Im Auge des Gleichgewichts

von TheWooop
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Gestaltwandler Ritter & Krieger
30.07.2020
08.08.2020
12
8.668
 
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02.08.2020 1.337
 
Ein Land zu regieren, ein Kinderspiel meinen die meisten. In einem Thron herumsitzen und ab und an irgendwelche bediensteten schicken oder Sklaven zur Belustigung töten lassen. So sahen viele den Herrscher Sion. Der Palast in dem er residierte erinnerte jedoch weniger an ein Schloss mit vielen Adligen die den ganzen Tag nur Spaß haben, sondern hatte die deutlichen Merkmale einer bis an die Zähne bewaffneten Festung. Die kalten schmucklosen Mauern ragten über die anliegenden Häuser. Mitten in der Hauptstadt ragte der Burgfried wie ein mahnender Monolith aus dem Panorama. Der Innenhof war groß genug, um dort 5 Bauernhöfe unterzubringen und es herrschte stets ein reges Treiben auf diesem Platz, auch wenn er nur für die direkten Bediensteten des Kaisers zugänglich war. Das Hauptgebäude war ein Klotz aus riesigen Stein Quadern, das gesamte Dach mit Lehmziegeln bedeckt und das einzige, was ihm den Eindruck verlieh, dass jemand besonderes darinsitzen könnte, war ein hoher Holzmast, an dessen Spitze das Banner Sions und des geeinten Reiches baumelte. Ein junge in bediensteten Kleidung eilte über den Hof, in jeder Hand einen großen Tonkrug mit Wein. Als er durch die Tür des Hauptgebäudes stürmte, stieß er beinahe mit einer Magd zusammen. "He! Kannst du nicht schauen wo du hinrennst!" Bluffte sie ihn an. "Verzeihung Madam, Sion hat die Generäle im Sitzung Saal und der Koch meinte, wenn wir dort nicht schleunigst Wein anbieten frisst Sion sie all mit Haut und Haaren..." presste der Junge zwischen starken Atemzügen hervor. "Na gut dann lauf kleiner! Aber denk daran deinen Kragen zu richten bevor du den Herrschaften gegenüber trittst" Ohne noch zuzuhören stürmte der Junge weiter. Breite Steintreppen Hinauf und durch, mit rotem Teppich ausgelegte Flure, bis er vor einer riesigen Doppeltüre stand. Die Tore waren mit Eisen beschlagen und in das Holz war die Entstehungsgeschichte der Äonen geschnitzt, wie sie durch die Herrscher des Hauses Mendragon gelehrte wurde. Der Junge hastete daran vorbei zu einem kleinen Dienstboteneingang um die nächste Ecke. Der kleine, mit einem Tuch verhängte Tunnel führte direkt in den Raum hinter dem großen Tor. Schon im Gang dröhnten ihm die Stimmen mehrerer Männer entgegen und die Raue Stimme Sions war nicht zu verkennen. "Ihr hattet mir versichert, dass die wenigen überbleibenden niemals in die Stadt kommen würden durch ihre *Überprüfung*... UND JETZT TÖTET EINER DIESER BASTARDE EINEN RICHTER MITTEN IN DER HAUPTSTADT!" Die 15 Berater, die an dem langen Tisch saßen, senkten den Blick und waren sehr beschäftigt damit ihre Hände zu betrachten. 8 von ihnen waren die Generale der Armeen, die unter Sions Oberkommando dienten. Beinahe musste der Junge grinsen, bei dem Anblick, den die muskulösen, hochgewachsenen Gestalten lieferten, wie sie dasaßen und sich versuchten in ihren eigenen Hemden zu verkriechen. Er stellte die Krüge mit dem Wein auf die Tafel neben dem Tisch und sofort begannen 5 Mädchen auserwählter Schönheit die Becher der Gesellschaft zu füllen. Marie, die jüngste von ihnen, zwinkerte dem Jungen zu und er lächelte schief, bevor er eilig durch den Tunnel wieder den Raum verließ. Kaum war er hinter dem Tuch hervorgetreten stürmte er wieder die Gänge hinunter bis nach draußen, hastete zu dem Bauernhof zur linken des großen Tores und hämmerte gegen die Holztüre des Wohnhauses. Mit einem Ruck wurde die Tür aufgerissen, ein kräftiger Arm schnellte heraus, packte den jungen am Hemd und riss ihn hinein. Einen Lidschlag später war die Tür zugeschlagen worden und der Junge stand in einem dunklen Raum. Vor ihm stand sein Onkel, der nach einem hastigen blick hinter den zugezogenen Vorhang nach draußen, sich an seinen Neffen wendete. "Dein Vater ist gleich fertig, wie sieht es aus?". "Keine Sorge. Sion ist noch dabei alle im Raum zur Schnecke zu machen wegen der Gerichtsverhandlung, im schlimmsten Fall kommt er in einem halben Tag zum Ende der Verhandlungen!", antwortete der Junge mit einem leichten grinsen und schlenderte durch den Raum auf den Esstisch zu, wo er sich auf einen Stuhl plumpsen lies. "Ich versteh nur nicht warum Vater gerade jetzt diesen Aufbruch machen will... er wird doch nicht verdächtig, er könnte einfach durch das Tor marschieren so wie wir." Der stämmige Mann an der Tür kam ebenfalls herüber und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Es geht darum ein Zeichen zu setzen Augin. Sion ist jetzt bereits außer sich und fühlt sich unsicher wie nie, da sein oberster Richter getötet wurde. Wenn der Plan deines Vaters aufgeht, nimmt er noch ein paar der wichtigsten Generale mit, bevor er sich aus dem Staub macht. Das wäre der endgültige Aufruf an alle Unterdrückten da draußen sich zu erheben. Du solltest stolz auf deinen Vater sein, er riskiert viel für die Freiheit euresgleichen." Der Junge sah eher weniger überzeugt drein. Er trommelte mit den Knöcheln auf dem Tisch und warf der Tür links von ihm immer wieder einen ungeduldigen Blick zu. Endlich drückte sich die Klinke herunter und die Person, die aus dem Nebenraum trat, ein wahrer Hüne. Ohne den Kopf einzuziehen passte er kaum durch die Türe und seine Muskulösen arme spannten das Leinenhemd über seinen Muskeln das es aussah, als würde es bei einer schnellen Bewegung reißen. Sah man dem Man jedoch in das bartlose fein geschnittene Gesicht, erkannte man unweigerlich die Ähnlichkeiten zu dem Mann neben dem Jungen und an der Nase sogar die Ähnlichkeit zu dem Jüngling selbst. In seiner Hand hielt er einen in Tücher eingewickelten länglichen Gegenstand, den er hochkant vor sich hielt, da er gut halb so lang wie der Hüne hoch war. "Hat es funktioniert?", Fragte der Junge sofort neugierig und sprang von seinem Stuhl auf. Sein Vater trat gelassen an den Tisch, legte den Gegenstand darauf und entwickelte ihn. Zum Vorschein kam ein Langes Schwert. Seine Klinge war leicht gewellt und der Griff hatte einen umklappbaren Handschutz. Vom Griff aus bis zur Mitte der Kling waren kleine und große Zeichen eingraviert. Sie waren kompliziert verschlungen und ergaben irgendwie ein stimmiges Bild, auch wenn die Anordnung etwas Willkürliches hatte. "Sind das die Runen, von denen du mir erzählt hast?" fragte der Junge weiter und streckte eine Hand aus. "Ja mein Sohn. Das sind die Runen, die uns dein Großvater hinterlassen hat und mit deren Macht wir die Kraft dieses Schwertes freisetzen sollten." Als die Finger des Jungen eines der Zeichen berührten, zuckte er zurück als hätte er sich verbrannt. Das Zeichen begann zu glühen und ein Lichtblitz fuhr von dem berührten Zeichen ausgehend die anderen gravierten Kerben entlang. "Du musst vorsichtig sein", sagte der Hüne und tätschelte seinem Sohn den Kopf, "Das ist kein normales Schwert! Ich habe 5 Tage benötigt, um die Bann Runen zu entfernen, mit denen seine eigentlichen Kräfte unterdrück wurden. Ich nehme an es ist mit enormer Magie geladen." "Gut, jetzt ist es aber Zeit!" unterbrach der Onkel das Bestaunen der Waffe und griff nach dem Arm des Jungens. Wir müssen schauen das wir aus der Stadt kommen. Wir treffen uns am Vereinbarten Platz Argon! Denk an deinen Sohn und riskier nicht zu viel. Ich wünsche dir alles Glück, seien die Lebensgeber auf deiner Seite!" mit diesen Worten drehte er sich um und stampfte aus dem Haus, den Jungen zog er dabei einfach hinter sich her. Argon blieb am Tisch zurück und starrte seinem Sohn hinterher. Er sah müde aus doch in seinen Augen blitzte pure Entschlossenheit, sein Sohn blickte eher ängstlich, doch er war zu überrumpelt, um zu überlegen was er fühlte. Als die Tür wieder ins Schloss gefallen war, strich Argon über die Klinge und wieder begann sie zu leuchten, entschlossen packte er den Griff der Waffe, wirbelte sie ein paar Mal hin und her, vollführte dann eine elegante Drehung an deren Ausgang er das Schwert senkrecht in den Boden stieß. Die Klinge strebte ohne wiederstand bis zur Hälfte in den Dielenboden. Auf einem Knie, das Haupt gesenkt und mit beiden Händen auf dem Griff der im Boden steckenden Waffe verharrte der Hüne meditierend, auf seinen Auftritt wartend.
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