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Die Wächter des Schattens

von Seyphir
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Mix
OC (Own Character)
30.07.2020
06.12.2022
17
58.477
11
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
11.09.2020 2.259
 
Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.

~Franz Grillparzer







4.Planung









Mit einem mulmigen Gefühl im Magen fliegt Angar hinter Lyren und River her. Die beiden scheinen jeweils in ihren Gedanken versunken zu sein, denn River blickt starr geradeaus und Lyren liegt mit seinem Rücken auf Iduna. Er blickt stumm in den Himmel und scheint über etwas zu grübeln, was bei ihm nun wirklich nichts Ungewöhnliches ist. Der Grünäugige hatte schon öfters bemerkt, dass der Ältere eine ausgewöhnlich gute Auffassungsgabe besitzt, was ihnen schon das ein oder andere Mal aus der Klemme geholfen hat. Und sowie er gerade guckt, denkt er bestimmt über Zeals Verhalten vorhin nach. Den jungen Drachenzähmer interessiert es schon, auf welche Rückschlüsse Lyren kommen wird. Gerade weil, er sich auf Zeals Verhalten einfach keinen Reim machen kann. Sonst nimmt der Schwarzhaarige solche Bemerkungen, wie sie Lyren getätigt hatte, nicht einmal wahr.



Umso erstaunter ist er gewesen, als Zeal so reagiert hat, wo wenn man ihn angegriffen hatte. Natürlich ist Zeal ein absolutes Arschloch und er kann sich bis dato nicht erklären, warum er überhaupt in der Gruppe ist. Als er dazu gestoßen ist, war Zeal schon da gewesen. Es ergibt für ihn kein Sinn, wieso Askajia ihn nicht schon längst fortgeschickt hat. Sie muss wissen, dass Zeal nicht zu ihrer Rettung eilen würde, sollte es hart auf hart kommen. Das muss sie einfach wissen und dennoch behält sie ihn im Team. Ohne dass es für einen von ihnen Sinn macht. Er schüttelt den Kopf. Es bringt nichts, wenn er sich jetzt darüber Gedanken macht. Er sollte sich lieber darüber Gedanken machen, wie sie Askajia daraus holen. Denn bisher haben sie nicht wirklichen einen Plan. Wenn man das Plan nennen kann, was sie da haben. Bisher besteht ihr ganzer Plan darin erstmal zur Insel zu fliegen und … ja das ist eigentlich alles was sie bisher haben.




Denn sie wissen rein gar nichts über die Verteidigung, die die Drachenjägerinsel zu bieten hat. Wie viele Geschütztürme haben sie? Wie viele Wachen? Wo und wie sind diese anzutreffen? Haben sie Drachenwachen und wenn, wie viele? Welche Rassen wären sie? Waren sie gezähmt? Welche Schwächen weißt das Verteidigungssystem auf? Und vor allem: Wo sind Askajia und Schneefunke? Geht es ihnen gut? Etliche Fragen auf die sie keine Antworten haben, aber müssen. Ohne diese Faktoren können sie keinen Angriff wagen. Vor allem nicht, wenn sie nur zu dritt sind. Zwei Sturmbrecher und ein Trampler. An sich sind das starke und intelligente Drachen, doch gegen eine ganze bis an die Zähne bewaffnete Insel könne sie nichts ausrichten.



Zu dritt sind sie einfach zu Schwach und Angar kommt nicht umhin sich zu wünschen, dass sie wenigstens Wolkensturz begleiten würde. Die schwarze Skrilldame ist sehr mächtig und sie könnten ihre Macht wirklich gut gebrauchen. Doch Angar weiß auch, dass diese nie die Seite von Zeal verlassen würden. Sie ist Zeal treu, genauso wie Schuppenglanz ihm treu ist. Sein überwiegend blauer Trampler würde ihm auch nicht von der Seite weichen. Doch so schön die Gewissheit auch ist, dass ihre Drachen sie nie im Stich lassen würden. Sie bringt ihnen nichts. Was sie brauchen ist ein narrensicherer Plan, wie sie Askajia und Schneefunke daraus bringen – und vielleicht auch die anderen Drachen. Doch diese haben jetzt keine Priorität. Wenn sie Askajia daraus haben, können sie sich einen neuen Plan erarbeiten um diese zu retten. Doch erstmal müssen sie ihre Freundin daraus kriegen.



Denn wenn sie nicht mal sie daraus kriegen, dann bestimmt nicht die ganzen Drachen. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Erneut seufzend hebt er die Hand und reibt sich übers Gesicht. Das ist alles so unklar, viel zu unsicher, als dass er sich dabei wohl fühlen würde. Bevor er weiter darüber nachdenken kann, reißt ihn ein besorgtes Grollen aus den Gedanken. Verwundert blickt er zu seinem Drachen, welcher seinen blauen Kopf etwas zu ihm gedreht hat. Unter seinen Augen hat der Trampler einen roten Schuppenstrich der sich etwas nach hinten zieht und aus Angars Sicht gut zu sehen ist.
,, Was ist Schuppenglanz?“, fragt er seinen treuen Begleiter und dieser knurrt einige verschiedene Töne.
Angar legt den Kopf ein wenig schief und überlegt was sein Drache ihm wohl sagen will. Selbiger sieht ihn weiterhin an und merkt das sein Reiter nicht versteht, was er ihm sagen will. Also knurrt er wieder ein paar Laute ehe er zu Angar nickt und den Kopf etwas schief legt. Der Schwarzhaarige sieht ihn einige Sekunden an, ehe er versteht was sein Drache von ihm will.



,, Ich habe nur nachgedacht wie das alles funktionieren soll“, sagt er sanft, ehe er seinem Begleiter ein leichtes Lächeln gab.
Dieser blinzelt ihn an und legt den Kopf schief. Einige Sekunden verblieben sie so, ehe der Trampler seinen Kopf wieder nach vorne dreht. Angar grinst daraufhin etwas und schüttelt ein wenig den Kopf. Sein Freund ist manchmal wirklich unverbesserlich. Doch diese Leichtigkeit verschwindet, als seine Gedanken wieder zu der Mission finden. Wie sollen wir das bloß hinkriegen? Ohne Zeal und Elsslin fehlen uns zwei Drachen, vor allem Wolkensturz. Und wir müssen auch auf Schneefunke sowie Askajia verzichten. Ohne einen Skrill und einen Tagschatten … Ja, Schuppenglanz, Iduna und Wolkenklang sind stark, aber man sollte die Kraft eines Tagschattens sowie eines Skrills nicht unterschätzen. Es fehlt ihnen so erheblich an Feuerkraft. Er seufzt erneut. Das wird eine lange Nacht…



***



,, Wir sind da!“, lässt River ihre Freunde wissen, als sie eine Inselgruppe am Horizont erblickt.
Sofort setzt sich Lyren auf und streckt sich etwas, dabei wehen seine weißen Haare leicht im Wind. Nur da Lyren neben ihr fliegt, kann sie seine weißen Haare sehen, da er sie nach links gekämmt hat und die rechte Kopfseite zu kleinen Stoppeln geschoren hat.
,, Na endlich. Hat ja lange genug gedauert!“, witzelt der 22jährige und erntet von River ein Augenverdrehen.
Die Schwarzhaarige mag ja eigentlich seine Art wie er Situationen egal welcher Art mit einem Witz aufzulockern, gerade weil sie in solchen Situationen eher sachlich blieb. Doch diese Mission ist anders. Hier geht es um eine von ihnen. Um Askajia. Sie kann sich nicht dazu bringen, in dieser Situation zu scherzen.




Sie müssen alles geben, um sie daraus zu holen, denn wenn sie es vermasseln, dann könnte das Askajias und Schneefunkes Ende sein. Oder sie werden wieder verschleppt und sie können diese nicht mehr auffinden. Es ist zu wichtig! Sie biss sich auf die Lippe und griff in ihren Sattel. Wir müssen uns auf unser Ziel konzentrieren und nicht herumalbern.
,, Lyren! Nicht jetzt!“, sagt sie und sieht die Inselgruppe vor ihnen an. Es sind zehn an der Zahl, doch nur zwei von den Inseln scheinen besiedelt zu sein. Komisch…
,, Ich würde sagen wir landen auf der ab gelegensten Insel und gönnen unseren Drachen eine kurze Pause. Danach werden wir die Insel auskundschaften und Angar wird sich die Hauptinsel mit der Arena vornehmen“, teilt die junge Reiterin ihren Freunden mit, welche nicken und sie vorsichtshalber in die Wolken fliegen. Man sollte sie nicht schon vorher bemerken.



,, River!“, ruft Angar nach ihr und sie dreht sich zu ihm um.
Der Ältere fliegt mit seinem Trampler neben sie und der Drache krächzt kurz zur Begrüßung, woraufhin Wolkenklang erfreut brummt. Kurz lächelt sie deswegen, ehe sie sich wieder auf Angar konzentriert und sein ernstes Gesicht vor Augen hat.
,, Was ist Angar?“, fragt sie ihn.
,, Ich würde vorschlagen, dass wir den Angriff am Morgen machen. Da sieht man eure Drachen weniger in der Morgenröte und wenn wir es früh genug machen, schlafen die meisten bestimmt“, schlägt Angar vor.
,, Keine schlechte Idee. Ich kenne die Gegend. Morgens ist dieser Teil des Archipels mit einer Nebeldecke verhüllt. So können sie uns nicht heranfliegen sehen und wir könnten Schuppenglanz als Späher in den Wolken lassen, ohne dass sie ihn bemerken würden“, stimmt Lyren seinem Freund zu, als er sich nun auch näher an sie heranfliegt.



,, Warum Schuppenglanz?“, fragt verwirrt, scheint aber von der Idee nicht abgeneigt zu sein.
Daraufhin grinst Lyren überlegend, ehe er seinen Gedankengang erklärt: ,, Na ganz einfach. Schuppenglanz ist der kleinste Drache von unseren Drachen und ist so ein schwierigeres Ziel in dem dichten Nebel, sollte sie ihn wirklich bemerken sollten. Außerdem beherrscht er so gut wie jedes Drachenfeuer und kann an die 40 Schüsse abgeben. So können wir es aussehen lassen, als wären wir 10 anstatt nur drei. Und er hat sehr scharfe Sinne und kann so Gefahren erkennen, die unseren Drachen vielleicht entgehen würden. Es wäre nur von Vorteil, wenn wir ihn als Späher verwenden und ich denke wir brauchen jeden Vorteil den wir kriegen können.“
Angar scheint kurz darüber nachzudenken und nickt ihnen dann zustimmend zu.
,, Ich werde mich dann am Boden absetzen lassen, dann kann er alles geben, was er hat, ohne auf mich achten zu müssen“, sagt er ernst. Schuppenglanz grummelt ein wenig und schüttelt sich leicht.



,, Alles gut. Das geht in Ordnung. Ich pass schon auf mich auf“, besänftigt der Grünäugige seinen Drachen und streicht sanft seinen Hals.
,, Er scheint nicht begeistert“, kommentiert Lyren lächelnd und entlockt sogar Angar damit ein Schmunzeln. Dieser zuckt mit den Schultern und streicht noch einmal über seinen Hals.
,, Konzentration Jungs!“, ermahnt River sie und beide jungen Männer verdrehen die Augen.
,, Entspann dich mal, meine Schöne. Ist doch alles gut. Die könne uns noch gar nicht sehen, geschweige denn bemerken. Also beruhig dich“, sagt Lyren mit einem Zwinkern und River zuckt ganz leicht zusammen. Hat der mich gerade ‚meine Schöne‘ genannt? Warum macht er gerade jetzt darüber Scherze? Leise seufzt sie und entspannt sich etwas.
,, Die Insel ist jetzt unter uns. Wir können runter“, sagt sie und ignoriert dabei gewissenhaft Lyrens amüsiertes Grinsen.



***



Leise setzt Silver auf dem Boden auf und lässt seine Reiterin absteigen. Es ist anzusehen, dass es ihm nicht gefällt, Elsslin gehen zu lassen. Doch es geht nicht anders. Würde Johann ihn sehen, würde er kurzen Prozess mit ihm machen. Denn leider teilt ihr Mann ihre Ansicht auf Drachen nicht.  Also streckt die Dunkelbraunhaarige ihre Hand nach ihrem Drachen aus und dieser hebt seine orangene Schnauze gegen ihre Hand. Sie lächelt leicht und streicht sachte über seine raue Haut. Dann löst sich ihr Kettenschwanz von ihr und schaut sie misstrauisch an.
,, Alles gut, mein Großer. Wir sehen uns Morgen, aber jetzt muss ich gehen“, spricht sie sanft, ehe sie ihrem mattblau-grauen Drachen noch ein letztes Lächeln schenkt und sich dann umdreht. Silver grollt ihr nach und erhebt sich dann in die Luft, um sich einen sicheren Schlafplatz zu suchen. Erst als die 21jährige hört, dass ihr treuer Freund verschwunden war, läuft sie los um noch pünktlich zu sein.



Sie macht sich auf den Weg zu ihrem Dorf, welches zu Fuß etwa 10 Minuten von hier entfernt war. Genug Abstand, dass keiner von ihnen ihren Drachen sehen könnte und doch nah genug, dass sie nicht auffällig zu spät kommt. Auf keinen Fall will sie, dass man ihren Silver findet. Das könnte sie sich nie verzeihen. Der siebenjährige Kettenschwanz bedeutet ihr zu viel, als dass sie zulassen könnte, dass ihr Stamm ihn findet. Sie würden ihn sofort töten, denkt sie betrübt und beeilt sich in ihrem Dorf anzukommen. Die Grünäugige beschleunigt ihren Schritt und nach einigen Minuten kommt ihr Dorf in Sicht. Erleichtert erkennt sie, dass in ihrem Haus noch kein Licht brennt. Das heißt Johann ist noch beim Training und sie hatte hoffentlich noch genug Zeit, das Essen fertig zu machen. Denn jetzt noch Stress mit ihrem Mann zu haben, kann sie wirklich nicht gebrauchen.



Ihr schlechtes Gewissen gegenüber ihren Freunden nagt stark an ihr. Nur zu gern hätte sie geholfen, Askajia zu retten, denn immerhin ist sie ihre Freundin und Anführerin. Ihr so in den Rücken zu fallen, schmerzt Elsslin sehr und sie hasst sich dafür. Doch sie kann sich nicht verweigern, wenn Johann nach ihr ruft. Sie kann sich ja schon glücklich schätzen, dass er ihr gestattet mehrere Tage wegzubleiben. Warum er ihr diesen Wunsch erfüllt hat weiß Elsslin bis heute nicht. Vielleicht weil sie sonst alles tut, um ihn glücklich zu machen und es stumm akzeptiert hat, dass er ihr verlobt wurde. Gerade weil sie sich so für die Drachen auf ihrer Insel einsetzt, hätte sie nie gedacht, dass er ihr sowas erlauben würde. Doch genau sowas mag sie an ihm, zwar hat sie sich nie wirklich in ihn verliebt, aber er ist ihr wirklich ein guter Freund geworden. Und als solchen will sie ihn auch nicht verlieren.
Sie mag ihn, aber die junge Drachenreiterin kann nicht tolerieren, was er tut. Er tötet Drachen und lässt Elsslin nicht kämpfen. Johann versucht sie immer zu beschützen, was sie ebenfalls an ihm mag. Doch er lässt sie nicht beweisen, dass sie sich auch selbst verteidigen kann. Sie ist stark genug, doch das will er nicht sehen. Und das tut weh. Sehr weh.



Aber Elsslin schüttelt leicht den Kopf. Nicht jetzt! Jetzt muss ich mich auf andere Dinge konzentrieren. So strafft sie sich ein wenig und läuft durch ihr Dorf. Sie grüßt einige Leute freundlich und ein glückliches Lächeln umspielt ihre Lippen. Erst als sie in ihrer Hütte verschwindet, verblasst das Lächeln und ein Schmerz tritt auf ihr Gesicht. Ein Schmerz den niemand kennt. Ein Schmerz den sie alleine erleidet. Der durch ihren Körper jagt und ihr Herz zum Zerreißen bringen will. Sie beißt sich auf die Lippe und geht in die Küche, versucht ihr schlechtes Gewissen zu verbannen. Doch der Schmerz bleibt in ihrem Gesicht und erst als sie die Tür knallen hört, schreckt sie auf. Schnell blickt sie auf und ihre grünen Augen treffen die seinen.
,, Hallo Schatz, wie war dein Tag?“

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Möge die Macht mit euch sein.
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