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A Court of Blaze and Shadows

von Balmaiden
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Azriel Cassian Elain Archeron Feyre Archeron Nesta Archeron OC (Own Charakter)
29.07.2020
02.08.2020
2
4.264
3
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1 Review
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02.08.2020 1.926
 
Moin Leude, da ist es. Mein zweites Kapitel ist online. Irgendwie... bin ich ein bisschen ins fluffige, Fluff-Fic-Schreiben abgerutscht. Sorry! Aber keine Sorge. Es wird noch schlimm. Sehr schlimm! *muhaha*
Trotzdem hoffe ich, es gefällt euch. Geniest den Frieden, so lange er noch da ist. He he...

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Drei Tage waren seit dem Sturm in der illyranischen Steppe vergangen. Drei ganze Tage hatte es gedauert, bis der Sturm endlich nachgelassen und Azriel gemeinsam mit dem Mädchen nach Velaris hatte reisen können.
Die Kleine hatte bisher kein Wort gesprochen. Nicht einmal ihren Namen hatte sie ihm verraten wollen oder können. Deshalb war Az irgendwann dazu übergegangen, sie Vögelchen zu nennen. Und der Kosename passte zu ihr: Sie war sehr zart und manchmal schüttelte sie sich den Regen aus den kleinen Flügelchen wie ein nasser Spatz.
Die Kleine hatte ihn nur stumm beobachtet, so aufmerksam, dass die Stille zwischen ihnen sogar dem Meisterspion ein wenig unangenehm wurde. Und so hatte er angefangen zu erzählen. Geschichten aus seinem Leben, er berichtete von dem Krieg gegen Hybern, Amaranthas Schreckensherrschaft, und all der Kriege, die davor kamen - und sogar von seiner Kindheit.
Es waren wahrlich keine Gute-Nacht-Geschichten, die für die Ohren von Jünglinge bestimmt waren. Aber die kleine Illyrianerin lauschte nur andächtig und runzelte gelegentlich die Stirn oder legte den Kopf schief, wenn sie wollte, dass er einen Teil seiner Erzählungen genauer ausführte.
Also erzählte er und erzählte und erzählte. Und als ihm die eigenen Geschichten ausgingen, da erzählte er die seiner Freunde. Er berichtete der Kleinen von Rhys, dem mächtigsten High Lord, der jemals gelebt hatte. Und von Feyre, seiner schönen und ebenso mächtigen High Lady. Von Cassian, dem General der Armeen des Hofes der Nacht, und seiner Frau Nesta, die manche die Viper nannten. Von der schönen Morrigan und der schrecklichen Amren. Und von der sanften Elain. Er ertappte sich dabei, dass er viel von Elain berichtete. Von ihrem Garten und ihren Blumen, von ihrem Frieden und der Ruhe, die sie ausstrahlte.
Und das Mädchen lauschte ihm, doch es sagte kein einziges Wort.

Als sie in Verlaris angekommen waren, hatte Azriel entschieden, dass es wohl das klügste war, die Kleine nicht sofort dem ganzen Inneren Kreis vorstellen - seine Familie konnte doch recht... überwältigend sein und er wollte nicht, dass das Mädchen sich vor ihnen erschrak.
Also hatte er sie mit dem liebenswürdigsten Person Velaris´ bekannt gemacht. Mit Elain.
Diese hatte keine einzige Frage gestellt, als er plötzlich ohne Ankündigung mit einem kleinen Mädchen an der Hand an der Türschwelle ihres gemeinsamen Hauses mit dem großen Garten am Stadtrand aufgetaucht war.
Und sie hatte sofort ihr Herz an das aus dem Nest gefallene Vögelchen verloren. Az hatte es an der Art gesehen, wie sie die Kleine angesehen hatte, wie sie vor ihr in die Hocke gegangen war und sich ihr mit ihrer leisen, ruhigen Stimme vorgestellt hatte.
Dann hatte sie das Mädchen in eine Badewanne voll duftendem Kräuterwasser gesteckt und ihr endlich das ganze Blut und den Schmutz der Steppe abgewaschen. Und das Vögelchen hatte die ganze Prozedur artig über sich ergehen lassen, hatte Elain sogar vorsichig angelächelt, nachdem diese ihr die Knoten aus den schwarzen Locken gekämmt und das Haar zu einen Zopf geflochten hatte. Schließlich hatte seine Frau die Kleine in eines der Gästezimmer gebracht, wo Elain sie zugedeckt und so lange an ihrem Bett gesessen hatte, bis das Mädchen schließlich eingeschlafen war.

Az lehnte im Türrahmen und sah dabei zu, wie Elain das geflügelte Kind leise in den Schlaf summte. Das dunkle Haar bildete einen harten Kontrast zu den weisen Laken. Sie wirkte so winzig und ein wenig verloren in diesem riesigen Bett, unter den dicken warmen Decken, in die Elain sie eingepackt hatte. Beinahe so verloren wie in dieser stürmischen Steppe. Als wäre irgendetwas von ihr noch immer ganz allein da draußen.
Es machte ihm Sorgen, dass das Mädchen noch immer kein Wort gesagt hatte. Manchmal kam es vor, dass ein Erlebnis derart traumatisch war, dass die betreffende Person sich in sich selbst zurückzog - es war eine Art Schutzmechanismus vor dem Einfluss der Außenwelt. Doch die Kleine wirkte nicht verschreckt oder verschüchtert, sie beobachte ihre Umwelt aufmerksam. Und Az war sich absolut sicher, dass das Mädchen eigentlich in der Lage war zu sprechen.
Dennoch war noch immer kein einziges Wort über ihre Lippen gekommen. Als ihre Blicke sich streiften, wusste Azriel, dass Elain ähnliche Gedanken umtrieben. Sie erhob sich leise, strich ihr rosafarbenes Kleid glatt und trat zu ihm.
Az stieß sich vom Rahmen der Tür ab und schlang die Arme um seine Frau, die ihr Gesicht in seinem Hemd vergrub. Der Illyrianer drückte ihr einen Kuss ins Haar. Sie duftete nach Lavendel, Melisse und Pflanzen, an deren Namen er sich nicht erinnerte.
"Das arme Mädchen," murmelte sie, das Gesicht an seine Brust gepresst, "ich glaube, ich will gar nicht wissen, was sie durchgemacht hat... Was passiert denn jetzt mit ihr?"
Azriel zögerte und warf einen kurzen Blick zum Bett herüber, in dem das Mädchen regungslos schlummerte.
Dann nahm er Elains Hand und führte sie ins kleine Wohnzimmer. Dort setzte er sich auf das dunkelgrüne Sofa und zog seine Frau auf seinen Schoß. Elain hatte jeden Raum liebevoll eingerichtet, als sie vor Jahrzehnten das kleine Häuschen am Rande Velaris´ bezogen hatten. Doch in den großen Garten, der jenseits der bodentiefen Buntglasfenster im Dunkeln lag, hatte Elain ihr ganzes Herz gelegt. Die sanfte Frau hatte aus dem verwilderten Grundstück ein wahres Kleinod gezaubert.
Oh, wie sehr er sie vermisst hatte. Wie sehr er sie liebte...Azriel beugte sich vor und streifte die empfindliche Stelle oberhalb ihres Schlüsselbeins mit seinen Lippen. "Ich hab´ dich vermisst."
"Az." Ein Lächeln lag in ihrer Stimme. Und eine leise Mahnung.
Nicht jetzt. Noch nicht. Beantworte meine Frage.
Widerstrebend löste er seine Lippen von ihrer Haut und betrachtete ihr Gesicht.
Azriel hatte immer schon gedacht, dass Elain die Schönste der Archeron-Schwestern war. Sie hatte vielleicht nicht die messerscharfen, atemberaubenden Gesichtszüge ihrer älteren Schwester Nesta oder die vor Stärke leuchtende Ausstrahlung Feyres. Aber keine der beiden kam an Elains ätherische Schönheit heran. Azriel hätte den ganzen Tag damit verbringen können, sie anzusehen. Und die ganze Nacht.
Es stimmte, dass Elain die Stille der Schwestern war. Elain besaß weder Feyres feuriges Temperament noch den einem Eissturm gleichenden Zorn, den Nesta in sich trug. Aber das machte sie nicht schwächer als die anderen Archeron-Mädchen. Elain war die Ruhige, die Sanfte und man neigte dazu, sie leicht zu unterschätzen. Dabei war sie eine aufmerksame Beobachterin. Ihrem Blick entging einfach nichts und sie besaß eine Begabung dafür, hinter die Maske der Leute zu blicken.
Elain Archeron sich hervorragend in den Reihen seiner Spione gemacht - aber stattdessen war sie seine Frau geworden.
Wie, im Namen der Großen Mutter, hatte er sie nur verdient? Gar nicht...
"Az", sagte sie wieder und riss ihn damit aus seinen Gedanken. "Beantworte meine Frage."
Der Meisterspion des Nachthofes seufzte leise. "Ich weiß es noch nicht. Nach der Nacht der fallenden Sterne reise ich zurück in die Steppe und versuche herauszufinden, woher die Kleine kommt." Außerdem hatte er immer noch die andere Angelegenheit zu untersuchen; denn noch immer tobten die Kriege unter den illyrianischen Heerlager.
"Und wenn da niemand ist, der sich um sie kümmern kann oder will?", fragte Elain leise. In ihrem ernsten Blick lag echte Sorge. "Sie ist so klein, Az, so jung. Sie kann doch nicht auf sich allein gestellt in einem der Lager leben. Besonders nicht in der aktuellen Situation. Was, wenn ihr etwas ... das ganze Blut, Az." Elain zauderte. Azriel ahnte, dass sie versuchte, sich keines der Szenarien auszumalen, die ihr in den Sinn kamen.
Azriel schwieg. Über all das hatte er sich ebenfalls schon Gedanken gemacht.
"Sie wird nirgends hingehen, wo ihr Gefahr droht. Dafür sorge ich.", versprach er schließlich. "Und bis es so weit ist... dachte ich, dass sie vielleicht hierbleiben könnte - wenn du einverstanden bist."
Elain richtete sich auf seinem Schoß auf. "Natürlich.", sagte sie und legte ihm die schmale Hand auf die Wange. Auf ihrem schönen Gesicht erschien ein strahlendes Lächeln, bei dem Az ganz warm ums Herz wurde. "Natürlich bin ich einverstanden."

~~~


Es war der späte Nachmittag vor der Nacht der fallenden Sterne, als Azriel in Elains Garten landete. Überall spross und blühte es in den schönsten Farben.
Mittendrin kniete Elain, das Mädchen saß an ihrer Seite im Gras und hing förmlich an ihren Lippen, während Elain auf verschiedene Blumen deutete und ihren Nutzen erläuterte.
Dieser Anblick begrüßte ihn seit zwei Wochen jeden Tag: Elain und die kleine Illyrianerin saßen gemeinsam im Garten während Elain ihre Blumen hegte und pflegte und das Mädchen ihr dabei aufmerksam zuschaute.
Als die beiden Azriel bemerkten schenkte Elain ihm ein Lächeln, erhob sich und schlenderte auf ihn zu.
"Guten Abend, Mylady", grüßte der Spion und neigte mit einem vagen Schmunzeln den Kopf zum Gruß. Seine Frau legte ihm die schlanken Finger in den Nacken und zog sein Gesicht für einen Kuss zu sich herunter.
Ergeben beugte er sich zu ihr herab und streifte ihre Lippen mit seinen.

Da spürte er ein vorsichtiges Zupfen am Jackenärmel. Az löste sich von Elain und schaute auf die Kleine herunter, die noch immer den Stoff seiner Jacke zwischen den Fingerchen hielt und erneut daran zupfte, dieses Mal mit mehr Nachdruck.
Mit großen Augen blickte sie zu ihm hoch und ein fast schon auffordernder Ausdruck lag darin.
"Möchtest du mir etwas zeigen, Vögelchen?" riet er.
Ein knappes Nicken. Dann huschte sie davon.

Azriel tauschte einen verwunderten Blick mit Elain, diese zuckte mit den Schultern. Er zog fragend eine Augenbraue hoch, folgte dem Mädchen aber zwischen die Blumen und Büsche.
Die Kleine saß vor einem Beet und wartete geduldig darauf, dass Az näher herankam.
Er ging neben ihr in die Hocke und fragte: "Was möchtest du mir denn zeigen?"
Das Mädchen deutete mit ihrer kindlichen Hand auf ein fast schon unscheinbares Kraut. Dunkelgrüne, fiederspaltige Blätter und silbergraue, winzige Blüten mit spitz zulaufenden zarten Blütenblättern.
Und da öffnete das kleine Mädchen, dass in den letzten Tagen kleinen einzigen Ton von sich gegeben hatte, und sagte: "Die Blume da heißt wie ich."
Ihre Stimme war leise, kaum mehr als ein piepsiges Hauchen, und fast ein wenig rau. Eine Folge von tagelangem - wochenlangem - Schweigen.
Azriel versuchte sich nicht anmerken, wie sehr es ihn überraschte, dass die Kleine tatsäch spach.
"Und wie heißt die Blume?", fragte Az vorsichtig. Die Kleine blickte an ihm vorbei zu Elain, die zu ihnen herangetreten war.
"Das ist Lethekraut.", erklärte sie und legte Azriel eine Hand auf die Schulter. Er ergriff ihre Hand und drückte sachte ihre Finger. Einfach so begann das Mädchen zu sprechen.
"Letha", verbesserte die Kleine. "ich... ich heiße Letha."
Sie klang ein wenig unsicher, als wäre ihr gerade selbst klar geworden, dass sie redete.
Az musste seiner Frau nicht ansehen um das Lächeln zu sehen, dass er in ihrer Stimme hörte. "Das ist ein sehr schöner Name."
Wie hatte sie es geschafft, die Kleine dazu zu bringen, zu sprechen?

Elain befreite sanft ihre Hand aus seiner und streckte sie der Letha entgegen. "Komm Letha, wir machen uns für heute Abend fertig."
Letha nickte lächelnd, rappelte sich auf und nahm Elains Hand. Az richtete sich ebenfalls auf, küsste seine Frau auf die Schläfe und gemeinsam gingen sie ins Haus um sich für die Nacht der fallenden Sterne umzuziehen.
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