Hallo zusammen, ich kann euch nun endlich das erste Kapitel meiner neuen Fanfiction präsentieren! Wer schon bei meiner vorherigen abgeschlossenen Geschichte dabei war, willkommen zurück! ♡ Ich habe mit ein paar von euch ja schon ein wenig über die Pläne hierfür geredet und ich muss sagen, in den letzten Wochen habe ich nochmal viel umgeschmissen XD Aufgrund der wirklichen Hardcore-Recherche, die auch diese FF an vielen Punkten braucht, werde ich dieses Mal unregelmäßiger uploaden, nur dass ich Bescheid wisst :) Dazu nochmal ganz vielen Dank an die liebe Rosenschnee, dass sie dieses Mal die Rolle als Betaleserin bei mir übernimmt. Jetzt haben wir beide Paten-Fanfictions hihi ♡ Schaut auf jeden Fall auch bei ihr vorbei! Nun euch ganz viel Spaß beim Lesen :)
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