Nur ein Herbsttag voller Sturm

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Christian "Flake" Lorenz Christoph "Doom" Schneider Oliver Riedel Paul Landers Richard Kruspe Till Lindemann
29.07.2020
01.08.2020
3
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01.08.2020 1.256
 
Er führte die nun schon fast leere Kaffeetasse zu seinem Mund und trank sie aus. Die Tannen Wipfel bewegten sich im Wind und die Stimmen seiner Freunde drangen nur gedämpft zu ihm. Sie saßen in der Lounge des Hotels und berieten darüber, was sie heute tun wollten. Vor Richards innerem Auge blitzten immer wieder Bilder seines Traumes auf. Till kam in sein Zimmer, verwundert hatte er ihn angeschaut und gefragt, was los sei und Till hatte ihn geküsst. Er hatte ihn ebenfalls geküsst und die Tür abgeschlossen. Till hatte ihn gegen eben diese gedrückt und mit seinem Oberschenkel in Richards Schritt gedrückt. Als er aufgestöhnt hatte, hatte Till ihn angegrinst und den Druck verstärkt. Richard hatte ihm das Shirt ausgezogen und sie aufs Bett befördert. Ziemlich schnell war der Rest, der störenden Klamotten ebenfalls auf dem Boden gelandet.,,Richard, was willst du heute machen? Richard?", riss ihn Flake aus seinen Gedanken.,,Ich... Äh... Ich geh spazieren", antwortete er abwesend, stand auf, nahm sich seine Jacke vom Sessel und ging nach draußen.,,Was ist denn mit dem los?", fragte Flake ebenso verwundert wie alle anderen. Der einzige, der etwas dazu sagte, war Olli:,,Hmm, weiß man bei ihm doch nie.",,Sollte einer von uns ihm nachgehen? Vielleicht geht es ihm nicht gut, er verhält sich sowieso seltsam", überlegte Christoph, doch sein Vorschlag wurde abgelehnt und sie widmeten sich wieder der Entscheidungsfindung, was sie denn jetzt eigentlich tun sollten. Richard war einmal ums Hotel gelaufen und hatte dabei das Gelände ein wenig erkundet, um dabei zu rauchen. Er musste irgendwie den Kopf frei bekommen. Warum konnte nicht alles so sein wie früher, als sie noch zusammen waren? Er hätte ihn niemals gehen lassen dürfen. Und jetzt? Jetzt waren sie täglich zusammen, doch nie so wie er es sich wünschte. Jetzt war es zu spät. Er seufzte tief und ging ziellos in den Wald. Hier war es ruhig, bis auf den Wind war nichts zu hören. Vielleicht sollte er lieber zurück gehen? Der Himmel zog sich drohend zu. Gestern hatte es schon fast geregnet, wahrscheinlich würde es das jetzt bald nachholen. Doch er drehte nicht um, er konnte noch nicht zurück. Gedankenverloren lief er einfach immer weiter. Er bermekte nicht wie stark der Wind wurde, er bemerkte nicht wie weit er schon weg war und er bemerkte auch nicht wie die ersten Regentropfen zu fallen begannen.
Till schaute besorgt aus dem Fenster. Richard war immernoch nicht zurück und das Wetter sah nicht gut aus. Sollte er ihn suchen gehen? Aber er wusste ja noch nichtmal, wo er hin war. Vielleicht sollte er ihn anrufen? Doch er ging nicht dran, wahrscheinlich hatte er sein Handy nicht dabei. Ach Richard, was machst du eigentlich immer für einen Scheiß?, fragte er sich laut in sein sonst leeres Zimmer hinein. Sie hatten sich nicht auf eine gemeinsame Aktivität einigen können und sich aufgeteilt. Paul, Olli und Christoph waren in den Spa gegangen, Flake war schwimmen und er, nun er wartete darauf, dass Richard zurück kommen würde. Dazu hatte er sich zwar nicht aktiv entschieden, aber es hatte sich so ergeben. Richard hatte die Eigenschaft, dass immer wenn ihn etwas beschäftigte, er weg ging. Wahrscheinlich hatte er dies noch von früher, wie wenn er weggelaufen war. Till musste daran denken wie er ihn auf der Parkbank sitzend gefunden hatte. Als er ihm das erste Mal das T-Shirt ausgezogen hatte, hatte er die ganzen Schrammen, blauen Flecke und Wunden gesehen. Vom Vater verlassen, von der Mutter nicht beachtet und geliebt und vom Stiefvater auch noch geschlagen, dachte Till. Er war so fertig gewesen damals, voller Angst, ohne Selbstliebe und dafür voller Selbstzweifel und dem Glauben, dass ihn niemand lieben könnte, erinnerte Till sich und plötzlich fragte er sich, was sich wohl zwischen damals und heute verändert hatte und ob sich überhaupt etwas geändert hatte. Hatte er nicht immernoch diese Selbstzweifel, glaubt er nicht immernoch, dass ihn niemand lieben kann und ist er nicht immernoch genauso fertig wie damals? Till wurde kalt, ja, Richard glaubte all dies noch. Eigentlich müsste ich viel mehr auf ihn aufpassen und mich viel mehr um ihn sorgen, dachte er.
Richard lehnte an einer großen Tanne und bemerkte erst jetzt den leichten Regen, der gleichmäßig niederfiel und immer wieder vom Regen gepeitscht seine Richtung änderte. Im Moment regnet es noch leicht, vielleicht schaffe ich es noch zurück..., überlegte er und während er zurückging, brach das Gewitter über ihn herein. Schon nach 5 Minuten war er klatschnass und fror. Warum zum Teufel bin ich überhaupt so weit weg gegangen?, fuhr er sich an und verschnellerte seinen Schritt. Till wurde immer nervöser. Der Regen fiel unerbittlich und die Temperatur war stark gefallen. Die Bäume ächzten unter dem Wind, der mittlerweile schon zu einem Sturm geworden war und bogen sich gefährlich. Er ging nach unten in den Eingangsbereich, er wusste auch nicht genau warum. Ein Teil von ihm wollte Richard in den Regen folgen und ein anderer Teil erklärte ihm, dass das vollkommen irrational war. Aber was tut man nicht alles, wenn man verliebt ist oder? Moment, hatte er das eben wirklich gedacht? Schnell Verbot er sich diese Art Gedanken. Und dann sah er ihn, völlig durchnässt und zitternd vom Wind zerzaust, kam Richard aus dem Wald zum Hotel gelaufen. Schnell ging Till zur Tür, um ihn in Empfang zu nehmen.,,Richard, wo warst du denn? Komm", fragte Till ihn gleich, als dieser drinnen war.,,Ich war nur einen Spaziergang machen und dann hat mich das Unwetter überrascht.", antwortete Richard sichtlich erleichtert durch die Wärme und Sicherheit des Hotels.,,Ich geh mich umziehen", fügte er noch hinzu und Till nickte. Richard war immernoch kalt und er duschte heiß, so heiß, dass als er raus kam das ganze Bad vernebelt war. Nachdem er sich umgezogen hatte, schrieb er Till:,,Was machen eigentlich die anderen?",,Die sind auf eigene Faust im Hotel unterwegs... Spa, Schwimmen und so weiter. Möchtest du rüber kommen? Wir könnten was trinken gehen", fragte Till und Richard stimmte zu. Kurz darauf saßen sie in der Hotelbar und tranken. Beide versuchten irgendwelche Probleme wegzutrinken und beide ahnten nicht, wie ähnlich diese waren. Langsam hob sich ihre Stimmung und plötzlich war da so ein Moment, ein Moment in dem man sich im Film küssen würde. Sie hatten gleichzeitig nach dem gleichen Glas gegriffen, ihre Hände hatten sich berührt und sie schauten sich tief in die Augen. Ihre Gesichter näherten sich langsam und dann kam Paul gut gelaunt vom Spa mit Olli und Christoph zurück und unterbrach sie, der Moment war vorbei. Verlegen mied der Gitarrist den Blick des Sängers und fragte sich immer wieder was wohl passiert wäre, wenn die anderen nicht gekommen wären.
Es war mittlerweile 2:36 Uhr mitten in der Nacht und Richard lag wach im Bett. Die ganze Zeit musste er schon an Till denken. Was war da vorhin passiert? Hatten sie sich tatsächlich fast geküsst? Er stand auf, so konnte es doch nicht weiter gehen oder doch? Leise ging er auf den kleinen Balkon und rauchte. Die Berge lagen dunkel und teilnahmslos vor ihm, sie hatten schon lange vorher die Sonne verabschiedet und jetzt wachten die Sterne über sie und der Mond hatte den Platz der Sonne eingenommen. Es war eine schöne, jedoch kalte Nacht. Es roch nach nassem Gras und modrigem Holz. Ach Till, wenn du wüsstest wie sehr ich dich liebe und das tue ich, mehr als gut für mich ist. Wie lange muss ich für uns warten? Aber am Ende ist es auch egal.
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