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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
1
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28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.09.2020 3.194
 
Hallöchen

hier jetzt das Kapitel, wo ich selbst weinen musste.
Vielleicht ist traurige Musik und tippen in der schwarzen Nacht keine gute Idee...
Achja und ich entschuldige mich dafür, dass Nessa hier in diesem Kapitel etwas...dumm ist. Ja ich nenne es mal dumm.

Es ist das längste Kapitel bis jetzt, da ich es nicht trennen wollte. So ist es... theatralischer...

Also viel Spaß


PS: Bei dem ersten Teil, Nessa, habe ich mir zwei Lieder angehört. Dabei geht es nicht um den Liedtext, sondern eher um die Melodie im Hintergrund.
( Das habe ich bei diesem Part gehört:
https://www.youtube.com/watch?v=tFEjfkIRDUg&list=RDMM&index=25 ; Sanna Nielsen – Undo
https://www.youtube.com/watch?v=e8CZO3xA8jU&list=RDMM&index=18 ; Beth Crowley- Empire)

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-Nessa-
Mein Herz brach abermals in tausend Stücke, als er den Raum verließ. Er hatte anders reagiert als ich erwartet hatte, aber dennoch ist er nicht auf meine Gefühle eingegangen. Er hatte mich mehr oder weniger zurückgewiesen. Und davor hatte ich all die Jahre Angst gehabt. Es schmerzte genug, von ihm getrennt zu sein und zu wissen, dass er seine wahre Liebe erlebt hatte. Aber das hier war schlimmer. Schlimmer als der Tod meiner Kinder, schlimmer als die Schmerzen die mein Mann mir zugetragen hatte. Das Wissen, dass er nicht so für mich empfand. Solange er es nicht wusste, konnte ich mir einreden, dass er vielleicht doch etwas für mich empfand, aber jetzt war diese Blase geplatzt und ich fiel in ein tiefes, schwarzes Loch, aus dem ich nicht herauskam. Mein Leben schien mit sofortiger Wirkung beendet zu sein. Als er weg war, hielt ich es hier nicht aus. Ich stürmte aus dem Raum. Ich musste hier einfach raus. Weg. Einfach nur weg. Weg von allem und jedem. Natürlich war es auch nicht hilfreich, dass es die Jahreszeit war, die ich so sehr hasste. Der Monat, der mir so viel Schmerz zugetragen hatte. Tränen rannten über meine Wangen und ich stolperte aus dem Raum. Durch die Gänge und jeder Elb und jede Elbe auf den Fluren ging mir aus dem Weg. Aus reinem, innerem Instinkt, wusste ich wo ich hin musste. Jede Stimme, jedes Rufen, jedes Geräusch um mich herum wurde zu einem Rauschen, das ich ignorierte. Meine Füße fanden den Weg zu den Stallungen, in die ich einfach rein rannte und sofort zu dem nächstbesten Pferd rannte. Es war ein schwarzer Hengst, der mich an mein Pferd erinnerte, welches ich in glücklichen Zeiten hatte. Rasch sattelte ich ihn. Die Elben um mich herum, stieß ich weg. Ich wollte keine Hilfe. Auch ihre Worte gingen in dem Nebel um mich herum unter. Ich band mein Kleid hoch, sodass ich bequem reiten konnte und mit einer fließenden Bewegung schwang ich mich auf das galante Wesen und trieb es an. Alle Elben um mich herum wischen zur Seite, als der Hengst aufbockte und dann mit großen Schritten los ritt. Noch rechtzeitig wurde für uns das Tor geöffnet und wir galoppierten hinaus in den Wald. Ich bekam nicht mit, dass die Abenddämmerung schon eingetreten war und ich ließ einfach die kühle Frühlingsluft gegen mein Gesicht wehen. Wir wurden immer schneller und offensichtlich kannte der Hengst die Gegend gut, denn wir ritten erst am Fluss eine lange Zeit entlang und nur noch das Rauschen des Flusses, das Rauschen des Windes um meine Ohren und das Schnaupen des Pferdes umhüllte mich. Meine Tränen rannten immer schneller und der Wind wehte sie ebenso schnell weg. Irgendwann schien der Hengst genug von diesem Gebiet zu haben und bahnte sich den Weg durch den Wald. Mir war es egal, wo er lang ritt. Hauptsache schnell und alles um mich herum vergessend. Mein Herz schmerzte und ich wollte nichts mehr spüren. Meine Hände umgriffen die Zügel immer fester, bis sie schmerzten, doch ich war taub für diesen Schmerz. Die Bäume wurden immer dichter, doch der Hengst bahnte sich seinen Weg weiter, immer noch in einer raschen Geschwindigkeit. Mittlerweile klatschten Äste gegen meine Arme und Beine und ab und zu auch gegen mein Gesicht, aber es war mir egal. Ich spürte etwas Feuchtes auf meiner Haut und bemerkte nun, wie sich der Himmel, durch die Äste verdunkelte und Regen herunter fiel. Es passte einfach zu gut zu meiner Stimmung, als das ich etwas dazu sagen hätte können. Wie lange ich durch diesen Wald ritt, konnte ich nicht sagen. Die Sonne war untergegangen, der Regen war stärker geworden und ich war bis auf die Knochen durchnässt. Meine Haare klebten an meinem Körper und der Hengst hatte mittlerweile seine Geschwindigkeit gedrosselt und schritt nun gemächlich durch den dunklen Wald. Die dicken Regentropfen fielen immer noch auf mich, waren aber nicht so schmerzhaft und hart, wie im Galopp. Tränen hatte ich keine mehr und so hob ich den Kopf gegen den Himmel und schaute in die Wolken, als ob dort die Lösung meiner Probleme war. Ich schloss die Augen und genoss die Kühle. Ich würde sicherlich eine Erkältung davon tragen, aber die Kälte schien das einzige zu sein, was ich noch fühlen konnte.
Der Hengst blieb stehen und erst jetzt bemerkte ich, dass er unruhig wurde. Meine fast gefrorenen Hände umgriffen die Zügel fester und ich blickte mich um. Durch den Regen und auch den Donner, der in dem Moment über mich hereinbrach, hatte ich nicht gemerkt wo wir waren, wie tief wir im Wald waren und auch nicht, dass sich in dieser Dunkelheit Wesen genähert hatten, die nichts Gutes wollten. Orks.
Das war also mein Ende? Dachte ich und konnte vor schlechtes Timing nur noch Lachen. Auch wenn ich unbewaffnet war, so würde ich nicht, ohne Kampf untergehen. Ich ging vom Hengst herunter. Ich wollte ein unschuldiges Wesen nicht sterben lassen, für meine Fehler. Kaum war ich von ihm herunter, wieherte er laut und galoppierte davon. Nun war ich alleine, Im Regen. Im Dunkeln. Umgeben von Orks.
„KOMMT“, brüllte ich. „TRAUT EUCH!“
Und dann griffen sie an.


-Legolas-
Meine Gedanken rannten zu Nessa und meinem Vater. Sie waren von dem Showplatz gegangen und in dem Moment wusste ich, dass Nessa eine wahre Königin und mein Vater ein wahrer König war. Keiner konnte seine Emotionen so zur Seite schieben und dann direkt diplomatische Verhandlungen führen. Ich wollte ihnen nach gehen, aber sie wollte alleine über die Dinge reden. Zu meiner Überraschung wurde niemand in eine Zelle gesperrt und wir gingen alle unsere Aufgaben nach oder in unsere Zimmer. Der junge Elb, namens Milant, der wohl Nessas Enkel war, zog sich nur murrend zurück und auch erst, als seine Mutter zu ihm kam. Ich wollte wissen, wie er mit Nessa verwandt sein konnte, biss mir aber auf die Zunge, denn gerade war nicht der passende Augenblick. Ich zog mich auch zurück und begab mich in die Waffenkammer um dort einiges zu polieren. Es beruhigte mich. Ich wollte nicht darüber nachdenken, was mein Vater mit Nessa nun tat. Meine Gefühle ihr gegenüber waren mir auch nicht eindeutig. Worin ich mir aber sicher war, das ich nicht wollte, dass mein Vater sie verletzte. Sie schien eine schwierige Vergangenheit zu haben und ich wollte sie beschützen.
Ich war gerade dabei ein Schwert wieder auf seinen Platz zu legen, als ein Elb hereinplatzte.
„Prinz Legolas. Wir haben euch gesucht…Etwas ist geschehen und euer Vater… er reagiert nicht. Er hat sich eingesperrt.“
Ich horchte auf und schaute zu ihm.
„Redet weiter.“
Dass er die Verbeugung vergessen hatte, ignorierte ich, denn er war ziemlich aufgebracht.
„Lady Nessa. Sie kam vor etwa zwei Stunden einfach in den Stall gestürmt. Wir konnten sie nicht aufhalten. Sie hat auf keinen von uns gehört…“, er schien mit den nächsten Worten zu hadern.
„Was ist passiert?“, fuhr ich ihn an und er schien Angst zu kriegen, denn er torkelte einige Schritte zurück.
„Sie hat Balrog (Dämon) einfach gesattelt und sie sind dann davon galoppiert. Sie… wirkte aufgebracht und hat geweint.“
Ich stürmte an dem Elb vorbei.
„Wieso habt ihr mich erst jetzt benachrichtigt?“, fauchte ich und der Elb hatte Schwierigkeiten mit mir Schritt zu halten.
„Wir haben euch überall gesucht, als der König nicht reagierte. Keiner hat an die Waffenkammer wohl gedacht.“
Ich war wütend. Auf mich, auf meinen Vater, auf die Wachen. Aber was hatte mein Vater getan? Wieso hatte sie ausgerechnet dieses Pferd genommen? Er hieß nicht ohne Grund Dämon auf elbisch. Er war noch nicht eingeritten und hatte keinen auf sich reiten lassen. Ich rannte durch die Flure, zu meinem Vater. Er musste davon erfahren. Wir mussten sie suchen. Als ich an den Gemächern meines Vaters ankam, klopfte ich gegen die Tür. Sie war abgeschlossen und keine Reaktion von innen.
„Adar! Was habt ihr gemacht! Nessa ist WEG“, brüllte ich so zornig.
Zu meiner Überraschung wurde die Tür geöffnet und mein Vater blickte mich an. Seine Haare waren, untypisch für ihn, unordentlich. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich schwören können, dass seine Haare nicht so aussehen konnten. Sogar im Krieg fielen sie perfekt. Seine Kleidung, die nur aus einer Hose und einem Gehrock bestand, war zerknittert und er hatte tiefe Ringe unter seinen Augen. Was war bloß geschehen?
„Ich habe ihr NICHTS getan“, fauchte er mich an.
„Sie ist weg“, brüllte ich und nun hatte ich seine Aufmerksamkeit.
„Weg?“ Er wirkte getroffen. „Wohin?“
Doch bevor ich ihm antworten konnte, trat ein Elb zu uns, verbeugte sich und sprach dann:
„Aran nín, es wurde eine große Schar Orks östlich von hier gesehen, hat uns gerade die Patrouille mitgeteilt. Wie sollen wir reagieren?“
Doch auch dieser wurde von einem weiteren Elben unterbrochen, der klitschnass war.
„Eure Hoheiten. Balrog ist zurück. Klitschnass und… alleine.“
Mein Herz zog sich zusammen.
„Was ist geschehen?“, fragte nun mein Vater und ich erkannte etwas wie Angst und Panik in seinem, sonst so kalten Gesicht.
„Lady Nessa ist mit Balrog davongeritten und nicht zurückgekommen“, gab der zweite Elb kleinlaut zurück.
„In welche Richtung ist sie geritten?“, schaltete ich mich nun ein, denn ich hatte eine schlechte Vorahnung.
„Richtung Osten.“
Mein Gesicht und das meines Vaters wurden kreidebleich.
„Stellt sofort ein Such-Trupp zusammen. Nur die besten Kämpfer und Reiter. Wir müssen sie finden“, gab mein Vater sein Kommando und er war wieder der klar denkende, strategische Mann, den wir König nannten.
„Aber eure Hoheit. Da draußen wütet ein Sturm. Die Pferde werden sich erschrecken.“
Der Blick meines Vaters hätte ihn sicherlich umbringen können.
„Dann nehmt nur die Pferde, die dies aushalten. Beeilt euch!“, brüllte er und verschwand dann in sein Zimmer.
Ich rannte ebenfalls los. Ich wollte mit und musste mich für die Suche, den Sturm und vor allem den Kampf mit den Orks bereit machen. Ich betete, dass sie sie nicht getroffen hatte.


-Nessa-
Sobald der Hengst weg war, griffen sie an. Es waren viele und ich hatte keinerlei Hoffnung zu überleben. Aber ich spürte auch keinen Schmerz. Stattdessen fing ich an zu lachen. Ein Lachen, das sich direkt aus der Hölle anhörte. Ich hatte nichts zu verlieren. Der Erste griff an und ich wisch ihm mit einer Leichtigkeit aus, die mich irgendwie an ihren Fähigkeiten zweifeln ließ. Doch ohne Waffe, würde dieser Kampf sehr schnell vorüber sein. Der nächste kam auf mich zugerannt, mit einem Schwert, welches er stechend bewegte, nicht schwingend. Ich machte mich zu einem Sprung bereit und stieß mich kraftvoll ab, sodass ich, wie über einen Bock beim Turnen, über ihn flog, meine Hände zum stabilisieren auf seinen Kopf und ihn dann nach hinten drückte, wo er gegen einen Baum knallte. Rasch drehte ich mich um und stellte freudig fest, dass er sein Schwert fallen ließ. Ein Kurzschwert. Rasch nahm ich es und beendete sein Leben, mit einem starken Stoß in sein Herz, durch seinen Rücken. Blut spritzte, welches aber von der Sintflut von Regen sofort weggewischt wurde. Zeit zum ausruhen hatte ich nicht, denn sofort kamen die nächsten Orks auf mich zugeeilt. Die Tropfen klatschten auf das Schlachtfeld und meine nassen, hängenden Haare wirbelten bei jedem Schlag herum und ich schrie meinen Schmerz aus. Den Schmerz, der sich in meiner Seele angestaut hatte. Ich kämpfte einige Minuten und die Leichen um mich herum türmten sich. Sie waren schwach. Schwach aber viele. Ab und zu gelang ihnen ein Treffer, doch die Schnittwunden spürte ich kaum, auch nicht, als ein Pfeil meine linke Schulter durchdrang.


-Thranduil-
Nach dieser Offenbarung war ich n mein Zimmer geeilt, hatte mich auf den Boden fallen lassen, meine Krone in die Ecke geschmissen und ging alle Worte in meinem Kopf durch. Wieso war es zu so etwas gekommen? Mein Blick fiel zu etwas glänzendem unter meinem Bett und ich holte es hervor. Die Kette. Ich presste sie in meine Handfläche. Sie war Beweis genug, dass sie mich nicht freiwillig verlassen hatte.
So saß ich, einige Zeit vor meinem Bett. Meine Klamotten hatte ich achtlos ausgezogen. Ich wollte mich nicht wie ein König fühlen. Ich war ein einfacher Elb, der alles falsch gemacht hatte. Und dann fielen meine Tränen. Ich hatte so lange nicht geweint. Das Klopfen an meiner Tür ignorierte ich. Ich wollte alleine bleiben. Niemand sollte mich stören.
Erst als ich die Stimme meines Sohnes vernahm und ihr Name durch seine Lippen zu mir drang ging ich zur Tür. Und dann erfuhr ich, was geschehen war.

Ich hatte meine Rüstung so schnell angezogen, wie ich konnte. Ihre Worte hallten immer wieder in meinem Kopf, währen dich meinem Hirsch zum immer schnelleren Galopp anspornte. Sie liebte mich. Und ich hatte so kühl wie immer reagiert. Sie musste denken, dass ich sie nicht wollte. Doch mir war in den Minuten, in denen ich in meinem Zimmer war und über mein Leben nachdachte, klar geworden, dass es das Gegenteil war. Ich liebe sie auch. Ich hatte sie immer geliebt und nur meine eigene Dummheit hat mich von dieser Tatsache abgehalten. Sie war immer in meinem Herz gewesen und niemand konnte diese Lücke je füllen. Ja, ich liebte auch meine verstorbene Frau, aber diese Gefühle, und was es nun bedeutete, musste ich später erforschen. Jetzt musste ich sie finden. Sie war weggelaufen. Meinetwegen. Sie war einfach abgehauen. Wie damals. Und ich verlor sie vielleicht nun für immer. Hinter mir war das Hufgetrappel von zwei Dutzend meiner besten Wachen zu hören. Nur wenige Pferde würden dieses Tempo und dieses Wetter aushalten, aber es waren doch einige noch übrig gewesen und auch genug mutige Reiter, die mir folgten. Genauso wie dieser Meeres-Elb namens Bruinen. Ich konnte ihn nicht aufhalten und wie ich erkennen musste, hatte er seinen Titel, oberster Heeresführer, nicht ohne Grund. Ohne Probleme hielt er dem Tempo stand. Auch folgte mir dicht mein Sohn. Wie er zu Nessa stand, musste ich auch noch ergründen. Aber alles zu seiner Zeit. Mein Hirsch atmete schwer unter dem Tempo und auch der Regen, der immer stärker und schmerzhafter auf uns hinunter prasselte, erschwerte den Weg. Zudem wussten wir nicht genau, wo sie hin geritten war. Nur die Richtung und wo die Wachen etwa Orks gesehen hatten. Ich betete zu Varda, dass Nessa nichts geschehen war. Ich konnte einen weiteren Verlust nicht aushalten, nicht nachdem ich wir endlich geredet hatten und es so schien, als ob wir uns wieder finden konnten. An einer Gabelung hielt ich an und schaute mich um. Balrag war noch nicht eingeritten, aber wurde eine relative gleiche Strecke immer geführt, wie für Patrouillen genutzt wurde. Hier war eine solche Schnittstelle. Ich schaute nach rechts in den Wald und entschied mich hier lang zu reiten.
„Adar. Bist du sicher? Wäre sie nicht am Fluss geblieben?“, hörte ich durch den Sturm meinen Sohn.
„Sie vielleicht, aber der Hengst nicht. Er wird ausgebildet zur Patrouille und seinen Reiter auf den schnellsten Weg heim zu bringen. Das hier ist der Weg.“
Keiner wiedersprach mir und ich schlug meine Beine in den Hirsch, damit er weiter ritt. Er sträubte sich kurz, als ein Blitz über uns funkte. Der Sturm wurde mit jeder Sekunde schlimmer und auch der Fluss würde bald über die Ufer treten. Aber zum Glück hatte ich einige schlaue Elben in meinen Reihen, die sich um dieses Problem kümmern konnten. Wieder galoppierend ritten wir weiter und ich konnte an den zerbrochenen Ästen um uns herum sehen, dass hier wirklich vor Kurzem jemand vorbei gekommen war. Ein Ast klatschte in mein Gesicht und das Blut rann in einer feinen Linie über meine Wange. Es war mir egal, ich musste weiter. Einige der Reiter fielen zurück, doch ich drosselte nicht das Tempo. Sie war unbewaffnet, wie ich erfahren hatte, was mir nur noch mehr Sorgen bereitete. Eine Gruppe Orks war normal keinerlei Problem für sie. Wenn sie in guter Verfassung und ausreichend bewaffnet war und auch die Umgebung stimmte. Aber nichts davon traf gerade zu. Das Wetter erschwerte genaue Schläge und man rutschte aus. Der Wald war dunkel und auch der Regen nahm die Sicht. Zudem war sie aufgebracht und unbewaffnet und das noch in einem Kleid. Ich spitzte meine Ohren und horchte, ob ich Kampfesgeschrei vernahm. Aber nichts. Entweder waren wir komplett auf der falschen Spur, der Kampf zu Ende oder der Sturm verschluckte jedes Geräusch. Ich betete für das Letzte. Denn die anderen zwei Optionen verhießen nichts Gutes. Immer dichter wurde der Wald und immer mehr Wachen schienen hängen zu bleiben. Nur noch Legolas und Bruinen schienen sich meinem Tempo ohne Probleme anpassen zu können. Das würde eindeutig mehr Trainingseinheiten meiner Wachen zur Folge haben.
„Blut“, hörte ich Bruinen rufen und nun konnte ich es auch riechen.
Der Metallerne, salzige Geruch von Blut. Aber auch ein moderner Geruch, der vom Blut der Orks stammt. Was mich aber zusammenzucken ließ, war wie stark der Geruch, trotz Regen war. Dies ließ nur eine Schlussfolgerung zu: Es war viel Blut.
Wir ritten weiter und dann sahen wir das Blut. Es strömte am Boden entlang. Schwarzes, Blut, mit roten Flecken. Es wurde immer mehr und wir kamen an etlichen Leichen vorbei. Ork-Leichen. Unsere Reittiere wehrten sich und wir drei sprangen sofort runter und eilten, alle mit gezogener Waffe, weiter. Überall lagen Leichen herum und wir suchten sofort nach Nessa. Nach der zehnten Leiche hatte ich aufgehört zu zählen, doch schätzungsweise fast 20 lagen um uns herum.
„Das hat Nessa unbewaffnet geschafft?“, hörte ich meinen Sohn flüstern, mit einem Hauch Respekt und Angst in ihr.
Er kannte sie nicht so wie ich.
„Meine Königin, ist eine geborene Kriegerin, auch wenn man es ihr nicht ansieht“, antwortete Bruinen und ich musste ihm zustimmen.
Wir traten langsam und leise weiter, wobei allein der Krach des Donners und des Regens, jeden unserer Geräusche unterdrückte. Und dann erblickte ich es.
Wir kamen an einer Lichtung an. In der Mitte türmte sich ein Stapel mit Ork-Leichen, um diesen Berg herum waren noch einige weitere verstreut. Und mitten in diesem Berg aus Leichen, kniend, war Nessa.
Mein Herz hörte auf zu schlagen, als ich sie erblickte. Ihre Gesicht war Richtung Himmel gehoben, ihre Augen jedoch geschlossen, ihre Haare hingen nass hinunter, ihre Kleidung zerrissen und ihre Haut war ebenso nass und leicht bläulich von der Kälte, an den Stellen, an denen nicht schwarzes und rotes Blut ihren Körper und ihre Klamotten bedeckte.
Sie sah wie eine Statue aus. Eine Statue einer Kriegerin.
Doch was mich am meisten schockierte, war, dass sich ihre Brust nicht hob und sank, wie sie es tun sollte, wenn man atmete. Vielmehr steckte darin ein, aus schwarzem Stahl geschmiedeter Krummsäbel.
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