-| Only One Time |-

von Yui Yuuji
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Katan Rosiel
26.07.2020
26.07.2020
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Lass mich dich berühren. Lass mich dich nur einmal berühren. Mehr verlange ich nicht. Mehr will ich nicht. Nichts weiter. Nur dich. Dich, zumindest einmal. Ein einziges Mal.

Bleibt mir dieser Wunsch für immer verwehrt?

Ich sehe ihm dabei zu, wie er vor dem großen Spiegel in seinem Schlafgemach steht und sich betrachtet. Wie er damit beginnt, langsam und mit geschickten Fingern seine Haare hochzustecken. Er verkörpert pure Schönheit. Meine Lippen formen sich zu einem sanften Lächeln während ich ihn durch die halb geschlossene Tür beobachte und seine anmutigen Bewegungen bestaune.

„Katan.“

Seine Stimme schneidet durch die Stille. Jedoch auf eine sehr angenehme Art und Weise. Selbst bei der Tatsache, dass der Unterton scharf, wie eine Klinge ist.

„Wie lange willst du noch dort stehen? Komm her und reiche mir meinen Mantel.“

Keine Sekunde lang löst er seinen Blick von dem Spiegel vor welchem er steht. Deutlich kann ich dieses kalte Lächeln erkennen, das seine wunderschönen Lippen umspielt.
Selbstverständlich habe ich seinen Mantel schon um meinen Arm gelegt und betrete nun sein Schlafzimmer, trete an ihn heran und helfe ihm in das figurbetonte Stück Stoff hinein. Kommt es mir nur so vor, oder sieht er heute noch atemberaubender aus als sonst?

Kurz darauf verlassen wir seinen Wohnbereich.


Es ist Weihnachten und so wie die meisten Menschen es feiern, so feiern wir Engel es ebenfalls.
Zugegeben, nicht mehr so ausgelassen, seit Gott uns verlassen hat, doch nehmen lassen möchte es sich niemand. Und schon gar nicht Rosiel-sama. Ich bin mir darüber im Klaren, wie sehr er es liebt, sich in seine schönste Kleidung zu hüllen und zu tanzen. Natürlich würde er auch heute wieder allen die Show stehlen. Allen. Er genoss es, der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein.

Es war eine Pflicht für alle Engel, bei dieser Feier anwesend zu sein. Rosiel-sama liebte es, wie alle Augen auf ihn gerichtet sein würden, wenn er den großen Saal betreten würde. Ein wenig später als alle anderen Gäste, doch noch immer pünktlich. So konnte er sichergehen, dass ihn alle bemerken würden. Ich für meinen Teil konnte es ihm nicht verübeln. Dieses wunderschöne Wesen hatte jede Art von Aufmerksamkeit verdient, die es nur gab.

So auch heute. Ein Raunen ging durch den gesamten Saal als der schönste Engel im ganzen Himmel durch die große Flügeltür schritt. Mit seinem Haupt hoch erhoben und mit mir der still hinter ihm her ging.
Dieses Jahr hatte er sich selbst übertroffen. Die Haare waren hochgesteckt und doch noch so lang, dass sie ihm bis über die Schulter reichten. Sein Mantel reichte fast bis zum Boden und das Fell am Kragen umrahmte sanft sein puppenhaftes und perfektes Gesicht. Die Stiefel, welche er trug, gingen ihm bis über die Knie und die schwarze Hose, die er dazu trug, war so eng, dass sie perfekt in den Schuhen verschwand. Das Hemd war von einem so unglaublichen reinen Weis. Es schmeichelte seiner Figur, doch war es nicht zu eng. Um all dies abzurunden trug er selbstverständlich seinen besten Schmuck.
Zugegeben, vielleicht war die Kleidungswahl ein wenig zu lasziv, aber es wäre nicht Rosiel-sama wenn ihm das nicht vollkommen egal wäre. Und es verfehlte nie seinen Zweck. Er wollte auffallen und vielleicht auch ein wenig provozieren. Und das gelang ihm wie keinem Zweiten.

Er sah umwerfend aus. Und das fanden wohl auch die meisten anderen Engel. Selbst wenn sie vor Neid erblassten, so mussten sie zugeben, dass er wunderschön war.

Ich selbst hielt mich im Hintergrund. Es stand mir nicht zu, mich so extravagant zu kleiden wie manch anderer Gast. Jedoch störte mich diese Tatsache nicht im Geringsten. Selbst wenn ich es hätte tun dürfen, ich hätte es mich nie gewagt. Niemals hätte ich es mich getraut, Rosiel-sama die Show streitig zu machen.

An diesem Abend war die Stimmung nicht so ausgelassen, wie noch im Jahr zuvor. Die politischen Unruhen, die herrschten, wogen schwer auf den Schultern derer, die die Entscheidungen treffen mussten. Man konnte die schwere Luft beinahe greifen, wenn man sich nur genug darauf konzentrierte.
Meine Aufmerksamkeit galt nur Rosiel-sama. Wie er tanzte und sich amüsierte. Ohne jeden Zweifel konnte er ebenso spüren, dass etwas nicht in Ordnung war, doch es interessierte ihn nicht. Für ihn war es nur ein weiterer Anlass, zu feiern.

Mit äußerlich vollkommen ruhiger Miene beobachtete ich jede einzelne grazile Bewegung dieses perfekten Geschöpfes. Jedes Lächeln, das er jemandem schenkte, erfüllte mich mit Freude, denn keines davon war echt, ehrlich. Ich mochte es mir vorzustellen, dass sein aufrichtiges Lächeln nur mir gehörte.


Der Abend war lang. Die Feierlichkeiten gingen bis in die frühen Morgenstunden hinein. Ich begleitete Rosiel-sama auf dem Rückweg in seine Wohnräume.
Mit sanftem Blick beobachtete ich ihn dabei, wie er seine Kleidung ablegte und sich etwas zum Schlafen überwarf. Seine Haare öffnete er erst zum Schluss. Wie gerne hätte ich hindurchgestreichelt. Sie würden sich bestimmt unglaublich weich anfühlen.

Einen Moment war ich in Gedanken verloren. Ein Moment, der für ihn ausreichte, um plötzlich vor mir zu stehen und mich zu überraschen.

„Du scheinst heute etwas abgelenkt zu sein, mein lieber Katan.“ der Unterton eines Grinsens war deutlich in seiner Stimme zu vernehmen und ein Schauer durchlief meinen ganzen Körper. Er war wie eine Raubkatze, welche zum Angriff ansetzte.

Eisern hielt ich seinem Blick stand. Er wartete nur darauf, dass ich zur Seite sah, doch ich kannte ihn zu gut. Es wäre ein Zeichen des Aufgebens gewesen. Es hätte ihm nicht gefallen. Zugegeben, ich hätte gerne seinen Körper gemustert. Das Hemd, welches er zum Schlafen angezogen hatte, war tief ausgeschnitten. Liebend gerne hätte ich meine Hand auf seine Brust gelegt. Gespürt, wie warm seine Haut war.

Noch bevor ich eine Antwort geben konnte, erhob dieses perfekte Geschöpf vor mir erneut seine Stimme, es kam mir dabei noch näher und deutlich konnte ich den Atem spüren, der über meine Lippen streifte.

Nur noch ein paar Zentimeter und seine Lippen würden die meinigen berühren.
Nachgeben wollte ich wie nichts anderes auf der Welt. Nur ein einziges Mal diese Wärme spüren.
Selbstverständlich verbot ich es mir.

„Ich kann mir schon denken, woran es liegt.“

Noch bevor ich antworten konnte, mich rechtfertigen wollte, spürte ich seine Hand auf meiner Brust. Zu viel Stoff waren zwischen seiner und meiner Haut, doch ich konnte die Hitze spüren. Tief in mir.
Mein Blick löste sich nicht von seinen Augen. Auch er sah mich weiter an während seine Hand weiter nach unten glitt. Über meine Brust und meinen Bauch. Tiefer hinab, immer tiefer. Es war zu viel für mich. Meine Augen schlossen sich und ich spürte, wie Rosiel-sama noch näher kam. Sein perfekter Körper schmiegte sich an meinen. Nun war es nicht mehr nur sein Atem, der meine Lippen streifte während er sprach.

„Oh mein armer Katan. Ich kann sehen, wie sehr du mich willst. Wie sehr du mich begehrst. Du weißt, es ist nicht erlaubt.“

Ich schluckte und meine Augen öffneten sich wieder. Bedauern lag in meinem Blick und zu meiner Überraschung auch in dem seinigen. Jedoch war sofort wieder ein Lächeln auf seinen perfekten Lippen. „Aber das hier darf ich dir geben.“

Ehe ich mich versah küsste er mich.

Es war nur eine sanfte Berührung seiner Lippen und meiner. Doch es war genug, um ein Feuer in mir zu entfachen, welches ich nie für möglich gehalten hätte. Tausende, abertausende Gedanken schossen mir in den Kopf doch innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde waren sie alle verschwunden. Zu gerne hätte ich mein Gegenüber an den Schultern gepackt, an die Wand gedrängt und den Kuss mit all der Leidenschaft erwidert, die ich zu ihm empfand.

Aber es war mir nicht erlaubt.

Bevor ich etwas tun konnte, den Kuss gar erwidern konnte, verschwanden seine Lippen und seine Wärme schon wieder. Erloschen war der Moment, doch nicht das Feuer in mir.

Er trat einen Schritt von mir weg. „Gute Nacht, Katan.“ seine Stimme klang so sanft und leise. Ein entschuldigender Unterton schwang in ihr mit und in diesem Moment verstand ich.

     Ihm erging es wie mir.

Nun bildete sich auch ein Lächeln auf meinen Lippen. Ich nickte und verbeugte mich, wünschte ihm eine wunderschöne und erholsame Nacht, wie ich es immer tat. Dann verließ ich das Schlafzimmer und schloss die Tür hinter mir.

Dieses bitter-süße Gefühl in mir blieb. Ebenso wie das Feuer und das Prickeln auf meinen Lippen. All das würde nicht so schnell verblassen. Ich würde die Erinnerungen und Gefühlte tief in mir einschließen und sie hüten, wie einen Schatz. Mir war es nicht gestattet, ihn zu lieben. Mir war es nicht gestattet, ihn zu berühren. Es war eine Tatsache, mir der ich mich schon vor lange Zeit abgefunden hatte. Doch wenn er es sich von Zeit zu Zeit gestatten würde, mich zu berühren, wäre es erträglicher.

Rosiel-sama konnte grausam sein. Grausam zu seinen Gegnern. Erbarmungslos. Doch tief in seinem Inneren war er das sanfteste Wesen das existierte, zumindest für mich.
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