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Die Wächter des Schattens

von Seyphir
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Mix
OC (Own Character)
30.07.2020
06.12.2022
17
58.477
11
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28.08.2020 2.538
 
'Man kann nicht allen helfen', sagt der Engherzige und hilft keinem.



~Marie von Ebner-Eschenbach








3.Schatten








Leise geht er den Flur entlang und hält nach der Wache Ausschau. Doch diese ist, wie er vermutet hat, gerade auf ihrem Rundgang. Welcher noch einige Zeit dauern sollte. Genug Zeit, damit er ihren Gästen einen Besuch abstatten konnte, ohne dass irgendwer davon Wind bekommt. Was ihm nur Recht ist. So kommt er unerkannt, zu der Tür und öffnet sie leise. Am besten wecke ich die Drachen nicht. Wenn sie mich sehen, werden sie bestimmt unruhig und ziehen die Aufmerksamkeit der Anderen auf uns. Das wäre nicht förderlich und würde die Sache unnötig verkompliziert. Also schiebt Sven die Holztür vorsichtig auf und betritt das Verlies. Hinter ihm geht die Türe leise zu und er wendet sich um. Zu seinem Glück scheinen die Drachen wirklich zu schlafen. Der pinkblaue Nadder hatte sich zusammengerollt und sein Stachel besetzter Schwanz liegt sacht an ihm. Seine Atmung geht flach und gleichmäßig.



Genauso der blaue Gronckel. Nur der gelbe Riesenhafte Alptraum scheint unruhig zu schlafen. Seine großen Flügel zucken immer wieder und ein leises Grollen verlässt sein Maul. Ob Drachen auch Alpträume haben? Die Hautspitzen auf seinem Rücken wehen leicht vor und zurück, durch seinen Atem. Seine Hörner am Kopf liegen leicht auf dem Boden, da der Drache seinen Kopf auf seinen dünnen Schwanz gelegt hat. Langsam dreht er den Kopf nach links und an der hintersten Wand kann er den silbernen Klingenpeitschling sehen, welche sich wie der Nadder zusammengerollt hat. Anscheinend hat der Schwarzhaarige wirklich Glück und alle Drachen schliefen. Erleichtert schweift sein Blick nun zu seinem eigentlichen Ziel und er erstarrt, als er auf die eiskalten Augen eines Drachen trifft. Verdammt! Der Tagschatten ist noch wach und ihre Augen sind leicht verengt, während ihr Blick jede kleinste Bewegung von ihm verfolgt. Ihr Maul ist leicht unter den Ledergürtel geöffnet und man kann ihre Zähne sehen.



Sven ist sofort klar, dass sie ihn die ganze Zeit über gehört hatte und schon bevor er dieses Verlies betreten hatte, auf ihn gewartet hat. Natürlich, schießt es ihm durch den Kopf. Sie ist immerhin ein Tagschatten. Doch jetzt hat er das Problem, dass sie ganz sicher nicht zulassen wird das er an ihre Reiterin geht. Warte. Wo ist sie? Erst jetzt wird ihm klar, dass er die Reiterin nicht sehen kann. Der Blauäugige blickt sich schnell im dunklen Verlies um. Nicht dass sie ihn von hinten überwältigen will. Also schweifen seine Augen durch den Raum und nehmen die Einzelheiten dieses Raumes wahr. Außer der dem aus Gronckeleisen bestehenden Gitter und den Drachen kann er nichts in diesem Raum sehen. Die wird doch nicht etwa abgehauen sein? Geht es ihm kurz durch den Kopf, doch schnell verwirft er diesen wieder. Sie wäre nie ohne ihren Drachen gegangen. Vielleicht haben die Wachen sie mitgenommen zum Verhör oder so. Nein, davon wüsste ich. Aber wo war die Anführerin der Drachenzähmer dann. Sie kann nicht einfach verschwunden sein. Es sei denn…



Sven tritt näher auf den weißen Schatten zu, welcher sofort das Knurren anfängt und mit seinen Beinen etwas näher an seinen Körper schiebt. Noch ein paar Schritte geht er auf das Geschöpf zu, welches nun auch ihre Flügel näher an ihren Körper drückt und so etwas vor seinem Blicken schütz. Ihr Knurren wird immer lauter und Sven ist sich nun sicher. Der Drache versteckt seine Reiterin unter seinen Flügeln. Das wird ein Problem. Wie soll ich an sie rankommen, wenn ihr Drache sie beschützt? Ihm ist klar, dass er selbst wenn der Tagschatten ein Maulkorb trägt, er nun wirklich kein Gegner für ihn ist. Und wenn dieser ihn angreift, werden die anderen Drachen wach und sich wahrscheinlich beteiligen. Und diese tragen keinen Maulkorb.



So hat er auf keinen Fall eine Chance. Er muss es schaffen, dass das weiße Geschöpf ihn an seine Reiterin lässt. Doch dafür muss es ihm soweit vertrauen, dass er dieser nichts tut. Also hebt er langsam die Hände und beugt sich ein bisschen nach vorne.
,, Alles gut. Ich will dir nichts“, sagt er leise und tritt einen Schritt näher an den Drachen. Dieser knurrt ihn an und ihre Augen verengen sich noch mehr.
Sven blickt dem Drachen in die Augen und dreht seine Handflächen nach oben. Eine besänftigende Geste, welche etwas Unterwerfung signalisieren soll. Auf welche der weiße Dämon hoffentlich eingeht. Doch leider tut dieser ihm den Gefallen nicht und öffnet ihr Maul noch etwas mehr, während ihr Knurren immer lauter wird.
,, Ganz ruhig. Ich will dich wirklich nicht verletzen“, versucht der Schwarzhaarige es weiter, doch der gezähmte Schatten will nicht hören.



Ganz im Gegenteil. Der Drachen zieht seine Beine noch enger an sich und seine Flügel presst er an sich. Seine Augen werden zu Schlitzen und Sven hört ein tiefes Grollen aus dem Bauch des Drachen. Sofort hält er inne und schaut den Drachen an. Er erkennt an der Haltung des Drachen, dass sein nächster Schritt sein letzter seien wird. Es trennen sie nur noch höchstens zwei Meter doch, wenn er diese Grenze überschreitet, greift der Drache an. Das Grollen war die letzte Warnung welche der Tagschatten von sich gegeben hat. Jeder andere Drache hätte ihn wahrscheinlich schon angegriffen und getötet. Jeder Drache der, sowie dieses Tagschattenweibchen, etwas beschützt. Der Beschützerinstinkt eines Drachen ist sehr stark und normalerweise kann nichts einen Drachen daran hindern das zu beschützen, was ihm wichtig ist. Sven hat genug Drachen gesehen die gestorben sind um ihre Jungen oder ihr Rudel zu beschützen.



Und so bewundernswert er diese Eigenschaft auch findet und das tut er. Jetzt ist sie ihm ein Dorn im Auge. Er muss an die Reiterin kommen, doch das Weibchen wird ihn nicht an sie ranlassen. Er hat ein Problem und braucht schnell eine Lösung, denn die Wache dürfte bald zurück sein. Dann hätte er noch ein Problem ohne das er das andere gelöst hat. Nicht gut.
,, Ich möchte dir helfen“, spricht er besänftigend auf das Tagschattenweibchen ein, doch diese knurrt weiter und der Blauäugige ist sich im Klaren, dass sie ihn längst mit einem Plasmastrahl erwischt hätte, wenn sie es könnte.
Auch wenn er sich nicht vorwärts bewegt bleibt der weiße Dämon aggressiv. So wird das nichts. Ich muss was Anderes versuchen. So greift er hinter seinen Rücken und holt etwas Silbernes hervor. Erst will der weiße Drache drohend nach ihm schnappen, doch er hält inne, als er ihr den Fisch zeigt, welchen er mitgebracht hatte.



Doch die Ruhe währt nur kurz, denn keine Sekunde später fängt das Weibchen wieder an zu fauchen und ihre Augen verengen sich noch ein Stück. Ihre Körpersprach signalisiert ihm deutlich, dass dieser Fisch sie nicht besänftigen wird. Doch er muss sie besänftigen, denn wenn nicht, dann könnte das alles schiefgehen. Für sie alle. Es muss einen Weg geben sie zu beruhigen. Irgendeinen. Er lässt seinen Blick schweifen und sieht sich nach einer anderen Möglichkeit um. Doch in diesem Verließ gibt es nichts außer die anderen Drachen. Diese schlafen alle noch und das ist auch gut so. Wären sie wach, dann könnte er gleich nach Walhalla gehen. Denn diese sind nicht gezähmt und würden ihn ohne zu zögern angreifen. Das würde er nicht überleben, dann könnten nicht einmal die Götter ihm helfen.



Bei ihnen hätte ich ganz sicher keine Chance. Sie sind wild und wütend. Ich könnte nie … Andererseits … Das Weibchen wird mich nie in die Nähe von ihrer Reiterin lassen. Was wenn ich aber, denn Fisch einem anderen Drachen gebe? Vielleicht würde sie mir dann vertrauen, wenn ich ihr beweise, dass ich ihr gut gesonnen bin. Aber welchen sollte ich, wenn ich es wirklich mache, nehmen. Sie sind alle wild und stink sauer auf die Drachenjäger. Keiner von ihnen wird mich in seine Nähe kommen lassen … Das kann ich ihnen nicht mal verübeln. Er seufzt, schließt die Augen, entspannt sich leicht und lässt eine Sekunde seine Deckung fallen … Ein schwerer Fehler, welcher ihm im selben Moment klar wird. Doch es ist zu spät. Er sieht nur noch die Finne des Tagschattens vor sich, da triff ihn schon der Schlag mit einer Wucht die ihn gegen die gegenüberliegende Wand befördert und einige Sekunden außer Gefecht setzt.



Sein Rücken schmerzt und sein Kopf dröhnt, weil er dieser gegen die Wand geprallt ist. Um die kurze Benommenheit abzuschütteln, dreht er seinen Kopf nach links und rechts. Dabei blinzelt er um seine Sicht zu schärfen. Nur langsam wird sie schärfer und was er dann erblickt, lässt ihn erstarren. Angst durchflößt ihn, als er in die giftgrünen Augen vor sich sieht. Sven starrt erschrocken auf die Pupillen des Drachen vor ihm, als er einen Windzug vernimmt. Es dauert einige Sekunden, bis er den messerscharfen Schwanz an seinem Hals spürt. Der Klingenpeitschling, schießt es ihm durch den Kopf und lässt ihn schlucken. Von allen Drachen die es in diesem Verlies gibt, wieso muss es er sein? Er ist der gefährlichste in diesem Raum, wenn man den Tagschatten nicht mitzählt.



Die Augen des Klingenpeitschlings funkeln bedrohlich und innerlich betet er an allen ihn bekannten Götter.
,, Odin steh mir bei“, murmelt er und der silberne Drache faucht ihn erzürnt an. Er verspannt sich und greift mit seiner Hand hinter sich, guckt ob er noch weiter zurückkann. Doch er spürt nur die Wand, kalt und hart. Er hat ein Problem. Denn er kann nicht auf Hilfe hoffen. Der Tagschatten würde ihn nie retten und ihre Reiterin schläft, die anderen Drachen würden einen Teufel tun und die Wache? Selbst wenn sie nun wieder auf ihren Posten steht, würde sie keinen Grund haben hier rein zu kommen. Welchen auch? Und wenn er rufen würde, hätte der Klingenpeitschling ihn schon längst gegrillt. Er sitzt in der Falle, wehrlos und mit nichts mehr als einen Fisch bewaffnet. Der Blauäugige schließt die Augen und versucht sich zu entspannen. Wenn er jetzt gehen würde, würde er wenigstens Mila wiedersehen.



Er versucht an den Gedanken sie wiederzusehen Trost zu finden. Immerhin hat er seine Mission noch nicht beendet. Doch was kann er mit einem götterverdammten Fisch anfangen? Ist ja nicht so, dass der Klingenpeitschling davor Angst hat. Er würde ihn höchstens mit ihm zusammen verschlingen. Als Nachsp- Da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Der Fisch ist seine Möglichkeit hier raus zu kommen! Hoffentlich. Vorsichtig tastet er nach den silbernen Fischen und schiebt ihn neben sich. Kurz blickt er zu den Klingenpeitschling, welcher ihn genauestens beobachtet. Götter steht mir bei. Langsam hebt er den Fisch mit seiner linken Hand hoch und führt seine rechte Hand darunter. Dann hält er den silbernen Meeresbewohner dem Drachen hin. Dieser knurrt bedrohlich, als er sich bewegt. Sven schluckt.
,, Na Großer? Hast du Hunger?“, fragt er unsicher und sucht den Blick mit dem Drachen. Dieser sieht ihn und den Fisch kritisch an, ehe er das Maul aufreißt und losbrüllt. Sven kneift die Augen zusammen. Der Klingenpeitschling schnappt zu.



***



Still gleiten sie durch die Luft, nur durchbrochen von Wolkensturz’s gleichmäßigen Flügelschlägen. Doch im Moment ist dem jungen Reiter das egal. Er weiß, dass er sich auf Wolkensturz verlassen kann. Sie würde nicht zulassen das ihm was passiert. Was das angeht, war seine Drachin schon immer sehr besonders. Ihre Rasse war und ist nicht dafür bekannt so … zahm zu sein. Ja, er hatte sie gezähmt und sie trainiert. Doch und das kann man nicht außer Acht lassen, ist sie immer noch einer der gefährlichsten Drachen die es gibt. Die sogar aggressiver sind, als die ohnehin schon aggressiven Schattendrachen, welche an den Rand der Ausrottung getrieben wurden und sich erst langsam wieder davon erholen.



Doch der Skrill ist zwar selten doch steht er noch lange nicht davor ausgerottet zu werden. Diese Rasse ist ohne äußerliche Einflüsse zu solch aggressiven Drachen geworden … und das zeigen sie auch. Es ist ein Wunder, wenn man eine Begegnung mit einem dieser Geschöpfe überlebt.  Das weiß er am besten. Es grenzt schon an ein Wunder das er heute hier ist. Eigentlich hätte er das damals nicht überleben dürfen, aber er hat es. Und es hat ihn stärker gemacht. Viel stärker. Stark genug um die Botschaft verbreiten zu können und die Drachen zu beschützen. Sowas nichtiges wie die Rettung von Askajia kann er auch den anderen überlassen. Die werden schon zurechtkommen. Die sind immerhin zu dritt. Und auch wenn sie es nicht schaffen sollten … Was geht mich das an? Wenn sie gefangen werden, dann ist das ihr Problem. Schlicht und einfach.



,, Die sollen sich nicht so aufregen. Ich meine, die haben zwei Sturmbrecher und einen Trampler. Es wäre peinlich, wenn sie es nicht schaffen würden. Ich mein, wir zwei könnten die zwei im Alleingang rausholen“, sagt der Schwarzhaarige gelangweilt und blickt die Wolken an, welche sich durch Wolkensturz tiefschwarze Flügel gespaltet werden. Eben jene brummt gütig und fliegt eine leichte Kurve. Zeal rollt mit den Augen und setzt sich auf, nachdem er es sich auf den fast stachelfreien Rücken von der Skrilldame bequem gemacht hatte.
,, Klar könnte ich ihr helfen, aber mal ehrlich warum sollte ich?“, stellt er seine Frage laut an seine Drachin die wieder ein langes Grollen von sich gibt. Dabei dreht sie leicht den Kopf zu ihm und blinzelt ihn an.



,, Und? Nur weil sie deren Freundin ist heißt das noch lange nicht, dass sie auch meine ist“, meint er schulterzuckend und streckt sich etwas. Als er wieder zu Wolkensturz Kopf sieht, scheinen ihre Augen wissend zu funkeln. Doch das interessiert ihn nicht.
,, Selbst, wenn ich ihr helfen wollen würde, was ich nicht will, dann erst nachdem wir hier fertig sind. Und auch nur dann, werde ich es mir vielleicht und auch nur ganz vielleicht durch den Kopf gehen lassen. Es geht mich nämlich nichts an, was mit denen ist. Die nerven eh alle nur, also sehe ich keinen Grund warum ich denen unter die Arme greifen sollte“, spricht er und will das Thema wechseln, doch seine Skrilldame brummt wieder und es klingt so als wolle sie ihn an etwas erinnern.



Zeal seufzt und streichelt ihr über den Kopf, ehe er sich wieder auf ihren Rücken legt.
,, Mir liegt nichts an ihnen, dass weißt du“, murmelt der Blauäugige und schließt seine Augen. Ich habe besseres zu tun, als mit ihr zu diskutieren. Wolkensturz brummt leicht und steigt etwas höher. Zeal gähnt ein wenig und macht es ich auf dem Rücken seiner treuen Skrilldame bequem.
,, Ich schlaf ein wenig. Weck mich wenn wir da sind, ja?“, spricht er noch zu Wolkensturz und spürt ihr bestätigendes Brummen.



Danach gähnt er nochmal leicht ehe er sich endgültig schlafen legt. In dem Wissen das Wolkensturz sie sicher ankommen lassen wird. Wenn er sich auf jemanden verlassen kann dann sie. Ohne Probleme schläft er ein und Wolkensturz’s besorgtes Brummen bekommt er nicht mehr mit. Auch wenn er es gehört hätte, hätte er es ignoriert. Was hätte es ihm auch gebracht. Das einzige worum sich seine Gedanken kreisen ist ihr Ziel. Wie jedes Jahr. Er dämmert vollends weg.
Erst durch Wolkensturz wird er wieder wach, als sie leicht ihren massigen Körper schüttelt. Er streckt sich und setzt sich wieder langsam auf. Blinzelnd öffnet er die Augen. Der späte Nachmittag hatte sich in die Nacht verwandelt und der Mond scheint majestätisch am wolkenlosen Himmel. Er sieht nach vorne und ein Lächeln stehlt sich auf sein Gesicht. Eine Insel ist in Sicht.



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Möge die Macht mit euch sein.
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