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Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
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11.08.2020 1.860
 
-Nessa-
Mir tat einfach alles weh. Mein Körper fühlte sich an, als ob eine Horde Orks darüber getrampelt war und jeder Atemzug war wie eine eiskalte Brise, die meine Lunge zum gefrieren brachte. Was war genau geschehen? Ich erinnerte mich nur an blaue Augen. Augen, die ich kannte und bei denen ich mich immer geborgen gefühlt hatte.
Ich zwang mich dazu ein Auge aufzuschlagen aber es war zu hell. Weswegen ich es sofort wieder schloss. Um mich herum war alles still. Ich bewegte meine Hand und spürte unter ihr ein weiches Laken. Anscheinend war ich in einem Bett. Nach etlichen Minuten des Lauschens, wurde mir langweilig und ich öffnete wieder ein Auge. Abermals traf mich helles Licht. Diesmal erkannte ich aber, woran es lag. Sonnenstrahlen fielen durch ein Fenster genau auf mein Gesicht. Wer war so heimtückisch und stellte ein Bett so hin? Als ich mich an die Helligkeit gewöhnt hatte schaute ich mich um. Es war ein normales Schlafzimmer mit einem großen Bett, indem ich lag. Anhand der Möbel und des Raumes wusste ich auch, dass es sich um ein Gästezimmer in den Hallen Thranduils handelte. Ich war also irgendwie in ein Gästezimmer gelangt. Aber wie. Ich runzelte die Stirn und versuchte fieberhaft mich zu erinnern. Aber es war hoffnungslos. Das letzte was ich wusste waren die blauen Augen und davor. Ich glaube ich war im Wald und kämpfte. Mein Blick blieb an einem Krug hängen und ich spürte nun meine trockene Kehle. Ganz sachte setzte ich mich auf und bemerkte dabei einen Verband um meinen gesamten Oberkörper. Jede Bewegung schmerzte und ich musste die Zähne zusammenbeißen, damit ich meine Beine über das Bettende schwingen konnte und nach dem Krug greifen konnte. Zittrig schenkte ich mir einen Becher voll ein und trank diesen dann gierig. Der Durst ließ nach und meine Kopfschmerzen schienen auch direkt nachzulassen. Während ich mir einen weiteren Becher einschenkte und schaute ich an mir herunter. Ich trug genau genommen nichts. Da der Oberkörper mit einem Verband bedeckt war und man wohl regelmäßig an ihn heran musste, hatte ich ein einfaches, längeres Hemd an, welches über meine Schultern herunter gerutscht war und nun eher auf Bauchhöhe hing. Ich setzte einen Fuß auf den kalten Boden und versuchte mein Gewicht auf es zu lagern. Hoffentlich konnte ich aufstehen und jemanden finden der meine Lüken füllen würde. Ich zog das Hemd wieder hoch und stellte nun den zweiten Fuß auf den Boden und stellte mich dann ganz auf. Zwar sehr zittrig auf den Beinen, aber stehend, torkelte ich zum Kleiderschrank. Irgendein anderes Gewand musste her. Eins, das nicht zu eng war, aber nicht über die Schulter fiel. Zu meiner Erleichterung fand ich einige Frauen und Männer-Klamotten. Ich entschied mich für ein kurzes grünes Kleid, welches vorne zugeschnürt wurde. So konnte ich es bequem anpassen. Eigentlich sollte es kurz sein, aber offensichtlich gehörte es einer größeren Elbe, denn mir reichte es bis zur Wade. Rasch zog ich es an, knotete es nur so weit zusammen, dass es nicht rutschte und lief dann barfuß zur Türe. Auch im Flur war es totenstill und ich schaute kurz aus dem nächsten Fenster. Der Morgen war gerade erst angebrochen und alle schliefen offensichtlich noch. Da ich aber doch noch Schmerzen hatte, wollte ich zu den Räumlichkeiten der Heiler gehen und mir rasch etwas zusammenmischen. Vielleicht sogar die Wunde unter dem Verband anschauen.
Ganz leise torkelte ich, mit vielen Pausen und immer an einer Wand festhaltend, durch die Räume, immer noch überrascht, dass ich alleine war. Zu meinem Glück hatte sich kaum etwas hier verändert, weswegen ich mich nicht verlief und auf direkten Weg zu den Heilern ankam. Auch hier war es still, was mich erfreute, denn so konnte ich in Ruhe alles zusammensuchen. Da es nicht mein Reich war, dauerte die zusammensuche der Kräuter und Verbände länger als mir lieb war und als ich endlich mich hingesetzt hatte und anfangen wollte, hörte ich die ersten Stimmen von draußen. Die ersten Elben waren erwacht. Ich zog mich in die hinterste Ecke zurück, setzte mich auf einen Stuhl, streifte das Kleid über meine Schultern und begann den Verband ganz sachte zu lösen. Der Anblick der Wunde erschreckte mich. Ein Schnitt verlief quer über meinen Körper, schien aber langsam zu verblassen. Die Wunde jedoch an meiner Seite heilte nicht gut. Sie hatte eine dicke Kruste, die eiterte und um sie herum war alles blau und lila geschwollen und an manchen Stellen blutete sie noch, weswegen der Verband auch sehr unappetitlich aussah. Diesen legte ich weg und fing zuerst an alles zu säubern. Das kühle Wasser brannte direkt auf der Haut und ich zog die Luft scharf ein. Wie lange heilte diese Wunde denn schon? Sie tat immer noch höllisch weh.
„Ich hätte schwören können, dass gestern hier noch Kräuter lagen“, hörte ich eine weibliche Stimme und dann Schritte.
Mehrere Leute waren in die Räume gekommen, hatten mich aber noch nicht erblickt.
„Dann geh neue pflücken. Wir brauchen sie unbedingt für die Meeres-Elbe. Ihr Zustand hat sich zum Glück gebessert.“
Ein Murmeln war zu hören, aber keine genauen Worte. Offensichtlich sprachen sie von mir. Oder war noch eine andere Meeres-Elbe verletzt? Dann wurde die Türe aufgerissen.
„Meister! Sie ist weg!“, gab ein Elb, nach Luft ringend von sich.
„Wie weg?“
„Ich bin in ihr Zimmer gegangen um nach ihr zu schauen, aber das Bett war leer.“
„Sollten nicht Wachen vor ihrem Zimmer sein?“
„Ja und nein. Der König hat sie abgezogen, da die Elbe seit Wochen eh nur schlief und er meinte sie könnten eine bessere Arbeit hinterhergehen.“
Nun folgten einige Flüche und ich harrte in meinem „Versteck“ aus.
„Wir müssen mit dem König darüber reden. Irgendwo muss sie sein“, war die Antwort und eilige Schritte verließen wieder den Raum.
Wieder alleine widmete ich mich nun weiter meiner Wunde. Denn wenn sie mich fanden, wollte ich nicht halbnackt hier sitzen.

Zu meiner Überraschung hatte ich alle Zeit der Welt was das Verarzten und wieder anziehen anging. Als nach einer Stunde mich immer noch niemand gefunden hatte, beschloss ich selbst zu ihnen zu gehen. Mit mittlerweile beständigeren Schritten ging ich zu der Türe und öffnete diese, gerade als jemand hereintreten wollte. So lief ich volle Kanne gegen eine stahlharte Brust und wäre auf meinen Hintern gefallen, hätte mich die Person nicht instinktiv an sich gezogen.
„Entschuldigung“, murmelte ich und hob langsam den Blick.
Eisblaue Augen schauten auf mich hinab und mir blieb die Luft weg. Natürlich lief ich dem Elb in die Arme, den ich lieber nicht hätte treffen wollen. Wir schwiegen uns beide an und ich gaffte wohl ziemlich.
„Wer hat euch erlaubt eure Gemächer zu verlassen?“, knurrte er und ich spürte jeden seiner Worte an seiner Brust, da wir immer noch nah beieinander standen.
„Ich wusste nicht, dass ich es nicht verlassen durfte. Ähm.. Eure Hoheit.“
Für einen kurzen Moment dachte ich er hätte geschmunzelt, aber sofort war der eisige Blick in seinem Gesicht.
„Darf ich euch fragen, was passiert ist?“, dabei schaute ich ihm weiter in die Augen und wusste wieder, wieso ich mich in diesen Mann verliebt hatte.
Allein diese Augen brachten mich um den Verstand.
„Ihr erinnert euch nicht?“
Dabei wurde sein Tonfall verwundert und er trat einen Schritt zurück. Nun, von ihm getrennt, fehlte mir seine Körperwärme und ich fror etwas. Konnte natürlich auch an dem spärlichen Outfit liegen.
„Adar. Wir können sie nicht finden. Es scheint so, als ob die Erde sie verschluckt…. Oh. Ihr habt sie gefunden“, dabei tauchte Legolas nun neben Thranduil auf und lächelte mich an.
„Geht es euch gut?“
Anders als sein Vater wirkte er froh mich zu sehen und gleichzeitig besorgt.
„Wieso wart ihr in diesen Räumen?“, fragte nun wieder der König und seine kühle Stimme hinterließ eine Gänsehaut auf meinem Körper.
„Wenn ich Schmerzen habe gehe ich normalerweise immer zu einem Heiler. Ihr nicht?“, feixte ich etwas, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er das gerade abhaben konnte.
Legolas schaute zwischen uns hin und her und schien die Spannung zu spüren.
„Keiner der Heiler hat euch gesehen.“
„Tja. Weil ich in dem hinteren Raum war und mich selbst um meine Wunden gekümmert habe.“
Wieder Schweigen.
„Wie wäre es, wenn ich euch wieder in eure Gemächer bringe und wir alles weitere dort klären? Ihr habt ja…relativ wenig an“, dabei musterte mich Legolas und ich wurde etwas an den Ohrspitzen rot.
So freizügig und wenig zu Recht gemacht, hatte mich sehr lange niemand gesehen. Ich stimmte ihm zu und er legte einen Arm um meine Taille um mich zu stützen, aus Angst ich würde gleich umfallen. Thranduil ließ alles unter seinen wachsamen Augen geschehen, drehte sich dann aber um und ging in die andere Richtung.

Im Schlafzimmer wieder angekommen, steckte mich Legolas ins Bett und ich ließ es einfach zu. Auch wenn ich mich vorhin gestärkt fühlte, so machte sich jetzt wieder eine Müdigkeit in mir breit.
„Geht es euch denn gut? Ihr habt uns alle einen riesen Schrecken eingejagt.“
„Legolas. Darf ich euch fragen was passiert ist?“
Der junge Elb verharrte in seiner Bewegung und musterte mich.
„Wieso?“
Ich zog die Decke über mich und seufzte.
„Ich erinnere mich nicht mehr. Ich weiß noch, dass ich mich mit Elleth und Milant auf den Weg hier her machte. Dann irgendwas von einem Kampf, Doch danach einfach nichts mehr. Alles weg.“
Legolas schluckte und schaute mir tief in die Augen, wohl um herauszufinden ob ich die Wahrheit sagte.
„Ihr erinnert euch nicht?“
Ich schüttelte den Kopf. Er überlegte einen Moment, bevor er wieder das Wort ergriff.
„Eure Gefährten kamen an und sagten, dass ihr noch im Wald seid. Ich habe euch gefunden und als wir im Palast ankamen, da… da seid ihr zusammengebrochen. Ein Dolch hat euch in der Seite getroffen und durch ein und damals unbekanntes Gift, wollte die Blutung nicht stoppen und die Wunde nicht  heilen. Es hat sehr lange gedauert bis unsere Heiler einen Weg fanden euer Leben zu retten. Aber auch dann waren wir uns nicht sicher ob ihr über den Berg kommt. Ihr habt fast 3 Wochen geschlafen. Deswegen freue ich mich sehr, dass es euch anscheinend wirklich gut geht.“
3 Wochen? Ich war drei Wochen weg und erinnerte mich auch nicht an einen Kampf im Wald oder wie ich an die Wunde kam. Sachte rieb ich meine Schläfe und Legolas setzte sich zu mir.
„Alles in Ordnung mit euch?“
“Ja. Es ist nur frustrierend, dass ich mich an nichts erinnere. Geht es denn den anderen gut?“
„Ja. Vater hat ihnen Gästezimmer bereit gestellt.“
Erleichtert atmete ich aus und schaute den jungen Elben an. Er sah seinem Vater so ähnlich und dann auch wieder nicht. Seine blauen Augen waren weicher und nicht so eisig. Seine Haare auch eher golden als silbern und generell sah ich viel von seiner Mutter. Seine Mutter. Sie war wohl eine tolle Frau und opferte ihr Leben für ihren Sohn. Und dennoch schaffte ich es nie sie zu mögen. Es war vielleicht rachsüchtig und kleinkariert. Aber irgendwie gab ich ihr die Schuld das verloren zu haben, was ich damals mir am meisten gewünscht hatte. Die Erinnerung an ihr erstes Auftreten kamen wieder hervor. Eine Erinnerung, die ich so lange verdrängt hatte.
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