Nur ein Herbsttag voller Sturm

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Christian "Flake" Lorenz Christoph "Doom" Schneider Oliver Riedel Paul Landers Richard Kruspe Till Lindemann
29.07.2020
06.09.2020
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10.051
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29.07.2020 1.406
 
Richard saß im Taxi. Normalerweise würde er laufen, doch es regnete stark und der Wind war kalt. Die Fahrt schien ihm viel zu kurz, denn jetzt stand er schon vor der großen, massiven Holztür, die gerade frisch gestrichen war. Sein Herz hämmerte ungeduldig gegen seine Brust, als er die Klingel betätigte. Ein wie immer gut gelaunter Paul öffnete ihm die Tür und umarmte ihn kurz. Zu Richards Überraschung war er der erste, der eintraf.,,Bier, Wein oder doch was härteres?", fragte ihn Paul, der schon alle möglichen Flaschen auf dem Tisch stehen hatte. Richard winkte ab, er wollte jetzt noch nichts trinken. Es klingelte erneut und man konnte von draußen Stimmengewirr hören. Paul ging schnell und Richard folgte. Olli, Schneider, Flake und Till, sie waren zu viert gekommen, jetzt waren sie vollständig. Till ging Richard aus dem Weg. Er wollte nicht mit ihm reden, worüber auch? Richard war der Grund für seine Trennung und der Grund für so viel Schmerz. Damals als sie sich begegnet waren, war alles einfach gewesen. Sie hatten sich geliebt und mehr war nicht wichtig, doch heute, heute war so vieles anders und es stand noch viel mehr auf dem Spiel als Till ahnte. Er hatte wenig Anteil am Gespräch genommen, viel mehr hatte er sich seinen Gedanken gewidmet und Tequila getrunken.,,Was meinst du Till?", fragte ihn Paul plötzlich und Till hatte überhaupt keine Ahnung um was es ging, doch er nickte und meinte:,,Ja, ja, toll." Die anderen schienen sich zu freuen bis auf Richard und Flake. Till war es ziemlich egal, doch im Nachhinein betrachtet wäre es vielleicht besser gewesen, es wäre ihm nicht egal. Der Abend wurde lang und sie lachten viel, ihr Alkoholpegel trug dafür auch Verantwortung. Gegen 1 Uhr verabschiedeten sie sich und Till drückte Richard einen Kuss auf den Mund, was ebenfalls auf den Alkoholpegel zurück zu führen war. Im nächsten Moment hätte Till sich Ohrfeigen können und ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er und ließ einen perplexen Richard zurück. Am nächsten Morgen wachte Richard verkatert auf. Er konnte sich an kaum etwas erinnern. Verschlafen schaute er auf sein Handy und öffnete den Kalender, hatten sie nicht irgendetwas beschlossen, das sie machen wollten? Richtig, sie wollten in ein abgeschiedenes Hotel fahren, um dort in Ruhe arbeiten zu können. Er hatte keine Lust darauf, aber was sollte er machen? Mit Tills Stimme war es die Mehrheit gewesen. Sein Handy vibrierte, Olli hatte in den Gruppenchat geschrieben.,,Gibt es noch andere Überlebende?" Richard schmunzelte und antwortete:,,Ja, ich habe die Katastrophe auch überstanden. Wo bist du? Vielleicht können wir eine Kolonie gründen und unsere Vorräte zusammen tun." Paul schaltete sich nun auch ein:,,Guten Morgen. Ich kann noch einen Überlebenden zählen", dann kam eine Nachricht Christoph:,,Müsst ihr so viel und so früh schreiben?" Da kam Flake:,,Ja, ihr weckt noch die Untoten",,Gut, außer Till scheinen alle auf den Beinen zu sein.", hielt Olli fest und fügte noch hinzu:,,Um 14 Uhr treffen wir uns bei mir und dann geht's los." Mit diesen Worten ging er offline und die anderen auch. Richard stand auf und ging unter dröhndendem Kopf ins Bad. Till, überlegte er, Till... Aber ihm fiel nicht mehr ein was mit ihm war, auch wenn er das Gefühl hatte, dass etwas nennenswertes passiert war.
Till schaltete sein Handy an und las die Nachrichten seiner Freunde. Und dann geht's los, aber was geht los? Verwirrt schrieb er:,,Was geht los?",,Kannst du dich nicht mehr erinnern?", hakte Schneider nach und als nichts zurückkam schrieb er weiter:,,Wir fahren in ein abgeschiedenes Hotel in den Bergen, dort gibt es auch ein kleines Studio und dort wollen wir am Album in aller Ruhe arbeiten." Na ganz toll, fluchte Till. Warum hatte er ihn nur geküsst? Hoffentlich konnte er sich nicht mehr erinnern, so betrunken wie er war, wäre das durchaus möglich, aber was, wenn doch? Till fuhr sich durch die fettigen Haare und entschied sich duschen zu gehen. Ich spreche es einfach nicht an, beschloss er, wenn er es ansprach, OK, aber nicht ich. Drei Stunden vergingen, bis er sich ins Auto setzte und zu Olli fuhr.,,Die Fahrt ist relativ lang, deswegen würde ich sagen, dass wir immer zu zweit im Auto sitzen, damit wir uns abwechseln können.", überlegte Schneider gerade als Till eintraf. Wenig später saßen sie zu dritt in einem Auto und fuhren nur mit zwei, anstelle drei oder sechs. Richard saß mit Paul und Christoph im Auto und ließ seinen Blick aus dem Fenster gleiten. Es waren viele Autos unterwegs und im Moment gab es noch wenig Natur zu beobachten, außer Menschen. Es gab wenige die ruhig und entspannt gingen, die meisten hatten es eilig und kämpften sich regelrecht durch die Massen. Die Frau im Navi leitete sie durch den Verkehr und nach drei Stunden Fahrt sah die Landschaft schon ganz anders aus. Es wurden immer weniger Autos und ländlicher. Wenige Menschen waren zu sehen, höhchstens mal eins, zwei in den Dörfchen an denen sie vorbeikamen. Ein Wald erstreckte sich in einiger Entfernung kilometerlang in den Norden und wurde von einem Gebirge abgelöst. Majestätisch erhob es sich über der Ebene und ließ seinen Schatten über den Wald fallen. Paul löste Christoph beim Fahren ab, während Richard eine rauchte und das Gebirge bewunderte. Nach einer weiteren Stunde Fahrt waren sie am Wald angelangt. Der Weg führte sie auf einer schmalen Bergstraße weiter nach oben. Sie fuhren zwischen den hohen Baumwipfeln hindurch. Es war viel dunkler im Wald und beinahe bedrohlich gaben die Bäume Blick in ihr Unterholz frei. Es war ein Mischwald, immer wieder kamen Fichten und Tannen, abgelöst von Laubbäumen. Teilweise hatten sie schon alle Blätter verloren und zierten die Straße mit ihren Farben. Der Weg kroch in Schlangenlinien immer weiter und wurde ständig von Kurven unterbrochen. Umso höher sie kamen, desto stiller und dunkler wurde es. Besorgt schaute Paul in den Himmel und meinte leise, als fürchte er die Stille zu unterbrechen:,,Der Himmel zieht sich zu. Wir sollten uns beeilen." Doch die Straße ließ eine Steigerung des Tempos nicht zu.
Vor Tills innerem Auge lief immer wieder der Kuss ab. Wie weich Richards Lippen doch waren und wie gut sie sich angefühlt hatten. Er wollte ihn wieder küssen und immer wieder, doch das ging nicht. Seufzend konzentrierte er sich wieder auf die Straße. Irgendwann, nach ungezählten Stunden tat sich der Wald vor ihnen auf. Ein großes Hotel in einem alten Stil gebaut, grenzte an die Straße mit einem Kießhof an. Ein Springbrunnen stand in der Mitte auf einer kleinen Rasenfläche, säuberlich geschnittene Hecken umrandeten den Hof und das Anwesen. Warmes Licht fiel aus den Holz umrandeten Fenstern und aus der großen, zweiteiligen Glastür eilte ein Hotel angestellter, um ihnen beim Gepäck zu helfen. Dicke, lange, tief rote Teppiche lagen auf dem hellen Mamorstein in der großen Empfangshalle. Eine wohlige Wärme herrschte innen und das Licht kam von protzigen Kronleuchtern, die tief in die Halle ragten. Der Empfangsschalter war aus dunklem Ebenholz und die Computer passten überhaupt nicht dazu. Eine Freundliche Rezeptionistin überreichte ihnen die Zimmerkarten und schickte sie den Gang runter. Im Treppenhaus wurden die Kronleuchter von alten Laternenköpfen abgelöst, die ein angenehmes Licht verbreiteten. Als sie im richtigen Stockwerk waren, betrachteten sie die langen Flure mit vereinzelten Spiegeln und Gemälden an der Wand. Der Boden war aus dunklen Holzdielen, die perfekt mit der Holzganitur der Wände abschlossen. Dunkel blaue Teppiche mit exotischen Mustern kleideten den Boden und Richard meinte Bäume und Vögel in den Mustern zu erkennen, allerdings war er sich nicht sicher, da es kaum sichtbare Schattierungen waren. In einem helleren Blau hingen schwere Seidenvorhänge an dem einzigen Fenster am Ende des Gangs und hoben sich so vom Teppich ab. An der 214 blieb Richard stehen, es war sein Zimmer. Tills Zimmer, die 215, lag direkt gegenüber von seinem. Richard hatte eine tolle und wunderschöne Aussicht auf die Berge und die Abendsonne. Als er zum großen Fenster trat, fielen die letzten Sonnenstrahlen genau zwischen zwei Bergen hindurch und zu ihm ins Zimmer. Kurz hielt er inne und betrachtete die hinter den Bergen verschwindende Sonne über der matt beleuchtet schwere Wolken hingen. Till schaute ebenfalls aus seinem Fenster, obwohl es genau in die andere Richtung zeigte. Er würde den Sonnenaufgang sehen und das Aufziehen der Sterne, doch nie würde er den Untergang erblicken, den Richard jeden Abend sah.
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