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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
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17.08.2020 2.315
 
-Nessa-
Ich stapfte wütend durch die Flure. Der Besuch bei Thranduil war eine Kurzschlussreaktion gewesen. Aber nachdem mir Bruinen erzählt hatte, was passiert war, konnte ich nicht anders. Wann hatten meine Gefühle mich das letzte Mal so aus der Bahn geworfen? Ich wusste es nicht. Normalerweise hielt ich sie gut verschlossen, aber bei diesem Elb knallte regelmäßig eine Sicherung in mir durch. Ich stoppte und hielt meine Seite. Verdammt. Die Wunde war sicher wieder aufgegangen. Das hatte ich schon beim wütenden Lauf zu seinen Gemächern gemerkt und mein Tobsuchtsanfall hatte es nur verschlimmert. Ich setzte mich auf den Boden und drückte meinen Rücken an die kühle Wand. Ich war einfach hineingestürmt und hatte ihm beim schlafen gestört. Die Bilder, wie er halbnackt auf mich zugekommen war, gingen mir nicht aus dem Kopf und ich schaute hinauf. Er ließ mich absolut nicht kalt. Meine Gefühle waren immer noch da und ich hatte mir in dem Moment, trotz meiner Wut, nichts mehr gewünscht, als ihn zu küssen. Doch das Gemälde seiner Frau hatte mich wieder zur Vernunft gebracht. Er hatte sich für sie entschieden und gegen mich. Wieder kamen Erinnerungen hoch, die ich nicht wollte. Der Grund meines Verschwindens aus seinem Leben. Ich schüttelte schnell meinen Kopf um sie zu verdrängen. Diese Sache musste ich vergessen und er durfte es auch nie erfahren! Ich schaute auf meine Seite und stöhnte genervt. Es blutete nun wieder. Ich schaute hinauf und schloss die Augen. Leider sah ich von hier nicht den Sternen, wobei ich mich gerade nach ihnen sehnte. Egal wo man war, der Mond und die Sterne sahen überall gleich aus. Egal ob hier im Düsterwald oder am Meer. Wenn man sich an sie hielt, konnte man sich überall daheim fühlen.


Ich war wohl auf dem Flur eingeschlafen, denn das nächste was ich mitbekommen habe, war eine Hand auf meiner Schulter, die mich wachrüttelte.
„Lady Nessa, was macht ihr hier?“, hörte ich eine Stimme und öffnete meine verschlafenen Augen.
Vor mir war ein unbekannter Elb, der aber die Klamotten der Wachen trug. Er schien besorgt zu sein und als ich nicht direkt reagierte rannte er weg. Ich war kein Morgenmensch und daher brauchte ich wirklich einige Sekunden um alles zu realisieren, was passiert war. Achja. Der Streit mit Thranduil, die Wunde die aufging und das Gefühl vom Allein-Sein. Ich blickte auf meine Seite und bemerkte, dass es doch stärker geblutet hatte, als ich dachte. Wahrscheinlich war deswegen die Wache so schockiert gewesen. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gebracht, kam die Wache, mit einem jungen Elb wieder. Ein Heiler, wie ich erkannte.
„Keine Sorge. Die Wunde ist nur aufgegangen. Mir geht’s aber gut. Wir sollten in mein Gemach gehen“, kommandierte ich kühl.
Ich musste meine Fassade wieder hin bekommen. So sollte mich niemand sehen. Schweigend half mir die Wache auf und wir gingen so in mein Schlafzimmer, wo ich mich auf mein Bett setzte. Ohne ein Wort des Heilers zog ich mein Kleid aus, das getrocknetes Blut auf sich hatte und zeigte direkt meine Wunde. Sie war aufgegangen aber nicht so stark wie befürchtet. Nach einer Säuberung und einem neuen Verband ging es mir wieder wunderbar.
„Lady Nessa. Ich habe die Botschaft erhalten, dass ihr zusammengesackt im Flur gefunden worden seid“, trat Legolas kurz darauf ein.
Ich musste innerlich schmunzeln. Er erinnerte mich aus einer Mischung meiner beiden Söhne. Die waren auch immer direkt besorgt um mich. Obwohl er der Sohn von der Elbe war, hatte ich mütterliche Gefühle für ihn entwickelt. Irgendwie witzig.
„Eure Hoheit. Es ist alles in Ordnung. Ich bin nicht zusammengesackt. Ich hatte mich bewusst dort hingesetzt und ausgeruht…“
„Aber wieso? Wieso wart ihr draußen? Ihr habt Bettruhe verschrieben bekommen!“
Er wirkte leicht aufgebracht. Ebenso wie sein Vater, zeigte er generell selten seine Gefühle. Aber wenn wir alleine waren, schienen diese mit ihm durchzugehen. Genau wie jetzt. Seine Stimme wirkte erleichtert und beunruhigt zugleich. Seine Augenbrauen waren zusammengedrückt und eine kleine Falte bildete sich dazwischen.
„Was hat mein Vater getan?“, fragte er dann etwas leiser und ich schaute ihn verwirrt an.
„Wie kommt ihr darauf, dass ich bei ihm war?“
„Dieser Flur führt direkt zu seinen Gemächern“, kam nur.
Natürlich war er nicht dumm und konnte eins und eins zusammenzählen.
„Ich habe heraus bekommen, was geschehen ist und was ihr mir alle verheimlicht habt. Daher suchte ich eine Aussprache mit eurem Vater.“
Legolas wurde etwas bleich.
„Es tut mir leid. Wir hatten den Befehl nichts zu sagen und ich dachte es wäre besser so…“
Ich hob eine Hand um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Ist in Ordnung. Eure Sicht verstehe ich. Aber nicht die des Königs. Bitte geht nun“, verlangte ich.
Auch wenn Legolas nichts dafür konnte, musste ich nachdenken. Diese Situation konnte so nicht bleiben. Und leider schienen meine Wunden auch nicht so schnell zu heilen, wie ich erhoffte.
Jeder Tag, an dem ich hier gefangen war, war ein Tag, an dem ich meinen Plan nicht durchführen konnte. Und somit würde auch mein Enkel hier bleiben müssen und Gefahr laufen, erkannt zu werden. Und DANN wollte ich nicht Thranduils Laune ertragen müssen.

-Legolas-
Ich verließ das Zimmer von Nessa und schloss leise die Türe. Ich musste wirklich mit Vater reden. Was war vorgefallen? Wie hatte sie auf die verlorenen Erinnerungen reagiert? Und wieso interessierte sie mich so? In ihrer Nähe war ich so emotional und gleichzeitig ausgeglichen. Als ob ich, ich selbst sein kann. Lag es daran, dass auch sie königlich war und wusste, wie man mit dem Druck umgehen musste? Vielleicht. Aber es war noch etwas anderes. Und das wollte ich herausfinden. Erster Anhaltspunkt war wohl die Vergangenheit mit meinem Vater.
Raschen Schrittes machte ich mich auf den Weg zu seinen Gemächern. Davor war eine Wache und ich runzelte die Stirn. Wieso eine Wache? Nur selten standen hier welche.
Er ließ mich sofort durch und ich marschierte zum Arbeitszimmer. Als ich ohne zu Klopfen eintrat, wurde ich mit einem finsteren Blick begrüßt.
„Sohn, auch euch sollten die Grundlagen der Höflichkeit bewusst sein. Ich bin beschäftigt“, damit schaute er wieder auf seine Unterlage und winkte mich mit der Hand hinfort.
„Nein Adar. Wir müssen reden!“
Der König erhob sich nun und starrte mich mit seinen eiskalten Augen an. Das diese Augen mal Liebe gesehen hatten, konnte ich mir nicht vorstellen und auch nicht erinnern. Aber es war mal so wohl gewesen.
„Es geht um Nessa“, sprach ich einfach weiter und ignorierte seinen Blick. „Sie wurde auf den Fluren von euren Gemächern gefunden. Blutend…“
„Dies ist mir bewusst. Ich bin immerhin hier der König. Daher entgeht mir wenig in meinen Hallen.“
Ich ballte meine Hand zusammen.
„Es geht darum, was sie mir erzählt hat. Sie war bei euch und hat ihre Erinnerungen zurück. Was hat sie euch gesagt?“
Mein Vater stoppte in seiner Bewegung. Verschränkte seine Hände hinter seinem Rücken und ging durch den Raum.
„Was hat euch das zu interessieren? Aber um eure Neugierde zu stillen, sie teilte mir mit, dass sie über ihre fehlenden Erinnerungen unterrichtet wurde und fand mein Verhalten, des Schweigens, nicht angebracht.“
„Das war alles?“, fragte ich zögerlich. Was hatte ich auch erwartet?
„Ja das war alles. Wieso fragt ihr Sohn? Hegt ihr Interesse für diese Meeres-Elbe?“
Dabei schien sich sein Gesicht zu verhärten.
„Ich muss gestehen, dass sie eine attraktive und beeindruckende Elbe ist. Und ihr sagt doch selbst, dass eine einfache Elbe für mich nicht in Betracht kommt. Also wäre sie eine gute Partie.“
Ich wollte ihn etwas ärgern. Seine eigenen Worte gegen ihn wenden. Doch mit einer solchen Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Bevor ich es sehen konnte war er auf mich zugestürmt und blieb nur ein Hauch von mir entfernt. Seine Nase drückte fast an meine und seine Augen waren voll Wut und Zorn erfüllt.
„Ihr werdet nichts mit einer Meeres-Elbe anfangen! Und sie ist ohnehin verheiratet…“
„Ja, mit einem Mann der sie verbannt hat! Auch wenn es unter Elben nicht anerkannt ist, dass man sich scheiden lässt, so sollte hier eine Ausnahme gelten. Wie soll sie jemals wieder Glück finden sonst?“
„Man geht eine Ehe nicht leichtfertig ein Sohn“, knurrte er mich nun förmlich an.
Dann drehte er sich herum und ging wieder auf seinen Platz. Das Gespräch war für ihn beendet.
„Es werden Wachen vor ihrem Zimmer positioniert, damit sie wirklich die Bettruhe einhält. Nun geht!“
Ich wollte noch was sagen, aber wusste auch, dass ich kein Wort aus ihm bekommen würde. Ich zügelte meinen Zorn und verließ seine Zimmer. Es gab noch jemanden, der Nessa lange kannte. Vielleicht würde er mir einen Anhaltspunkt geben.
Zielstrebig machte ich mir nun meinen Weg zu den Zellen.
„Ihr könnt Pause machen“, sagte ich zu den Wachen und blieb vor der Zelle stehen, in der der Elb namens Bruinen war.
„Ich muss mit euch reden“, erklärte ich und wartete.
Der Elb kam auf die Tür zu und schien sauer zu sein.
„Was wollt ihr Prinzlein?“, gab er spöttisch von sich.
Ich verstand diese Meeres-Elben nicht. Sie waren viel emotionaler als alle anderen Elben-Völker.
„Wieso so aggressiv?“, fragte ich.
„Wenn ihr euch das nicht denken könnt. Ich bin ungern in einer Zelle gesperrt.“
Mein Gesicht war er einer Statur gleich. So sehr ich bei meinem Vater und Nessa Emotionen zeigte, so kühl war ich sonst. So wie ich es gelehrt bekommen hatte.
„Wieso seid ihr Meeres-Elben nur so emotional?!“, fragte ich direkt.
„Wir sind nur emotional, wenn uns etwas unrechtes widerfährt. Wir sind ein kühles, stürmisches Volk. Wie das Meer. Wir wirken ruhig und können die sein, aber wenn man uns aufbringt, sind wir zerstörerisch.“
So etwas ähnliches hatte man mir auch in der Bibliothek gesagt, als ich das Meeres-Elben-Volk recherchiert hatte. Sie waren sehr stolz. Eine der wohl stolzesten Völker überhaupt und überlebten trotz der eher mittelmäßigen Bedingungen an den Steil-Küsten. Eigentlich sehr beeindruckend. Aber deswegen waren sie auch rau, wenn es sein musste.
„Ich bin gekommen um mehr über Lady Nessa zu erfahren“, gab ich nun meinen Grund preis.
Der Elb straffte seine Schultern.
„Wieso kommt ihr zu mir deswegen?“
„Weil ihr, ihr oberster Heeresführer wart. Und wohl auch ein älterer, erfahrener Elb. Und mein Vater nicht über die Beziehung zu ihr sprechen wird.“
Bruinen schien darüber nachzudenken.
„Fragt sie selbst. Ich werde meine Herrin nicht verraten.“
„Es hat nichts mit Verrat zu tun. Oder kennt ihr sie doch so wenig?“
Der Elb wirkte nun sauer und schaute mich finster an. Ich hatte wohl den richtigen Knopf gedrückt.
„Ich kenne Königin Nessa seit sie bei uns ankam! Das ist nun über 4000 Jahre her!“
„Wo kam sie denn her?“
„Das weiß niemand so recht. Es wird gemunkelt aus….“, dann schwieg er.
Woher kam sie?
„Sprecht.“
Nun grinste Bruinen mich eher süffisant an.
„Sie kommt hier her.“
Meine Augen weiteten sich. Sie war eine Wald-Elbe? Wie alt war sie? War sie vielleicht von wo anders her, genau wie Vater.
Ohne auf Bruinen zu achten, rannte ich weg.
Heute war ich wirklich viel unterwegs.
Aber nun musste ich doch mit Nessa reden. Ohne abzuwarten betrat ich auch ihre Gemächer. Ein Fehler, wie ich feststellte, denn offensichtlich hatte sie beschlossen ein Bad zu nehmen und stand nun, nass, nur mit einem sehr kurzen Handtuch bedeckt vor mir.
„Legolas. Ich hatte nicht erwartet, euch nochmal zu sehen“, sprach sie, doch ich konnte nur an ihrem Körper entlang schauen.
Auch wenn sie kleiner war als normale Elben, so hatte sie doch einen atemberaubenden Körper. Ihre Haare, die sonst eher gelockt waren, glitten nun nass und glatt an ihrem Körper herab und ihre silbernen Augen schienen zu leuchten. Sie war wirklich erst frisch aus der Wanne gekommen, denn ihre Haut dampfte noch vom heißen Wasser. Oh Mann. Was war nur mit mir los.
„Verzeiht“, murmelte ich und drehte mich um.
Dies nutzte sie aus um sich rasch etwas überzuziehen, was ich anhand des Raschel von Kleidung hörte.
„Ihr könnt euch wieder umdrehen“, sagte sie und dies tat ich.
Nun trug sie einen Morgenmantel mit langen Armen, der bis zum Boden reichte und in einem Braun Ton war, der mit vielen kleinen Ästen und Blättern bestickt war. Ihre Haare hatte sie offen gelassen und immer noch nass.
„Eure Wunde?“, fragte ich.
„Ich habe sie im Bad schon wieder verbunden. Zwar meinte der Arzt ich soll nicht baden, aber ich hatte das Bedürfnis. Also. Wieso seid ihr hier? Ihr wart vielleicht zwei Stunden weg.“
„Seit ihre eine Wald-Elbe?“
Sie kam auf mich zu und legte den Kopf zur Seite.
„Wer sagt so etwas?“
„Ich habe mit eurem obersten Heeresführer geredet.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich bin keine Wald-Elbe.“
Ich hob meine Augenbraue.
„Ihr werdet wohl nicht loslassen oder?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Legolas. Ich bin alt. So alt wie euer Vater. Ich bin eine Sindarin-Elbe, die mit eurem Vater und Großvater hier in den Düsterwald kam. Als euer Großvater König wurde hier.“
Ich hörte Nessa genau zu und versuchte das gesprochene zu verarbeiten. Man konnte Elben ihr Alter selten ansehen, aber dass sie so alt war, überraschte mich. Und der Fakt, dass sie mit meiner Familie hier her kam. Und wenn sie also erst vor 4000 Jahren zu den Meeres-Elben ging, dann…
„Habt ihr die ganze Zeit mit meinem Vater hier gelebt?“
Nessa nickte.
„Euer Vater und ich kennen uns seit der Geburt. Wir waren sogar Freunde. Bis zu meiner Hochzeit lebte ich an seiner Seite.“
„Aber…wieso hasst ihr euch?“
Das wollte nicht in meinen Kopf. Wieso hatte min Vater so einen Hass auf sie? Anscheinend waren sie doch Freunde gewesen und lebten lange zusammen. Länger, als ich auf dieser Welt wandele. Nessas Augen nahmen nun einen traurigen Ausdruck an und ich erkannte, dass sie damit haderte etwas zu sagen.
„Im Leben, junger Elb, geschehen Dinge, die man nicht planen kann. Dinge, die nicht nur das eigene Leben verändern. Es ist wie es ist heute so. Die einstige Freundschaft ist zu Hass gewandelt.“
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