Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
1
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.09.2020 2.106
 
Hallöchen

Doch noch heute das nächste Kapitel.
Und muss mich korrigieren.
Das darauf folgende Kapitel, das ich gerade tippe, DAS wird emotional! Das hier jetzt ist eher süß-romantisch.

Also morgen ein Kapitel zum weinen.

--------------------------------------------------------------------------------------------------

-Nessa-
Aufgebracht schritt ich im Besprechungsraum auf und ab, als Thranduil eingetreten war und die Tür hinter sich schloss. Wir waren alleine. Zwar nicht das erste Mal, aber das erste Mal bewusst, wo wir beide angezogen waren. Er schaute mir einige Minuten zu, schweigend, während ich meine Gedanken ordnete. Das er schwieg war eine Erleichterung für mich. Irgendwann schien es ihn zu nerven, dass ich nur hin und her ging und nicht sprach und wandte sich dann einem kleinen Tisch zu, auf dem Kelche und Wein stand und schenkte sich etwas ein.
„Auch etwas?“, fragte er ruhig und irgendwie löste diese Geste einen Schalter in mir um.
„Kein Wein. Auch nicht für dich. Du trinkst davon viel zu viel.“
Er hielt in seiner Bewegung an und schaute mich an.
„Das habt ihr schon vor Jahren zu mir gesagt…“
Ich stockte und schaute ihn an.
„Anscheinend stimmt es ja auch heute noch. Eure Hoheit.“
Er stellte den Kelch, unberührt wieder hin und kam auf mich zu.
„Ihr wolltet mit mir reden. Dann sprecht. Oder soll ich erst eure Untertanen einsperren lassen? Immerhin war es ein Aufstand. Vor allem durch euren…Enkel…“, dabei zischte er dieses Wort voller Verachtung.
Ich fuhr mir durch die Haare und wusste nicht wie ich anfangen sollte.
„Wieso…Ich meine…“, es war frustrierend.
„Mein Sohn hegt zu euch… romantische Gefühle, die ich nicht dulden kann und habe ihm daher den Umgang mit euch verboten. Doch er wollte mit euch davoneilen. Vielleicht durch meine falsche Wortwahl. Aber ihr seid immer noch die Frau eines Feindes. Daher kann ich euch nicht gehen lassen.“
„Wie… Gefühle?“, dabei quietschte ich etwas und Thranduil schien nun auch verwirrt zu sein.
„Ich dachte ihr würdet diese Gefühle…teilen…“
Meine Gehirnzellen versuchten diese Information zu verarbeiten. War er deswegen zu mir so komisch? Weil er dachte ich würde seinen Sohn ihm entführen.
„Bitte glaubt mir. Ich habe nur, wenn man es so nennen kann, freundschaftliche Gefühle für euren Sohn. Niemals mehr. Vielleicht sogar eher mütterliche Gefühle, aber NIEMALS romantische!“
Nun schien er auch verwirrt zu sein.
„Zudem würde ich niemals euren Sohn von euch fern halten. Ich weiß selbst, was es heißt sein Kind zu verlieren. Niemals würde ich dies jemanden antun. Das müsst ihr mir glauben…Dass ich jedoch die Ehefrau eures Feindes bin, kann ich nicht ändern. Ihr habt daher alles Recht dazu mich einzusperren und auch das Handeln meiner Untertanen und meines Enkels lässt sich nicht gut reden. Ich übernehme die Verantwortung.“
Ich straffte meine Schultern und wartete angespannt ab. Thranduil schien sich etwas zu beruhigen und kam nun ganz nah an mich heran und hob eine Hand.
„Wieso übernehmt ihr immer die Verantwortung für euer Volk, wenn es euch nur Schmerz zufügt?“, dabei strich er über die Narbe in meinem Gesicht.
„Ich könnte sie verstecken.“
Irgendwie war das aktuelle Thema vergessen und ich spürte die kühlen Fingerspitzen seiner Hand auf meiner Haut und ein Schauer überlief meinen Rücken. Er war so sanft gerade und all sein Kummer, seine Sorgen und seine Angst konnte ich in seinen Augen lesen.
„Thranduil“, hauchte ich leise.
Seine Hand zuckte, bei meinen Worten und ich dachte er würde seine Hand weg tun, doch stadtdessen legte er sie nun ganz auf meine Wange und streichelte diese mit seinem Daumen.
„Ich werde dich nicht einsperren und auch nicht bestrafen. Aber wir müssen wirklich reden.“
Ich nickte nur und versuchte meinen trockenen Mund zu befeuchten. Er war so nah, so sanft und mein Herz klopfte lauthals. Was geschah hier?


-Thranduil-
Meine Hand schmiegte sich an ihre Wange und sie passte so perfekt dort hin. Ihre Haut war weich und warm und ganz sachte strich ich über sie. Nessa zuckte nicht zurück und ließ es zu. Wenn wir alleine waren, schien mein altes Ich hervorzukommen und ich vermisste es irgendwie. Es waren einfache Zeiten. Ich wollte sie nicht bestrafen, was ich auch sagte. Aber reden mussten wir wirklich. Ruhig, alleine, ohne dass einer von uns wütend war. Ob wir das schafften?! Ich atmete tief ein und bemerkte, dass sie nach der Therme roch und Seife. Meiner Seife. Natürlich roch sie danach. Immerhin hatte jemand meine Sachen heute Morgen runter gebracht und alles andere entfernt, weswegen nur meine Bademittel dort standen. Ich fand es roch gut an ihr, wobei ich ihren eigenen Duft auch mochte. Ich trat einen Schritt zurück und löste meine Hand von ihr. Ich musste etwas Abstand gewinnen, sonst würde ich etwas Unüberlegtes tun und gerade war es wichtig, zu klären, wie es hier weiter ging.
„Ich werde etwas zu Essen rufen und dann können wir dabei reden. Vielleicht löst dass die Stimmung. Und ich werde Wein trinken“, sagte ich zu ihr und ich bemerkte, wie sie leicht die Augen verrollte.
Ich öffnete die Tür und wies einen vorbeilaufenden Elb an, alles vorzubereiten und gab dann noch einige Befehle für die Meeres-Elben  und meinen Sohn mit. Wir wollten ungestört sein.
Als das Essen dann rasch kam, setzte ich mich hin und sie nahm direkt neben mir Platz. Schweigend nahmen wir etwas zu uns und zu meiner Verwunderung, trank auch sie etwas Wein, welcher sofort in ihre Wangen stieg. Sie konnte offenbar immer noch nicht viel vertragen.
„Wir müssen reden“, fing sie nach einiger Zeit an und ich nickte ihr zu. „Aber bitte lass uns das Förmliche ignorieren.“
Sie nickte abermals mir zu und spießte eine Traube auf ihre Gabel auf, ehe sie diese in ihren Mund verschwinden ließ.
„Ich glaube, wir sind uns beiden eine Erklärung schuldig.“
Ich atmete tief ein und nickte abermals.
„Wie wäre es, wenn wir jeweils eine Frage des anderen beantworten? Damit kommen wir am schnellsten voran“, schlug ich vor und war von meinem Vorschlag selbst überrascht.
„Nur die reine Wahrheit?“, fragte sie etwas zögerlich.
„Ja.“
„Darf ich beginnen?“, fragte sie und ich deutete an das sie begann. „Wieso… wieso darf ich nicht gehen?“
Diese Frage überraschte mich.
„Weil du nun mal die Frau von dem Mann bist, der mich angegriffen hat. Ich werde meine Untertanen nicht einer eventuellen Bedrohung ausliefern, nur weil ich sentimental werde.“
Ihre Augen weiteten sich, aber sie schwieg. Nun war ich dran. Und ich stellte ihr die Frage, die mich so lange schon quälte.
„Wieso bist du gegangen? Damals…“
Sie legte ihre Gabel zur Seite und schaute auf ihren Teller.
„Weil ich geheiratet habe.“
Ich ballte eine Faust und knallte sie auf den Tisch.
„Das kann nicht die ganze Wahrheit sein. Wenn du ihn liebst und deswegen weg gegangen bist, dann würde ich das akzeptieren. Aber du hast mir nie geantwortet. Und wenn er dich wirklich lieben würde und du ihn, dann wärst du nicht hier! Was ist also WIRKLICH passiert! Wir wollten ehrlich sein!“
Meine Wut übernahm wieder meine Gefühlswelt und ich wollte etwas zerschlagen. Doch als ich bemerkte, wie sie immer weiter in sich zusammensackte und sichtlich mit sich rang, verdampfte die Wut etwas.
„Die Wahrheit wird die weh tun und dich jemand vielleicht hassen lassen, den du liebst.“
„Ich will es wissen.“
Sie strich zu ihrem Hals, wo keine Kette war und senkte, als sie dies bemerkte, ihre Hand wieder.
„Ich habe ihn nie geliebt. Ich meine Círdan.“
Diese Worte kamen hallend bei mir an. Sie liebte ihn nicht? Sie hat ihn nie geliebt? Wieso hatte sie ihn dann geheiratet? Elben heirateten nur selten, denn dieser Bund war für uns heilig. Sogar wenn unser Partner starb, dann starb nur sein Hroa (Körper) und seine Fea (Seele) wurde dann wiedergeboren, in einem neuen geborenen Kind. So hatte man die Chance seinen Geliebten in Aman wieder zu treffen, denn das Kind erhielt nach und nach die Erinnerungen seines früheren Lebens. Also hielt eine Ehe sogar über den Tod und die Liebe ebenfalls. Daher waren Hochzeiten und das Finden des Elben, den man liebte so selten.
„Aber Círdan hatte Gefallen an mir gefunden, als er mich das erste Mal auf dem Ball sah und… er hielt um meine Hand an.“
„Wieso hast du zugestimmt?“, fragte ich schockiert.
Sie hatte ihr eigenes Glück einfach so weggeworfen. Nein, dahinter musste etwas anderes stehen. Sie hob ihren Kopf und ihre silbernen Augen waren mit Tränen gefüllt.
„Weil ich den Elb, den ich liebte, nicht haben konnte. Er hatte eine Andere. Und durch einen Handel, musste ich dieser Ehe zustimmen.“
Wieder kam Wut auf.
„Was für ein Handel? Wer hat dich gezwungen?“
Egal wer es war, ich würde ihm jeden Knochen brechen. Einen Elben zu so etwas zu zwingen war eine Missetat, die eigentlich nur den Tod verdiente. Ihre Lippen öffneten sich, aber es kam kein Ton heraus. Dann nach einer gefühlten Ewigkeit sprach sie weiter.
„Es war dein Vater. König Oropher und mein Vater“, wisperte sie leise und mir entglitt jegliche Regung aus meinem Gesicht.
Mein Vater?!


-Nessa-
Wieso sagte ich ihm denn die ganze Wahrheit. Zwar wollte er es, aber als ich die Worte ausgesprochen hatte, sah ich direkt, wie etwas in ihm zerbrach. Er liebte seinen Vater. In seinen Augen war er immer der perfekte Elb, der perfekte König, der perfekte Vater. Das wusste ich und dennoch zerstörte ich sein Bild. Ich hätte mich selbst Ohrfreigen können dafür.
„Das ist nicht wahr“, sprach er und sein Griff um seinen Kelch verstärkte sich, bis dieser in seiner Hand zerbrach und der Wein seine Hand hinunter lief.
Ich wendete meinen Blick ab und knetete meine Hände. Die Wahrheit war draußen, dann sollte ich ihm nun alles erzählen.
„Dein Vater wusste, dass ich einen großen Teil deines Lebens einnahm und hatte die Befürchtung, dass ich deinem Glück im Weg stehen würde. Immerhin warst du ein Prinz und dein Vater wollte, dass du die Prinzesin heiratest.“
Thranduil öffnete seine Hand und die Splitter des Kelches waren in seine Hand. Ich zuckte bei dem Anblick seines Blutes zusammen und wollte schon ihm mit der Wunde helfen, ließ es aber.
„Ich habe sie auch geheiratet, wie du weißt. Wieso dachte mein Vater, dass du eine Bedrohung wärst?“
Seine Augen suchten die Antwort in meinen.
Er wusste es nicht.
Er hatte es noch nicht realisiert.
Ich musste noch direkter sein.
Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach die Worte aus, die ich nie aussprechen wollte.
„Weil ich dich liebe.“


-Thranduil-
Den Schmerz in meiner Hand, durch die Scherben, spürte ich nicht. Nicht, nachdem sie mir diese Worte an den Kopf geworfen hatte. Sie liebte mich??? Meine Augen weiteten sich und ich bekam kein Wort heraus. Was sollte das? War das ein Scherz? Doch in ihren Augen, schimmerten wieder die Tränen und sie sah so hilflos und unschuldig aus, dass mir klar wurde, dass es die Wahrheit, die reine Wahrheit war. Ich fing mich wieder. Immerhin war die Geschichte noch nicht beendet.
„Aber…der Handel?“, fragte ich zögerlich.
Nun atmete sie tief ein und schaute wieder weg.
„Dein Vater wusste von meinen Gefühlen und er wollte mich weg haben, damit ich dich nicht irgendwie beeinflusse. Aber er ging einen Handel ein. Wenn du auch für mich so empfinden würdest, würde er es zulassen. Aber sobald du dich mit einer Anderen verlobst, würde ich das Reich verlassen müssen, kein Kontakt mehr mit dir haben und mein Vater bestand dabei noch darauf, dass ich den Meeres-König heiraten musste. Und… du hast dich dann kurz darauf verlobt…“
Mein Herz zog sich zusammen, als ich an den Tag dachte, an dem ich ihr von meiner Verlobung dachte. Ich hatte damals nicht gemerkt, dass sie anders war. Doch jetzt fielen mir die Scheuklappen von den Augen. Ihre zurückhaltende Freude mir gegenüber und ihre wenigen Worte. Und dann, dass sie kurz darauf weg war und selbst heiraten wollte. Ich war wütend auf mich selbst und auf meinen und ihren Vater. Und erst Recht auf ihren Ehemann. Er wollte sie wegen irgendwas, aber nicht aus Liebe und sie hat so lange gelitten.
„Wieso kamst du nicht zurück, nachdem mein Vater…“
Sie schüttelte den Kopf.
„Du hast mich so sehr gehasst und ich hatte ja auch eine Verpflichtung gegenüber meiner Familie und meinem Volk. Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern Thranduil…“
Sie wirkte so zerbrechlich in dem Moment und ich wollte sie einfach nur in meine Arme nehmen, aber das wäre nicht passend gewesen. Ich musste nachdenken.
„Wir. Sollten das hier heute beenden. Ich muss….nachdenken.“
Damit erhob ich mich und verließ den Raum. Mir ging zu fiel durch den Kopf.
Sie sagte sie liebt mich. Nicht liebte. Hieß es, dass sie noch so für mich fühlte wie damals? Nach all den Jahrhunderten? Jahrtausenden?
Und was empfand ich für sie?
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast