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Die Wächter des Schattens

von Seyphir
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Mix
OC (Own Character)
30.07.2020
06.12.2022
17
58.477
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17.03.2022 3.985
 



Genau die Kraft, die gefehlt hat, um einen Sieg zu erringen braucht man, um eine Niederlage zu verkraften.

~ Ernst R. Hauschka







14.Nachwirkungen






„Wo ist die nächste geeignete Insel, Lyren?“, hörte River Zeal fragen, als sie sich erneut hinter ihrem Freund auf Iduna setzte.
Der Weißhaarige antwortete nicht sofort und River warf einen besorgten Blick nach hinten. Durch Zeals Angriff hatten sie ein wenig Abstand gewonnen, doch die Jäger holten schnell auf. Die junge Reiterin konnte ihre Gegner ohne Probleme herannahen hören und einige Schatten taten sich in der Ferne auf. Es würde nicht lange dauern, bis sie die Zähmer eingeholt hatten. Sie mussten verschwinden, das war klar. Die Frage war nur: Wohin sollten sie fliegen?
Sie waren mitten im Gebiet der Drachenjäger. Es gab keine Insel in der direkten Umgebung, die sie anfliegen konnten. Das hieß, dass sie eine längere Route nutzen mussten. Doch sie waren alle geschwächt und ihre Drachen würden sie nicht lange tragen können. Geschweige denn über den Ozean, da sie am Rande der Insel standen. Was hieß, sie müssten Pausen einlegen, doch je länger sie in dem Gebiet verweilten, desto gefährlicher würde es werden. Zudem war der Gedanke, dass Zeal und sein Drache die Einzigen sind, die noch verteidigungsfähig waren, nicht besonders beruhigend.



„Vasaren Inseln!“, erwiderte Lyren nach einigen Sekunden und ohne zu zögern, nahm Zeal diese Information scheinbar auf.
Tatsächlich hoben sie keine zwei Sekunden später ab und die Schwarzhaarige warf erneut einen Blick in Richtung Jäger, welche immer noch bemüht waren sie zu fangen. Einige Pfeile flogen noch in ihre Richtung, aber sie schafften es, auszuweichen. Ein paar musste River auch mit ihrem Kurzschwert abfangen, doch keiner wurde erneut getroffen. Leider war die Gefahr noch längst nicht gebannt. Schiffe erschienen am Horizont und steuerten auf sie zu. River spannte sich an und atmete tief durch, ehe sie sich nun erstmals einen richtigen Überblick von ihrer Lage schaffte. So schweifte ihr Blick über Wolkensturz, welche außer Zeal noch Elsslin und Askajia, sowie Angar und seinen Drachen im Netz trug. Weiter sah sie Silver und Wolkenklang, welche reiterlos neben ihnen herflogen und versuchten ihnen eine gewisse Deckung zu geben. Schneefunke hingegen flog links hinter Wolkensturz und schien bemüht zu sein, das Tempo halten zu können. Der Tagschatten offenbarte einige schlimme Wunden auf ihrem Körper und ihre Flügelschläge wirkten seltsam … unbeherrscht. Normalerweise legte der Tagschatten immer eine gewisse Eleganz und Sorgfalt in ihre Flügelschläge. Es schien fast, als wolle sie sich oder etwas präsentieren. So als wäre sie sehr edel oder arrogant. Ob das der Charakter der Drachendame war oder generell auf Tagschatten zutraf, wusste River nicht. Schneefunke war der einzige Tagschatten, den sie aus der Nähe beobachten und studieren konnte. Die meisten lebten auf ihrer Insel zurückgezogen und kamen nur selten hervor.



Sie wusste, es juckte Lyren in den Fingern auf diese Insel zu fliegen und dort herum zu forschen, doch Askajia bat sie alle inständig diese Insel nicht zu betreten, egal was passiere. Was natürlich Fragen aufgeworfen hatten, doch all diese waren an Zeal abgeschmettert. Zeal hatte die „Fragerei“ unterbunden und bisher kam es nie wieder auf.
„Festhalten!“, rief Lyren mit einem Mal und River griff in seine Felljacke, ehe ein Ruck durch Iduna ging und sie haarscharf einer Kette auswichen.
Ohne sich umsehen zu müssen, wusste sie, dass die Schiffe sie wohl schon in Reichweite haben. Sie musste den Jägern zugestehen, dass sie sich verdammt schnell an Probleme anpassten. Zumindest was Anti-Drachenwaffen anging. Zwar hapert es noch eindeutig in der Bedienung dieser, aber auch in den Reihen der Jäger, fanden sich zur Weil auch mal etwas begabtere Leute, welche es tatsächlich schafften die Ideen auch in die Tat umzusetzen. Die drachenfesten Ketten waren nur eins von vielen Gerätschaften der Jäger um sie zu fassen, doch bisher schien der Trend noch nicht bei jeder Jägergruppierung angekommen zu sein, dennoch traf man auf Gruppen, welche diese nicht besaßen. Doch auch das wurde immer weniger.



„Wie wäre es, wenn wir-“, will die Schwarzhaarige etwas zur Rettung einbringen, wird aber von Lyren grob abgewürgt.
„Bin dabei! Bin dabei!“, schreit er förmlich nach vorne, während sie erneut einer Kette auswichen.
„Gut. Ich könnte-“
„Leise sein, sodass ich mich konzentrieren kann? Brillante Idee, meine Teure!“
„Ich... Gut. Dann eben nicht“, sagte sie, in dem Wissen, dass Lyren schon ganz woanders war.
Es bekam ihr nicht, nichts zu tun, außer Pfeile abzuwehren. Wäre sie auf ihrem Drachen, hätte sie mehr Handlungsfreiraum, doch hier war sie im Grunde nur im Weg.
Einige riskante Manöver später entschied sie nun doch, wieder etwas zu sagen.
„Also ich wollte nur anmerken, dass da oben Wol-“
„Ich weiß, meine Liebe, ich arbeite dran!“, unterbrach er sie erneut und River hoffte, dass das nicht zur Gewohnheit wurde.
Und tatsächlich. Sie schafften es, sich in die Gewitterwolken zu retten, welche von Wolkensturz erzeugt wurden. Zwar war dies nicht ganz ungefährlich und die Jäger hätten es leicht sie zu verfolgen, doch darüber konnte man nachdenken, wenn die Zeit reif war. Jetzt mussten sie erstmal verschwinden.



***



Die Braunhaarige rappelt sich als Erste wieder auf und bemühte sich dabei niemand anderen zu verletzen. Sie stützt sich auf ihre Arme, um sich einen gewissen Halt zu sichern, bevor sie ihre Beine anzieht und diese durchdrückt. Es dauert einige Sekunden, doch dann kommt sie in eine aufrechte Position. Kaum dass sie steht, erfasst sie Schwindel und befördert die schwankende junge Frau wieder zu Boden. Sie landet unsanft auf ihren Hintern und verzieht kurz das Gesicht, ehe sie den Kopf schüttelt, um den Schwindel zu bekämpfen, der alles drehen ließ.
Ihr Unterfangen bringt anfangs nicht viel, aber darauf nimmt Elsslin keine Rücksicht und versucht erneut sich auf die Beine zu bekommen. Bei ihrem zweiten Versuch ist sie deutlich sicherer, schwankt aber dennoch. Diesmal greift sie blindlings nach dem Erstbesten, was sie zu fassen bekommt und krallt sich daran fest. So schafft sie es ihren Stand zu sichern und auf den Füßen zu bleiben. Mit der Zeit verzieht ihr Schwindel und lässt ihren Blick sich endlich fokussieren. Auch dringen nun Geräusche zu ihr durch, nachdem die ganze Zeit ein lästiges Piepen in ihrem Ohr zu hören gewesen war.



Um sie herum liegen ihre Freunde, einige sehen besser aus als andere.
River liegt mit einigen Schürf- und Schnittwunden halb über einem Bein von Iduna. Sie stöhnt etwas vor sich hin und fängt langsam an sich zu regen. Ihre Haare sind völlig zerzaust und hängen ihr vor dem Gesicht.
Etwas vor ihr, kann die Braunhaarige Lyren ausmachen, welcher auf einem von Idunas Flügeln liegt. Ein Stück des Pfeils fehlt und so kann sie nur ein zersplittertes Ende aus der Hüfte von dem Weißhaarigen hervorragen sehen. Die Frage, ob das nun gut oder schlecht war, verschiebt sie auf später.
Ihr Freund war etwas blass und sie kann einen leichten Schweißfilm auf seiner Stirn entdecken. Ob vom Kampf oder seiner Verletzung vermag sie nicht zu sagen, aber es war nicht gut. Bevor sie jedoch zu ihm eilt, versichert sie sich, dass keiner von den Anderen sie mehr braucht.
Sorge breitet sich in ihr aus, als sie ihre Anführerin erblickt, welche etwas links hinter ihr auf dem Boden liegt. Askajia war unnatürlich blass und ihr Brustkorb senkt sich viel zu langsam. Ihre Haut war übersät von Hämatomen und Schnitten, ihre Haare völlig matt. Es hätte Elsslin beruhigt, etwas von der Weißblonden zu hören, doch da kommt nichts. Sie rührt sich nicht, liegt einfach da.



Einen starken Kontrast zu Askajia bildet Zeal, welcher sich ohne Probleme neben ihr aufrichtet und sich den Dreck von den Klamotten wischt. Dabei war ein leicht genervter Blick auf seinem Gesicht zu sehen und er ignoriert Elsslin völlig. Zwar macht sie sich auch um ihn Sorgen, aber sie weiß auch, dass es ihm wohl gut geht. Zeal würde sich ohnehin nicht von ihr helfen lassen. So entscheidet sie sich erst mal nach Lyren zu sehen, welcher sich zwar rührt, aber dabei das Gesicht merklich verzieht.
So eilt die 21-Jährige zu dem Älteren, um ihn zu versorgen.
Sie ist beinahe angekommen, als sie aus dem Augenwinkel etwas großes hinter Wolkensturz und Zeal sieht. Erschrocken wendet sie sich um und spannt sich an. Es ist unmöglich, dass sie uns so schnell gefunden haben! Oder?..
Sie will ihre Freunde gerade warnen, als Zeal seufzend zu dem Etwas geht, welches sich in wenigen Sekunden als Angar und seinen Drachen herausstellt. Ohne etwas zu sagen, schneidet der Schwarzhaarige das Netz mit seinem Messer auf und dreht sich sofort wieder um. Hinter ihm rollt Angar erschöpft von seinem Drachen, welcher schwer atmet.



Die junge Reiterin zögert, sich nun nicht mehr sicher, ob Lyren als Erster ihre Hilfe braucht. Sie blickt zwischen den Beiden hin und her, verunsichert, was das Richtige ist. Sie bekommt nur halb mit, wie sich River alleine aufstemmt und ihrerseits etwas unsicher auf den Beinen ist. Doch die Schwarzhaarige hat sich schneller im Griff als sie noch vor ein paar Minuten. Auch scheint diese schneller in die Gegenwart zurückzufinden, denn es dauert nur wenige Sekunden, bis River sich ihrer verletzten Kameraden bewusst wird.
Ihr Blick wandert über die Verletzten und bleibt bei Askajia hängen, die von allen die Einzige ist, die sich nicht regt oder ein Ton von sich gibt.
„Oh verdammt!“, kommt es besorgt von der Jüngeren und schon ist sie in Bewegung.
Während River sich also zu Askajia begibt, dreht sich die Braunhaarige wieder Lyren zu. Scheinbar hat River alles im Griff und wenn sie sich um Askajia kümmert, dann muss sie entschieden haben, dass es Angar gut genug geht. Oder aber sie geht davon aus, dass die junge Reiterin sich um ihn kümmert. Beides ist möglich. Dennoch entscheidet sie sich für Lyren, immerhin hatte dieser einen Pfeil in der Hüfte und Angar keine sichtbaren Verletzungen … zumindest hatte sie keine bemerkt.



Mit einem schlechten Gewissen gegenüber Angar kniet sie sich zu Lyren runter, welcher sichtbar versucht sich in eine sitzende Position zu begeben. Dabei stützt er sich auf Iduna ab, welche sich ebenfalls aufrappelt und ihren Reiter zu unterstützen versucht.
„Lyren?“, spricht sie den Älteren vorsichtig an, welcher seine Bewegungen unterbricht und verwirrt zu ihr aufsieht.
Einige Sekunden vergehen, bis Erkenntnis in seinen Augen aufblitzt und er ihr ein Lächeln schenkt, was mehr gequält als alles andere aussieht.
„Elsslin...“, erwidert er etwas rau und blickt sich etwas orientierungslos um.
Besorgt berührt sie seine Stirn und bemerkt neben dem Schweißfilm auch eine leichte Hitze, welche von seiner Stirn ausgeht. Der Weißhaarige scheint ihren besorgten Blick nicht wirklich zu bemerken, denn schon will er sich aufrichten. Ohne zu zögern packt sie ihn bei den Schultern und drückt ihn zurück. Kurz keucht er auf und wendet sich ihr dann zu.
„Du musst liegen bleiben“, sagt sie bestimmend, doch Lyren schüttelt den Kopf.
„Mir geht es gut und es wird mir besser gehen, wenn ich mich aufgesetzt habe“, meint er, doch Elsslin bezweifelt dies.



Sie starrt ihn entschlossen an, doch im Inneren weiß sie, dass sie Lyren nicht aufhalten würde können, wenn er entschlossen genug ist. Ob er sich dabei wirklich aufrichten kann, ohne wieder umzukippen, sei dahin gestellt. Sie seufzt.
„In Ordnung, aber lass mich dir wenigstens helfen“, bestimmt sie und ergreift Lyren unter den Armen, immer darauf bedacht den abgebrochenen Pfeil in Lyrens Hüfte nicht zu berühren.
Vorsichtig hebt sie ihn hoch und gibt Iduna so die Möglichkeit sich richtig aufzurappeln. Diese positionierte sich hinter ihren Reiter und stellt so sicher, dass Lyren sich an sie anlehnen kann. Als Iduna bestätigend brummt, platziert Elsslin den Weißhaarigen gekonnt an seine Drachendame. Ein Stöhnen entweicht seinen Lippen, als er nun dort angelehnt sitzt.
Die junge Reiterin bei sich, wendet sich wieder dem Pfeil zu, um welchen sich schon Blut gesammelt hat. Um zu testen, wie fest er noch sitzt, greift sie nach dem abgebrochenen Ende und bewegte es nur ein paar Millimeter. Der Ältere bäumt sich knirschend auf und versucht sie konditioniert von sich zu drücken. Nicht gut...
„Ganz ruhig, ich wollte nur sehen, wie fest er noch sitzt. Wir müssen aufpassen, dass er nicht verrutscht oder Splitter in die Wunde kommen!“, beeilt sie sich zu erklären und Lyren nickt matt.



„Pass einfach besser auf, ja?“, bringt er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.
„Ich werde dir helfen!“, ist ihre entschlossene Antwort, für welche Lyren nur ein müdes Nicken übrig hat.
Der lange Flug hat ihn völlig erschöpft. Ich sollte mich beeilen und den Pfeil stabilisieren, bevor er ihn noch umbringt.
„Ich bin gleich wieder da! Versprochen!“, sagt sie ihm zuversichtlich und steht wieder auf, um etwas zum verbinden zu finden.
Bei ihrer Suche erkennt sie, dass River Askajia ins weiche Gras gelegt hatte und scheinbar etwas Stoff über sie ausgebreitet hat. Immer noch gibt die Anführerin kein wirkliches Lebenszeichen von sich. Einzig ihre hebenden Brust verriet das sie noch am Leben ist. Es ist nicht viel, aber besser als die Ungewissheit was die Jäger ihr wohl angetan hatten.



***



River sieht zweifelnd auf ihre Anführerin herab, welche weiterhin reglos auf dem Boden liegt. Viel hat sie nicht für Askajia tun können, außer einige ihrer Wunden zu säubern und zu verbinden. Zum Säubern hatte sie etwas von ihrem Trinkwasser genommen, da es scheinbar keine natürliche Wasserquelle in der direkten Umgebung gibt. Was im Grunde gut ist, da die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand zu ihnen hin verirrt, geringer ist. Weder Unterschlupf noch Wasser kann einer in der Nähe suchen, also gibt es im Grunde keinen Anlass, warum einer ausgerechnet diesen Ort aufsuchen sollte. Das Einzige, was etwas Aufmerksamkeit auf sie ziehen hätte können, war ihre unsanfte Landung. Die Schwarzhaarige geht aber einfach davon aus, dass sie niemand gehört hatte. Zwar sind sie alle fertig gewesen, aber eine nahegelegte Siedlung hätten sie bemerkt. Und wenn man das bemerkt hatte, wären bestimmt schon Leute hergekommen. Immerhin ist bestimmt schon etwas Zeit vergangen, seit sie gelandet waren. Bis sie alle wach waren und angefangen haben sich zu versorgen stand die Sonne schon höher am Himmel. Aber River schüttelte den Kopf. Es gibt wichtigeres im Moment, dem sie sich zu wenden sollte.



So wirft sie der blassen Askajia einen letzten Blick zu und erhebt sich dann, um nach Angar zu sehen. Während sie sich also umwendet, erhascht sie einen Blick auf Lyren, welcher von Elsslin versorgt wird. Auch er ist blass und hatte zudem noch Schweiß auf der Stirn. Der Rest des Pfeils ragt immer noch aus ihm heraus, doch viel daran ändern können sie nicht. Zumindest im Moment.
Als ihr Blick dann Angar einfängt, kann sie erkennen, dass er sich in eine sitzende Position gekämpft hat. Einige Prellungen und Schnitte zieren ihn, aber sonst scheint er relativ in Ordnung zu sein.
Der Schwarzhaarige hält sich mit der rechten Hand den Kopf, während seine Linke über den Kopf seines Drachen streicht. Der Trampler liegt hinter seinem Reiter und stützt ihn so. Angars Atem geht ruhig, aber etwas angestrengt und seine Augen hat er geschlossen.
„Wie geht es dir, Angar?“, spricht sie ihn behutsam an, als sie nahe genug ist, damit er sie hört.
Es dauert einige Momente bis er reagiert, in dem er den Kopf schüttelt und seine Augen dann öffnet. Sein Blick ist etwas unfokussiert, als er den Blick ihr zu wendet.


Erneut verstreicht die Zeit etwas, ehe er seufzt und den Kopf wieder an seinen Drachen lehnt. River kniet sich zu ihm und berührt ihn sachte an der Schulter, doch darauf folgte keine Reaktion. Also rüttelte sie etwas an ihm, bis er leicht murrend ihre Hand abschüttelt. Erneut öffnet er seine Augen und blickt sie viel schärfer an.
„Was?“, fragt er etwas schroff, doch die Schwarzhaarige lässt sich nicht beeindrucken.
„Ich hab gefragt wie es dir geht“, erwidert sie ruhig und wirft kurz einen Blick hinter sich, als ein Geräusch hört.
„Ich hab doch geantwortet!“
„Nein, du hast mich angesehen und hast dich dann wieder zurückgelegt“, erklärt sie sachlich und sieht wie er verwundert sie Brauen hebt.
„Sicher?“
„Sicher“
„Verdammt...“, murmelt er und reibt sich die Stirn, ehe er nun zur Antwort ausholt.
„Ich hab verdammte Kopfschmerzen! Irgendwas muss mich am Kopf erwischt haben, als das verdammte Netz uns getroffen hat!“, regt Angar sich auf und ballt seine Hände zu Fäusten.



„Sei froh. Hätte auch schlimmer sein können“ unterbricht sie sein Gemecker, bevor es richtig anfangen kann.
Da sie nun weiß, dass es ihm gut geht, muss sie nicht unnötig behutsam mit ihm umgehen. Etwas, was sie ohnehin ungern tut. Sie lebten nun mal in einer harten Welt, dass hatte sie schon sehr früh gelernt. Man wird verletzt, man wird verlassen, man verliert Menschen die einem wichtig sind. So ist das Leben.
„Ja, klar. Aber häng' du mal in 'nem scheiß Netz fest und wirst unsanft durch die Gegend geschleudert!“, schnaubt der Ältere und River rollt mit den Augen.
„Andere hat es schlimmer erwischt, also komm wieder runter!“, gibt sie entnervt zurück.
Soll der sich jemanden anderen zum ausheulen suchen. Ich hab besseres zu tun. In ihrem Unterbewusstsein, weiß die Reiterin, dass sie gerade etwas unfair zu ihrem Kameraden ist. Doch immer noch gibt es so viel zu tun, damit sie es alle einigermaßen heil zur Basis schaffen. Angar ist hart im Nehmen, also bucht sie ihn nicht unter ihre Verantwortung ein. Ihr Gemütszustand verschlechtert sich zunehmend, als Zeal in ihr Blickfeld gerät, wie er desinteressiert an seinem Skrill steht und vor sich hinstarrt. Kurz will sie sich noch zusammennehmen, doch sie hat die Schnauze voll von diesem Arschloch! Der hat es nicht verdient, dass sie sich zusammenreißt!



„Was machst du eigentlich noch hier, du Scheißkerl?!“, fährt sie ihn unverhohlen und schreckt so die Anderen auf.
Zeal hingegen beachtet sie kein bisschen und starrt weiter durch die Gegend. Dies macht die Gleichaltrige noch wütender und sie stampft auf ihn zu.
„Hey! Antworte mir gefälligst!“, regt sie sich weiter auf und kommt Zeal gefährlich nahe, worauf Wolkensturz auch reagiert. Die Skrilldame erhebt sich ein bisschen und fixiert die junge Reiterin mit einem warnenden Blick, doch River kümmert das wenig. Soll der Drache sich doch aufplustern! Was geht sie das an? Wolkensturz würde es ohnehin nicht wagen, sie zu verletzen. So weit kommt's noch!
„Ich rede mit dir, Zeal!“, wirft sie ihm entgegen und hat ihn fast erreicht, als Wolkensturz anfängt zu knurren und ihre zwei Schwänze vor Zeal legt.
Ein deutliches Zeichen, was auch langsam bei der aufgebrachten Reiterin durchkommt. Das verdächtige Zischen aus der Richtung von Wolkensturzes Kopf lässt sie kurz innehalten. Das wagt sie nicht. Nie im Leben. River ist sich sicher, dass das nur eine leere Drohung ist. Die Skrilldame würde es nicht wagen, sie zu verletzen.



„Misch dich nicht ein! Er hat es verdient! Haut einfach ab und meint dann denn großen Retter zu spielen!! Ein Scheiß ist er!!“, fährt sie nun den Skrill an, welcher wohl endgültig genug hat, denn mit einem Mal löst sich ein Blitz aus ihrem Mund und hätte River getroffen, wenn Wolkenglanz sie nicht weggezogen hätte. Als Reaktion darauf Knurren nun auch die anderen Drachen. Alle außer Schneefunke. Wolkensturz scheint nur zu gerne darauf einzugehen und baut sich zur vollen Größe auf und spreizt brüllend die Flügel. Wolkenglanz macht es ihr nach und präsentiert sich von seiner besten Seite. Beide Drachen knurren bedrohlich und sind jederzeit bereit ihre Reiter zu verteidigen.
River sieht dem nur erschrocken entgegen. Die Tatsache, dass die Skrilldame wirklich auf sie geschossen hatte, ist nun nebensächlich. Egal wie sehr sie den Kerl nun hasst. Sie konnte nicht riskieren, dass die Situation eskaliert. Doch ehe sie Wolkenglanz zur Vernunft bringen kann, schnaubt Wolkensturz einmal und legt sich wieder hin. Ihr Drache scheint weniger bereit zu sein, es fallen zu lassen, da er den Skrill nicht aus den Augen lässt. Doch die Schwarzhaarige achtet eher auf Zeal der seiner Drachendame nur leicht auf den Flügel tätschelt, ehe er sich ihnen zu wendet.



„Nächstens mal, wenn du jemanden angehst, achte darauf, dass du ihm auch gewachsen bist“, meinte der Jüngere nur und will sich direkt wieder abwenden.
„Du hast mir gar nichts zu sagen! Hab lieber deinen Drachen unter Kontrolle! Falls es dir nicht aufgefallen ist, sie hat mich fast geröstet!!“, braust sie wieder auf, nicht gewillt ihn einfach so ziehen zu lassen.
Zeal betrachtet sie nur mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Wenn du nichts zu sagen hast, dann verschwinde von hier! Jemand der uns in den Rücken fällt, können wir in unserer Gruppe nicht gebrauchen!“, zischt sie ihm entgegen und ist mehr als verwundert, als er nicht sofort kehrt macht.
Stattdessen würdigt er sie keines Blickes und schlendert zu Askajia. Er kniet sich zu ihr und fässt an ihre Stirn.
„Es ist nicht meine Aufgabe euch den Hintern zu retten, wenn ihr in Schwierigkeiten steckt“, sagt er neutral und betrachtet einige Sekunden Askajias Verbände.
„Und da ist der Punkt, Zeal! Es ist deine Aufgabe, weil du, aus welchen Gründen auch immer, zu unserer Gruppe gehörst! Du bist Teil dieser Gemeinschaft, auch wenn es dir und uns nicht passt! Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie Askajia so jemanden wie dich aufnehmen konnte!“, knurrt sie Zeal, wesentlich ruhiger, an.



Der Anblick von Askajia hat sie wieder daran erinnert, dass es vielleicht keine so gute Idee ist, laut herumzuschreien. Was nicht heißt, dass sie Zeal einfach so davon kommen lässt. So wartet sie auf eine Erwiderung von diesem, doch das Einzige was sie erhält ist ein komischer Blick, welcher sich auf Askajia richtet.
„Tz, dann mach doch wieder was du willst. Elender Mis-“, schnaubt die junge Frau und will Zeal gegen die Beine treten, als dieser ihren Fuß packt und diesen mit einem Ruck zu sich zieht.
Dadurch verliert sie das Gleichgewicht und fällt überrascht zu Boden. Ehe sie irgendetwas tun kann, beugt sich Zeal über sie und drückt sie mit dem Zeigefinger, gegen ihre Brust, nach unten. Er hat einen komplett ernsten Blick.
„Jetzt hör mal genau zu: Wer hat je behauptet das ich zu eurer Gruppe gehöre? Hat das wer behauptet oder seid ihr einfach davon ausgegangen? Ich hab euch eine einzige Aufgabe gegeben und nicht mal die kriegt ihr hin!“, sagt er in einem schneidenden Tonfall und starrt sie einschüchternd an.
Es geschieht einige Sekunden nichts. Dann fängt Wolkenglanz an zu knurren, doch Zeal interessiert dies nicht. Er sieht River in die Augen und sie ist sich nicht sicher, was sie davon halten soll.



Doch noch bevor sie ihn erneut anblaffen kann, erhebt er sich von ihr und würdigt sie keines Blickes mehr. Ohne was weiteres zu sagen geht er zu Wolkensturz, welche ihr einen bösen Blick zu wirft. Als Zeal sich dann hinsetzt, legt sie sich so hin, dass sie ihn umschlingt und er ihr Kinn kraulen kann. Ein zufriedener Ausdruck legt sich auf das Gesicht des Skrills.
River hingegen stemmt sich auf ihre Arme, während Wolkenglanz zu ihr eilt und besorgt ihr Gesicht anstupst. Sie versucht sich an einem beruhigenden Lächeln und streicht sachte über sein Gesicht. Auch wenn sie mehr als wütend ist, es bringt nichts. Sie würde ihm gerne an die Gurgel gehen, doch das würde die Situation nur verschlimmern und sie war schon beinahe eskaliert. Sie würde ihn später nochmal ansprechen. Wenn sich alle beruhigt haben. Sie alle sind aufgebracht und müssen erst mal runter kommen.
Sie nickt sich bestätigend zu und lässt sich dann auf den Boden fallen und starrt in den Himmel. Ihr Drachengefährte legt sich neben sie und das erste Mal seit sie aufgewacht ist, schließt sie die Augen und gibt sich ihrer Erschöpfung hin, welche die ganze Zeit an ihr gezerrt hat.
Ohne es zu merken, fällt sie in einen leichten Schlaf.

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Möge die Macht mit euch sein.

Hallo meine Lieben,

hier bin ich wieder mit einem neuen Kapitel. Es tut mir leid, dass dies so lange gedauert hat. Ich bemühe mich um Besserung. Kann aber nichts versprechen.
Derzeit sind meine Vorklausur-Abis und dazu hat sich Corona nun auch bei mir gemeldet und wollte, dass ich ihm Aufmerksamkeit schenke.
Ich hoffe, dass ich schnellstmöglich zu einem neuen Kapitel kommen werde.

Wie dem auch sei. Ich hoffe euch geht es gut und ihr seit zufrieden mit dem neuem Kapitel.

Man liest sich.

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