Wege des Schicksals: Wie alles begann...

von NyNy
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
 Urahninnen der Hexen Darcy Icy Stormy Trix
28.07.2020
11.10.2020
3
19.506
7
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28.07.2020 2.084
 
Disclaimer: Es handelt sich hierbei um eine von mir frei erfundene Erklärung zum Verhältnis der Trix zueinander. Mir ist bewusst, dass einiges von dem, das ich mir hier zusammengewoben habe, sich nicht in den Canon der tatsächlichen Serie eingliedert, aber da dieser ohnehin in sich widersprüchlich ist, konnte ich darauf nicht besonders viel Rücksicht nehmen. (Allein schon die Sache mit Valtors Erschaffung, der Zerstörung Dominos, Blooms Geburt und der Präsenz der Urhexen außerhalb Obsidians ist eigentlich gar nicht unter einen Hut zu bringen, also… beschwert euch bitte bei Iginio Straffi über die Chronologie-Fehler. :D)
Ich möchte außerdem direkt zu Anfang erwähnen, dass Darko (der in den Comics ein alter Kindheitsfreund von Icy ist, wenn ich mich recht erinnere) in meiner Version der Geschichte nicht vorkommen wird. Es ist nicht so, dass ich ihn nicht mag (tatsächlich erinnere ich mich kaum an ihn), aber ich habe es vorgezogen, den Comic und die Serie zu trennen. Ich hoffe, ihr könnt mir das verzeihen.
Auch ist die Idee zu dieser Story bereits weit bevor die achte Staffel angelaufen war entstanden. Die Staffel selbst habe ich nicht gesehen – und habe es, offen gestanden, auch nicht vor – aber die Backstory, die Icy dort… ich nenne das Kind mal beim Namen, aufgedrückt wurde, wird sich hier ebenfalls nicht wiederfinden, da ich finde, dass sie allem, was man in den ersten drei Staffeln über Icy erfahren hat, widerspricht. #Season8IcyIsNotMyIcy
Nun habe ich aber wirklich genug rumgemeckert und mit Disclaimern um mich geworfen. Viel Spaß beim Lesen! ♪





Die Trix waren nicht immer die Trix.
Es gab eine Zeit, in der Icy, Darcy und Stormy weder von ihren Kräften noch von ihren jeweiligen „Schwestern“ wussten – eine Zeit, die an jenem schicksalhaften Tag, an dem sie sich zum ersten Mal begegneten, ein abruptes Ende nahm. Ein einziger Moment änderte alles, was sie je geglaubt hatten zu wissen… ein einziges Treffen verband sie untrennbar miteinander, bis in alle Ewigkeit.

Belladonna, Lysslis und Tharma, die Urahninnen aller Hexen, haben diesem Tag jahrhundertelang entgegengefiebert. Viel zu lang war es zu diesem Zeitpunkt schon her, dass sie selbst die Magische Dimension angesichts ihrer Stärke erzittern lassen konnten – viel zu sorglos waren die Bewohner von Magix und den Planeten der Dimension geworden, als die drei Urhexen mehr und mehr in Vergessenheit gerieten.
Oh, sicher, jeder kannte ihre Namen, jeder wusste um ihre Existenz – schließlich waren sie ebenso wie der Große Drache Teil der Legenden, die sich um die Entstehung des Universums rankten. Doch die Ehrfurcht, die unwillkürliche Angst, die früher bei der bloßen Erwähnung ihrer Namen in den Augen jedes magischen Wesens geglänzt hatte… sie war nach und nach einer Arglosigkeit gewichen, die für die drei schon einem Affront gleichkam.

Schließlich waren sie nicht tot!

Mochten sie auch von der undurchdringlichen Barriere, die Obsidian umgab, davon abgehalten werden, direkten Einfluss auf die Welt jenseits ihrer Gefängnisdimension zu nehmen… mochten sie auch machtlos wirken, seitdem man sie ihrer sterblichen Körper beraubt und damit ihre Einflusssphäre um ein Vielfaches verringert hatte… so war es ihnen doch weiterhin durch ein Zusammenwirken aus mächtigen Zaubern und der Hilfe ihrer Lakaien, anderen Gefangenen Obsidians, möglich, ihre Zeichen in Magix und seinen Welten zu hinterlassen.

Spuren von Dunkelheit und Hass. Angst, die sich tief in die Seelen der Menschen fraß. Ihre Spiegelbilder in den Zaubern von abtrünnigen Hexen und Schwarzmagiern, ein dumpfes Pochen in der Krypta des Wolkenturms, leise zwar, doch beständig, wie der Herzschlag von etwas sehr Altem, Vergessenem, das nur darauf wartet, aus seinem langen, traumlosen Schlaf zu erwachen.

Und dann war da noch Valtor. Valtor, ihr aus dem Schatten der Drachenflamme geborener Sohn, ihre mächtigste Waffe im Diesseits.
Wäre er ihrem wohlkalkulierten Plan gefolgt und hätte die Herrschaft über die Welten des Diesseits‘ an sich gerissen, so hätte sich das gesamte Universum destabilisiert; die Grenze zwischen Obsidian und den anderen Planeten wäre verschwommen, und dann hätte es nicht viel mehr bedurft, um die einst mächtige Barriere zersplittern zu lassen wie eine Glasscheibe. Und wenn Valtor, ihr Valtor, sich dann wie von ihnen befohlen dem eisernen Portal genähert hätte, das sie von ihrer Freiheit trennte – dann hätte sich der Zugang für sie geöffnet, aktiviert durch den Funken der Flamme, den der Magier in sich trug, und sie wären endlich dort gewesen, wo sie seit Anbeginn der Zeit hätten sein sollen: auf dem sinnbildlichen Thron von Magix, als Herrscherinnen über alles, was war und noch sein würde.
Zwar hätte die Öffnung des Tores Valtors Hülle zerstört, möglicherweise sogar den Teil des Drachens vernichtet, der sich in seinem Herzen befand… doch was für einen Unterschied hätte das schon gemacht? Sie wären frei gewesen, frei, und wenn sie es gewollt hätten, hätten sie ihren Sohn aus seiner eigenen Asche wieder auferstehen lassen können! Ihrer Macht wären keine Grenzen mehr gesetzt gewesen!
Umso mehr hatte es geschmerzt, ihren Hoffnungsträger im Kampf gegen die Verbindung des Lichts fallen zu sehen; zähneknirschend und mit glühenden Augen hatten sie verfolgt, wie er sich nach seiner Niederlage dem ewigen Eis der Omegadimension beugen musste, unfähig, sich ohne Unterstützung durch Belladonnas Magie aus dem gefrorenen Kerker zu befreien.
Dennoch… so ärgerlich das Versagen ihres Sohnes auch gewesen war, so sehr sie ihm auch für sein Scheitern grollten…

Es gibt noch eine letzte Möglichkeit für sie, sich erneut im Diesseits zu manifestieren, zu ihrer alten Stärke zurückzufinden. Eine letzte Brücke, die ihnen den Weg in die Freiheit und zur Herrschaft über die Welten ebnen könnte. Ihre letzte Hoffnung.
Eine gut versteckte Spur, die sie vor ihrem Verschwinden in der gesamten Magischen Dimension hinterlassen haben. Eine Spur, die schon deswegen in sich mächtig ist, weil sie von ihren Gegnern nicht ausgelöscht werden kann. Eine Spur, die potentielle Widersacher zwar sofort zu ihnen führen würde, die aber zu dem Zeitpunkt, in dem sie überhaupt von jemand anderem als ihren Verbündeten wahrgenommen werden kann, bereits nicht mehr von Bedeutung ist.
Die Essenz ihrer Magie. Ihr Erbe, das mit jeder Hexe weitergetragen wird, das sich jedoch in seiner reinen, mächtigsten Form nur in drei einzelnen Schwarzmagierinnen wiederfindet: in drei Hexen, denen der Titel ihrer Nachfahrinnen wahrlich gebührt.

In jeder Generation an Hexen werden in der Magischen Dimension drei Mädchen geboren, denen die Kräfte des Eises, der Dunkelheit und der Stürme innewohnen – drei Mädchen, deren Bestimmung es ist, einander zu finden und sich gemeinsam auf die Suche nach dem verbliebenen Teil der Drachenflamme zu machen. Drei Mädchen, deren Herzen das Wesen von Belladonna, Lysslis und Tharma empfangen und die dadurch als Spiegelung ihrer Urahninnen dienen können, als Manifestation der drei körperlosen Gefangenen Obsidians; die, sobald die Zeit reif ist, als neue Hüllen zu fungieren vermögen, als Marionetten, deren Geist vollständig von dem der drei Urhexen verdrängt wird. Kurz gesagt: drei Junghexen, die dazu bestimmt sind, dort anzusetzen, wo ihre Vorfahrinnen aufgehört haben – die dazu geboren sind, die Herrschaft über die magische Welt zu erlangen, und, in letzter Konsequenz, ihre Seelen mit denen der Urhexen zu vereinen, wenn sich deren Fesseln nach so langer Zeit endlich lösen und sie erneut das Diesseits betreten, untrennbar mit der ureigenen Magie der Dimensionen verbunden.

Doch es gibt einen Haken. Einen entscheidenden Haken.

Der Einfluss der Urhexen auf die Magische Dimension ist sehr begrenzt. Zwar können sie sicher sein, dass jede Generation drei geeignete Kandidatinnen für ihr Vorhaben hervorbringen wird… doch außerhalb der mit Obsidian verbundenen Herrschaftsgebiete sind die jungen Hexen auf sich allein gestellt. Und sie wissen nicht einmal, wer sie sind und wonach sie suchen, bis sie aufeinandertreffen und damit die magische Essenz in sich aktivieren.
Es ist Belladonna, Lysslis und Tharma weder möglich, zu ihren kostbaren kleinen Schützlingen zu sprechen, noch dafür zu sorgen, dass diese sich in die Nähe ihrer Schwestern begeben, um damit zu beginnen, ihr Schicksal zu erfüllen. Demnach ist die ganze Chose ein schmaler Grat zwischen Zufall und Vorherbestimmung – niemand kann mit Sicherheit sagen, wie sich die Kraft der drei ursprünglichen Hexen in ihren Nachfahrinnen entwickeln wird, ob diese überhaupt damit umzugehen vermögen, falls sie die gewaltige Macht in sich entdecken. Und Fortuna ist eine launische Dame, niemand weiß das besser als die Urhexen.

Vielleicht stirbt eines der Mädchen, noch bevor es seine Augen aufschlägt.
Oder vielleicht fängt es niemals an, Magie zu wirken, lebt sein Leben ohne Zauberei, nicht einmal ahnend, welch große Kraft sich in ihm verbirgt.
Oder vielleicht entscheidet es sich törichterweise dazu, eine Ausbildung bei den Feen zu absolvieren, statt sich der schwarzen Magie zuzuwenden.
Oder vielleicht läuft zunächst alles nach Plan. Das Mädchen wächst unbeschadet auf, wird zu einer großartigen, gefürchteten Hexenmeisterin, meistert sämtliche schwarzen Zauber, die sie benötigt, um sich die Magische Dimension zu eigen zu machen – doch dann vergehen Wochen, Monate, Jahre, und schließlich stirbt sie, ohne jemals ihre Schwestern getroffen zu haben, die Abbilder ihrer selbst, die irgendwo in den Weiten des Universums auf sie gewartet haben, ohne von ihrem eigenen Warten Notiz zu nehmen.

Ewigkeiten sind verstrichen, seit Belladonna, Lysslis und Tharma nach Obsidian verbannt wurden. Ewigkeiten, in denen sie Generation für Generation dabei zusehen mussten, wie ihre Prophezeiung sich nicht erfüllte.

Da gab es zum Beispiel Delantera, in der Tharmas Funken geradezu beängstigend präsent gewesen und die dadurch schon bei ihrer Geburt zu einer der vielversprechendsten Hoffnungsträgerinnen avanciert war – die aber unglücklicherweise auf der Erde geboren wurde und schließlich, nach gerade einmal fünfzehn Jahren, ihr Ende auf dem Scheiterhaufen fand, verbrannt von Menschen, die sie fürchteten, als wäre sie der Teufel, wie sie ihn nannten: eine gehörnte Kreatur, die ihrer aller Leben ein Ende setzen wolle.

Da war außerdem Glaece, die, von ihren eigenen Kräften fast zu Tode erschreckt, der Magie abschwor, um sich der bildenden Kunst zu widmen – und die daher die größte Schande über Belladonna brachte, mit der die Urhexen sich jemals konfrontiert gesehen hatten.

Und schließlich gab es noch Tenebra, die nach ihrem ersten Kontakt zu Myrsky plötzlich unheilbar krank wurde und starb, noch ehe Akulli sich zu ihnen gesellen und das vollenden konnte, was diesmal zum Greifen nah erschienen war.

Generation um Generation verstrich, ohne Erfolg.

Doch dann, als die drei die Hoffnung schon beinahe aufgegeben hatten… als die Magische Dimension in nie gekanntem Glanz erstrahlte und die rothaarige Prinzessin Dominos wohlbehütet auf der Erde ihre ersten Schritte tat…

„Schwestern“, wispert Lysslis, ihre gewöhnlich so leeren Augen von einem rötlichen Glühen erleuchtet. „Die drei Neuen… sie sind einander ganz nah, ich kann es spüren! Ob sie es sein werden…?“
Tharma wirft einen begierigen Blick durch den Spiegel des Obsidianischen Zirkels, der ihr einziges Portal zur Außenwelt darstellt.
„In der Tat, in der Tat! Und oh, wie die Energie in ihnen pulsiert…!“, pflichtet sie zischend bei. Vergeblich streckt sie eine Hand nach ihrem aktuellen Schützling aus, so, als könnte sie dadurch sicherstellen, dass der kleinen Stormy nichts Schlechtes widerfährt, dass nichts sie davon abhalten können wird, die anderen beiden zu finden und die Mächte des Sturmes in sich zu bündeln.
Belladonna bringt ihre Schwestern mit einem warnenden Blick zum Schweigen. Schon oft genug hat sie genau dieselben Worte gehört, hat ihrer aufkeimenden Zuversicht durch verzweifelten Optimismus Boden gegeben, auf dem sie sich nähren konnte – und wurde schlussendlich ein weiteres Mal bitter enttäuscht, als wieder ein knappes Jahrhundert verstrich, in dem sie ihrem Herrschaftsantritt aufs Neue entsagen musste.

Wortlos schwebt auch sie näher an das Bild heran, das sich ihnen bietet, und fixiert die weißen Haare des Kindes, in dem sie sich schon jetzt wiedererkennt, mit einem stechenden Blick.
Icy, kleine Icy… du bist zu Großem geboren, auch, wenn du das noch nicht weißt.
Auf dass du, Darcy und Stormy diejenigen sein mögt, die uns endlich aus dieser Hölle befreien.






Bei den „Namen“ der Vorfahrinnen der Trix, die es nicht geschafft haben, die Essenz in sich zu erwecken, handelt es sich übrigens um Übersetzungen der Wörter „Eis“, „Dunkelheit“ und „Sturm“ in verschiedene Sprachen. Wer das auch ohne meinen Kommentar herausgefunden hat, bekommt einen Keks.

Gedanken? Anregungen? Verbesserungsvorschläge? Ich bin für jegliches Feedback offen! :)

(Für diejenigen, die auch meine andere Geschichte 雪花 – Schneeflocke gelesen haben: Wege des Schicksals kann sowohl als Vorgeschichte der Trix im Canon als auch der meiner Version der Trix in der alten Story gesehen werden. Es werden sich sicherlich einige Elemente bzw. Headcanons hier wiederfinden, die in anderer Form auch in 雪花 – Schneeflocke aufgetaucht sind, aber auch ohne die andere Geschichte gelesen zu haben, wird man die hier problemlos verstehen können und vice versa. Falls tatsächlich ein paar meiner damaligen Leser auf diese Story hier geklickt haben: Hi, ich lebe noch, sorry dass ich drei Jahre nichts von mir hab hören lassen. :D Ich hoffe, auch Wege des Schicksals findet bei euch Anklang. ♥)

~ NyNy
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