A Court of Blaze and Shadows

von Balmaiden
GeschichteDrama, Familie / P16
Azriel Cassian Elain Archeron Feyre Archeron Nesta Archeron OC (Own Charakter)
29.07.2020
02.08.2020
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29.07.2020 2.338
 
Moin und herzlich willkommen zu meiner ersten, großen Fanfiction, die ich extra für FF schreiben möchte.  Die Idee für diese Geschichte geistert schon seit Ewigkeiten in meinem Kopf herum. Und jetzt, wo mit "A Court of Silver Flames " die Geschichte Zwischen Nesta und Cassian praktisch in greifbare Nähe rückt (NESSIAN! *kreisch*), wollte ich mich mal an die nächste Generation herantasten.
Hier wird es nur nebenbei um Feyre, Rhys und ihre Freunde gehen, dafür mehr um ihre Kinder und deren Abenteuer. Ich hoffe, ihr werdet den Kleinen Kreis genau so sehr lieben wie ich. Und natürlich wird es auch eine Liebesgeschichte geben - aber erst einmal müssen die Anfänge erzählt werden.
Außerdem liebe ich es Vater-Tochter-Beziehungen zu schreiben. Deshalb fangen wir damit an.

VIEL SPAß, LEUDE!

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Der Sturm tobte über die Steppe hinweg wie ein zorniges Ungeheuer. Strömender Regen. Beißende Winde. Donner, der den Boden zu Azriels Füßen immer wieder zum Erzittern brachte.
Der Meisterspion des Nachthofes mochte die Steppe nicht, stellte er fest und legte die ledrigen Flügel enger an, damit er dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche bot.
Nein, er möchte diese Steppe überhaupt nicht.
Er sehnte nach Hause, nach Velaris, nach Elains blühenden Garten oder einfach einem wärmenden Feuer.

Seit Wochen war er im Auftrag seines High Lords und seiner High Lady auf Reisen. Von einem illyrianischem Heerlager zum nächsten. In letzter Zeit waren die  Kämpfe zwischen den einzelnen Lagern immer wieder zu brutalsten Gemetzeln eskaliert. Es war nicht ungewöhnich, dass es gelegentlich zu Kämpfen zwischen den verschiedenen Lagern kam. Die Illyrianer waren ein Volk von Kriegern, ihnen lag die Schlacht im Blut und es gab immer einen Grund für einen Kampf. Sei es eine alte Rivalität, verletzter Stolz oder jahrhunderte alte Feindschaften.

Doch in den vergangenen Wochen war es schlimmer geworden. Sehr viel schlimmer. Und erheblich grausamer. Irgendetwas braute sich zusammen. Aus diesem Grund reiste Az von Heerlager zu Heerlager und versuchte herauszufinden, was vor sich ging - bis er vor einigen Stunden den Wind geteilt und inmitten dieses Unwetters gelandet war. Erneut den Wind zu teilen kam bei diesem Sturm nicht in Frage und auch fliegen war viel zu gefährlich. Dabei war er eigentlich fast schon auf der Heimreise gewesen, um in Velaris die Nacht der fallenden Sterne mit seinen Freunden, seiner Familie, zu feiern.
Also ging es notgedrungen erst einmal zu Fuß weiter.
Die illyrianische Wüste war kein Ort für gemütliche Spaziergänge und Az hatte wirklich keine Lust an einem Kampf auf Leben und Tod gegen eine der Kreaturen, die dieses unwirtlichen Land zu ihrem Zuhause auserkoren hatten.
Cassian würde ihn dafür sicher aufziehen.

Allerdings hockte der Befehlshaber der Armeen gerade faul in Velaris herum und legte vermutlich bequem die Beine hoch - oder er zankte sich mit Nesta.
Azriel hatte nie ganz verstanden, wie die Beziehung zwischen den beiden funktionierte. Am Anfang hatte er noch geglaubt, dass das Kräftemessen zwischen Cas und der ältesten Schwester seiner High Lady so etwas wie ein Abstecken der Spielregeln zwischen ihnen war. Allerdings waren seitdem fast hundert Jahre vergangen und die beiden keiften einander noch immer täglich an, um herauszufinden wer der dominantere von ihnen war. Für Cassian und Nesta Archeron war die Seelenverbindung ein Schlachtfeld.
Und doch: irgendwie funktionierte es und die Beziehung hatte sogar zwei Söhne hervorgebracht.

Obwohl die mittlerweile dreizehnjährigen Zwillingsbrüder Tristen und Kaden einander äußerlich zum Verwechseln ähnelten, war es ein leichtes, die zwei auseinander zu halten, denn in ihrem Wesen waren die beiden Jungen grundverschieden.
Kaden, der Jüngere, hatte den selbstbewussten Charakter seines Vaters und die Spitzzüngigkeit seiner Mutter geerbt. Sein Bruder war das genaue Gegenteil. Tristen war ruhiger und besonnener, von Natur aus neugierig und äußerst geschickt im Umgang mit Worten.
Tristen war der einzige Vernunftbegabte in seiner Familie. Und der einzige, der seinen Bruder davon abhalten konnte, vollkommen über die Stränge zu schlagen.

Und seit Haz da war, war das Durcheinander perfekt.
Hazael war der langersehnte Sohn von Feyre und Rhys, der Erbe des Nachthofes. Er besaß mit seinen kaum zehn Jahre Charme und Witz, stand seinem Vater in dieser Hinsicht in nichts nach und er zeigte die Warmherzigkeit, die er von Feyre geerbt hatte, so viel leichter als seine Mutter.
Und er war ein kleiner Unruhestifter.

Azriels Neffen waren so unbekümmerte, albern und draufgängerisch, wie es nur Jünglinge sein konnten, die nie die Gräuel eines Krieges erfahren hatten und der Spionagemeister hoffte inständig, dass dies noch sehr lange so bleiben würde.
Die Zwillinge und Haz waren die ersten Jungen, denen er beim aufwachsen zusehen konnte.
Es hatte eine ganz eigene Magie.
Es war faszinierend, bewegend.
Es ging viel zu schnell. Manchmal hatte er das Gefühl, nur einmal geblinzelt zu haben und dann war plötzlich schon wieder einer von ihnen eine Handbreit gewachsen.

Az liebte es, Elain dabei zuzusehen, wie liebevoll sie sich um die Jungs kümmerte.
Er liebte sie.
Seine Partnerin.
Seine Ehefrau.
Sein Zuhause.

Aber nicht seine Seelengefährtin... Azriel weigerte sich zu glauben, dass diese Tatsache der Grund war, dass sie bisher keine eigenen Kinder hatten, obwohl sie es lange versucht hatten.
Irgendwann würde es so weit sein. Bei der Vorstellung an kleine Jungen, die ihm glichen, und Mädchen, die die zarte Schönheit ihrer Mutter geerbt hatten und einander lachend durch Elides blühenden Garten jagten, musste Az unweigerlich lächeln.
Ja, irgendwann...

Da erweckte eine Erschütterung seine Aufmerksamkeit und Az erstarrte.
Es hätte ein weiteres Donnergrollen des Unwetters sein können.
Wäre da nicht das dieses Gefühl... dieses leichte Zittern von Macht gewesen. Der Meisterspion hielt inne und spähte in die sturmumtoste Steppe hinaus. Er wollte eigentlich gar nicht so genau wissen, was sich da nur wenige Meter vor ihm regte, welche Monster dieses unwirtliche Land zu ihrem Zuhause erkoren hatten und beschlossen hatten, bei diesem Wetter auf die Jagd zu gehen.
Ja, er begann wirklich diese Steppe zu hassen.

Azriel rief seine Schatten herbei. Sie umwaberten ihn und schmiegen sich an ihn wie zahme Hauskätzchen. Eigentlich waren seine Schatten keine lebendige Wesen, nicht im eigentlichen Sinne. Sie besaßen keinen Körper, keine feste Form. Die Schatten waren mehr eine Art kollektive Existenz, eine Erweiterung seines eigenen Bewusstseins, ein Teil seiner Selbst. Sie waren immer da und wisperten ihm ins Ohr, ein leiser beständiger Chor aus Dunkelheit und Geheimnissen
Er schickte sie vorraus, um in Erfahrung zu bringen, welches Ungetüm auf ihn lauerte.

Doch sie kamen nicht zurück, um Bericht zu erstatten. Der Meisterspion runzelte die Stirn. Noch nie hatten seine Schatten ihm nicht gehorcht. Nicht einmal in über sechs Jahrhunderten hatten die Schatten sich ihm widersetzt. Er rief seine treuen Diener erneut, doch noch immer kehrten sie nicht an seine Seite zurück.
Gab es in diese vom Kessel verdammten Steppe etwas, das Schatten fraß? Und wenn ja, standen auch illyrianische Krieger auf seiner Speisekarte?
Azriel blieb nichts anderes übrig, als es heraus zu finden.
Er zog seinen Dolch, den Wahr-Sager und trat auf die Gefahr zu.
Langsam zeichnete sich eine Silhouette ab. Die Silhouette einer überraschend kleinen Gestalt. Aber davon ließ sich der Schattensänger nicht beeindrucken. Immerhin war Amren ebenfalls winzig und sie war trotzdem gemeingefährlich.
Da zuckte ein Blitz über den Himmel und für einen Moment war die Steppe taghell erleuchtet. Und Azriel erkannte, was da wenige Schritte vor ihm stand.

Kein Ungeheuer.
Sondern ein Mädchen. Definitiv ein Mädchen. Ein kleines Mädchen, völlig durchgeweicht vom Regen. Dunkle, vom Sturm zerzausten Haare und winzige ledrige Flügel - eine kleine Illyrianerin.
Der Meisterspion ließ seine Waffe sinken.
Es war so zart, dass es Az an ein aus den Nest gepurzeltes Vogeljunges erinnerte.
Das Mädchen hatte die Hand erhoben, als wolle es einem Schmetterling einen Landeplatz auf ihrem Zeigefinger anbieten.
Allerdings waren es keine Schmetterlinge, die um das Kind herumflatterten... sondern Az' Schatten.
Sie wirbelten um die Kleine herum, als wollten sie sie zum Spielen animieren.

Eine kleine Schattensängerin. Mitten in der Steppe und vollkommen allein. Schattensänger waren sehr, sehr selten - nur alle paar Jahrhunderte wurde einer geboren.
"Was machst du hier, Mädchen?", fragte der Krieger, schob seinen Dolch zurück in die Scheide und machte einen vorsichtigen Schritt auf die kleine Illyrianerin zu.
Das Kind ließ die Hand sinken und blickte ihn an. Der noch immer wütende Sturm zerrte an der Kleinen, und für Az grenzte es an ein Wunder, dass der Wind sie nicht einfach davon wehte. Noch immer umschmiegten Azriels Schatten die Kleine, als hätten sie eine neue Freundin gefunden.
"Woher kommst du?", fragte der Meisterspion des Nachthofes, doch das Mädchen blickte ihn nur weiterhin stumm an.
Er trat einen weiteren vorsichtigen Schritt auf die winzige Gestalt zu und hob die Hände, um zu signalisieren, dass er ihr nichts tun wollte.
Sie schien sich nicht vor ihm zu fürchten, ihr Blick war aufmerksam aber nicht ängstlich.
Beim Kessel, sie war so klein. Az konnte sich nicht daran erinnern, dass einer seiner Neffen jemals so... zerbrechlich gewirkt hatte. Was hatte ein so zartes Ding vollkommen allein an einem Ort wie diesem verloren? Wo war sie hergekommen und wo war die Familie der Kleinen?
"Was machst du allein an diesem Ort?", versuchte er es erneut. Er war jetzt nah genug, um sie genauer betrachten zu können.
Sie war sehr jung - noch ein wenig pausbäckig, mit einen kleinen Stupsnäschen und dunklen Augen, die riesig in dem Gesichtchen wirkten. Sie konnte unmöglich älter als sieben oder acht Jahre alt sein. Wo war die Kleine nur hergekommen?
Und dann bemerkte Schattensänger das Blut. Eine ganze Menge davon. Zu viel, als das es von dem Mädchen stammen könnte.
"Bist du verletzt?", fragte Azriel vorsichtig und musterte das Kind genauer. Zumindest körperlich schien das Mädchen unversehrt.
Noch immer hatte die kleine Illyrianerin keinen Ton von sich gegeben, hatte im Grunde auf keine seiner Fragen reagiert.
"Verstehst du mich, Kleine?"
Sie verzog ein wenig das kindliche Gesicht, als hätte Azriels Frage sie beleidigt. Schließlich nickte die Kleine, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Der Meisterspion musste unweigerlich schmunzeln.
Er kannte diesen Ausdruck. Er sprach von kindlichem Ärger, wenn Sprösslinge sich von Erwachsenen nicht ernst genommen fühlten.
Mittlerweile war er nah genug, dass er das Mädchen hätte beinahe berühren können. Doch er behielt seine Hände bei sich und ging stattdessen in die Hocke.
"Verzeiht, Lady. Natürlich versteht Ihr mich." Er neigte entschuldigend den Kopf. Die Kleine reckte als Antwort nur ein wenig das Kinn.
Wieder zuckte ein Blitz über den Himmel und tauchte die Steppe für den Bruchteil eines Moments in sein kaltes silbernes Licht.
Sie sah wirklich grausig aus: Nass bis auf die Knocken, geronnenes Blut im Gesicht und im vom Wind zerzausten Haar, das schwarz war, wie das Gefieder eines Raben. Auch ihr einst vielleicht blaues Kleidchen war wie in Blut getränkt und wirkte nun ehr braun.
Mit einem Zaudern erinnerte Az sich an die Gemetzel in den illyrianischen Heerlagern. Meist löschten Illyraner ein schwaches Lager aus bis auf den letzten Mann, die letzte Frau, das letzte Kind. aber manchmal ... da entkam jemand, wurde von den Angreifern übersehen oder entwischte ihnen auf andere Weise.

"Wie heißt du?"
Wieder keine Antwort.
"Mein Name ist Azriel. Du kannst mich Az nennen, wenn du möchtest. Und wenn du mir deinen Namen verrätst."
Noch immer schwieg die Kleine beharrlich.
Also versuchte der Meisterspion es anders. Mit einem kopfnicken deutete er auf die Schatten, die sie noch immer umgaben. "Die Schatten sind deine Freunde, mh?", fragte er und hob die Hand. Dieses Mal gehorchten sie seinem Ruf und Schatten erschienen in seiner Handfläche, schmiegten sich an seine Finger. "Meine auch."
Endlich bekam er ein zögerliches Nicken und dann sogar, ganz vorsichig, ein winziges Lächeln.
Der illyrianische Krieger erwiederte das Lächeln, dann fragte er: "Wo sind deine Eltern?"

Das Lächeln verschwand schlagartig.
Die Kleine warf einen raschen Blick über ihre Schulter und zum ersten Mal huschte ein Ausdruck von blanker Angst über ihr Gesicht, ehe sie sich wieder Azriel zuwand und die Lippen fest aufeinander presste.
Beim Kessel... Was musste ein junges Mädchen erlebt haben, dass sie sich mehr vor dem fürchtete, was hinter ihr lag, als vor einem ausgewachsenen und schwer bewaffnenten illyrianischen Krieger, der sie mit einer einzigen Bewegung töten könnte. Vielleicht kam sie tatsächlich aus einem der Lager in der Nähe. Wusste die Große Mutter, wie lange die Kleine schon hier draußen war.
Azriel zögerte kurz, ehe er einen neuen Versuch startete: "Ich kann dich nach Hause bringen, wenn du mir verrätst, wo das ist."
Wieder schüttelte die Kleine den Kopf, dieses mal mit Nachdruck.
"Weißt du nicht, in welche Richtung wir gehen müssen? Hast du dich verlaufen?"
Erneutes energisches Kopfschütteln. Das Mädchen senkte den Blick und betrachtete seine blutbeschmierten Hände.
Vorsichtig fragte er: "Möchtest du denn nicht zurück?"
Endlich schaute die Kleine ihn wieder und schüttelte langsam und mit viel zu ernstem Ausdruck in den Augen den Kopf.
"Und gibt es einen anderen Ort, wo ich dich hinbringen kann?"
Dieses Mal zögerte das Mädchen einen Moment, schien darüber nachzudenken, ehe es ernet zögerlich den Kopf schüttelte.

Was sollte er nun tun? Er konnte das kleine Ding ja kaum einfach in dieser verdammten Steppe zurücklassen, das nächste Heerlager war einen Tagesmarsch entfernt - für einen ausgewachsenen Krieger. Mit seinen kurzen Beinchen würde das Mädchen wahrscheinlich doppelt so lange brauchen, wobei es viel wahrscheinlicher war, dass es von irgendetwas in dieser Steppe gefressen wurde.
Und selbst wenn die Kleine sehr viel Glück hatte und es lebendig bis zum Lager schaffte... was erwartete sie dort? Az selbst war noch vor wenigen Tagen dort gewesen, in diesem Lager gab es keine so jungen Jünglinge. Und falls sich tatsächlich irgendeiner der Bewohner erweichen ließ und die Kleine aufnahm würde man ihr in ein paar Jahren die Flügel stutzen und sie an den Meistbietenden als Ehefrau verkaufen, in der Hoffnung, dass ihre Nachkommen ihre Schattensängerfähigkeiten erben würden.
Az seufzte leise.

Dann richtete er sich auf und streckte dem Mädchen die Hand entgegen.
Es half nichts... also sagte er: "Komm mit, kleines Vögelchen."
Und die kleine ergriff seine Hand und umschlossen seine rauen vernarbten Finger mit ihren winzigen Fingerchen.
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