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Die Wächter des Schattens

von Seyphir
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Mix
OC (Own Character)
30.07.2020
06.12.2022
17
58.477
11
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71 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.07.2022 2.355
 



Wer sich nachts zu lange mit den Problemen von morgen beschäftigt, ist am nächsten Tag zu müde, sie zu lösen.

~Rainer Haak






15.Am Feuer





Der Schwarzhaarige lehnt sich erschöpft gegen seinen Drachen und betrachtet die lodernden Flammen des Feuers, welches River vor einiger Zeit angezündet hatte. Es ist ruhig, sodass man kann den Geräuschen des Waldes lauschen. Viel herzugeben scheint er nicht, denn nur selten verirrt sich ein Laut an seine Ohren. Der Wald selbst hat wohl seine Bewohner zu Bett geschickt und wartet, bis es wieder hell wird. Doch dies würde noch Stunden dauern, da die Sonne erst am Horizont versunken war. Zurückgelassen in der dunklen Nacht hatte River das Lagerfeuer entzündet, an dem sie nun alle sitzen. Keiner hat seit der Auseinandersetzung wirklich ein Wort gesagt. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach.
Es ist wahrscheinlich richtig so, überlegt Angar bei sich. Außer Zeal hat im Moment keiner die Kraft für so eine Diskussion, weswegen sie nun zusammen sitzen und dem knistern des Feuers lauschen.



Er selbst fühlt sich schon besser, als noch bei ihrer Landung. Der Schwarzhaarige hat immer noch Kopfschmerzen, doch diese beschränkten sich auf ein Pochen, solange er sich nicht zu sehr rührte. Was natürlich nicht gut ist, sollten sie angegriffen werden. Doch solange sie nun am Feuer saßen, hat es kein Zeichen gegeben, dass ihre Verfolger sie weiter behelligen würden. Angar ist sich nicht sicher, ob sie sie wirklich abgehangen haben, aber es scheint so. Vielleicht warteten sie auch nur darauf, dass sie aus ihrer Deckung kommen oder wollen sie nur in Sicherheit wiegen. Diese Möglichkeiten bestehen weiterhin, doch das stetige Pochen seines Kopfes, macht es schwer länger einem Gedanken nachzugehen. Daher verlässt er sich auf sein Können und auf seine Kameraden.
Er hat nicht viel von der Flucht mitbekommen, nachdem er abgeschossen wurde, aber er geht davon aus, dass seine Freunde nicht so ruhig dasitzen würden, wenn direkte Gefahr drohte. Daher belässt er es dabei und versucht sich etwas auszuruhen.



Sie alle sind fertig und sollten sich ausruhen, doch etwas hält sie alle wach. Es hängt stumm in der Luft, und doch keiner will so recht anfangen.
River sitzt ihm gegenüber, hat ihre Arme um ihre Knie gelegt und ihren Kopf darauf gebettet. Ihr Blick geht starr ins Feuer und scheint sie gefangenzuhalten.
Viel bewegt sie sich nicht. Man kann nur sachte ihr Luftholen sehen, wie sich ihre Schulter langsam Heben und Senken. Ihr schwarzes Haar ist zerzaust und der Fischgrätzopf ist kaum noch zu erkennen. Nach einem Kampf völlig nachvollziehbar, doch in diesem Moment lässt es diese unvorstellbar starke Frau so ... schwach wirken. Die Jüngere hasste es schwach zu wirken, vor allem in der Gegenwart von Männern. Angar kann es ihr nicht verübel. In ihrer Zeit sind Frauen selten als eigenständige Wesen akzeptiert oder nur geachtet. Eine Einstellung, die er nicht vertreten kann.
River ist das beste Beispiel dafür, dass Frauen sehr wohl zu gleichen Dingen fähig sind. Im Stillen bewundert er die junge Frau für ihre Art.



Bisher unterlässt der Ältere es, ihr zu sagen, was er von ihr hält. Die Chance, dass sie es falsch verstehen würde, ist zu hoch. Sie hatte schon recht damit, dass es normal sein sollte und wenn er sie für diese Stärke lobte, dann würde er signalisieren, dass es eben nicht so ist.
Besser er bewundert sie weiterhin im Stillen.
In seiner derzeitigen Lage will er eh keine Diskussion über Gleichheit der Geschlechter führen. Es ist weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit. Irgendwann, beschließt er für sich und seufzt ergebend, als das Pochen sich verstärkt. Zu viel nachdenken über zu viele Dinge, scheint nicht förderlich zu sein, doch was bleibt ihm anders übrig?
Angar ist nicht gewillt die stille Eintracht zu durchbrechen, nur damit sein Schädel zufrieden ist. Sie alle brauchen diese Ruhe, um sich von dem Kampf zu erholen. Keiner, der von Anfang an dabei gewesen war, ist unverletzt aus der Sache rausgekommen. Jeden hat es auf eine andere Weise erwischt. Es ist nicht schwer zu sehen, dass dies jeden mitgenommen hat.



River scheint äußerlich nur leichte Verletzungen davon getragen zu haben, doch ihr abwesender Blick straft ihren körperlichen Zustand Lügen.
Links, etwas abseits von ihr, liegt Lyren auf einer Decke, welche sie aus Idunas Satteltasche hatten. Der Weißhaarige hat die Augen geschlossen und scheint zu schlafen, doch sein Brustkorb senkt und hebt sich viel zu schnell.
Der Ältere zuckt am ganzen Leibe etwas und im Schein des Feuers erkennt Angar, dass der andere Schweiß auf der Stirn hat. Sein Zustand war besorgniserregend, zwar hat Elsslin verlauten lassen, dass sie optimistisch ist, doch Angar hatte es ihr angesehen. Solange der Pfeil in seiner Hüfte steckt, würde es schlimmer werden, bevor es besser werden würde. Sie müssen das Ding schnellstens aus ihm herausbekommen, sonst würde Lyren wohl bald den Göttern Gesellschaft leisten.



Während jedoch bei Lyren seine Drachendame besorgt neben ihm liegt und ein wachsames Auge auf ihn hat, umso einsamer wirkt das Bild, was ihre Anführerin abgibt.
Askajia liegt ebenfalls auf einer Decke und schläft unruhig, doch Schneefunke ist weit und breit nicht zu sehen. Statt bei ihrer Reiterin zu sein, hatte sich der Tagschatten - nachdem River und Zeal sich angegangen waren - aus dem Staub gemacht. Selbst davor hatte der Drachen nur einen kurzen Blick für die junge Frau übrig und hatte sich dann weit abseits hingelegt und ihre Wunden geleckt.
Es ist nicht das erste Mal, wo dem jungen Zähmer solch ein Verhalten beobachten kann. Der Tagschatten verhält sich stets abweisend und desinteressiert gegenüber ihnen, doch gegen seine Vermutung, scheint ihr Verhalten gegenüber Askajia noch extremer zu sein. Vor allem, wenn beide sich unbeobachtet wägen.
Warum dies so ist, weiß der junge Zähmer nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass irgendetwas in der Vergangenheit geschehen sein muss, was dieses Verhalten verursacht hat. Doch was kann so extrem sein, dass es bis zu diesem Tage anhält?
Bekanntlich hält Drachengroll ewig, doch wenn dem so ist, warum war Schneefunke dann noch bei ihr? Wenn sie Askajia nicht leiden konnte, warum blieb sie dann?
Er seufzt tonlos und betrachtet die andere junge Frau in ihrer Truppe. Die Brünette, welche zwischen Lyren und Zeal sitzt, starrt ebenfalls ins Feuer. Sie hat ihren Kopf auf ihre Knie gebettet, welche sie mit ihren Armen umschließt. Ihre Augen fallen immer wieder zu, sie scheint sich wachhalten zu wollen.



Stumm sieht der Gleichaltrige seiner Freundin dabei zu und ein sachtes Schmunzeln legt sich auf seine Züge. Elsslin ist vielleicht nicht River, aber die Ältere hat ihre ganz eigene Art. Sie war ruhig und recht schüchtern, womöglich genau das, was viele von einer Frau, in ihrer Zeit, sehen wollen, doch der Schein trügt.
Viele unterschätzen die junge Frau, denken diese schlanken Hände vermögen es nicht, etwas zu bewirken, können nichts beschützen, können nichts töten, dass an ihren Händen kein Blut kleben würde, doch das tut es.
Jeder von ihnen hat bereits getötet. Jeder von ihnen hat schon mehr als ein Leben beendet.
Er, als ehemaliger Drachenjäger, ist von so viel Tod umgeben gewesen, dass es ihn nicht mehr viel kostet ein Leben zu nehmen. Der 21-Jährige weiß, dass es falsch ist, weiß, dass töten nicht „normal“ sein sollte, doch als Jäger wird man skrupellos und nichts kümmert einen, als sein Profit.
Man ist gierig nach Macht und Lohn. Es gibt nichts, was einen davon abhält, diese auch zu behalten. Die Rettung von Askajia hat es ihm erneut vor Augen geführt



Kurz ballt er seine Hände zu Fäusten und lässt den Kopf hängen. Den Hass, den er verspürt, wenn er daran denkt, dass er auch mal so war wie die, macht ihn rasend.
Angar schließt die Augen und atmet tief durch, bevor er seine Hände wieder lockert. Erst als er sich sicher ist, dass er nicht das nächstbeste zu Kleinholz verarbeitet, öffnet er die Augen. Er trifft auf grelles Grün.
River hat ihren Blick auf ihn gerichtet und starrt nun ihn an. Aus ihrem Gesicht lässt sich nicht erschließen, was sie denkt. Sie sehen sich beide einfach nur an. Der junge Zähmer weiß nicht, was er sagen soll, was es zu sagen gäbe. Sie sind entkommen und wenn sie wollten, dass dies so bleibt, dann mussten sie schnellstens zur Basis zurück.
Lyren würde keine zwei Tage mehr durchhalten, egal wie starrköpfig er sein kann. Diese Tatsache ist allen klar. Unnötig darauf hinzuweisen. Und sonst gibt es nichts zu sagen.
Doch auch River scheint nicht gewillt was zu sagen, denn irgendwann blickt sie wieder ins Feuer und lässt ihn allein. Schuppenglanz brummt beruhigend und Angar nickt schwach, eher er sich wieder zurücklehnt, hatte nicht bemerkt, dass er sich beim Verspannen nach vorn gebeugt hat. Erneut hängt jeder seinen Gedanken einsam nach.



Lang geschieht diese Nacht nichts. Es vergeht einige Zeit, bis die Schwarzhaarige vor ihm etwas von sich gibt. Dabei weiter auf das Feuer blickend.
„Wei-Weißt du, was sie dort wollte?“, durchbrach Rivers nachdenkliche Stimme die unbehagliche Stille.
Angar muss seinen Blick nicht heben, um zu wissen, dass River ihn nicht ansieht.
Kurz will er den Kopf heben und zu seiner Freundin blicken, doch er bringt es nicht über sich. Stattdessen zieht ihn das Feuer weiter in seinen Bann und er lässt seinen Kopf leicht hängen, seine Augen bedauert schließend.
„Nein“, antwortet er schlicht, was sollte er auch sagen?
Es ist eine Tatsache, dass er es nicht weiß und wenn er die Kraft dafür hätte, würde er sich verfluchen, dass er es nicht wusste. Doch in den letzten Tagen war viel geschehen und er brauchte Ruhe. Sie alle brauchten sie.
War es da noch von Bedeutung, was ihre Anführerin dort wollte? Sie konnten daran nichts mehr ändern. Und dennoch schwebte diese Frage seit Beginn ihrer Rettungsaktion in all ihren Köpfen. Was hatte ihre Anführerin, was hatte Askajia an einem solchen Ort gewollt? Einem Ort, den sie verabscheute?



„Es muss wichtig gewesen sein“, murmelt River vor sich hin und Angar ist sich nicht sicher, ob sie eine Antwort will.
Selbst wenn, was soll er denn sagen? Askajias Beweggründe kennt nur Sie selbst.
Natürlich ist ihm aufgefallen, dass sie in letzter Zeit sich öfters zurückgezogen hat. Dauernd über Karten hing, wenn man sie mal angetroffen hatte. Zwar ist die Weißblonde eher zurückhaltend, aber dass sie sich so abtrennte von der Gruppe, war nicht normal. Der Schwarzhaarige ist sich sicher, dass es auch den Anderen aufgefallen sein muss.
Doch das Wissen bringt sie auch nicht weiter und an ihrer misslichen Lage änderte es auch nichts. Warum dann fragen? Also schwieg er. Es bringt ja doch nichts.
„Es muss wichtig gewesen sein. Sonst wäre sie doch nie alleine gegangen!“, wiederholt sich sein Gegenüber lauter und Angar sieht aus dem Augenwinkel, Elsslin im Halbschlaf zusammenzucken.
Müde hebt der Jüngere nun doch den Kopf und sieht zu der Schwarzhaarigen, welche einen stoischen Blick auf das Feuer wirft.
Angar unterbindet ein Seufzen und schließt einige Sekunden die Augen. Er ist müde, erschöpft und hat einfach keine Kraft so eine Unterhaltung zu führen. Doch ignorieren, konnte er die Ältere nun auch nicht.



„Was macht das für einen Unterschied, warum sie es tat? Es ändert nichts an der Tatsache, dass wir sie daraus geholt haben“, erwidert er nun erschöpft, nicht wissend, wie er die Konzentration für so ein Gespräch aufbringen soll.
River starrt weiter das Feuer an, aber ihre Züge verdunkel sich sichtlich.
„Es macht einen Unterschied! Was auch immer sie da wollte, wenn es wichtig war oder ist, dann müssen wir dafür sorgen, dass ihre Qualen nicht umsonst waren!“, knurrt die Ältere leicht unwirsch.
Angar versteht sie ja. Wenn jemand irgendwie einen gewissen Draht zu Askajia hatte, dann ist dies River. Diese reine Naturgewalt einer Frau, schien immer zu wissen, was sie will und wie sie dies erreichte. Und gerade diese Einstellung ist es, was Askajia nicht ausschlagen kann, wenn die Schwarzhaarige ihre Anführerin dazu bringen wollte, etwas zu tun, dann fragte sie nicht. Sie sagt, sie machen es und Askajia folgt ihr.
Anfangs, da widerstrebte es der Weißblonde, dies zu tun, doch wo River autoritär sein konnte, da war sie auch einfühlsam, denn sie schaffte es immer, ihre Anführerin zu Dingen zu bewegen, die diese nicht wollte.
Natürlich achtete sie dabei darauf, dass es einen guten Einfluss haben würde. Vielleicht ist es eine Frauensache, denkt sich Angar müde, denn er konnte Askajia nicht so … beeinflussen? Nein, beeinflussen war das falsche Wort dafür, da River ja nichts Böses wollte, doch...



„Auch ich will, dass es nicht umsonst war, aber das alles können wir fragen, wenn es ihr besser geht. Vorher wissen wir ohnehin nicht, was es ist. Warum sich dann den Kopf zerbrechen?“, sagt er und unterbricht so seine eigenen Gedanken.
Darauf reagiert die Schwarzhaarige, denn sie schnellt mit ihren Augen hoch und fängt die seine ein.
„Wer weiß, was die Schweine mit ihr gemacht haben! Mir egal, ob wir warten sollen! Was, wenn wir nicht die Zeit haben? Was, wenn es umsonst ist? Sollen Askajia und Schneefunke umsonst dadurch sein?“, fragt River spitz und ein Feuer lodert in ihren Augen.
Angar seufzt nun doch.
„Wir können nichts machen, River. Bitte beruhige dich und schlaf ein wenig darüber. Wir sind alle erschöpft und ausgelaugt. Gönn' deinem Körper ein wenig Ruhe“, erwidert er daraufhin und wendet sich ab.
Er hat einfach nicht die Kraft, mit ihr zu streiten. Er ist so unglaublich müde. Zwar haben sie sich still darauf geeinigt, dass zumindest zwei Wache hielten, doch Zeal würde das schon machen. Auch wenn er ihn nicht leiden kann, sie verraten würde Zeal nicht. Dessen ist er sich sicher.
So rutscht er zu Boden und spürt, wie Schuppenglanz einen Flügel schützend um ihn legt. Dass seine Freundin ihn immer noch anstarrt ist ihm bewusst, doch selbst wenn er wollen würde, er kann sich nicht länger wach halten.
„Schlaf, River, schlaf einfach“, murmelt er völlig ausgelaugt und schon halb im Schlaf, dann gibt er dem erholsamen Schlaf nach, der ihn schon seit Stunden zu sich ruft.




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Hier bin ich wieder! Auch wenn etwas verspätet. Ich hab im Moment ne Menge um die Ohren und es wird langsam weniger. Daher hab ich endlich die Zeit gefunden, dieses Kapitel zu beenden, was seit einigen Monaten zu 2/3 fertig war.
Ich bemühe mich um Besserung.
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