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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
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02.09.2020 2.152
 
-Legolas-
Mein Vater verschwand mit Nessa und mein Herz schmerzte. Ich blickte in die Gesichter von vielen Elben, die ihre Gefühle nicht unterdrücken konnten. Sie hatte es in kurzer Zeit geschafft so viele Herzen zu berühren. Ivriniel, ihre Kammerzofe lag schluchzend in den Armen eines Mannes, den ich als einer der Meeres-Elben erkannte. Aber nicht nur ihre Untertanten und ihre Familie lag weinend und gebrochen in den Stallungen, auch etliche Wald-Elben schienen mit ihren Gefühlen zu kämpfen. Elben sind kühle Wesen, die ihre Gefühle nicht zeigten. Doch gerade jetzt, war davon in niemanden hier dies zu sehen. Wir waren menschlicher als je zuvor. Sogar mein Vater, der dafür ein Paradebeispiel für die Kühle der Elben war, schritt nun mit gebrochenem Herzen in die unteren Gefilde. Ich wusste nicht, wieso er dort hin ging, aber er wollte mit ihr alleine sein und ich respektierte es. Sie schien ihm viel zu bedeuten, wahrscheinlich mehr, als er sich selbst eingestand. Nach und nach kam Bewegung in die umstehenden Elben und viele versuchten sich einfach abzulenken, indem sie sich um die Pferde kümmerten oder um die Rüstungen und Schwerter. Ein Heiler, der Erfahrenste, den wir bei uns hatten, kam auf mich zu, verbeugte sich kurz und wirkte unentschlossen.
„Mein Prinz. Ist sie wirklich… Tot?“, fragte er und ich konnte nur nicken.
„Ihre Wunden sollten dennoch versorgt werden und sie gereinigt werden. Ihre Leiche. Sie muss vorzeigbar sein“, brachte ich hervor und der Heiler schien mir zuzustimmen.
„Ich werde seiner Hoheit genug Zeit geben und dann die Leiche fertig machen.“, damit verschwand er.
Ich selbst ging danach zu ihrem Enkel, Milant.
„Wir müssen reden.“
Es wirkte vielleicht wie die falsche Zeit, aber auch er und ich brauchten Ablenkung und ich wolle wissen, wieso sie ihn hier her gebracht hatte. Vielleicht konnten wir noch ihren letzten Willen respektieren. Zu meiner Überraschung schien er sich schnell zu fassen, stand auf, nachdem er weinend auf den Knien lag und strecke seine Schultern gerade.
„Das müssen wir“, brachte er hervor und wir beide schritten in einen abgelegenen Besprechungsraum.
Wir schwiegen einige Minuten. Doch dann ergriff er das Wort.
„Eurem Vater kann ich nicht verzeihen. Er hat meine Großmutter von mir genommen. Er ist der Grund, wieso sie nun…“
Seine Stimme versagte, doch ich verstand seinen Kummer und Zorn.
„Darüber wollte ich nicht mit euch reden. Wieso hat sie euch hier her gebracht? Wieso wussten wir nichts von einem Enkel?“
Er setzte sich.
„Ich bin geboren worden, nachdem mein Vater gestorben war. Meine Mutter war zu dem Zeitpunkt mit mir schwanger. Da der König der Meeres-Elben jedoch die Ehe von meinem Vater und meiner Mutter unangemessen hielt, sperrte er sie ein. Meine Großmutter befreite meine Mutter und half ihr zur Flucht, ohne zu wissen, dass diese schwanger war. Sie erfuhr erst vor Kurzem von mir und wollte mir helfen auf den Thron zu kommen. Ich bin der rechtmäßige Erbe des Throns und werde das Meeres-Volk nicht so ungerecht behandeln wie dieser Mann!“
Ich erkannte wahren Hass in seinen Augen und den Willen dieses Vorhaben umzusetzen. Der König wusste also nichts von seinem Enkel.
„Meine Großmutter fand, wir seien hier sicher, bis sie…ihren Plan umsetzen wollte um mich auf den Thron zu setzen.“
Ich hob eine Augenbraue.
„Ihren Plan?“
Er zuckte mit den Schultern.
„Sie verriet ihn nicht. Sie wollte nur, dass wir hier blieben, bis ich König werden konnte. Aber dann kamen ihre Verletzungen dazwischen und euer Vater hielt sie hier gefangen.“
Seine Worte hallten in meinem Kopf. Es gab nur einen Weg, wie sie ALLEINE den Thron an sich bringen wollte. Und dieser Plan passte so zu ihr, dass es wieder beängstigend war.
„Habt ihr keine Idee was sie plante?“, fragte ich vorsichtig.
Er fuhr sich durchs Gesicht und auch er schien zu wissen, wie dieser Plan auszusehen hatte, wollte es aber nicht wahr haben.
„Ich kann es mir denken, aber ich will es nicht aussprechen, denn…dann hätte ich sie wissend in ihr Verderben, in ihren Tod geschickt…“
Auch ich sackte nun auf einem Stuhl zusammen und schwieg. Ich musste mit Vater besprechen, ob wir ihm halfen. Eigentlich ging es uns nicht an, aber Nessa. Nessa wollte für ihr Volk was Besseres. Vielleicht reichte dies um die Wald-Elben zu überzeugen in den Krieg zu gehen.


-Heiler-
Ich stand vor der Türe zum Garten. Es war nun eine Stunde her, seit der Wald-König die Meeres-Königin hier rein gebracht hatte. Ich kannte beide mein Leben lang. Ich war hier, neben dem König, der älteste Elb in diesen Gemäuern. Ich hatte miterlebt wie diese Freundschaft immer stärker wurde und dann zerbrach. Sie war es gewesen, die mir auch die Heilkunst näher brachte. Ich war zwar nicht so alt wie die Beiden, dennoch alt genug um das Leben auf dieser Welt fast überdrüssig zu sein. Als sie dem König und damit auch uns, die Wald-Elben, verlassen hatte, war dies ein Schock. Ihre fröhliche Art, hatte jedem hier ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Das, was der König nur nie gesehen hatte, waren ihre Augen für ihn. Die Liebe die sie schon damals für ihn pflegte. Irgendwie war es allen bewusst, nur ihm nicht. Ihr Gehen hinterließ in jedem eine große Lücke. Aber die größte in dem König, welche er mit seiner neuen Liebe füllte. Ja, die Königin der Wald-Elben, die verstorbene Königin hatte ihn glücklich gemacht und sie liebte ihn und auch er sie. Aber dennoch war die Lücke in seinem Herzen bei allen zu spüren. Er war nicht mehr so gelassen und fröhlich gewesen. Schlimmer wurde es, als er König wurde und sich selbst zwang besser als sein Vater zu sein. Legolas, unser Prinz war dann ein Lichtblick und ließ fast das ganze Volk wieder Lächeln. Aber der erneute Verlust des Königs war dann zu viel. Die Kluft in seinem Herzen wurde tiefer und das nie zusammengewachsene Loch darin wurde immer größer. Er verschloss sich gegen jegliche Emotionen und damit litt das ganze Volk.
Doch all dieser Kummer erschien gegen den Kummer, den er jetzt hatte, nichts zu sein. Das ganze Volk konnte es spüren und ich hatte Angst, dass unser König etwas Dummes tun würde. Etwas Dummes im Sinne von, sein eigenes Leben zu beenden.
Ich atmete tief ein und öffnete zaghaft die schwere Eichentür. Dieser Ort war schon fast etwas Heiliges geworden und nur die Heiler verirrten sich in genau diesen Garten, um Kräuter z u sammeln. Meiner Ansicht nach, war es nur ein weiteres Zeichen, wie sehr unser König unter dem Verlust seiner besten Freundin litt. Meine Schritte hallten durch den Raum, als ich den gepflasterten Weg entlang ging. Ich wusste schon jetzt, wo er sich zurückgezogen hatte. Die steinerne Bank in der Mitte des runden Gartens, welche an einem kleinen Teich stand. Er hatte diese Bank zusammen mit ihr aus einem massiven Steinblock gehauen. Es war eine gemeinsame Aktion gewesen, die sie beide viele wunde Hände kostete, denn keiner von ihnen war ein Steinmetz. Zwischen den Pflastersteinen lugte Grad hervor und hauchte diesem Weg auch etwas magisch, verwunschenes ein. Hier und dort blühten verschiedene Nachts-aktive Blumen und ich war wieder atemlos von diesem Anblick. Dieser Garten war tagsüber atemberaubend, aber in der Nacht empfand ich ihn als noch spektakulärer. Die Decke war teilweise aus dem geschlagenen Stein, aber an manchen Stellen konnte man den Nachthimmel sehen, wo unaufhörlich Wasser gegen die Scheiben klatschte. Durch starke Hitze, wie ein Blitz oder Drachenfeuer, veränderter Sand. Etwas kostbares, da es so rein und doch so bruchsicher war, weswegen es hier als Decke fungierte. Das trübe Licht der herunterhängenden Laternen bestätigte meinen Verdacht, als sie den Blick auf meinen König freigaben. Er war vor der Bank zusammengesackt, seine Schultern hingen schlaff herab und sein Kopf ruhte auf seinen gehaltenen Händen, in denen sich ihre Hand befand. Dieser Anblick war wunderschön und traurig zugleich. Beide sahen so unnahbar und edel aus. Zwei Gestalten, die die wahre Schönheit der Welt in sich vereinten. Ich wusste, er hatte mich bemerkt, obwohl er nicht reagierte.
„Aran nín“, hauchte ich leise, denn ich wollte seinen Zorn nicht auf mich richten.
Dabei verbeugte mich und blieb in dieser Pose. Es war nun Fingerspitzengefühl angebracht. Leider war auch ich damals der Heiler, der ihm seine Ehefrau entreißen musste um sie für ihre letzte Reise fertig zu machen.
„Wieso kommt ihr immer, in der Zeit meiner tiefsten Trauer?“, hörte ich ihn schwach und heißer fragen.
Langsam ging ich näher, den Kopf immer noch gebeugt.
„Ich möchte nur euren Schmerz lindern. Lady Nessa zu ihrem Antlitz verhelfen, welches sie lebend verströmte.“
Er schwieg und ich wusste, er dachte über meine Worte nach. Natürlich war er intelligent genug um zu wissen, dass ich mich um die Leiche kümmern musste. Sie reinige, aufbahren, damit auch andere trauern konnten. Aber ich verstand auch, dass er eigentlich niemanden sie sehen lassen wollte.
„Zieht ihr das edelste Gewand an. Sie ist eine Königin und so viel mehr.“
Dann öffnete er die Augen, beugte sich über die Leiche und hauchte einen Kuss auf ihre Stirn. Ich spürte förmlich wie er damit rang sie einem Anderen zu überlassen.
„Goheno nin (Vergib mir)“, hörte ich ihn wispern und dann stand er auf.
Er blickte noch einmal zu dir, strich durch ihr Haar und verabschiedete sich dann von dir. „Namárie (Lebewohl) Ithildim.“
Mit diesen Worten drehte er sich um und eilte raschen Schrittes aus dem Garten. Ich konnte es ihm  nicht verdenken. Er musste sich selbst sortieren und auch noch König sein.


-Thranduil-
Ich wollte sie nicht gehen lassen. Ich wollte sie keinem Anderen übergeben. Aber der Heiler hatte Recht. Er war immer an meiner Seite, wenn es mir schlecht ging Und ich war froh, dass ER es war, der sich nun um Nessa kümmern würde. Keinen anderen Elb hätte ich sie anfassen lassen. Aber ich wusste, von ihren Wunden würde man nichts mehr sehen, wenn er sie in ihren Sarg legte. Einen Sarg, der atemberaubt sein würde. Nur das Beste Material würde ich anfordern und verarbeiten lassen. Doch gerade musste ich aus dieser Rüstung raus. Ihr Blut klebte daran und ich musste es von mir abwaschen. Nur so würde ich wieder zu klarem Verstand gelangen. Mein Gesicht zierte immer noch meine Narbe, doch ich war noch zu erschöpft um dies zu ändern. Vielleicht nach einem Bad. Jeder Elb trat zur Seite und ich konnte ihr Bedauern sehen. Aber keiner sprach mich an. Gut so. Ich wollte mit niemanden reden. An meinen Gemächern angekommen schritt ich sofort ins Badezimmer und ließ heißes Wasser in die Wanne einlaufen. Es war das gleiche Wasser wie in der Therme und konnte durch ein ausgeklügeltes System durch Rohre hochgepumpt werden. Die Menschen mussten noch mit Eimern ihre Wanne füllen. Wir jedoch nicht. Ich schnallte meine Rüstung von meinem Körper und ließ sie in meinem Schlafzimmer achtlos auf den Boden werfen. Irgendjemand würde sich schon darum kümmern. Ich trat wieder ins Badezimmer. Sichtlich erschöpft schaute ich in den Spiegel, der über eine Waschschüssel, die auf einer Kommode im Badezimmer stand, hing. Ich sah wirklich schrecklich aus. Meine tiefen Narben waren sichtbar, doch es waren die Augenringe und das zerzauste Haar, das mich erschrecken ließ. Nichts war mehr zu sehen vom Früheren, eitlen, atemberaubenden König aus Eis, den viele nur kannten. Vielmehr schaute mich eine jämmerliche Figur an, die Blut in ihrem Gesicht und an ihren Händen trug und so aussah, als ob er aus der Gosse kam. Meine Haare klebten nass und kalt an meinem mittlerweile nackten Rücken und ich versuchte die Bilder von ihr aus meinem Kopf zu verbannen. Aber ich wusste, dies würde nie geschehen. Es war mir bei meiner Ehefrau bis heute nicht gelungen die Bilder ihres Todes zu vergessen und so würde es mir auch mit Nessa ergehen. Vielleicht noch schlimmer, da ich der Grund war, wieso sie weggelaufen war. Ohne genau zu wissen was ich tat, hob ich meine Hand, ballte sie zu einer Faust und zertrümmerte den Spiegel. Ich wollte diesen schwachen, jämmerlichen Elb in dem Spiegel grün und blau schlagen, dafür dass er eine Frau, die Frau die ihm so viel bedeutete, nicht schützen konnte. Schon wieder nicht. Nicht damals als sie zwangsverheiratet wurde, nicht als sie diesem Tyrannen ausgeliefert war und die Schläge einstecken musste und auch nicht jetzt. Meine innere Wut kochte wieder hoch. Ja Wut, das war die Lösung auf Trauer. Ich musste etwas finden, auf das ich meine Wut lenken konnte, dann würde der Schmerz vielleicht etwas kleiner werden. Ich stieg in die mittlerweile volle Wanne und streckte meine Glieder aus. Die blutende Faust ignorierte ich, da sie eh von selbst bald heilen würde. Meine Gedanken bissen sich an den Gedanken der Wut fest. Wen konnte ich Leid zufügen, damit es mir besser ging. Und dann fand ich die Lösung. Die Person, die von Anfang an zu dieser Situation führte und noch lebte. Der Elb, der sie von sich gestoßen hatte und sie deswegen hier gelangt war. Der Meeres-König. Círdan.
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