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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
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02.09.2020 1.475
 
-Bruinen-
Mir stockte der Atem, als ich das Schauspiel vor uns erblickte. Allein auf dieser Lichtung waren sicher an die zwanzig Orks. Und mitten unter ihnen stand meine Königin. Bevor ich etwas unternehmen konnte, sah ich, wie der König des Düsterwaldes, seine Waffe fallen ließ und panisch auf sie zu rannte. Er scherte sich nicht darum, ob noch ein Ork lebte. Er hatte nur Augen für sie und da blitzte aus seiner Hand mir etwas entgegen. Ihre Kette, die er als Armband um sein Handgelenk trug. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Auch er schien sie zu lieben, genau wie sie ihn. Mein Herz schmerzte, aber ich musste dies ignorieren. Immerhin war sie meine Königin und schien…tot zu sein. Rasch rannte ich auch zu ihr, aber im Gegensatz zum König, hielt ich mein Schwert in der Hand und schaute nach ob irgendjemand noch lebte. Der Prinz folgte, als er allmählich aus einer Schockstarre befreit war, mir und machte sich auch dran, die Gegend zu sichern. Genau wie ich schaute er aber regelmäßig zu Nessa und ich konnte es ihm nicht verübeln. Auch er hatte Gefühle für sie entwickelt. Und dennoch war es sein Vater, in dessen Armen ihre Leiche lag. Thranduil brach neben ihr zusammen und zog sie an seine Brust. Und dann sah ich etwas, was ich nicht für möglich gehalten hatte. Der kalte König des Düsterwaldes weinte. Er weinte und flüsterte immer wieder Worte, die ich nicht verstand, da sie zu leise waren.


-Legolas-
Ich trat gegen eine Ork-Leiche und unterdrückte meine Tränen. Mein Vater hielt Nessa immer noch in seinen Armen und zog gerade den Säbel aus ihr heraus, was ein schmatzendes Geräusch machte, was ich trotz des Sturmes hörte. Ich konnte nicht fassen, dass sie tot war. Das wir zu spät waren. Mein Blick glitt zu meinem Vater. So sehr mein Herz schmerzte, so viel schmerzhafter schien es für meinen Vater zu sein. Noch nie hatte ich ihn so gesehen. Noch nie hatte ich Tränen in seinem Gesicht gesehen. Auch seine Magie hatte er nicht mehr unter Kontrolle, denn die Narben in seinem Gesicht, die er immer verborg, traten ungeniert hervor. Von weitem hörte ich nun mehrere Personen und dann kamen die Wachen, die wir abgehängt hatten hervor. Beim Anblick meines Vaters hielten sie inne und wussten nicht was sie tun sollten. Es lag nun in meiner Verantwortung. Ich musste nun stark für ihn sein, so wie er immer für mich stark war.
„Beseitigt die Leichen“, ordnete ich an und die Wachen schienen dankbar zu sein, etwas erledigen zu können.


-Thranduil-
Ich war zu spät. Ich hatte sie enttäuscht. Wieso musste das passieren? Meine Tränen vermischten sich mit dem Regen und ich fuhr immer wieder über ihr Haar. Es klebte durch Blut etwas zusammen, doch ihre Schönheit war auch unter all dem Dreck zu sehen. Meine kleine Ithildim. Ich schaute auf die Waffe in ihrem Körper und wollte, dass dieses unfiligrane Ding aus ihr kam. Es zerstörte ihre Schönheit. Mit einer raschen Bewegung entriss ich es ihrem Körper und schaute auf das Loch in ihr, welches es hinterließ. Mein Kopf sank auf ihre Brust und ich spürte wie meine Magie mich verließ. Aber es war mir egal. Ich wollte einfach nur alleine mit ihr sein. Immer wieder wisperte ich die Worte, die ich ihr nie real sagen konnte.
„Nî mîlon echî! (Ich liebe dich).“
Und als sie eine Hand auf meine Schulter legte, wollte ich diese Person umbringen. Doch ich blickte in die blauen Augen meines Sohnes, in denen auch Trauer lag.
„Ada (Papa. (Verniedlichung von Adar = Vater))… Wir müssen sie zurück bringen. Ihre Familie. Ihr Enkel. Sie müssen sie auch sehen.“
Ich verstand seine Worte, wollte aber mit ihr alleine sein. Niemand sollte sie so sehen. Ich wollte sie für mich haben. Mir entging auch nicht, dass mich mein Sohn Ada und nicht Adar ansprach. Eine Wortwahl, die er das letzte Mal als Kind verwendete. Dies zeigte mir, wie schrecklich ich wohl aussehen musste und auch wie verzweifelt er war. Wir zeigten nie unsere Gefühle aber dieser Verlust schien uns beide schwer getroffen zu haben.
Langsam stand ich auf, die Leiche von Nessa in meinen Armen und schritt zu meinem Hirsch, der mir mittlerweile gebracht wurde. Wie ich nur Nebenbei bemerkte, waren die Leichen der Orks verschwunden. Offensichtlich hatte sich mein Sohn darum gekümmert. Er schien mehr Fähigkeiten als König zu haben, als ich annahm. Die Blicke, die mir meine Wachen zuwarfen, entgingen mir ebenso wenig. Nur wenige hatten mich mit meiner Narbe gesehen. Ich war zu eitel dafür. Doch jetzt hatte ich keine Kraft dafür, diese zu verstecken. Ich schwang mich auf das weiße Tier. In meiner dunklen Rüstung fiel ich stark auf ihm. Meine silber-blonden Haare schienen auch nicht mehr zu glänzen und meine Krone hing auch schief. All das, worauf ich so achtete, war mir gerade egal. Ich ritt langsam los, hatte ich es nun nicht mehr eilig zurück zu kommen. Ihre Leiche presste ich an meinen Körper und ich schaute mehr auf sie, als auf den Weg. Zum Glück wusste mein Hirsch, dass es nun nach Hause ging und ich musste ihn daher kaum führen. Ihre Lippen waren blau wie Eis und ich fuhr sachte mit einem Finger darüber. Diese Lippen, die ich nie küssen würde. Legolas und Bruinen schlossen sich mir direkt an und ritten genauso langsam neben mir. Es war ein Trauerzug, in der Dunkelheit der Nacht, unter dicken Wolken, die keinen Stern oder den Mond hervor ließen, unter strömenden Regen. Der Mond, den ich immer in ihren Augen sehen konnte, würde dort nie wieder aufgehen.

Der Ritt zurück zu den Hallen des Düsterwaldes, meinem Palast, verging zu schnell und zu langsam zu gleich. Zu langsam, da jede Sekunde, die ich ihren toten Körper erblicken musste, mein Herz noch mehr zerstörte. Zu schnell, weil ich sie noch länger in meinen Armen halten wollte. Als wir in den Stallungen ankamen, herrschte zunächst lauter Trubel, als sie mich aber erblickten, herrschte Ruhe. Mir wollten welche helfen, doch ich stieß sie weg. Niemand sollte sie anfassen.
„Ada… Lass dir helfen“, hörte ich meinen Sohn, doch auch ihn ignorierte ich.
Ohne jemanden anzusehen, ging ich einfach weiter.
„Brennil nín“, schrie eine Frau und dann hörte ich noch die Stimme eines Mannes.
„Naneth Adarenin.”
Ich blieb kurz stehen und schloss meine Augen. Ihre Familie. Sie hatten ein Recht sie zu sehen, doch ich hatte keine Kraft sie jetzt zu teilen.
„Was habt ihr gemacht!“, schrie mich nun ihre Enkel an und trat vor mich.
Er schaute auf die Leiche seiner Ahnin und wollte sie berühren.
„Wagt es nicht sie anzufassen“, fuhr ich ihn an und die Trauer wisch Wut.
Wut auf diesen Narren, der sich einbildete sie zu kennen. Sie berühren zu dürfen!
Er wollte sich auf mich stürzen, doch er wurde von Bruinen aufgehalten.
„Lasst es bitte“, flüsterte er dem jungen Elb zu und ich erkannte auch in seinen Augen eine tiefe Trauer.
Stumm ging ich an ihnen vorbei. Keiner folgte mir.
Ich wusste genau, wo ich hin wollte. Den Ort, den sie früher mochte. Die unterirdischen Gewächshäuser, die zum Anpflanzen von Kräutern erbaut wurden, aber von ihr einfach zu wunderschönen Gärten um fungiert wurde. Jeder meiner Schritte schmerzte in meinem Herzen. Als ich in einem der Gärten ankam schritt ich bis zu einem kleinen Teich, vor dem eine Bank, aus Stein gehauen, stand. Sachte legte ich sie dort ab und sackte davor auf meine Knie. Dieser Ort wirkte so friedvoll und ihre blutbeschmutzte Leiche, mit der tiefen Wunde, wirkte hier so verloren und falsch. Ich hatte nichts hier geändert. Sogar meiner Frau hatte ich es damals verboten, genau diesen Garten zu ändern. Er hatte auch heute noch, viele Heilkräuter, die sie damals hier angepflanzt hatte. Witziger weise gedeihen einige nur in diesem Garten, in keinem anderen, als ob sie damit etwas zu tun hatte. Ebenfalls auffallend waren die Blumen. Sie hatte eine gute Mischung aus Blumen gefunden, die nachts und tagsüber leuchteten. Jetzt, in der vollkommenen Dunkelheit der Nacht, strahlten vor allem ihre Lieblingsblumen hervor. Sternenglocken, hießen sie. Kleine Glockenähnliche Blumen, die wie Sterne nachts silbern-weiß leuchteten. Ich schaute zu ihnen und dann auf den Teich, in dem einige helle Fische schwammen. Dieser Ort war wirklich sehr friedlich. Sogar die Lampen waren hier in einem silbernen, gedämpften Licht und ließen nur so viel erkennen, wie nötig war.
Ich legte meinen Handschuh ab und strich nun über ihre Wange. Kalt und weich. Mir war klar, dass ich diesen Verlust, ihren Verlust, nicht ertragen können würde. Der Tod meiner Frau hatte mir weh getan, aber dieser hier, war noch schmerzhafter. Vielleicht weil er frisch war, aber auch vielleicht, weil ich mir meine Gefühle nach all dieser Zeit jetzt eingestanden hatte.
„Anor feanol a sîdh uireb! (Strahlende Sonne und ewigen Frieden!)“, hauchte ich und meine Lippen legten sich auf ihre Wange.
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