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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
1
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28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.08.2020 1.593
 
Hallöchen,

ich habe dieses Kapitel geschrieben weil ich dachte es wäre vielleicht sinnvoll noch eine andere Sichtweise zu erhalten. Zudem fand ich so eine Rückblende auch einfacher.
Hoffe es gefällt euch.

Vielen Dank an ZwergivomFluss. Du ermutigst und beflügelst mich, weiter zu schreiben.
1000 Mal Danke :-*

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-Thranduils Sicht-
Ich eilte durch die Hallen. Ich musste jetzt alleine sein. Wie konnte sie es wagen diesen Gefallen so einzufordern. Nach all der Zeit. Na gut, er hätte auch ablehnen können, immerhin war es schon so lange her. Aber so war er nicht. Er hielt seine Versprechen, auch wenn er nicht ahnen konnte, dass er so ein Versprechen jemanden gab, der den Kontakt mit ihm abbrechen würde und ihn verlassen würde. Ich stürmte weiter und jeder meiner Elben wisch mir hastig aus. Ich war so wütend. Endlich kam ich an meinen Gemächern an, riss die Tür auf und trat hinein. Bevor ich sie zuzog, drehte ich mich zu einer Wache. „NIEMAND soll mich stören!“, dann knallte ich besagte Tür schwungvoll zu. Ich verweilte kurz im Flur, am überlegen ob ich links in mein Arbeitszimmer gehen sollte oder nicht. Ich entschied mich für die rechte Tür, zu meinem Schlafzimmer. Es war ein heller Raum. Gegenüber der Türe war eine lichtdurchlässige Fensterfront, von der man den Fluss sehen konnte, mit einer Fensterbank, welche auch lange Sitzmöglichkeit diente. Links stand ein riesiges Himmelbett, das aus Ästen bestand und in silbernem Bettlacken gehüllt war. Neben der Fensterreihe rechts ging noch eine Tür zu einem Bad ab, aber mein Ziel waren die Fenster. Ich riss das erstbeste weit auf und atmete tief ein, so als ob die frische Luft all meine Gedanken hinweg treiben konnte. Ich sank auf die Fensterbank und schaute nun auf das Amulett. Ich hatte es ihr vor so langer Zeit geschenkt und es überraschte mich, dass sie es noch behalten hatte. Sachte fuhr ich über die Verästelungen darauf. Ich erinnerte mich an den Tag, als ich ihr es schenkte noch so klar, als ob es nicht tausende von Jahren her war.

-Rückblick-
„Thranduil. Wieso so geheimnisvoll? Erzähl mir schon wohin wir reiten!“
Ich schmunzelte und betrachtete meine beste Freundin, die neben mir ritt. Es war ein heißer Spät-Sommertag und außerhalb der kühlen Mauern der Hallen unseres Palastes sehr stickig, auch hier im Wald. Nessa hasste so warme Temperaturen, war aber direkt dabei, als ich einen Ausritt vorschlug und sie mit einer Überraschung köderte.
„Wenn ich es dir verrate, ist es keine Überraschung. Wieso so neugierig und vorlaut? Vor meinem Vater spielst du immer die brave, ergebene Elbe.“
Nessa schnaubte und dann spürte ich, wie etwas gegen meinen Rücken schleuderte. Ich drehte mich und sah ein breites Grinsen auf ihren Lippen. Sie hatte wirklich einen Ast nach mir geworfen. Nach mir. Dem Elben-Prinzen.
„Das wirst du büßen“, funkelte ich sie an und wir beide fingen schallend an zu lachen.
In ihrer Nähe fühlte ich mich frei und leicht. Bei ihr musste ich nicht der Elben-Prinz sein und sie behandelte mich auch nicht so. Wir plauderten über dies und das, während wir weiter ritten. Immer wieder versuchte sie die Überraschung, versteckt durch kleine Fragen, herauszubekommen. Aber ich fiel nicht darauf rein.
Als wir endlich ankamen blieb ich stehen, weitete meine Arme und rief: „TADA“.
Nessa kam auf ihrem Pferd neben mir zu stehen.
„Wie…was? Wieso?“, fragte sie irritiert.
Vor uns erstreckte sich eine Lichtung, mit einem kleinen Bach. Auf dem Boden waren eine Decke und ein Korb gestellt. Nichts großes, aber dennoch eine Überraschung.
„Du verbringst Zeit mit mir? Mehr als nur Ausreiten?“, fragte sie hoffnungsvoll und ich nickte.
Seitdem mein Vater der König des Waldes wurde und ich der Prinz, hatte ich viele Verpflichtungen und wir sahen uns sehr selten. Die Jahrhunderte davor war dies nicht so gewesen und ich hatte bemerkt, dass sie mich zu vermissen schien. Da ich auch demnächst auf eine Mission musste und dann einige Wochen weg war und ihren Geburtstag verpassen würde, hatte ich das hier arrangiert und mir den ganzen Nachmittag frei genommen. Ich stieg von meinem Reittier herunter und auch sie tat es mir gleich. Gerade als ich ihr sagen wollte, dass es noch mehr gab, sprang sie mir um den Hals, was eine erstaunliche Leistung war, da sie wirklich für eine Elbe klein war. Mit meinen 2,20m überragte ich sie beinahe einen halben Meter, aber das durfte man ihr nicht sagen. Ihre Körpergröße war etwas, was sie wirklich wurmte und wenn eine Wache sie deswegen verspottete, so landete dieser oftmals bei den Heilern. Ich schlang meine Arme um ihre Hüfte und drückte sie an mich.
"Danke, danke, danke“, widerholte sie immer wieder, ehe ich sie behutsam herunterließ.
„Wir haben doch noch nichts gegessen und du hast noch nicht alles gesehen.“
„Egal. Es ist wunderbar. Jede Minute mit dir genieße ich Nennûr.“
Ich lächelte bei diesem Kosenamen. Ich hatte ihn erhalten, als wir beide Kinder waren. Man sah es uns nicht an, aber uns trennte nur ein einziges Jahr voneinander. Und als wir klein und jung waren, meinte sie, dass meine Augen sie an ein tiefes Gewässer erinnerten und nannte mich seitdem bei diesem Namen, wobei sie ihn immer seltener benutzte.
„Ich genieße auch jede Minute mit dir Ithildim.“
Nun lächelte sie mich an. Ihren Kosenamen hatte sie auch aus den Kindertagen. Damals erklärte mir mein Vater, das Ithildim ein wertvolles Metall war und nur bei Mond und Sternenlicht leuchtete. Auch sagte er mir das Ithil Mond heißt. Und somit war ihr Name geboren, denn ihre Augen erinnerten mich an einen silbernen Vollmond. Und so war sie auch für mich, kostbar wie das Metall und so strahlend wie der Mond. Wir gingen zu der Decke und setzten uns darauf, rasch zog Nessa ihre Stiefel aus und ihre Beine baumelten im kühlen Bach. Einer Vorahnung nachgehend, hatte ich die Decke extra so platzieren lassen, dass man dies gemütlich aus machen konnte, wenn man auf ihr lag.
„Trinken?“, fragte ich und holte zwei Kelche und zwei Krüge heraus. „Wasser oder Wein?“
Sie hob eine Augenbraue.
„Kein Wein. Auch nicht für dich. Du trinkst davon viel zu viel.“
Ihr tadelnder Blick ließ mich schmunzeln.
„Okok. Wein und Obst. Ich dachte bei den Temperaturen wäre etwas leichtes genau richtig.“
Sie legte sich hin und schaute in den Himmel hinauf. Ab und zu strahlte ein Sonnenstrahl genau in ihr Gesicht und sie kniff die Augen zu. Genau solche Momente waren die kostbarsten, die ich hatte. Sie so entspannt zu sehen machte mich froh, denn im Palast schien sie immer voller Sorgen zu sein. Immer auf der Hut, dass sie nichts falsch machte und ihrer Position gerecht wurde. Sie war zwar keine Prinzessin, aber nicht aus schlechtem Hause und musste daher eine gewisse Etikette wahren, was ihr um einiges schwerer fiel als mir.
„Beere?“, fragte ich und sie öffnete einfach nur ihren Mund.
Ich legte eine Beere in ihren Mund und berührte sachte ihre Lippen. Sie war wirklich wunderschön und ich fragte mich schon lange, wieso sie noch kein Elb um eine Verabredung gefragt hatte. Waren die denn alle dumm? Sie kaute genüsslich und blickte dann zu mir.
„Leg dich doch zu mir. Du bist hier  kein Prinz. Entspann dich auch mal.“
Ich kam ihrer Bitte nach, zog meine Stiefel ebenfalls aus und legte mich neben sie. Unsere Finger berührten sich nur flüchtig und doch bekam ich eine Gänsehaut.
„Du hast gemeint, es wäre noch nicht alles“, flüsterte sie, damit sie die ruhige Atmosphäre nicht zerstörte, aber ihre Neugierde hatte gewonnen.
Ich holte tief Luft, denn ich wusste, dass sie nicht über meine bevorstehenden Abschied reden wollte.
„Wie du weißt, bin ich an deinem Geburtstag nicht da und komme erst zum Sternenfest. Daher wollte ich dir schon ein frühzeitiges Geschenk geben.“
Ich griff in meine Tasche und kramte eine kleines Päckchen heraus und reichte es ihr einfach herüber. Sie setzte sich nun auf und nahm es ehrfürchtig entgegen. Ganz sachte öffnete sie es und als sie sah was darin lag weiteten sich ihre Augen.
„Aber…“, begann sie.
„Kein Aber. Es gehört dir und soll dich immer an mich erinnern“, ich beugte mich zu ihr und zeigte mit dem Finger auf das Amulett. „Der Kreis soll dich symbolisieren, den Mond, der in jeder Nacht strahlt und der Diamant, das Leuchten des Mondes in den Sternen, wenn dieser auch mal nicht da ist. Naja und die Äste/Ranken soll mein, unser Reich und mich symbolisieren, den Wald. Und wenn du das nächste Mal im Mondlicht stehst, wirst du noch einen Schriftzug eingraviert sehen. Ich habe ihn aus dem flüssigen Metall Ithildim drauf schreiben lassen. „Ein letzter Gefallen“, damit egal was passiert, du in jeder Notlage mich um Hilfe bitten kannst. Immer. Ich werde egal was es ist, dir diesen Gefallen gewähren.“
Nessa war ganz still geworden und ich wusste nicht, wie ich diese schweigsame Variante von ihr zu deuten hatte.
„Danke“, flüsterte sie und dann sah ich, dass sie weinte.
Mit einem Finger wischte ich die Träne weg.
„Dafür doch nicht.“
Dann umarmte sie mich feste. Das Geschenk kam ziemlich gut an.

-Gegenwart-
Die Erinnerung an das Vergangene schmerzte in meiner Brust. Ich hatte nie verstanden, wieso sie gegangen war und daher versuchte ich nicht an diese glücklichen Tage zu denken. Ich hatte angenommen, dass sie mich aus ihrem Leben verbannt hatte, doch zeigte diese Kette etwas anderes. Wut kam in mir auf und ich schmiss die Kette von mir. Sie landete unter meinem Bett. Gut so. So würde ich sie nicht mehr sehen. Denn eine Antwort konnte ich von ihr eh nicht erwarten. Würde ich denn je eine Antwort erhalten?
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