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Mein großer Freund, der Panzertitan

von Strycore
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character) Reiner Braun
27.07.2020
29.11.2020
19
46.450
8
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Dieses Kapitel
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22.11.2020 3.590
 
Stille. Aurora hat den Kopf des jungen Mannes auf ihren Schoß gebettet. Er schläft. Seltsame Narben zieren seinen ganzen Körper. Inzwischen hat sie aufgehört zu weinen. Es sind beinahe zwei Stunden vergangen und von ihrem großen Freund ist nur noch ein Skelett übrig. Er ist tot. Nur wegen ihrer Dummheit, hat sie ihn verloren. Nun rührt sich etwas in ihrem Schoß. Der junge Mann wacht endlich auf und knuddelt sich noch kurz an sie, bevor er sich aufrichtet. „...Du bist aufgewacht...geht es dir gut?“ Keine Antwort. Stattdessen legt er seine Hand auf ihr Gesicht und fühlt, dass es nass ist. „Du hast geweint.“ Er fragt sich gerade wirklich warum. „Warte, ich mach uns erst einmal Licht.“ Sie beobachtet ihn, wie er ihren Rucksack durchwühlt und die Feuersteine heraus holt. Dann rupft er etwas Moos von den Wänden und entzündet es. Eine helle Flamme bricht hervor und flutet den Raum mit Helligkeit. Sie muss blinzeln und erkennt nun sein markant männliches Gesicht. „Und jetzt sag schon, warum hast du geweint, Aurora?“ Sie reißt die Augen auf und blickt ihn verstört an. Woher kennt er nur ihren Namen? Doch eigentlich hat sie keine Zeit, um darüber nachzudenken. Sie schaut nun zu den skelettierten Überresten des Gepanzerten. „...Wegen Reiner...er ist nur wegen mir gestorben.“ Sie droht wieder mit dem weinen anzufangen, doch das Gesicht des blonden Mannes bleibt ungerührt. „Ich denke, dass du dir um ihn keine Sorgen machen brauchst. Es geht ihm gut.“ Absolut geschockt über diese Gleichgültigkeit, richtet sie sich auf und will ihn anschreien, bereut es aber sogleich und sackt stöhnend in sich zusammen. „Aua...das tut so weh...“ Nun knirscht er einmal leise. „Das ist gar nicht gut, dein Bein ist gebrochen. Lass mich mal sehen.“ Doch sie geht sofort in Abwehrhaltung. „Nein, komm bloß nicht näher. Wer bist du überhaupt?“

Sie ist verwirrt, dass er auf einmal lächelt. Schließlich zeigt er auf das fast vollständig verdampfte Skelett. „Ich bin er.“ Aurora schaut ihn an, als ob er etwas lustiges gesagt hat. „...Reiner...?“ Er nickt. Schweigen. Dann zeigt sie auf ihn und fängt an, verstörend zu lachen. „Hör auf mich zu verarschen. Du bist nicht Reiner. Du bist zwar aus seinem Nacken herausgekommen, aber du bist nicht er.“ Der junge Mann schnauft einmal belustigt. „Das war wirklich ein arschkalter Winter. Mir tut es Leid, dass ich dich im Kampf beinahe verschlungen habe. Ich hatte meine Gründe, warum ich dich nicht in den Keller lassen wollte und diese Schwachköpfe hinter der Mauer sind selber Schuld, dass ich Amok gelaufen bin. Diese Pfannkuchen von Mia waren echt gut. Aber nicht so gut wie deine.“ Aurora fällt die Kinnlade herunter. Er hat soeben ihr gemeinsames Abenteuer in Kurzform erzählt. „Aber...aber...wie....was...?“ Sie ist total verwirrt. „Ich...ich...verstehe das einfach nicht. Du bist erst so groß und jetzt so klein. Du sagst du bist Reiner, siehst aber nicht aus wie er. Wie...was...was ist hier eigentlich los?“ Sie fängt an zu hyperventilieren und kratzt sich die Arme verstört. „Aurora...“ Nun kommt er näher und legt ihr seine Hand auf die Schulter. „Beruhige dich erst einmal. Ich werde dir alles erklären, aber vorher lass mich dein Bein schienen.“ Reiner durchwühlt ihren Rucksack erneut und zieht eine ihrer Hosen heraus. Außerdem nimmt er sich die Bratpfanne und das Messer. Vorsichtig, schneidet er das Hosenbein auf und schaut sich das genauer an. „Ich muss es richten, dann wird wehtun.“ Er steckt ihr das Kleidungsstück in den Mund. „Beiße darauf wenn, wenn es sein muss. Ich entschuldige mich jetzt schon dafür, dass ich dir gleich wehtun muss.“ Der Blondschopf lässt ihr keine Zeit um Angst zu haben, sondern richtet den gebrochenen Knochen in einem Ruck wieder in eine natürliche Position zurück. Aurora schreit auf und beißt mit nassen Augen fest auf ihre Hose. Doch tatsächlich, fühlt es sich jetzt besser an. „Wir haben leider nichts anderes.“ Reiner legt die Pfanne an ihr Bein und wickelt die Hose fest darum und knotet sie fest.

„Tut es sehr weh?“ Sie schüttelt den Kopf. „Nein, es geht schon. Es fühlt sich mehr taub an.“ Sie wischt sich tapfer die Tränen weg. „Und jetzt will ich wissen, was hier eigentlich los ist.“ Er nickt und wirft vorher noch neues Brennmaterial auf das Moos. „Ich bin ein Titanenwandler. Ursprünglich komme ich genau wie du aus Marley.“ Sie hebt die Hand. „Titanenwandler? Was ist das?“ Er erzählt weiter und erklärt es ihr. „Das sind Menschen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Wenn wir uns selbst verletzen, dann verwandeln wir uns in Titanen. Doch im Gegensatz zu den hirnlosen Exemplaren, bleiben wir bei klaren Verstand und wissen, was wir tun.“ Was für eine bizarre Geschichte das doch ist. „...Okay...“, sagt sie misstrauisch. „...Weiter?“ Reiner kann sich denken, dass sie das nicht glauben kann. „Nun, ich bin der gepanzerte Titan. Normalerweise kommen wir immer wieder aus unseren Titanenkörpern heraus. Aber...“ Plötzlich presst er die Zähne aufeinander. „Ich war ein Krieger und habe für Marley gekämpft. Doch dann habe ich mich eines Tages in eine Eldia verliebt und man stellte mich vor die Wahl. Ich habe mich für sie entschieden und habe die Marley somit verraten. Zur Strafe für meinen Verrat, hat man sie vor meinen Augen getötet. Außerdem hat man mir einen neuartigen Kampfstoff gespritzt, der mich eigentlich töten sollte. Doch stattdessen habe ich mich verwandelt und ich wurde unverständlicherweise dauerhaft dazu gezwungen in meiner Titanenform zu bleiben. Ich habe es aus eigener Kraft nicht mehr aus den Nacken geschafft. Also brauchte ich fremde Hilfe. Immer wieder, habe ich mich Menschen genähert, doch du warst die einzige, die nicht gleich schreiend vor mir davongelaufen ist.“ Aurora sieht ihn total geschockt an. „Natürlich hätten sie mich einfach einen hirnlosen Titanen zum Fraß vorwerfen können, doch als Hochverräter, habe ich für die neue Biowaffe das perfekte Versuchskaninchen abgegeben.“

Sie schüttelt den Kopf. „Und da sagen sie, dass du böse bist. Wie ist es dann weitergegangen?“ Reiner zuckt mit den Schultern. „Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Nachdem ich angefangen habe die Marley zu attackieren, ist mir irgendwann schwarz vor den Augen geworden. Und als ich wieder zu mir gekommen bin, hat man mich auf Paradies ausgesetzt.“ Nun kennt Aurora auch seine Vergangenheit. Doch da fällt ihr auf einmal noch eine andere Sache ein. „Was ist dann mit Gigantos? Ist er auch ein Titanenwandler?“ Er nickt. „Sein Name ist Berthold und teilt mein Schicksal. Auch er hat die Marley aus persönlichen Gründen verraten und wurde zur Strafe dauerhaft in seinen Titanenkörper verbannt und auf Paradies ausgesetzt. Auch wenn er sehr groß ist, kann er das Meer nicht überwinden und die Marley wissen das.“ Plötzlich fängt Aurora an wild zu zappeln. „Aber dann müssen wir zurück und ihm helfen. Er ist doch unser Freund und wir können ihn nicht einfach da lassen.“ Reiner seufzt einmal. „Ich verstehe, dass du ihm helfen willst. Allerdings wird er uns nicht folgen, wenn er seine persönlichen Dinge nicht erledigt hat. Was genau er noch erledigen muss, kann ich dir nicht sagen. Ich weiß es selber nicht.“ Er schaut sich einmal kurz um. „Viel wichtiger ist doch, dass wir einen Weg hier herausfinden. Vorher sollten wir aber etwas essen und uns ausruhen.“ Sie stimmt ihm zu und verschiebt weitere Fragen auf später. Stattdessen öffnen sie zwei Konservendosen und leeren sie. Doch eine Sache interessiert sie so brennend, dass sie ihre Zunge nicht still halten kann. „Wenn du...all die Monate in deinem Titan gefangen warst, wie hast du es nur geschafft nicht zu verhungern?“ Reiner lächelt sie einmal an. „Das habe ich dir zu verdanken. Es stimmt, dass die Nahrung eigentlich nutzlos für mich ist, doch mein Magen hat die Nährstoffe absorbiert und an mich direkt weitergeleitet.“ Mit dieser Antwort ist sie vorerst zufrieden. Beide müssen sich erst ausruhen, bevor sie sich auf die Suche nach einem Ausgang machen. Aurora rollt sich am Boden zusammen. Doch schon bald bemerkt sie, dass sie so nicht schlafen kann. Reiner hat entspannt die Augen geschlossen, als er plötzlich ein aufkommendes Gewicht auf sich spürt. „Aurora...was machst du denn da?“ Sie gähnt einmal und schmust sich dicht an ihn. Auch wenn er nun kleiner ist und anders aussehen mag, er ist immer noch dieselbe Person. Immerhin hat sie seit Monaten immer auf ihm geschlafen. Reiner ist das durchaus bewusst und grinst daher auch einmal. „Manche Dinge ändern sich wohl nie“, flüstert er und legt beide Arme um sie. Es ist zwar nicht das gleiche und er fühlt sich relativ kalt für sie an, dennoch hilft es ihr zur Ruhe zu kommen. „Ich will, dass du wieder groß bist...“, nuschelt sie leise.  

Wie viel Zeit inzwischen vergangen ist weiß sie nicht. Doch so langsam, machen sie sich auf den Weg. Mit ihrem gebrochenen Bein ist Aurora nicht in der Lage zu laufen, also muss Reiner sie tragen. Der kräftige Blondschopf hat sich ihren Rucksack falsch herum aufgesetzt, sodass er an seiner Brust hängt und sie nimmt er huckepack. Aurora sieht nicht gerade glücklich aus. „Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass du alles schleppen musst.“ Doch er grinst nur einmal. „Darüber solltest du dir keine Sorgen machen. Ich bin viel größere Lasten gewöhnt. Du bist doch leicht wie eine Feder.“ Zumindest entlockt er ihr somit ein aufrichtiges Lächeln auf dem Gesicht. Ihr nun normal großer Freund hat eine provisorische Fackel aus ihren Topf und dem leuchtenden Moos gebastelt. Obwohl sie von Reiner getragen wird, macht sich eine enorme Erschöpfung in ihr breit. Aurora hat noch so viele Fragen an ihn, doch sie traut sich einfach nicht, diese auszusprechen. „Du kannst mich ruhig löchern, wenn du willst“, sagt er dann und sie schaut ihn überrascht auf. „Was...was genau meinst du denn?“ Sie stellt sich dumm, doch darauf fällt Reiner nicht herein. „Ich kenne dich inzwischen ziemlich gut, Aurora. Du bist eine Person, die gerne redet und erzählt. Und wenn du auf einmal schweigst, dann hältst du dich dezent zurück.“ Sie errötet plötzlich und dreht den Kopf verlegen zur Seite. „Erwischt...“, sagt sie peinlich berührt. Er grinst. „Also?“ Er hat echt ins schwarze getroffen. Also stellt sie ihm noch weitere Fragen, während Reiner sie unbeirrt weiter trägt und nach einem Ausgang sucht. „Wieso hast du mir nicht irgendwie mitgeteilt, dass du in dem Titan steckst und mich darum gebeten, dass du raus willst?“ Er schüttelt den Kopf. „Weil ich es nicht konnte. Egal auf welche Art und Weise ich es versuchen wollte. Es ging einfach nicht. Ich habe es einfach nicht geschafft, mich mitzuteilen.“

Sie versteht das tatsächlich nicht. Die ganze Geschichte ist zu hoch für ihren Verstand, ihr Gehirn rattert und versucht diese neuen Informationen zu verarbeiten. Daher entscheidet sie sich dazu die Tatsachen einfach zu akzeptieren und nicht weiter darüber nachzudenken. Beide schweigen für eine ganze Weile. Das leuchtende Moos spendet wirklich nur sehr wenig Licht, doch es reicht gerade so, um zu sehen. Aurora hat ihren Kopf auf seinen abgelegt und kann die Augen kaum noch offen halten. Sie lauscht seinen gleichmäßigen Schritten und döst durch die gleichbleibenden Geräusche fast weg. Doch dann bleibt er auf einmal stehen, woraufhin sie wieder wach ist und den Kopf hebt. „Hier teilt sich der Weg.“ Es führt einmal nach links und einmal nach rechts. „Reiner, wohin gehen wir?“ Er zieht seine goldenen Augen zusammen und denkt nach. „Wir gehen nach rechts.“ Aurora hat keine Ahnung, warum er sich für diesen Weg entscheidet, doch sie vertraut ihm blind. Doch leider zeigt sich nach wenigen Minuten dann schon, dass diese Entscheidung falsch ist. Denn es wird immer dunkler und der Weg endet in einer Sackgasse. „Hier geht es nicht weiter“, knurrt Reiner. „Gehen wir zurück und probieren den linken Gang aus.“ Er geht also zurück, doch bevor sie die andere Seite erkunden, lässt er Aurora runter und sie machen eine kurze Pause. „Hier, trinkt bitte etwas.“ Sie reicht ihm den Wasserbeutel und er kommt ihr nach. Nach zehn Minuten, hat er sie wieder hochgenommen. Wenn der zweite Durchgang auch nicht weiter führt, dann müssen sie den ganzen Weg zurück und nach einem anderen Ausgang suchen. „Seltsam, auf dieser Seite wird das Moos plötzlich heller. Und es scheint auch mehr davon zu geben“, kommentiert Reiner. Langsam läuft ihm ein Schweißtropfen über die Schläfe. Nicht weil er erschöpft ist, sondern weil er immer nervöser wird. Langsam flacht die Decke ab und es wird immer enger für die beiden. Wenn Aurora ihre Hand nach oben ausstreckt, kann sie die oberen Wände berühren. Sie lässt ihren Finger darüber gleiten und bemerkt, dass das Gestein hier nass ist. „Reiner, die Steine hier sind ganz feucht.“ „...Was sagst du da?“ Er geht zwei Schritte weiter und sackt auf einmal nach unten ab. „Verdammt.“ Er ist in plötzlich aufkommendes Wasser getreten.

Reiner lässt Aurora erneut herunter, dann nimmt er etwas von dem Wasser in die Hand und trinkt davon. „Das ist pures Trinkwasser. Wie eigenartig.“ Sie macht es ihm nach und füllt sogleich ihren Wasservorrat wieder auf. Der pochende Schmerz in ihrem Bein lässt langsam nach, dennoch muss sie es unbedingt schonen. „Schau dir das an, Aurora. Da vorne fällt es ziemlich steil ab. Vielleicht führt dieser Unterwassertunnel nach draußen.“ Auf einmal, zieht er sich sein Oberteil und seine Stiefel aus und drückt ihr beides in die Hand. Irgendwie wundert es sie nicht, dass er einen sehr durchtrainierten und muskulösen Körper hat. „Ich werde einmal nachsehen gehen. Warte kurz hier, ich bin gleich zurück.“ Reiner schüttet nun das Moos aus dem Topf und steigt ins Wasser. „Rühr dich nicht von der Stelle.“ Dann dreht er den Topf falsch herum und taucht mit ihm ab. Eine kleine Luftkammer hat sich in dem Hohlraum gebildet, die der Blondschopf bei Bedarf zum Luft holen benutzen kann. Erstaunlicherweise, führt der recht enge Durchgang in eine ziemlich große Höhle. Selbst hier unten, wächst haufenweise von dem Moos, sodass er ziemlich gut sehen kann. Reiner hält den Topf dauerhaft verkehrt herum und schaut sich die Umgebung genau an. Je länger er dort unten ist, umso nervöser wird seine Freundin. Sie dreht Däumchen und langsam erwacht die Angst in ihr. Sie hofft, dass ihm da unten wirklich nichts passiert. Ihr schweifen die Gedanken ab, dann bemerkt sie aufsteigende Luftblasen, die aus dem Wasser nach oben steigen. Aus purem Reflex, macht sie eine Abwehrhaltung, atmet dann aber erleichtert aus, als der helle Schopf von Reiner wieder auftaucht. Er kommt aus dem Wasser und stellt den Topf zur Seite. „Ich habe einen Durchgang gefunden, der nach oben führt. Allerdings ist die Distanz zu groß dafür, dass wir beide durchkommen.“ Er zieht sein Oberteil und seine Stiefel wieder an. „Das heißt also, dass einer von uns beiden zurückbleiben muss? Ich kann in diesem Zustand nicht schwimmen, also solltest du einfach gehen und mich hier zurücklassen.“

Doch er schüttelt energisch den Kopf. „Ich werde dich hier nicht alleine zurücklassen, Aurora.“ Plötzlich nimmt er ihre Hände und schaut ihr fest in die Augen. „Es gäbe noch einen anderen Weg, doch dafür musst du mir blind vertrauen.“ Er drückt ihre zarten Hände einmal und schaut sie entschlossen an. „Tust du das, Aurora? Vertraust du mir?“ Sie braucht nicht lange zu überlegen, sondern nickt. „Ja. Ich vertraue dir.“ Reiner schenkt ihr ein Lächeln. „Noch eine andere Sache. Du darfst auf keinen Fall in Panik geraten, sonst wird der Sauerstoff nicht reichen.“ Sie nickt erneut. „Versprochen. Ich werde mich ruhig verhalten.“ Nun verstaut er alles in ihrem Rucksack und nimmt sich das Messer heraus. Schließlich setzt er ihr den Rucksack auf und nimmt sie hoch. „Also dann, gehen wir.“ Reiner stellt sich ins Wasser. „Und jetzt, einmal tief Luft holen.“ Aurora reißt den Mund auf und pumpt ihre Lungen bis zum bersten voll. Er macht es ihr gleich und dann taucht er ab. Sie hat Angst und fühlt, wie der Atemreflex eintreten will. Doch sie unterdrückt ihn und hat immerhin versprochen, ihm zu vertrauen. Unten in der großen Wasserhöhle angekommen, lässt er sie plötzlich los. Reiner lächelt ihr zu und geht auf einen größeren Abstand, bevor er sich dann das scharfe Messer über die Handfläche zieht. Dickes, rotes Blut vermischt sich sanft mit dem Wasser, und dann reißt sie erschrocken die Augen auf. Helle, knisternde Blitze umspringen seinen Körper, dann gibt es eine Explosion, sodass sie sich kurz abschirmen muss. Beinahe, hätte sie vor lauter Schreck nach Luft schnappen wollen. Aurora sieht, wie er sich verändert. Ein riesiges Skelett bildet sich vor ihr. Fleisch, starke Muskeln und Sehnen wachsen darum. Und dann bildet sich der harte Panzer. Ihr großer Freund ist wieder da. Sie ist so glücklich ihn zu sehen, dass man ihre Tränen im Wasser nicht einmal sehen kann. Durch sein enormes Gewicht, sinkt er sogleich nach unten, weshalb er Aurora packt und mit nach unten zieht. Sie legt ihre Hände an seine Nase und haucht ihm einen Kuss darauf. Der Panzertitan nickt einmal und erinnert sie an ihr Versprechen. Sie erwidert es mit der gleichen Geste. Sie vertraut ihm, sie hat es versprochen. Er reißt nun sein klaffendes Maul weit auf, und dann passiert sie schon seine geöffneten Kiefer.

Sie streckt ihre Finger aus und streicht ihm einmal liebevoll über den Gaumen. Dann schließt er seinen Kiefer wieder. Es wird dunkel und schließlich schluckt er seine kleine Freundin herunter. Aurora fühlt, wie es steil nach unten geht und landet dann schließlich mit lauten platschen in seinem Magen. Sofort schnellt sie nach oben, hustet einmal kräftig und schnappt nach Luft. Es ist wirklich schweineheiß da drin, weshalb sie sich einmal über das Gesicht streicht. Zumindest kann sie atmen, hofft aber dennoch, dass sie nicht länger hier drin bleiben muss, als nötig. „Reiner, hörst du mich?“ Zuerst trifft sie auf Stille, doch dann erreicht sie ein tiefes, metallisches dröhnen. „Beeil dich bitte, es ist echt heiß in deinem Bauch.“ Glücklicherweise ist es dunkel hier drin, dass sie nicht einmal ihre eigene Nasenspitze sehen kann. Alle paar Minuten, schluckt er ein Maul voll Wasser herunter, um sie etwas abzukühlen. Sie drückt ihren Rucksack an sich und versucht sich zu entspannen. Immerhin sitzt sie gerade im Magen eines Titanen fest. Der Gepanzerte kämpft sich durch die Unterwasserhöhle. Mit seinen verhärteten Klauen, zieht er sich an den Wänden entlang. Aurora bekommt in seinem Körper nicht mit, was er dort draußen treibt. Doch dann kommt wieder ein metallisches Geräusch von ihm. „Mir geht es gut, Reiner. Mach dir keine Sorgen.“ Wieder kommt ihr ein Wasserschwall entgegen. Sie streckt ihr gebrochenes Bein aus und lehnt sich gegen seine Magenwand. Sie vertraut ihm noch immer und hat auch keine Angst verdaut zu werden. Sie weiß, dass seine Magensäure ungefährlich für sie ist. Plötzlich wird sie einmal kräftig durchgeschüttelt. Der Panzertitan hat seine harten Klauen in das Stein geschlagen und beginnt daran hochzuklettern.

Aurora findet, dass es langsam stickig wird, weshalb sie ihn nochmal um eine kleine Dusche bittet. Erfrischend fällt ihr das kalte Wasser über den Kopf. Immerhin hat sie sich direkt unter seine Speiseröhre hingesetzt. Immer weiter führt sein Weg nach oben, bis dieser plötzlich endet, da der Ausgang zu klein ist. Reiner hämmert mit seiner Faust dagegen, bis das Hindernis nachgibt und den Weg frei gibt. Noch ein kleines Stück, dann hat er endlich die Oberfläche erreicht. Sofort dröhnt er wieder metallisch und vor allem laut auf. Da geht ihr Kopf hoch. „Mir geht es immer noch gut,  ich schaffe das schon“, sagt sie. Er will sich nur vergewissern, dass bei ihr alles in Ordnung ist. Reiner streckt den Kopf nach unten und verschlingt eine große Menge an dem Wasser. Aurora bemerkt, dass er seinen Magen flutet und hält sich so gut sie nur kann, über Wasser. „Bringen wir es hinter uns, ich bin bereit.“ Sie holt noch einmal tief Luft. Kurz darauf bemerkt sie, dass sich sein Magen in Bewegung setzt. Der riesige Muskel zieht sich stark zusammen, sodass Reiner sie mit dem kompletten Wasser wieder ausspuckt. Aurora hustet einmal kräftig, schnappt nach der frischen Luft und wird kurzzeitig von der plötzlichen Helligkeit geblendet. „Oh mein Gott...“, stöhnt sie halb erstickt und fängt an zu lachen. „Das ist das verrückteste, was ich je gemacht habe.“ Langsam gewöhnen sich ihre Augen wieder an das Tageslicht. Sie ist komplett durchnässt und lässt sich erstmal von ihm aufhelfen, indem sie sich an seinem Finger festhält. So kann sie auch auf einem Bein stehen. „Reiner...“ Sie sieht zu ihm hoch. „Mach das nie wieder.“ Woher kennt er diesen Satz nur? Sie fängt gleichzeitig an zu lachen und zu weinen. Sehr vorsichtig, nimmt er sie auf die Hand. Jetzt schaut sie sich erst einmal um. „Wer hätte gedacht, dass wir bei einer Oase landen.“ Schöne, grüne Bäume wachsen rundherum. Das frische Wasser ist kristallklar, in dem sie sich anschauen kann. „Ich bin so glücklich, dass ich dich wieder habe.“ Sie legt sich nun auf seine Handfläche und kann sich endlich ausruhen. „Es tut mir so Leid, Reiner. Wegen mir, mussten wir solchen Horror durchleben.“ Ihr gepanzerter Freund schüttelt den Kopf und lässt sich nieder. Sie drückt ihren nassen Rucksack an sich. Wahrscheinlich sind einige der Lebensmittel drauf gegangen. „Du hast recht, ruhen wir uns erstmal eine ganze Weile aus. Dann können wir immer noch losgehen und uns umsehen.“ Sie schließt die Augen und lächelt. „Ich bin so verdammt müde.“ Sie dreht sich auf die Seite und streckt ihr gebrochenes Bein weiterhin aus. Eine dezente Röte, schleicht sich auf ihre Wangen. „...Ich liebe dich, du Blödmann.“ Der Gepanzerte sieht sehr zufrieden aus. Dann setzt er sich hin, lässt die Füße im Wasser hängen und legt seine kleine Freundin schließlich auf seinen Bauch. Da ist sie bereits eingeschlafen. Beide haben eine schlimme Zeit überstanden. Und dieses sehr lange Nickerchen, hat sich Aurora mehr als nur verdient.
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