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Observer on Timeless Temple

von Kerykeia
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
26.07.2020
29.12.2020
8
41.292
1
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31.07.2020 5.108
 

Chapter 1.2


Singularity F
AD. 2004 Flame Contaminated City: Fuyuki


Entering Fuyuki


Ritsuka hatte nicht erwartet, dass sie jemals wieder aufwachen würde. Sie war kein gläubiger Mensch, doch für diesen Moment warf sie all ihre atheistischen Gedanken beiseite. Die heißen Flammen und das ohrenbetäubende Krachen von herabfallenden Brocken aus der Decke saßen ihr noch tief in den Knochen. Es war nicht möglich, dass sie dies hätte überleben können, wo sie doch gerade, als sie einschlief, von Chaldea begraben wurde.
Nun aber blickte sie gen Himmel, der nichts mit dem Blau oder Schwarz ihrer Welt gemein hatte. Wolkenlos, blutrot und einengend lag er wie eine Decke über ihr, schien sie zu erdrücken und ihr den Atem zu nehmen. Sie fühlte plötzliche Platzangst, obwohl sie sich nur zu gut bewusst war, dass jener Himmel weit in der Ferne lag. Hohe Gebäude ragten in ihn auf, reckten sich ihm brennend entgegen, und fielen in Trümmern zu Boden. Das hier war nicht ihre sterbliche Welt – das war die Hölle. Nichts könnte so beängstigend und grausam sein, wie dieser Ort. Durch die Hitze lief ihr der Schweiß in Strömen über das Gesicht und sie versuchte vergeblich, ihn aus ihren Augen zu wischen. Womit hatte sie dieses Schicksal verdient?

Ihr Herzschlag setzte für einen Moment aus. Die Gegend kam ihr mehr als vertraut vor. Sie kannte diese Straße, mit seinen seltsam gemischten modernen und traditionellen Häusern. Manche weisten mehr als zehn Stockwerke auf, wohingegen andere lediglich aus einem Erdgeschoss bestanden und zwischen den gewaltigen Blöcken nahezu ärmlich aussahen. Sie war oft durch diese Straßen gewandert, in der Hoffnung, ihre Mitschüler würden vielleicht den Kopf durch das Fenster stecken und mit ihr ins Café gehen. Das Café… Ihr Blick wanderte rechts an den Häusern vorbei und fiel auf den kleinen Laden, dessen Schild schief hing und wie alles andere in Flammen stand. Hier in der Nähe befand sich das Haus ihrer Eltern!

Panik kam in ihr hoch. Es war nichts zu hören, bis auf das Knistern des Feuers, nicht einmal Schreie. Wo waren all die Bürger? Sie konnten doch nicht alle tot sein! Sie konnten nicht alle von den Flammen verschlungen worden sein!

Hastig versuchte sie, sich aufzurappeln. Vergebens. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihr Bein und ließ sie überrascht aufstöhnen. Das warf sie wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Hysterie würde ihr nicht weiterhelfen. Bevor sie irgendetwas unternehmen konnte, musste sie sich erst beruhigen und sich ein Bild von der Lage machen. Ein kühler Kopf war das, was einem das Leben rettete - und nicht der, den man durch die nächstbeste Wand rammte.
Sie meinte, weit entfernte Schreie zu hören, doch das konnte genauso gut die Erfindung ihrer panischen Gedanken sein. Konzentration. Das war das Schlüsselwort. Ritsuka amte die Bewegungen nach, die sie in dem Dojo ihrer Schule gesehen hatte, als sie sich auf den Kampf vorbereiteten, um sich zu fokussieren und Herr seiner Selbst zu werden.
 
Was war hier nur passiert? Außerdem beschäftigte sie zunehmend, was aus Chaldea und dem ganzen Personal geworden war. Ob ihr neu gewonnener Freund Roman wohl noch unbeschadet davon gekommen war? Sie hoffte es inniglich. Kurz darauf kam ihr Mash in den Sinn. Die junge Frau war bei ihr gewesen, also hatte sie den Einsturz vielleicht auch überlebt – aber die Verletzungen, das viele Blut… Und Kerry! Was war aus ihrem Bruder geworden?

„Master!“

Ritsuka traute ihren Augen nicht. Sie kannte diese Stimme und auch die ungewöhnliche Haarfarbe, doch das war schon alles, was sie an ihr wiedererkannte. Mash schien absolut unversehrt, sämtliche Wunden waren offenbar verheilt und nicht länger sichtbar. Von der schüchternen Schülerin fehlte jede Spur. Stattdessen sah sie dort vor sich eine draufgängerische und viel zu spärlich bekleidete Frau. Die Brille musste sie verloren haben, was ihr den scheuen Blick nahm, und ihr rosa Pony verdeckte ihr rechtes Auge. Ihre Kleidung war augenscheinlich eine Art Rüstung, die nicht einmal ihre Oberschenkel verbarg, so knapp wie sie war. Die langen Beinschienen halfen auch nicht dabei, mehr von ihrer Haut zu verdecken. Was sie jedoch am meisten verwunderte, war der riesige Schild, welchen sie nahezu mühelos bei sich trug. Er bestand aus einem einfachen Kreis, worauf sich allerdings ein großes Christenkreuz erstreckte, wodurch es Mash um einige Zentimeter überragte. Es war ihr ein Rätsel, wie dieses zierliche Mädchen einen so großen Schild tragen konnte. Und wie schnell sie rannte – mit hohen Absätzen!

„Ich bin so froh, dass du wohlauf bist!“, rief sie erleichtert aus und kam vor ihr zum Stehen. „Bist du verletzt, Senpai?“

Ritsuka musste sich erst einmal wieder sammeln. Das alles kam sehr unerwartet. Sie wollte Mash schon beschwichtigen, dass alles in Ordnung sei, als ihr die Beinverletzung in den Sinn kam. Aber als sie ihr besagtes Bein bewegte, spürte sie nicht mal das kleinstes Stechen. Sie konnte sich nicht erklären, wie sie auf einmal geheilt sein konnte, zuckte aber nur mit den Schultern und akzeptierte für den Moment, dass irgendwie alles nicht ganz normal war.

„Alles okay. Sag mal – warst du schon immer so verdammt stark?“, hakte sie nach und deutete auf ihren Schild, um ihre Frage zu unterstreichen.
Mash selbst hatte einen unwissenden Gesichtsausdruck aufgesetzt. „Ich weiß nicht. Im Kampftraining musste ich immer nach den Stunden dort bleiben, weil ich zu schwach war. Ich konnte nicht mal Sit-Ups.“

Als sie von einem lauten Piepen unterbrochen wurden, zuckte Ritsuka kurz zusammen. Sie kannte dieses Geräusch. Es kündigte an, dass sich jemand über das Digital-Armband melden wollte.
 
„Hallo? Hier ist der Chaldea Command Room. Könnt ihr mich verstehen?“
Ritsuka hätte Luftsprünge vor Freude machen können. Roman lebte!

„Hier Mash Kyrielight, Team A. Meine einzige Begleitung ist Fujimaru-san. Geist und Körper sind intakt. Bitte registrieren Sie sie offiziell in der Master Akte.“ Der Inhalt ihrer Worte erreichte Ritsuka nicht. Sie konnte sich in diesem Augenblick nur darüber freuen, Mash und Roman an ihrer Seite zu haben; dass sie überlebt hatten. Wie auch immer das möglich war.

„Ich werde etwas ausprobieren. Bitte warten Sie eine Sekunde.“ Mash griff nach ihrer Hand und betätigte kurzerhand einen der unscheinbaren Knöpfe an dem Kommunikator. Gespannt beobachtete Ritsuka sie dabei. „Sie können nun das Hologramm aktivieren, Doktor.“ Hologramm?
Und tatsächlich. Wenig später ging ein bläuliches Licht von ihrem Digitalband aus und zeigte eindeutig die Umrisse von Roman. Dieser saß auf einem großen Stuhl, wie ihn nur Chefärzte oder andere wichtige Personen in ihrem Büro hatten, und fasste die beiden besorgt ins Auge. Erst inspizierte er Ritsuka.

„Wie geht es dir? Irgendwelche Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder ein ungutes Gefühl im Magen?“
Ritsuka konnte alles verneinen. Es ging ihr bemerkenswert gut dafür, dass sie sich in der Hölle befand. Zumindest körperlich war alles in Ordnung. „Es geht mir gut“, beschwichtigte sie ihn. Auch wenn sie eigentlich ein gebrochenes Bein und eine starke Rauchvergiftung haben sollte.

„Wie schön.“ Auch Roman lächelte erleichtert. Dann wandte er sich an Mash – und riss gleich darauf die Augen auf. „W-Was soll diese Kleidung, Mash? Das ist unmanierlich!“

Die Angesprochenen lief leicht rot an. „Ich wurde in diese Kleidung transformiert!“, verteidigte sie sich sofort. Es war ihr offensichtlich sehr unangenehm.

„Transformiert?“, echote Ritsuka mit hochgezogenen Augenbrauen. Das klang für sie nach unsinniger Science Fiction. „Vielleicht hat sie sich den Kopf gestoßen“, vermutete sie besorgt und besah sich Mash genauer. Blut konnte sie glücklicherweise nicht erkennen, doch vielleicht hatte sie irgendwo einen blauen Fleck – oder ein Hämatom, so wie der Doktor gleich darauf laut aussprach. Seinen unangebracht spielerischen Tonfall überhörte sie gekonnt. Sie machte sich wirklich sorgen! Wenn einer der Brocken ihren Kopf getroffen hatte...

„Seid leise, beide!“, rief Mash überraschend aus. Dieses temperamentvolle Verhalten passte nicht zu der Mash, die sie vor wenigen Stunden kennengelernt hatte, weshalb Ritsuka sie umso mehr kritisch beäugte.
„Doktor Roman, bitte überprüfen Sie meine Kondition. Dann werdet ihr meinen Zustand besser verstehen.“

Roman beugte seinen Kopf etwas vor. Es sah aus, als würde er etwas vor sich, wahrscheinlich einen Monitor, näher betrachten. Für einige Sekunden herrschte absolutes Schweigen. Während Roman nur stumm die Werte ablas und keine Regung auf seinem Gesicht zuließ, zappelte Ritsuka nervös von einem Bein auf das andere, da sie mehr als gespannt war, zu erfahren, warum Mash so anders war.

„Hä?“, machte der Doktor wenig intelligent. Er lag fast mit seiner Stirn auf dem Monitor, als könne er die Daten so besser lesen. Als sie ihn neckend fragen wollte, ob er eine Brille bräuchte, zuckte er so schnell zurück, dass Ritsuka ebenfalls aufschreckte.

Whoa!

„Würdest du mich bitte einweihen, Roman?“, fragte sie sogleich und reckte ihren Hals, um zu sehen, ob sie ebenfalls auf den Monitor blicken könnte.

„Mashs Werte haben sich mehr als verdoppelt! Das ist nicht menschlich, eher-“

„Richtig“, bestätigte Mash nickend und wandte sich Ritsuka zu, die noch immer nicht erleuchtet worden war. „Ich bin ein Demi-Servant. Meine Erinnerungen sind noch etwas verschwommen, weshalb ich nicht mehr genau weiß, wie es dazu kommen konnte, doch ich habe offensichtlich überlebt, indem ich mit einem Servant fusioniert wurde. In letzter Sekunde muss er mit mir einen Vertrag geschlossen haben. Als Gegenleistung für seine Fähigkeiten und sein Noble Phantasm, soll ich der Ursache für das Chaos in Singularität F auf den Grund gehen.“

„Eine Fusion aus einem Heldengeist und einem einfachen Menschen“, erklärte Roman auf Ritsukas fragenden Blick hin. „Es ist eines der Experimente, mit dem wir uns in Chaldea beschäftigt haben. Bisher gab es nur nie Erfolge.“

„Wer ist es? Welcher Held?“

„Er ist verschwunden, ehe er seinen echten Namen preisgeben konnte. Somit kann ich auch nicht sagen, welches Noble Phantasm er mir übertragen hat. Ab diesem Punkt sind meine Erinnerungen wie ausgelöscht.“ Nun sah Mash wieder zu Ritsuka. „Wie viel ist dir über den Krieg um den Heiligen Gral bekannt?“

Ritsuka kramte in ihrer hintersten Gedächtnisschublade. Das kam ihr bekannt vor. Es war kein Thema, über das offen geredet wurde, doch sie hatte ihre eigenen Eltern mit einer anderen Magierfamilie darüber sprechen hören. Daher kannte sie auch den Begriff Servant – der Diener eines Magiers.

„Sieben Magier kämpfen um den Gral, von dem sie sich erhoffen, dass er ihnen einen Wunsch erfüllt. Jeder von ihnen beschwört dabei einen Heldengeist, die alle einer unterschiedlichen Klasse angehören.“ Ritsuka überlegte weiter. Ein paar andere Sachen hatte sie noch aufgeschnappt, zum Beispiel was es für Klassen gab, doch sonst… „Das war’s auch schon“, gestand sie. Es hatte sie nur kurzzeitig interessiert; einmal hatte sie ihre Eltern danach gefragt, doch als sie keine zufriedenstellende Antwort erhalten hatte, hatte sie aufgegeben und es irgendwann vergessen. Magie war ohnehin nie ihr Steckenpferd gewesen.
„Aber wenn Mash ein Servant ist, wer ist dann ihr Master?“

Es bedurfte keiner Antwort. Roman deutete mit einer sachten Kopfbewegung auf ihre Hand und Ritsuka verstand sofort, als sie das rote Zeichen auf ihrem Handrücken entdeckte. Natürlich! Deshalb hatte Mash sie also Master genannt.
In ihrem Kopf herrschte absolute Leere und sie vergaß, dass ihre Begleiterin – oder besser, ihr Servant – und der Doktor auf eine Reaktion ihrerseits warteten. Was sollte sie schon dazu sagen? Ausgerechnet sie, die sich von der Magie abgewendet und sich für ein Geschichtsstudium entschieden hatte, ja überhaupt nichts mehr mit Magiern zu tun haben wollte, sollte nun ein Master sein.

„Ist alles in Ordnung, Ritsu-“

„Doktor! 10 Sekunden, bis die Verbindung abbricht!“ Das kam plötzlich. Die Stimme kam aus dem Hintergrund und Ritsuka hörte sie zum ersten Mal. Es gab weitere Überlebende in Chaldea!

In Romans Augen spiegelte sich Verwirrung wieder. Erst viel zu spät begann er im rasenden Tempo zu sprechen. „Okay, bevor ich gehe: Zwei Kilometer nördlich von euch ist--“ Die Verbindung wurde unterbrochen. Mash und Ritsuka wechselten einen Blick, nicht wissend, was sie nun zu tun hatten. Sie saßen irgendwo in Fuyuki fest, mit nichts als einem nutzlosen Kommunikator und einem Kreuzschild. Nicht einmal ihre Aufgabe war ihnen bekannt.

„Mash“, begann Ritsuka nachdenklich. „Ich habe keine Ahnung, was wir jetzt machen müssen, und du scheinbar auch nicht. Vielleicht sollten wir einfach mal Richtung Norden laufen und sehen, was uns dort erwartet, findest du nicht?“
Es war eine riskante Entscheidung, das wusste sie. Alles Mögliche konnte sie zwei Kilometer weiter erwarten. Da Mash nun ein Servant war, rechnete sie fest damit, dass sie jeden Moment von anderen Heldengeistern überrascht werden würden. Das, was der Doktor dort ausgemacht hatte, konnte ein Feind sein oder aber, wenn das Glück auf ihrer Seite war, ein Verbündeter. Oder der Gral! Ritsukas Wissen über diesen Krieg war beschränkt, doch sie wusste genug, um die Gefahren richtig einschätzen zu können. Glaubte sie zumindest.
Ihr Servant hatte offensichtlich ähnliche Gedanken. „Zu Befehl, Master.“

Von diesen knappen Worten erschrocken fuhr sie herum und schüttelte heftig mit dem Kopf. „Bitte, einfach Ritsuka. Oder Senpai, wie du willst. Nur bitte hör auf, mich Master zu nennen!“

„Fou!“ Oh nein.

Ritsuka fasste sich an die Schläfen. Das konnte doch nicht wahr sein! Was machte dieses Eichhörnchen hier?!
Fou sprang fröhlich quiekend auf ihre Schulter, um gleich darauf das Gesicht von Mash als Sprungbrett Richtung Boden zu benutzen und sich wild im Kreis zu drehen. Als wären die beiden nicht genug gestraft, mussten sie sich jetzt auch noch um das kleine Tier kümmern. Womit hatte sie das verdient? Sie fragte sich außerdem, ob es Tieren überhaupt möglich war, durch den Rayshift in die Vergangenheit geschickt zu werden. Vielleicht bildete Fou als magisches Etwas ja auch eine Ausnahme.

„Lass uns gehen“, beschloss sie, als sie sich von diesem Überraschungsangriff erholt hatte. Es half ihnen nicht, an diesem höllenähnlichen Ort zu verweilen. Sie mussten dem Chaos auf den Grund gehen.


° ° °


Während sie durch die zerstörte Stadt liefen, schwiegen sich die beiden Frauen an. Es war keine unangenehme Stille, denn jede von ihnen hing ihren eigenen Gedanken nach. Ritsuka hatte längst aufgegeben, sich über den Krieg den Kopf zu zerbrechen. Antworten würden folgen, dem war sie sich sicher. Spätestens dann, wenn sie den besagten Punkt erreichten, den Roman genannt hatte. Stattdessen dachte sie an ihren jüngeren Bruder. Ganz offensichtlich war Roman nicht der einzige Überlebende in Chaldea, also bestand doch eine gute Chance, dass auch Kerry noch lebte, oder?

Sie warf einen kurzen Blick zu Mash. „Wie lange kennst du Kerry schon?“, fragte sie schließlich neugierig.

Die Angesprochenen sah überrascht auf. „Fujimaru-kun?“ Es überraschte Ritsuka etwas, dass ihr Bruder Mash noch nicht dazu aufgefordert hatte, ihn einfach Kerry zu nennen. Für gewöhnlich waren ihm diese Höflichkeiten zu lästig. Oder aber Mash weigerte sich einfach, diese Grenze zu überschreiten. „Noch nicht sehr lange. Die meisten Master-Kandidaten wurden erst vor ein paar Wochen nach Chaldea eingeladen. Fujimaru-kun war einer der letzten.“

Ritsuka nickte nachdenklich. Sie fragte sich, wie es ihm wohl wirklich in London ergangen war und was für Fortschritte er gemacht hatte. Die zwei Geschwister hatten nie wirklich über ihr Studium gesprochen.


Abnormal hohes Kreischen erreichte die beiden Frauen. Mash und Ritsuka sahen sich alarmiert an. Es kam genau aus der Richtung, in welche sie die ganze Zeit liefen. Sollten sie das Risiko eingehen und dem Schreien nachgehen oder sich besser in Sicherheit bringen? Sie waren sich einig. Eine andere Wahl hatten sie sowieso nicht...

„Senpai, wir müssen ihr helfen!“, meinte Mash bestimmt. Ritsuka konnte ihr da nur zustimmen. Es würde sie ohnehin nicht weiterbringen, wenn sie sich irgendwo versteckten.
Mash rannte bereits los und Ritsuka joggte ihr hinterher. Mit ihrem Tempo konnte sie jedoch bei Weitem nicht mithalten. Mit einem kurzen Zeichen gab sie ihr zu verstehen, dass sie nicht auf sie warten sollte. Ritsuka musste sich zusammenreißen und ihr nacheilen. Doch das war leichter gesagt als getan.

Rette mich, Lev!

Nun konnte sie sich sicher sein – da brauchte jemand ihre Hilfe. Mit neuer Entschlossenheit rannte sie weiter, auch wenn ihre Lunge wie Feuer brannte. Doch warum hatte diese Person ‚Lev‘ gerufen? War der Professor etwa auch vor Ort? Was sie nun aber mit Sicherheit feststellen konnte; es gab eine weitere Überlebende. Und sie würde nicht eher anhalten, bis sie diese Person gefunden hatte.

Das Schreien verstummte, sodass sie nur noch erahnen konnte, wo sich die Frau befand.
„Mash!“, rief sie laut, um wenigstens diese wiederzufinden. „Mash!“

„Ich bin hier, Senpai!“

Erleichtert folgte sie der Stimme. Sie wählte an der nächsten Kreuzung den linken Weg und kam sogleich ins Stolpern, als sie die Frau vor sich erkannte. Das war doch diejenige, die aus dem Büro gestürzt war, als Ritsuka in Chaldea angekommen war. Sie hockte mit bleichem Gesicht auf dem Boden und starrte sie aus wirren, angsterfüllten Augen an. Mash beugte sich leicht über sie, um ihr eine Hand zum Aufstehen anzubieten. Doch sie ignorierte ihr Angebot. Sie stand plötzlich auf und zeigte mit zitterndem Finger auf Ritsuka.

„Du!“

„Ich?“ Ritsuka wurde schlagartig nervös und rührte sich nicht mehr vom Fleck. Sie hatte eine Vermutung, wer diese Frau war – nein, sie war sich ziemlich sicher. Das war die berühmt berüchtigte Direktorin, mit der Roman es sich schon verscherzt hatte. Und Ritsuka hatte es scheinbar auch, ohne es überhaupt mitbekommen zu haben.

„Sind Sie verletzt?“, fragte Mash und versuchte von Ritsuka abzulenken. Doch sie schien sich die Frage selbst zu beantworten, denn sie sprach sofort weiter. „Unsere derzeitige Situation ist etwas kompliziert, aber ich versuche, es einigermaßen zu erklären. Ich bin-“

„Ein Demi-Servant, ich bin ja nicht blind!“, fauchte Olga Marie hitzig. „Was ich wissen will, ist, warum ausgerechnet diese drittrangige Magierin, falls man sie so überhaupt nennen kann, ein Master ist! Nur Magier der ersten Klasse sind dazu fähig!“
Ritsuka stammelte einige unverständliche Worte. Sie kannte die Antwort ja selbst nicht. Zudem konnte man sie nicht mal als Magierin bezeichnen. Im Gralskrieg hatte sie somit absolut nichts zu suchen, oder in was auch immer sie nun hineingeraten war. Um ehrlich zu sein hatte sie noch nicht ganz verstanden, was Servants und Master mit dem Untergang der Menschen zu tun hatten.

„Das ist ein Missverständnis, Direktor“, gestand Mash und stellte sich zwischen sie und ihren Master. „Ich bin diejenige, die den Vertrag erzwungen hat. Nicht andersherum.“ Als sie von zwei verständnislosen Gesichtern angeblickt wurde, redete sie schnell weiter. „Aber das ist erstmal nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass wir Sie gefunden haben. Wenn Sie leben, könnte dies bedeuten, dass noch andere Master-Kandidaten überlebt haben!“

Ihre Zuversicht wurde jedoch gedämmt. „Nein“, entgegnete Olga Marie, mit einem Mal sah sie vollkommen erschöpft aus. „Wir sind die einzigen Menschen hier, das kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen. Uns drei verbindet, dass wir uns nicht in den Coffins befunden haben, als der Rayshift aktiviert wurde. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Fleisch und Blut den Vorgang überstehen, doch es ist auch nicht unmöglich. Die Coffins hingegen unterbrechen den Rayshift, wenn die Erfolgsrate unter 95 % liegt. Die anderen Kandidaten wurden nicht hierher geschickt.“

Was bedeutete diese Aussage für Kerrys Leben? War es nun gut oder schlecht, dass er noch in Chaldea war? Es half nichts, darüber nachzudenken. Sie würde früher oder später schon erfahren, wie es ihm ging… auch wenn sie große Angst vor der Antwort hatte.
„Hatten Sie nicht vor, am Rayshift teilzunehmen?“, fragte Ritsuka schließlich, eigentlich nur um das Thema zu wechseln, wurde jedoch von Olgas strafendem Blick zurechtgewiesen.

„Mir bleibt keine andere Wahl, als euren Vertrag zu genehmigen. Ab sofort werdet ihr meinen Befehlen Folge leisten, verstanden?“ Weder Ritsuka noch Mash wagten es, ihr zu widersprechen. Sie nickten brav und warteten darauf, dass ihre neue Anführerin weitersprach. Auch wenn es Ritsuka widerstrebte. Sie kannte Olga nicht wirklich, aber sie schien ihr nicht wie jemand, der in stressigen Situation rationale Entscheidungen treffen konnte. Sie wollte nicht von sich behaupten, selbst dazu in der Lage zu sein, doch Olga war in diesem Sinne eine genauso schlechte Wahl wie sie.

„CQ, CQ.“ Ritsuka hob rasch das Digitalband und versuchte, den Bestätigungsbutton zu finden. Tatsächlich wählte sie den richtigen Knopf.

„Hallo? Okay, die Verbindung wurde wieder hergestellt“, stellte er zufrieden fest. „Gute Arbeit, Leute!“

„Sie Nichtsnutz!“, fuhr Olga Marie dazwischen. „Was haben Sie auf meinem Posten zu suchen?! Holen Sie Lev, sofort!“

Keiner konnte es Roman verübeln, dass er vor Schreck beinahe von seinem Chefsessel fiel. Seine Augen waren kugelrund und starrten seinen Boss ungläubig an. Hinter ihm gab es ebenfalls erstaunte Ausrufe, die wahrscheinlich von den restlichen Chaldea Arbeitern kamen. „Direktor, Sie leben! Wie--“

„Was hat das zu bedeuten? Wo ist Lev? Warum trägt der Chefarzt alle Verantwortung?“

„Fragen Sie mich was anderes“, sagte Roman hilflos. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich absolut nichts für diesen Job tauge. Aber es gibt hier niemanden, der dafür qualifiziert ist. Zurzeit haben wir weniger als zwanzig Mitarbeiter, mich eingeschlossen. Der Grund, warum ich hier sitzen muss, ist, dass keiner einen höheren Autoritätsrang hat als ich. Es tut mir wirklich sehr Leid, Direktor, Ihnen das mitteilen zu müssen, aber es gibt nicht eine einzige Chance, dass Lev die Explosion überlebt haben könnte. Er befand sich genau im Zentrum.“

„Nein!“ Olga Marie stolperte einige Schritte nach hinten. „Nein, nein, nein!“

Ritsuka hatte Mitleid mit ihr. Zwar konnte sie ihre Trauer nicht wirklich teilen, da der Ingenieur nach wie vor ein Fremder für sie war und sie sich noch nicht einmal entschlossen hatte, ob sie ihn sympathisch fand oder nicht, doch für die Direktorin musste er eine sehr wichtige Person sein. Nicht ohne Grund hatte sie seinen Namen gerufen, als sie in Todesangst war, und erhoffte sich Rettung von ihm. Diese Nachricht musste ein schwerer Schock für sie sein.

„Was ist mit den anderen Master-Kandidaten?“ Sie hatte sich schnell wieder im Griff, das musste Ritsuka ihr lassen.

Roman mied ihren Blick. „47, alle in kritischer Verfassung. Wir können vielleicht einigen helfen, aber die Mittel gehen uns aus.“ Ritsuka horchte erschrocken auf.

„Machen Sie sich nicht lächerlich!“, herrschte Olga Marie ihn wütend an. „Was ist mit Kryokonservierung? Frieren Sie die Kandidaten augenblicklich ein! Ihre höchste Priorität gilt ihrem Überleben!“

„Natürlich!“, rief Roman aus und schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Daran habe ich gar nicht gedacht! Jingle, Sylvia, habt ihr gehört?“

Es ging Kerry nicht gut. Ritsukas Gedanken fuhren Achterbahn. Und nicht nur er war in einer schlechten Verfassung, auch die anderen armen Magiern waren nun bewusstlos, schwer verletzt oder lagen vielleicht sogar sterbend in ihren Coffins. Ihr wurde speiübel.

Mashs Blick hingegen wirkte streng. „Kryokonservierung ist ohne Zustimmung strengstens verboten!“ Ihr Gesichtsausdruck wurde jedoch sanfter.
„Es war die richtige Entscheidung. Sie stellen Menschenleben über Ihren Ruf als Direktor. Das ist sehr selbstlos von Ihnen.“ Sie lächelte leicht.
Das waren gute Neuigkeiten, oder? Auf diese Weise könnten sie Kerry und die anderen retten …indem sie die Master einfrieren würden. Der Gedanke daran war weniger beruhigend.



Ritsuka war dazu verdammt, das ganze fachmännische Gespräch zwischen Roman und Olga mitanzuhören. Auch Mash Einwürfe verhalfen nicht dazu, dass sie irgendetwas verstand. Es ging um die Technik und wie sie den Command Room schnellstmöglich wieder in Schuss bekommen würden – und da sie sich in einer Singularität befand, wo hinter jeder Ecke eine neue Gefahr lauern konnte, durfte sie sich nicht von der Stelle bewegen.
Ihr Blick wanderte zu der roten Brücke, die überraschender Weise noch unversehrt war. Ein trauriges Lächeln schlich sich auf ihre Lippen.


„Na komm schon, du Feigling!“

„Ich bin nicht feige!“

Ein Mädchen mit auffällig roten Haaren, das höchstens zehn Jahre alt sein konnte, saß mehrere Meter über dem Boden auf einer schmalen Stange und lachte zu einem kleinen Jungen hinunter, der sich zitternd an einen Balken klammerte.

„Ritsuka, komm da runter. Sonst sag ich’s Oka-san!“, rief er seiner Schwester zu, bekam jedoch wieder ein lautes Auflachen als Antwort.
„Mach doch!“ Das Mädchen winkelte ihre Beine an und drückte ihre Kniekehlen um die Stange, ehe sie sich mit einem jubelnden Ausruf rückwärts fallen ließ. Der jüngere Junge schrie panisch auf. „Ritsuka!“ Sie hing kopfüber an der Brücke und hörte nicht mehr auf, zu kichern.

„Ich gehe!“

Ritsuka winkte ihrem Bruder übertrieben zu. Dabei lösten sich ihre Knie von der Stange. Mit einem überraschten Aufschrei stürzte sie in die Tiefe.

Ritsuka-chan!

Mit dem Kopf stieß sie an einen unteren Balken und versuchte, sich daran zu klammern, um den Fall noch irgendwie zu verhindern, doch er harte Schlag auf ihre Stirn ließ sie für einen Augenblick schwarz vor Augen werden, weshalb sie nicht sah, wohin sie griff. Ritsuka landete auf ihrer Schulter, bewusstlos.

Der Junge hangelte sich von seiner eigenen Stange, die nur einen Meter hoch lag, und rannte zu ihr. „Hilfe!“ Autos wurden angehalten und besorgte Erwachsene näherten sich den beiden. Einige griffen zu ihren Mobiltelefonen.

„Was für `ne beschissene Landung“, kam es von der Rothaarigen. Sie war bereits aus ihrer Ohnmacht erwacht und sah in die wässrigen, blauen Augen ihres Bruders. „Dachtest du wirklich, so ein mickriger Sturz würde mich umbringen? Unkraut vergeht nicht!“ Mit einem schiefen Grinsen beobachtete sie, wie sich Kerry über die Augen wischte und sie daraufhin wütend ansah. „Das petz‘ ich Oka-san!“

Ritsuka verdrehte die Augen. „Kannst du auch was anderes?“



„Ritsuka-chan?“ Fragend sah sie auf und blickte direkt in drei abwartende Gesichter. „Was?“
Olga Marie schien schon wieder genervt von ihr zu sein. „Zuhören ist wohl nicht deine Stärke, was?“

„'Tschuldige“, nuschelte sie. Dann räusperte sie sich vernehmlich. Alle Augenpaare lagen auf ihr. „Ich habe mir etwas überlegt… Was haltet ihr davon, wenn ich mich hier ein bisschen umsehe? Ich bin in Fuyuki aufgewachsen, deshalb werde ich mich wohl eher nicht verirren. Wir müssen ja irgendwie vorankommen und ein erster Rundgang kann nicht schaden, was meint ihr?“ Ja, es war riskant, ohne Frage. Doch sie wollte hier nicht Wurzeln schlagen und untätig daneben stehen, während die anderen scheinbar wichtige Fachgespräche führten. Außerdem hatte sie die besten Chancen, einem möglichen Feind zu entwischen, sollte sie denn einem begegnen – immerhin kannte sie in diesem Gebiet nahezu jede einzelne Gasse, jedes mögliche Versteck.

Die Reaktionen auf ihren Vorschlag fielen sehr unterschiedlich aus. Während Roman im Hintergrund energisch den Kopf schüttelte und den Mund öffnete, um etwas zu sagen, nickte Olga Marie nachdenklich und beanspruchte das Wort für sich.

„Geh nur“, meinte sie fast schon gleichgültig, sodass Ritsuka sich auf die Zunge beißen musste, um dem nichts zu erwidern. „Aber lass den Kommunikator hier. Wir haben noch einiges zu besprechen. Ansonsten kann ich diesem Schwachkopf niemals die Führung in Chaldea überlassen.“

„Ihr befindet euch mitten im Zentrum des Gralkrieges! Sie kann doch nicht alleine und ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit durch Fuyuki wandern!“ Roman war ganz außer sich. Nun, er hatte gute Argumente, warum ihre Idee absolut bescheuert war. Und sie hatte nicht daran gedacht, dass sie das Armband dort lassen müsste. Ungünstigerweise war das von Olga beschädigt worden und Mashs Kommunikator war wie der Rest ihrer anderen Kleidung spurlos verschwunden.

„Ich könnte sie begleiten“, schlug Mash vor, aber das Angebot wurde von Olga Marie zerschlagen. „Wir müssen deinen Zustand als Demi-Servant erst genauer untersuchen. Solange kannst du dich nicht entfernen. Ich gebe es nicht gerne zu, aber Fujimarus Vorschlag ist nicht schlecht. Wir können uns nicht auf das Radar in Chaldea verlassen, immerhin sind 80 Prozent beschädigt worden. Irgendwann müssten wir uns ohnehin trennen.“
Ritsuka nickte der Direktorin dankbar zu, obwohl sie nie geglaubt hätte, etwas dergleichen wie Zustimmung von ihr zu hören, und löste ihr Armband, um es Mash zu reichen. Jedoch konnte sie ihre leichte Unsicherheit nicht verbergen. Gleich war sie wirklich komplett auf sich gestellt.

„Ich kenne diese Stadt besser als meine Jackentasche.“ Diese Worte sagte sie eher, um sich selbst zu beruhigen, als die anderen. „Selbst wenn ich jemandem begegnen sollte, der mir nicht gerade freundlich gestimmt ist, kann ich immer noch entkommen. Niemand kennt diese Straßen besser als ich.“ Die letzten Worte sagte sie mit stolzem, erhobenem Blick und nickte ihren Begleitern mehr oder weniger entschlossen zu und wollte ihnen das Armband überreichen, doch Olga schüttelte überraschend den Kopf.

„Du solltest es vielleicht doch lieber behalten“, gestand sie, ihre Augen wichen den ihren aus. Fühlte sie sich schuldig? "Ich kann meines reparieren. Das sollte kein Problem sein... Wir werden es irgendwie verbinden können."

Olga hatte sie erneut positiv überrascht. Scheinbar war ihr Ritsukas Leben doch nicht so gleichgültig, als dass sie sie ohne Hilfsmittel durch Fuyuki schicken würde. Die Tatsache, dass sie ihnen zu jeder Zeit einen Hilferuf senden konnte, beruhigte Ritsuka doch etwas. Also bedankte sie sich bei ihr, wandte sich dann von ihnen ab und lief Richtung Brücke, mit Kommunikator. Und mit Fou, da es sich in ihre Haare gekrallt hatte und sich nicht abschütteln ließ.



Es war wirklich unheimlich. Diese Totenstille passte nicht zu Fuyuki. In dieser Stadt war immer etwas los und doch schien es friedlich. Es war eine unbeschreibliche Atmosphäre, die sie in den Staaten stets vermisst hatte. Niemand konnte ahnen, dass es der Schauplatz der Gralskriege war. Nur selten gab es hier ein Unglück und wenn, dann war es nur ein kleines Verbrechen, dem man in anderen Großstädten keine besonders große Beachtung geschenkt hätte.

Bei der Brücke angekommen kletterte sie mehr schlecht als recht auf einen der oberen Balken. Früher war sie eindeutig gelenkiger gewesen. Aber sie wusste, dass man sich keinen besseren Aussichtsplatz suchen konnte. Selbst das Wasser schien durch die gespiegelten Flammen rot, nichts war mehr von dem klaren Blau übrig geblieben. Sie klammerte sich an eine der höchsten Stangen der Brücke und zwang sich, nicht nach unten zu schauen. Was war sie doch für ein lebensmüdes Kind gewesen! Ihre Knie zitterten leicht und sie umarmte einen roten Balken, sodass sie umgehend an ihren Bruder Kerry denken musste. Sie stand hier, genau wie er, nur viel weiter von dem Boden entfernt.

In der Ferne entdeckte sie weitere Gebäude von denen Rauch aufstieg, soweit das Auge reichte. Flammen und noch mehr Flammen. Sie betrachtete die nähere Umgebung und gelangte mit ihrem Blick schließlich an das untere Ufer, das sich an der anderen Seite der Brücke befand. Ihr Herz setzte für einen Moment aus. Sie traute ihren eigenen Augen nicht. Dort drüben liefen Menschen!

Hastig kletterte sie die Brücke wieder hinunter und fiel die letzten zwei Meter, weil sie abgerutscht war. Eilig rappelte sie sich wieder auf und ging den vermeintlichen Menschen schnellen Schrittes entgegen. Doch je näher sie ihnen kam, umso mehr geriet sie ins Stocken. Die Männer und Frauen bewegten sich nicht, standen wie zu Stein erstarrt am Ufer und das auch noch in einer Haltung, die auf Abwehr hindeutete. Einige hatten die Arme gehoben, als wollten sie ihr Gesicht vor etwas schützen. Andere wollten vor dieser unbekannten Gefahr fliehen.

Ritsuka kam vor einem der Menschen zum Stehen, ihre Hände zu Fäusten geballt. Es sah nicht nur so aus, als seien sie versteinert worden. Diese Menschen waren tatsächlich Statuen. Was war nur geschehen? Was hatte diese… nein, wer hatte diese armen Menschen zu Stein verwandelt? Ihr wollte auf Anhieb nur eine Legende einfallen, die derartiges anrichten konnte, und sie hoffte, dass sie sich irrte. Denn in diesem Fall hätte sie ein gewaltiges Problem.

Medusa

„Wen haben wir denn hier? Einen Überlebenden?“
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