Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vergangenheit und Gegenwart

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Legolas OC (Own Character) Thranduil
26.07.2020
20.09.2020
33
59.392
1
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.08.2020 1.180
 
Hallöchen

Da ich euch ja vorgewarnt habe, das ich nächster Zeit nicht so oft was kommt, gebe ich euch noch ein kleines Leckerbissen, damit ihr noch mehr verzweifelt, wenn ihr nun das lest was nun kommt :D

Viel Spaß

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

-Bruinen-
Ich starrte mit Schock auf die Elbe vor mir. Meine Königin, meine Herrin hatte sich vor mich geschmissen.
Als der unnachgiebige König sie festhalten wollte, konnte ich nicht anders als einzuschreiten. Niemand bedroht sie so. Es war eine Kurzschlussreaktion, die ich sonst bei niemanden zeigte. Aber sie trieb mich zu so etwas. Daher war es mir auch egal, als der König mit einem Schwert auf mich zuging. Ich war erfahren und ein guter Kämpfe. Leider hatte ich ihn unterschätzt. Daher musste ich mir eingestehen, dass er die Oberhand hatte. Aber aufgeben war keine Alternative.
Als ich dann in eine Ecke gedrängt wurde hatte ich schon mein Ende gesehen, doch sie war einfach dazwischen gesprungen. Wieso tat sie das?
Ich fing meine Königin gerade noch auf, als sie zu Boden sackte. Ihre Augen waren geweitet und schauten den Elbenkönig an. Die Klinge war von ihrer Schulter quer über ihren Körper geschnitten worden und ruhte nun blutverschmiert in den Händen Thranduils.
Ihr Körper wurde in meinen Armen kühl und dann sprach sie die Worte, die ich nicht hätte hören wollen. „Nennûr…“
Ich versteifte mich und Bilder aus vergangenen Tagen kamen in mir hervor.

-Rückblick-
Es war ein stürmischer Frühlingstag und die Wellen preschten nur so gegen die Klippen und der Wind heulte durch jede undichte Stelle.
Das Königreich hatte ein hartes Jahr hinter sich, denn vor nicht ein Mal einem halben Jahr war auch der zweite Prinz von uns gegangen. Der König hatte dies gelassen aufgenommen und die Königin, dem Anschein nach auch. Aber ich wusste es besser. Sie trauerte auf ihre eigene Weise. So sahen viele nicht, dass sie immer mehr ab nahm und schon abgemagert wirkte, nie ihr Zimmer verließ und sich auch immer mehr zurückzog. Einzig und alleine nachts traf man sie im Thronsaal an, an der Stelle wo die Namen der vergangenen Herrscher und Familienmitglieder eingraviert waren. Diese Wand schaute sie sich stundenlang an, keine Regung, kein Geräusch. Da, wo andere Menschen wütend wurden, schrien, weinten, bildete sich bei ihre eine Leere und Kühle. Nach all den Jahrhunderten, in denen sie nun hier lebte, hatte sie noch nie so sehr wie ein Geist ihrer selbst ausgesehen, wie jetzt. Und nun war noch zudem die Zeit im Jahr, in dem sie sich ohnehin schon immer einschloss und mit niemanden sprechen wollte. Wieso sie das tat, wusste niemand, aber Gerüchte gab es haufenweise. Von skurrilen, wie sie würde dunkle Magie erlernen, über Dingen, die kein Elb braucht, wie eine Diät, bis zu logischeren, dass sie wegen etwas oder jemanden trauerte. Noch nie hatte ich sie in diesen Tagen im Jahr gesehen. Seit über 3000 Jahren nicht. Und daher war ich mehr als überrascht, als ich ihre Gestalt, gekleidet in einem hellblauen, langen, fließenden Nachthemd mit kurzen Ärmeln, durch den Gang wandern sah. Was machte sie hier? Von meiner Neugierde überwältigt und weil es meine Pflicht war die Königsfamilie zu beschützen, folgte ich ihr. Sie ging durch Gänge, die selten benutzt wurden und welche schlussendlich am anderen Ende des Palastes, weit weg von jeglichen Elben, führte. Dort öffnete sie eine geheime Türe und betrat die pechschwarze, stürmische Nacht. So unauffällig wie möglich folgte ich ihr weiter und meine Schuhe betraten dann den Strand. Wir waren an einer kleinen Bucht gelangt. Sie stoppte jedoch nicht und ging immer weiter Richtung Meer. Ich hatte schon Angst, dass sie sich was tun wollte. Ihre nackten Füße betraten nun das Meer und sie ging einige Schritte hinein. Ihr Kleid sog das Wasser in sich auf und ließ es schwer an ihr herabfallen, die Wellen preschten gegen ihre Beine, aber sie blieb nun immerhin stehen. Wie eine Statue stand sie dort, gebannt auf den Horizont, den man nicht sehen konnte, starrend und ihre Hände ihre Kette umklammernd. Diese Kette hatte nur eine Handvoll Elben je zu sehen bekommen. Ich selbst wusste auch nicht was an ihrem Ende hing, aber nun umklammerte sie es. Ich wusste nur, dass es etwas aus ihrem Leben vor dem Meeres-Volk war. Etwas, das sie geschenkt bekommen hatte und ihr wichtig war. Um sie nicht zu stören blieb ich auf meiner Stelle verharren, einige Meter von ihr. Sie hatte mich nicht bemerkt, was auch durch den Sturm, der um uns herum wütete schwierig geworden wäre. Und dann sah ich etwas, was ich noch gesehen hatte. Sie weinte. Meine Königin, stark wie ein Fels, weinte. Sie weinte nicht nur ein wenig, sondern wie ein Schlosshund. Immer mehr Tränen rollten ihre Wange entlang und die Kette umgriff sie so feste, dass ihre Knöchel weiß wurden. Ihre Knie zitterten und das war der Moment für mich, auf sie zuzugehen. Ich wollte nicht, dass sie zusammenbrach. Raschen Schrittes eilte ich auf sie zu, watete ins Wasser und umgriff ihre Hüfte um sie zu stabilisieren. Durch meine Berührung erschrocken drehte sie sich zu mir um und schaute mich mit tränenverschleierte, silbernen Augen an.
„Nennûr…““, murmelte sie und dann zog sie mich zu sich heran.
Nie hätte ich mit solch einer Reaktion gerechnet. Bevor ich sie abhalten konnte, legte sie ihre Lippen auf meine. Es war falsch, das wusste ich. Sie war verheiratet mit meinem König, aber ihre Lippen auf meinen waren das berauschendste was ich je erlebt hatte. Sie waren so weich und schmeckten durch die Tränen und das Meer salzig. Es war ein kleiner, gehauchter Kuss, der aber so viel Liebe und Sehnsucht in sich hatte. Ich schlang meine Arme um ihre Hüfte und zog sie enger an mich heran, denn ihr Körper zitterte. So kurz und plötzlich der Kuss kam, so abrupt endete er auch und meine Königin schaute mich abermals an. Erst jetzt realisierte sie wohl wen sie vor sich hatte, denn ihre Augen schauten mich schockiert an und dann trat sie einen Schritt zurück. Meine Hände ruhten noch immer an ihrem Körper.
„Bruinen. Was macht ihr hier?“
Dabei, wischte sie rasch ihre Tränen fort und versuchte sich wieder zu ordnen.
„Bereth nín, ich sah euch den Palast verlassen und war um eure Sicherheit besorgt. Verzeiht mir, wenn ich zu weit gegangen bin.“
Sie löste sich nun ganz von mir und schritt auf den Strand zu.
„Bitte vergesst, was hier je geschehen war.“
Ich nickte nur und folgte ihr.
Das war der erste und einzige Tag, an dem ich meine Königin so gesehen hatte. Danach trug sie wie gehabt ihre kalte Maske und über das Geschehen in der Bucht verloren wir nie ein Wort.

-Gegenwart-
Nennûr hatte sie gesagt. Die Worte, der Kosename, den sie auch damals am Strand benutzt hatte. Schon früh ist mir in den Sinn gekommen, dass sie mich verwechselt hatte, aber auf die Idee zu kommen, sie sehnte sich nach dem König des Düsterwaldes, war ich nie gekommen. Es war doch auch zu absurd. Wie konnte man so einen kalten Mann begehren?. Doch sie hatte ihn nun so angesprochen und schaute ihn weiterhin mit ihrer letzten Kraft an.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast