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Ginny - stille Zeit

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Fred Weasley Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Severus Snape Sirius "Tatze" Black
29.07.2020
03.10.2021
12
40.365
37
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87 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
29.07.2020 4.395
 
Herzlich willkommen, oder willkommen zurück!

Der zweite Teil meiner Ginny FF, beginnend mit Harrys anstehender Verhandlung am Anfang von “Der Orden des Phönix.”
Natürlich macht es Sinn den ersten Teil zu lesen (den findet ihr hier), oder zumindest zu überfliegen, aber auch Neueinsteiger sollten gut rein kommen. Ich freue mich doch über jeden Leser :)

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Kleine Vorabinfo für Neueinsteiger!
(Wenn du den ersten Teil kennst, kannst du gleich zum Kap runterscrollen ;)

Ich schreibe zwar im Canon der Bücher und halte mich an deren direkte Handlung, aber natürlich kommt auch einiges an Headcanon-Input dazu, damit es auch Spaß beim Schreiben und Lesen macht, und nicht einfach eine Nacherzählung ist.
Demzufolge erlebt und lernt Ginny natürlich auch Dinge, die so nicht im Buch stehen (dem Buch aber nicht widersprechen). Sollte etwas davon wichtig für die Handlung sein, werde ich das kurz in einer Fußnote erläutern, damit man dem Plot gut folgen kann. Auch eventuelle, wichtige OCs die im ersten Teil mal aufgetaucht sind würde ich euch kurz darstellen.
Dann sollte es zu keinen Verwirrungen kommen und ihr könnt die Story genießen.
(Falls doch Fragen auftauchen, einfach fragen.)

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Gut, dann wünsche ich euch natürlich viel Spaß beim Lesen und freue mich über eure Kommentare ;)

Gebetat wird die Story nach wie vor von meinem ganz wundervollen Beta Winkelgassler, dessen Geschichten auf jeden Fall auch das ein oder andere Vorbeilesen lohnen (und ohne den diese FF schon längst verunglückt wäre^^).

Und damit geht´s schon los! :)
Alles alles Liebe,
Dea

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I´m saying that when your child goes off to war, you will never get him back. Not as he was, not the same boy. Changed, if he comes back at all.”
~Orson Scott Card, Ender in Exile

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Eine trügerische Stille hatte sich in die einstmals prachtvollen Räume des Grimmauldplatzes geschlichen. Sie hatte sich unter den Staub gemischt und überzog Teppiche, Geländer, Kronleuchter und gesprungene Marmorplatten.
Ginny hatte sich in ihr Zimmer zurück gezogen, saß auf der Fensterbank und versuchte sich mit einem Buch über die 'Entstehung und Entdeckung der Okklumentik' abzulenken.
Natürlich hatte man ihr wiedermal nicht alles gesagt.
Als wäre sie noch immer zu dumm, um zu verstehen.
Sie wusste zwar was geschehen war, aber niemand wollte ihr mehr sagen als „wir holen Harry hierher.“
Er war von Dementoren angegriffen worden, in dieser Muggelsiedlung, in denen seine Tante und sein Onkel wohnten. Und er hatte einen Patronus beschworen, um sich zu verteidigen. Einen Patronus!
Nachdenklich sah Ginny aus dem Fenster, hinaus in den verwilderten Garten der sich hinter dem Haus erstreckte. Wie ein gähnender Abgrund wirkte er, mit einem gierigen Schlund aus Schatten und Dunkelheit.
Ein Patronus war ein mächtiger Zauber. Und Harry hatte damit Dementoren vertrieben. Ein kleines, stolzes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Wie könnte es auch anders sein, immerhin war er Voldemort entkommen. Erst ein paar Wochen war es her, dass das Trimagische Turnier in einer grauenhaften Katastrophe geendet hatte.
Eine Gänsehaut kroch Ginny über die Arme. Beinahe glaubte sie das kalte Lachen zu vernehmen. Eisige Häme, die sich frostig über ihre Gedanken zog.
So ein dummes Mädchen, so dumm...
Worte die sie nie wieder vergessen würde.
Seufzend legte sie das Buch zur Seite und presste die Stirn an die kühle Fensterscheibe. Harry hatte Tom* schon so oft gegenüber gestanden. Und immer war er davon gekommen.
Und sie selbst? Wäre Harry nicht gewesen, sie hätte nicht einmal ihr erstes Jahr auf Hogwarts überlebt.

Soviel war in den letzten Wochen geschehen. So viel Chaos, dass ihr ganzes Leben haste-was-kannste auf den Kopf gestellt hatte. Von Ferien konnte man da wirklich nicht sprechen.
Erst hatten sie den Fuchsbau verlassen müssen, das eine Haus in dem sich Ginny so sicher fühlte, wie nirgendwo anders.
Jetzt saßen sie in diesem riesigen Haus, das sie aus leeren Augenhöhlen zu beobachten schien. Zu viele verlassene Räume, zu viele verhangene Fenster. Aber hier hatte der Orden Zuflucht gefunden und Arthur hatte gemeint, dass sie hier geschützt wären. Die Verteidigungs- und Abwehrzauber waren diesem Gebäude in die Wände gemauert worden. Kein Wunder, immerhin war es das Anwesend der Blacks.
Unten in der Eingangshalle herrschte noch immer eiliges Treiben. Seit Tagen. Wie schwer konnte es sein, Harry hierher zu bringen?
Stundenlang hatte sie den Ordensleuten zugesehen, wie sie mit gewichtiger Miene über Karten standen und irgendwelche Flugstrecken diskutierten. Tonks war an ihr vorbei-geeilt, in den Händen einen ganzen Strauß an Besen, das blassgelbe Haar spiegelte ihre Anspannung wieder. Mad-Eye (der echte diesesmal – laut Dumbledore) war ihr hinterher gehumpelt, hatte Ginny nicht mehr Beachtung geschenkt, als dem klobigen Trollfuß neben dem sie stand.
Selbst Professor McGonagall war angereist, hatte Ginny mit einem höflichen 'Miss Weasley' begrüßt, und sich dann mit Sirius und Arthur für Stunden im Esszimmer verschanzt.
Es war eine seltsame, geladene Stimmung, die da unter die staubige Stille kroch und sie bis in ihre Träume verfolgte. Wirre Bilder wirbelten durcheinander und raubten ihr den Schlaf. Rote, stierende Augen und ein spöttisches Lachen.
Dummes, dummes Mädchen, so ein dummes Mädchen!

Und dann, fast fünf Tage später, war es endlich soweit. Ginny war gerade auf dem Weg in die Küche gewesen (um Molly ein paar Kekse abzuluchsen), als die wir-retten-Harry-und-bringen-ihn-hierher-Aktion ganz plötzlich begann.
Besen wurden gegriffen, Mäntel übergeworfen. Leise wurde viel Glück gewünscht und dann fiel die Haustür zu.
Überrumpelt starrte Ginny ihnen nach, während die Stille wieder gegen ihre Ohren drückte und sich über sie lustig zu machen schien. Als wäre das Chaos lediglich ein Auswuchs ihrer Fantasie gewesen.
Sie schaffte es nicht sich zu regen. So nutzlos kam sie sich vor, nichts konnte sie machen außer zu warten und zu hoffen.

~

„Hey.“ Die vertraute Stimme riss Ginny sanft aus ihrem Gedankenchaos zurück in die Kühle der leeren Eingangshalle. Fröstelnd schlang sie die Arme um sich bevor sie zu Sirius aufsah.
Sie wusste nicht was sie sagen sollte, doch auf Sirius Lippen hing ein schiefes Lächeln.
„Das ist ja nicht mit anzusehen“, sagte er und hielt ihr einen Pullover hin. Kommentarlos griff sie danach und zog ihn sich über den Kopf. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie eisig es hier tatsächlich war. (Wie lange starrte sie die Haustür jetzt schon an?) Schwer lag der Stoff des Pullovers auf ihren Schultern, fiel ihr beinahe bis zu den Knien, und Ginny ging auf dass es einer von Sirius Pullis sein musste. Er roch ein wenig nach dem Stroh, in dem Seidenschnabel auf dem Dachboden schlief.
„Hier, trink das“, meinte Sirius leise und drückte ihr eine dampfende Tasse in die Hand. Als ihr der Geruch von heißer Honigmilch in die Nase stieg, sammelten sich Tränen in ihren Augen.
Percy hatte ihr manchmal eine gemacht, wenn sie krank gewesen war...
Harry, Percy – wie sie sie alle vermisste. Ihre Unterlippe begann zu beben.
„Was hast du denn?“, fragte Sirius aufgeschreckt.
Doch mehr als ein Schulterzucken brachte sie nicht zustande. Sie wusste es ja selbst nicht. Vielleicht fühlte sie sich einfach alleine in diesem großen leeren Haus. Hermine verbrachte viel Zeit mit Ron, oder las in ihren Bücher. Ihre Brüder bastelten in ihrem Zimmer an irgendwelchen magischen Gebräuen und produzierten Explosionen. Maya** würde nach den Ferien nicht mehr nach Hogwarts zurückkommen...
„Ich glaube, ich brauche eine Umarmung“, schniefte sie schließlich.
Sirius lachte und breitete die Arme aus. „Nun, da lässt sich was machen.“
Darauf bedacht ihre Milch nicht zu verschütten, lehnte Ginny sich an Sirius Brust und schloss einen Moment lang die Augen, als er sie fest an sich drückte. Sie atmete seinen mittlerweile vertrauten Duft nach Abenteuer und Stroh ein und versuchte das zittrige Gefühl wieder zu verscheuchen.
Sirius strich ihr über den Rücken. „Ich glaube manchmal vergessen wir, wie jung du noch bist“, murmelte er, mehr zu sich selbst.
Ginny antwortete nicht, wartete noch ein paar Atemzüge, bis sie sicher war ihrer Stimme wieder genügend Festigkeit geben zu können: „Was geht eigentlich vor sich? Was ist mit Harry?“
Überrascht zog Sirius die Stirn kraus. „Hat dir das niemand erzählt?“
Sie schüttelte den Kopf, ohne aufzusehen. Ihr erzählte nie jemand was.
„Remus und ein paar andere holen Harry jetzt erst einmal hierher. In spätestens einer Stunde sollten sie wieder da sein. Molly macht gerade Harrys Bett, glaube ich.“
Jetzt hob sie doch den Blick. „Geht es ihm gut?“
Wage zuckte er die Schultern. „Ja, ich denke schon. Er scheint das Haus nicht mehr verlassen zu haben...“
„Was ist das mit dem Haus? Warum sollte er im Haus bleiben?“
Sirius schien aufzugehen, dass das ein etwas längeres Gespräch werden würde, also deutete er zu dem Sofa und sie nickte.
Als sie sich gesetzt hatten und Ginny einen Schluck Milch getrunken hatte, begann Sirius zu erklären: „Hast du mal etwas von Blutmagie gehört?“
Eine alte Erinnerung zupfte an ihren Gedanken und sie dachte angestrengt nach. “Ja... Gehört der unbrechbare Schwur nicht dazu?” Fred und George hatten vor vielen Jahren versucht sie diesen schwören zu lassen – um sicher zu gehen, dass Molly nichts von dem Süßigkeitenvorrat unter ihren Betten erfuhr – aber Molly hatte sie erwischt und nach einer wirklichen üblen Schimpftirade alle Süßigkeiten konfisziert.
Sirius nickte beeindruckt. “Hast du schon mal darüber gelesen?”
Mit großen Augen schüttelte sie den Kopf und Sirius grinste leicht. „Gut, ich auch nicht. Aber im Großen und Ganzen ist Blutmagie ein mächtiger Bann, mit dem Familienmitglieder geschützt werden können. Auf ganz unterschiedliche Weisen. Natürlich gibt es auch illegalen Blutzauber die zur schwarzen Magie gehören, aber das ist etwas andere. Als Lily damals -“
Sirius stolperte über ihren Namen, als hätte er ihn schon lange Zeit nicht mehr ausgesprochen. Ginny konnte sehen wie er schluckte, doch dann sprach er weiter. „Lily muss diesen Spruch bereits vor ihrem Tod gesprochen haben, aber er ist erst in dieser Nacht, hm, aktiviert geworden... Mit ihrem Tod. Wie genau das funktioniert kann ich dir nicht sagen, aber laut Dumbledore ist Harry in Sicherheit, solange er mit seinen Blutsverwandten unter einem Dach wohnt – und da seine Tante seine letzte lebende Verwandte ist -“
“Dumbledore wusste von Lilys Zauber?”, fragte Ginny.
Sirius hob die Hände. “Ich nehme es stark an. Woher sollte er sonst von dem Schutz gewusst haben?”
„Okay“, unterbrach Ginny, die in groben Zügen verstanden hatte, „aber wenn er dort so sicher ist, warum holt ihr ihn dann her?“
Sirius seufzte und fuhr sich durch das lockige Haar. Im düsteren Licht der Eingangshalle sah er so viel älter aus. Die Falten die Askaban hinterlassen hatten füllten sich mit Schatten.
„Das Ministerium hat die Anklage nicht fallen lassen. Er hat vor seinem Cousin gezaubert und dazu außerhalb eines magischen Ortes. Sie scheinen die Geschichte mit den Dementoren nicht zu glauben...“
„Die Geschichte?“, brauste Ginny auf und verschluckte sich beinahe an der gesüßten Milch. „Harry würde sich so etwas nie ausdenken!“
Sirius lächelte ob ihrer Vehemenz. „Weiß ich doch, wissen wir alle. Aber er wird trotzdem zu einer Anhörung müssen. Noch in den Ferien.“
Ginnys Herz schlug wieder einmal viel zu schnell. „Und was entscheiden sie auf dieser Verhandlung?“ Doch eine ungute Ahnung braute sich bereits in ihrem Magen zusammen. 'Niemals vor Muggeln zaubern, Ginny!', hörte sie die mahnenden Worte ihres Vater.

Sirius zögerte, sah sie abwägend an. Ihre Miene verdüsterte sich. „Sag´s mir einfach“, verlangte sie. Sie hatte es satt, harmlose  Lügen serviert zu bekommen. Manchmal hatte sie das Gefühl, sie hielten sie für eine dumme Maus, die jedes mal auf den Käse in der Falle hineinfiel.
„Sie werden entscheiden, ob er von Hogwarts fliegt.“
„WAS?“
Ginny sprang auf, die Tasse zersprang klirrend auf dem Boden.
Ein ohrenbetäubender Schrei hallte durch die Halle. Die Vorhänge vor dem Portrait der alten Mrs Black waren zur Seite geflogen, und klauenartige Hände streckten sich in Ginnys Richtung, ließ sie vor Schreck einen Satz zurück machen.
„DRECKIGE BLUTSVERRÄTERIN! ABSCHAUM IN MEINEM HAUS!“
Ginny presste sich die Hände auf die Ohren, während Sirius mit aller Macht an dem Stoff zerrte, doch erst als die Küchentür aufflog und Arthur ihm zur Hilfe eilte, verstummten die gellenden Schreie wieder.
Kleinlaut sah Ginny auf ihre Füße. „´tschuldigung.“
Sirius winkte ab. „Alles gut.“
„Ist was passiert?“, erkundigte sich Arthur und blinzelte über den Rand seiner Brille zu Ginny hinüber.
Doch sie schüttelte schnell den Kopf. „Alles gut“, wiederholte sie Sirius Worte, ohne sie zu meinen.
„Gut“, meinte Arthur. „Sirius, kommst du? Das Treffen beginnt gleich. Die anderen sind jeden Augenblick zurück.“
Sirius nickte. „Ich komme sofort.“
Arthur entdeckte die zerbrochene Tasse auf dem Boden, und mit einem einfachen Schlenker seines Zauberstabs war das kleine Malheur verschwunden.
„Ist wirklich alles okay?“, wiederholte er, sah zwischen Ginny und Sirius hin und her.
„Ja, Dad“, meinte sie müde und Arthur fuhr ihr über den Kopf, schenkte ihr ein liebevolles Lächeln. „Na dann.“ Und damit eilte er zurück in die Küche.
Sirius hingegen beugte sich vor und fasste Ginny an den Schultern. „Hört zu. Es wird alles gut, okay? Dumbledore kümmert sich um das Ministerium. Harry ist bald hier. Wir bekommen das hin, versprochen.“
„Ehrlich?“ Sie wollte ihm wirklich glauben, aber alleine die Vorstellung, dass Harry nicht mehr nach Hogwarts kommen würde -
„Ehrlich“, versicherte er. Dann grinste er plötzlich und ein schalkhaftes Funkeln leuchtete in seien Augen auf. „Und bei nächster Gelegenheit musst du mir einmal erklären, was das mit dir und Harry ist.“
Ginnys Augen weiteten sich und sie spürte wie ihr die Wärme in die Wangen kroch.
Sirius zwinkerte verschmitzt. „Und jetzt solltest du vielleicht ein warmes Bad nehmen. Du bist ganz durchgefrorenen.“ Das Grinsen verschwand wieder von seinem Gesicht. Er seufzte. „Und ich gehe mich dann mal wieder mit meinen Ordenskollegen herumschlagen.“
Damit folgte er Arthur in die Küche und ließ Ginny mit brennenden Wangen stehen.
...was das mit dir und Harry ist.
Was sollte sie ihm denn sagen? Eine dumme Schwärmerei, nichts als ein Wunschtraum...
Sie schüttelte den Kopf und verdrängte alle Gedanken an dieses unangenehme Thema. Harry wäre bald hier. Dumbledore würde dafür sorgen, dass er auf Hogwarts blieb. Alles würde wieder gut werden.
Langsam wandte sie sich der Treppe zu, tapste auf Socken und noch immer in Sirius Pullover (der an ihr herunter schlackerte wie ein Kartoffelsack) in ihr Zimmer hinauf, um tatsächlich ein Bad zu nehmen und etwas frisches anzuziehen.

~

Ginny hatte gehört, wie sie zurückgekommen waren. Sie hatte sich oben auf der Galerie in der Eingangshalle verschanzt und gewartet. Nur um zu sehen, ob mit Harry auch wirklich alles in Ordnung war, hatte sie sich gesagt.
Aus der Hosentasche zog sie das Langziehohr, dass sie Fred und George stibitzt hatte und lauschte auf die geflüsterten Gespräche dort unten. Leider konnte sie nichts interessantes hören. Die Ordensmitglieder verabschiedeten sich, um der Verhandlung beizuwohnen und Harry wurde von Molly mit Hermine und Ron fortgeschickt.
Als Ginny ihnen gefolgt war, hatte sie durch die Tür Harrys wütende Stimme gehört und beschloss mit dem Hallo-sagen etwas zu warten. Anscheinend war Harry mehr als zornig, dass niemand ihm gesagt hatte, warum er im Haus bleiben sollte und was eigentlich vor sich ging.
Das konnte Ginny wirklich gut nachvollziehen.
Nachdem sie die Tür noch ein paar weitere Minuten ratlos angestarrt hatte kam ihr eine Idee. Sie lief in ihr Zimmer zurück und suchte in der Nachttischschublade nach einigen Stinkbomben (eines dieser Dinge die man immer griffbereit hatte, wenn die Brüder Fred und George hießen).
Dann lief sie wieder in das riesige Treppenhaus und suchte sich einen Standort, von dem aus sie die Küchentür anvisieren konnte.
Es wurde höchste Zeit, Tonks Rat auszuprobieren.
Schnell sah sie sich um und vergewisserte sich, dass niemand da war und sie sehen könnte. Als sie die Hand hob und zielte, stahl sich ein in letzter Zeit seltenes, freches Grinsen auf ihre Lippen. Dann holte sie aus, warf und traf. Die Stinkbombe wurde jedoch wie von einem unsichtbaren Energiefeld zurückgeworfen und explodierte mitten in der Eingangshalle. Genauso die nächsten drei die sie warf.
Es dauerte nicht lange, bis der Gestank seinen Weg zu Ginny hinauf fand. Schnell hielt sie sich einen Ärmel vor Mund und Nase.
Tatsächlich. Es hatte funktioniert. Die Tür war also impertubiert.
Zufrieden mit dieser Feststellung sah sie sich in der Lage ihre Geschwister und Harry ausfindig zu machen. (Der musste sich inzwischen doch etwas beruhigt haben, oder?) Also lief sie auf ihren dicken Socken über die ausgetretenen Teppiche, bis sie Rons Zimmer erreichte. Sie lehnte sich vor und lauschte. Das Geschrei war tatsächlich verstummt.
Ohne zu klopfen öffnete sie die Tür und trat ein.
Alle Blicke richteten sich auf sie.
Harry stand ihr am nächsten und sah sie durch seine runden Brillengläser hindurch überrascht an, beinahe als hätte er vergessen, dass sie auch da sein musste. Typisch.
Oh, hallo, Harry“, meinte sie, dank ihres geglückten Experimentes nach wie vor fröhlich. „Mir war, als hätte ich deine Stimme gehört“, spielte sie auf sein Gebrüll an und Harry senkte etwas verschämt den Kopf.
Ginny schloss die Tür hinter sich und sah die Langziehohren in Freds Hand. Unschwer zu erraten was sie vorhatten. Tja, da musste sie ihnen wohl einen Strich durch die Rechnung machen.
Die Langziehohren könnt ihr vergessen, sie haben doch die Küchentür tatsächlich mit einem Imperturbatio-Zauber belegt.“
Die freudige Erwartung wich aus den Gesichtern ihrer Brüder und Hermine verdrehte die Augen, sah allerdings nicht allzu verärgert aus.
Woher weißt du das?“, fragte George enttäuscht.
Sie zuckte die Schultern. „Tonks hat mir gesagt wie ich´s rausfinde.“ Sie grinste, als sie an Remus ahnungsvolle Miene dachte. „Du wirfst einfach was gegen die Tür, und wenn es sie nicht berührt, ist die Tür imperturbiert. Ich habe oben vom Treppenabsatz aus Stinkbomben dagegen geworfen, und die fliegen einfach von der Tür weg, also können die Langziehohren unmöglich durch den Türschlitz“, beendete sie ihre Ansprache.
Hermine sah sie halb entsetzt, halb amüsiert an, während Ron breit grinste.
Schade. Ich war wirklich mal gespannt, was der alte Snape so vorhat“, meinte George.
Snape?“, meldete sich Harry überrascht. „Ist er da?“
Auch Ginny war überrascht, als ihr Bruder zustimmte. Hatte er nicht gesagt, dass sie sich erst wieder auf Hogwarts sehen würden?
Trägt einen Bericht vor. Top secret“, meinte George.
Muss wohl was wichtiges sein, dachte Ginny bei sich.
Mistkerl“, murmelte Fred.
Er ist jetzt auf unserer Seite“, meinte Hermine tadelnd. Irgendwie war es Ginny unheimlich, wie sie mit diesen Worten alle in diesem Raum daran erinnerte, dass ein Krieg vor ihrer Haustür stand und mit gierigem Blick darauf wartete die Toten abzusahnen – auf beiden Seiten.
Nur Ron entging das mal wieder. „Deshalb ist er trotzdem ´n Mistkerl. Wie der uns ansieht, wenn wir ihm über den Weg laufen.“
Bill mag ihn auch nicht“, stellte Ginny fest, um das Gespräch zu beenden. Nicht, dass sie nachher wissen wollten, was sie von ihm hielt. Die Okklumentikstunden wollte sie lieber noch eine Weile für sich behalten.
Harry ließ sich auf ein Bett fallen. Er sah so erschöpft aus. Als hätte er schon seit Tagen gegen Wände angeschrien. „Ist Bill hier?“, fragte er, mäßig interessiert. „Ich dachte, er arbeitet in Ägypten?“
Er hat sich auf einen Schreibtischjob beworben, damit er nach Hause kommen und für den Orden arbeiten konnte“, meinte Fred.
Ja, das hatte Bill vor ein paar Tagen angekündigt, aber Ginny hatte ihn seitdem noch nciht wieder gesehen.
Er sagt, er vermisst die Gräber, aber -“, er grinste unheilvoll, „man kann sich ja mit was anderem trösten.“
Was soll das heißen?“, fragte Harry und nahm Ginny die Worte aus dem Mund.
Erinnerst du dich noch an die gute Fleur Delacour? Sie hat jetzt einen Job bei Gringotts, uum i´r Iinglisch su verbessern...“, meinte George und sein Grinsen war beinahe unverschämt.
Ach du liebe Güte, dachte Ginny. Sie musste dringend mit Bill reden! Das hatte sie gar nicht gewusst. Sie versuchte sich Fleur in Gringotts vorzustellen, sah sie aber nur wieder in ihrer lädierten Turnierrobe an sich vorbeilaufen, bleich wie der Tod selbst, sich selbst befehlend weiter zu atmen...
Charlie ist auch im Orden“, meinte George. „Aber er ist immer noch in Rumänien. Dumbledore will, dass möglichst viele ausländische Zauberer dazu geholt werden, also versucht Charlie an seinen freien Tagen Kontakte zu knüpfen.“
Ginny bezweifelte ja irgendwie, dass das viel bringen würde. Charlie hatte sowieso kaum freie Tage, mit all den Drachen im Park.
Könnte nicht Percy das tun?“, fragte da Harry.
Ginny zuckte zusammen, als er Percys Namen aussprach. Es tat noch immer weh. Unheilvoll und voller Zorn klangen seine Worte in ihrem Kopf nach. Seine funkensprühenden Augen. Die Endgültigkeit, mit der die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war.
Merk dir eins“, sagte Ron mit versteinerter Miene. „Erwähne nie Percy, wenn Mum und Dad dabei sind.“
Warum nicht?“ Verwirrt sah Harry zwischen ihnen hin und her.
Weil immer wenn Percys Name fällt, Dad zerbricht, was er gerade in der Hand hält, und Mum anfängt zu weinen“, meinte Fred dumpf.
Es ist schrecklich“, stimmte Ginny zu.
Ich glaube, wir haben alle die Nase voll von ihm“, setzte George hinterher. Er hatte Recht. Aber das machte den Schmerz auch nicht besser.
Was ist passiert?“, erkundigte sich Harry, fuhr sich müde durch die Haare.
Ginny hörte nicht zu, als ihre Brüder Harry erklärten was geschehen war. Sie wollte es nicht noch einmal hören. Stattdessen musterte sie unauffällig Harry. Noch immer war sie erleichtert darüber dass er unverletzt war. Auch wenn ihm die Gerichtsverhandlung offensichtlich bleischwer im Magen lag. Trotz Sirius Versicherung, dass letztlich alles gut werden würde.
Was, wenn sie ihn doch von Hogwarts schmeißen würden?
Der Gedanke versetzte ihr ein Stich und sie lenkte die Aufmerksamkeit wieder zu dem Gespräch.
...eine Menge fürchterliches Zeug dahergeredet“, sagte Ron gerade. „Er müsse gegen Dads miserablen Ruf ankämpfen, seit er im Ministerium sei, und dass Dad keine Ehrgeiz hätte und das sei der Grund, warum wir immer – du weißt schon – nie viel Geld hatten und so -“
Wie bitte?“, platzte es aus Harry heraus und Ginny entwich ein wütendes Fauchen. Der Zorn wallte wieder in ihr hoch. Percys Worte hatten so weh getan.
Ich weiß. Und es kam noch schlimmer.“
Allerdings, dachte Ginny und lauschte Rons Ausführungen.
Keine Ahnung was er tut, wenn er Dad bei der Arbeit trifft“, endete er schließlich. „Behandelt ihn vermutlich wie Luft.“
Aber Percy muss doch wissen, dass Voldemort zurück ist“, sagte Harry, leises Unverständnis im Blick.
Jetzt wurde Ron unruhig. „Jaah“, meinte er. „Nun, dann ist dein Name in dem Streit gefallen. Percy meinte, der einzige Beweis sei dein Wort und... jedenfalls“, druckste er. „Er glaube nicht, dass das ausreichend sei.“
Hermine schnaubte säuerlich. „Percy nimmt den Tagespropheten ernst.“
Was heißt das jetzt wieder?“, sagte Harry, offensichtlich verwirrt.
Ungläubig sah Ginny ihn an und für einen Moment kreuzten sich ihre Blicke.
Hast du -“ Hermine zupfte unruhig an ihren Haaren herum. Etwas das ihr gar nicht ähnlich sah. „Hast du den Tagespropheten nicht gekriegt?“
Doch, hab ich!“
Hast du – ähm – hast du ihn gründlich gelesen?“, erkundigte Hermine sich vorsichtig.
Nicht jedes Wort“, sagte Harry, verschränkte beinahe trotzig die Arme. „Wenn sie irgendetwas über Voldemort berichtet hätten, dann hätte das doch Schlagzeilen gemacht, oder?“
Ginny sah, wie die anderen zusammen zuckten. Sie selbst fürchtete den Namen Voldemort nicht. Tom jagte ihr viel mehr Angst ein.
Ron und Hermine versuchten Harry so sachte wie möglich darüber in Kenntnis zu setzen, dass ein Großteil der Zaubererwelt ihn für einen Spinner und Lügner hielt. Ginny konnte sehen, dass die Worte ihn verletzten. Ungläubig sah er zwischen seinen beiden besten Freunden hin und her. Und dann brach der Unglaube sich schließlich seinen Weg: „Ich bin berühmt geworden, weil er meine Familie ermordet hat, aber mich nicht töten konnte! Wer will dafür berühmt sein? Können die sich nicht denken, dass es mir lieber wäre, wenn das nie -“
Das wissen wir, Harry“, sagte Ginny leise und sah ihn ernst an. Am liebsten hätte sie ihn in die Arme genommen.
Und natürlich haben sie kein Wort darüber gebracht, dass dich die Dementoren angegriffen haben“, nutzte Hermine die Pause. Sie sprach weiter, hastig, als könnte das Harry beruhigen. Ginny sah ihn noch immer an und Harry hielt ihren Blick für einen Moment. Und kurz glaubte Ginny den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht zu sehen.
Schritte auf der Treppe unterbrachen Hermine schließlich und die Zwillinge schreckten zusammen, sammelten ihre Langziehohren zusammen. Mit einem Knall waren sie disappariert. Ginny unterdrückte ein Kichern. Da waren die beiden nun volljährig und hatten noch immer Angst vor ihrer Mutter.
Die öffnete just in diesem Moment die Tür. „Die Versammlung ist zu Ende, ihr könnt jetzt runter kommen und zu Abend essen. Harry, die können´s alle nicht erwarten, dich zu sehen. Und wer hat all die Stinkbomben vor der Küchentür liegen lassen?“
Krummbein“, sagte Ginny süffisant lächelnd. „Der spielt gerne damit.“
Hermine warf ihr einen ach-wirklich-Blick zu, sagte aber nichts.
Oh“, machte Molly. „Ich dachte, es war vielleicht Kreacher, der stellt ja dauernd dummes Zeug an. Und vergesst nicht, in der Halle leise zu sein. Ginny, du hast schmutzige Hände, was hast du getrieben? Geh und wasch sie vor dem Abendessen.“
Sie verdrehte die Augen, lief Molly aber hinterher, als sie das Zimmer wieder verließ und die anderen drei blieben zurück.
„Bill ist hier“, sagte Molly und lächelte sie an. “Er ist vorhin angekommen.”
„Echt? Warum hat er nicht geschrieben?“
„Nachrichten zu verschicken wird immer gefährlicher.“ Besorgt zupfte Molly an ihrer Schürze herum.
„Er bleibt eine Weile jetzt erst mal in London, nicht wahr?“
Molly nickte glücklich. „Ja, keine Außendienste in nächster Zeit.“
„Wo wohnt er?“
„In seiner Wohnung in der Winkelgasse. Er hat sie gut geschützt, mit Bannen kennt er sich ja aus. Trotzdem...“
Ginny wusste, dass sie ihn am liebsten hier in ihrer Reichweite gehabt hätte.
„Bleibt er wenigstens zum Abendessen?“
„Sicher, Liebes. Aber bevor du ihn begrüßt, gehst du deine Hände waschen.“
„Ist ja gut“, murmelte sie und bog in Richtung Bad ab.
Harry war da, Bill war da. Im Augenblick war alles gut. Zum ersten mal seit fünf Tagen, entspannte sie sich wieder.
Trotz der wartenden Verhandlung.

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Die markierten Textstellen (also die geschwungenen im zweiten Teil) sind aus dem Buch „Harry Potter und der Orden des Phönix“ übernommen und gehören natürlich JKR & co.

*Ginny nennt Voldemort Tom, da sie ihn in der “Kammer des Schreckens” unter diesem Namen kennen gelernt hatte. Was nicht heißt, dass sie weniger Angst vor ihm hat – sie hat noch immer regelmäßig Albträume.

**Maya ist neben Selina Ginnys beste Freundin. Doch als Harry erzählte, dass Voldemort zurück wäre, haben ihre Eltern beschlossen sie von Hogwarts zu holen und sie im nächsten Jahr nach Durmstrang zu schicken – möglichst weit weg von Voldemort.

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Für alle die Spaß an so was haben, habe ich hier noch eine Pinnwand zu dieser Story :)
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