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Feel the Love you can't live without

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Son Goku Vegeta
24.07.2020
14.01.2021
53
193.640
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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13.01.2021 4.944
 
Er ließ seine Finger über den Umschlag gleiten. Fuhr die Konturen des Steines ab, den er darauf platziert hatte, damit das Kuvert nicht vom Wind davongetragen werden konnte. Seine Augen waren leer. Emotionslos. Kalt. Sein Leben fühlte sich nur noch unwirklich an. Als wäre es schon vor Tagen einfach nur in tausend Scherben zerbrochen, die er, egal wie sehr er sich anstrengte, nicht mehr zusammensetzen konnte.

Langsam richtete er seinen Blick in die Richtung, in die Goku vor einigen Tagen verschwunden war. Warum auch immer, aber Kakarott hielt seine Aura diesmal unterdrückt. Er wollte wohl nicht gefunden werden…

Einsamkeit kroch in sein Herz. Er war allein mit sich und der Welt. Und er wurde das Gefühl nicht los, dass es so bleiben würde…

Sie…sie hatten es keine zwei Tage geschafft…alles was er getan hatte, war viel zu wenig gewesen und viel zu spät…das war ihm in den letzten Tagen nur allzu schmerzlich bewusst geworden. Und doch…hatte er das Gefühl, dass Kakarott ihn selbst nicht einmal hatte verschnaufen lassen. Er war vor dem Scherbenhaufen seines Lebens gestanden und Goku hatte ihm nicht einmal ansatzweise das Gefühl gegeben, dass er auch nur eine Sekunde darüber nachdenken hatte dürfen…auch das war ihm in den vergangenen Tagen klar geworden. Sie waren beide solche Idioten…

Der Prinz der Saiyajins ließ sich langsam auf einen der Stühle auf dem riesigen Balkon sinken. Das Frühstück, das er mit Goku vor so vielen Tagen genau hier eingenommen hatte, war auch seine letzte Mahlzeit gewesen. Er erkannte sich selbst nicht mehr wieder. Wie ein Toter war er die letzten Tage von einem Zimmer des Hauses zum nächsten gestreift und hatte einfach nur sein Hirn über alles zermartet und gewartet. Darauf, dass Kakarott zurückkam. Oder dass er ihm ein Zeichen gab, dass er zu ihm kommen sollte…

Doch nichts war passiert.

Gedankenverloren nahm er den Stift in die Hand, der neben Gokus Scheidungsunterlagen lag und kritzelte auf dem braunen Umschlag herum. Seine Augen wurden immer schwerer. Sein Kopf schien eine Tonne zu wiegen und zog ihn immer weiter hinunter, bis er ihn schließlich auf seinem Unterarm ablegte. Der Stift glitt ihm aus seinen Fingern. Sein Blick wanderte zu der Kritzelei auf dem Umschlag. Was war das nur für ein seltsames Zeichen, dass er da gemalt hatte…? Es kam ihm bekannt vor. Seltsam vertraut. Er versuchte sich zu erinnern, aber seine Augen fielen ihm zu. Er war so müde…
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Vegeta spürte eine sanfte Berührung auf seiner Schulter. Sie wanderte langsam in seinen Nacken. Gerade als er seine Augen öffnen wollte, um zu sehen, wer ihn da anfasste, wurde er brutal an den Haaren gepackt und sein Kopf wurde nach hinten gezogen. Er presste seine Augenlieder schmerzhaft gegeneinander.

„Du hast da einen entscheidenden Part in deinem Leben vergessen, mein Lieber…“

Ein eiskalter Schauer rann dem Prinzen über den Rücken. Er öffnete vorsichtig seine Augen und blickte in Freezers wütende Miene, die direkt über seinem Gesicht war.

„Fr…Free…Freezer…“, stotterte Vegeta als er deutlich spürte wie Panik in seine Glieder kroch und sich sein ganzer Körper versteifte.

Freezers Gesichtszüge wurden weicher, bis sich seine Lippen zu einem fast traurig wirkenden Lächeln formten. „Du wirst NIEMALS alleine sein. Du wirst für immer an meiner Seite sein und ich an deiner…“, flüsterte ihm der Tyrann zu.

Vegetas Augen weiteten sich entsetzt, als er tatsächlich eine Träne über Freezers Wange rinnen sah. Eine zweite gesellte sich dazu, als die erste bereits von Freezers Kinn tropfte.
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Goku hielt gerade ein Brett an die Decke, um eines der vielen Löcher darin zu verdecken. Er fixierte es mit seinen Knien und setzte geschickt einen Nagel an. Er holte mit dem Hammer in seiner anderen Hand zum Schlag als, als ihn plötzlich ein brennender Schmerz durchfuhr. Der Hammer glitt ihm aus der Hand und fiel zu Boden.

„Mist…“, murmelte Goku und inspizierte seine Hand. Die Bisswunde unterhalb seines Daumens hatte wieder zu bluten begonnen. Mitsamt dem Brett flog er wieder zu Boden, um den Hammer zurückzuholen. Doch als er neben dem Werkzeug landete und sich danach bückte, hielt er inne.

‚Ich gehöre dir.‘

Er sah Vegeta vor seinem inneren Auge, der ihm verzweifelt seine Bisswunde an seiner Schulter zeigte. Goku richtete sich wieder auf, ohne den Hammer aufzuheben und sah erneut auf seine Hand. Er ballte sie zu einer Faust und schloss seine Augen, während sein Herz schmerzhaft gegen seine Brust zu hämmern begann.
Instinktiv suchte sein Geist nach der Aura des Prinzen. Er war immer noch in dem Haus in den Bergen…aber…bildete er sich das nur ein oder wurde seine Aura immer schwächer…?

Goku öffnete seine Augen wieder als ihm schmerzlich bewusst wurde, dass er gleichzeitig auch nach Bulmas Aura gesucht hatte…
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Vegeta zuckte zusammen als ihn Freezers Träne mitten im Gesicht traf. Er riss seine Augen auf und starrte das Geländer vor sich an. Es war also nur ein Traum gewesen…schon wieder…wie fast täglich in letzter Zeit.

Er schloss seine Augen wieder, während sein Herz immer noch nervös gegen seine Brust hämmerte.
Doch plötzlich tropfte dem Prinzen erneut etwas mitten ins Gesicht. Langsam öffnete er seine Augen wieder und starrte zu dem Geländer des Balkons, zwischen dessen Gitterstäben sich die Schlucht vor dem Haus erstreckte. Wieder ein Tropfen. Noch einer.

Es begann zu regnen.

Kraftlos hob Vegeta seinen Kopf hoch und blickte sich um. Die Abenddämmerung hatte bereits eingesetzt und dunkle Wolken hangen über ihm. Wieder fiel ihm ein Tropfen ins Gesicht und rann seine Wange hinab. Seufzend erhob sich der Prinz. Er hatte keine Lust nass zu werden. Instinktiv griff er nach dem Umschlag, um ihn mitzunehmen und vor dem Regen zu schützen, doch er bekam etwas Großes, Rundes zu fassen. Überrascht sah er nach unten und erblickte das Stück Weißbrot, dass er mit seiner Hand berührt hatte. Daneben lag ein Stück Schinken auf einem Teller. Verwirrt starrte er das Essen eine ganze Weile an. Dann fiel ihm auf, dass der Umschlag nicht mehr da war und der Stein, mit dem er ihn fixiert hatte, an einer anderen Stelle lag. Blitzschnell sah er zum Himmel auf und suchte ihn nach Kakarott ab. Doch er konnte ihn nirgends entdecken und auch nicht spüren. Langsam richtete er sein Gesicht wieder nach unten und starrte erneut auf das Essen.

Unwillkürlich huschte ein kurzes Lächeln über seine Lippen.

Goku war hier gewesen…
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Der große Saiyajin saß auf einem Baumstumpf. Hinter ihm türmte sich ein riesiges, steinernes Gebäude auf. Ein Teil einer wundervollen Burganlage, die teils in den Fels des Berges dahinter gebaut worden war. Diesen Berg, der dort in dieser unendlich wirkenden Weite sein Dasein fristete, hatte er schon beim ersten Mal, als er von Vegeta weggeflogen war, entdeckt…

Goku starrte auf den braunen Umschlag in seinen Händen. Das Zeichen, dass Vegeta darauf gemalt hatte, faszinierte ihn. Es sah schön aus. Es strahlte etwas von Stärke aus…ob es eine Bedeutung hatte?

„Master Son?“
Goku sah auf, als ein alter Mann in einem schwarzen Anzug ihn mit einer Lampe in der Hand anleuchtete.
„Ja?“
„Es beginnt zu regnen.“
„Ja, ich komm schon.“ Er sprang auf und folgte dem alten, greisen Mann, der nur langsam vorankam. Goku tat sich sichtlich schwer, sich so langsam zu bewegen. Er blieb immer wieder stehen und wartete bis der alte Mann vor ihm ein paar Schritte weiter gekommen war, bevor er sich wieder in Bewegung setzte.

„Sind es eigentlich noch viele Löcher?“, fragte Goku, während er dem alten Mann zu einem Seitentor der Anlage folgte. Doch anstatt im Gehen zu antworten, blieb der alte Mann plötzlich stehen, sodass Goku fast in ihn gerannt wäre. Langsam drehte sich der Greis um.
„Sie haben doch erst die westliche Seite geflickt, Master Son…“
„Oh man…ich hab dir doch gesagt, dass du mich ‚Goku‘ nennen kannst.“
„Ja, verzeihen Sie mir bitte, Master Goku.“
„Ahh! Nur Goku! Bitte!“
„Natürlich, Mas…Goku.“
Goku lächelte den alten Mann an. „Viel besser, Kanji.“
Der große Saiyajin wurde von dem Greis eine Weile gemustert. Dann sprach er in einem höflichen Ton: „Habe ich mich eigentlich schon dafür entschuldigt, dass ich versucht habe, Sie zu erschießen, als ich Sie das erste Mal hier gesehen habe?“
Goku lachte kurz auf. „Nein, aber…das ist auch nicht notwendig, schließlich bin ich einfach hier eingedrungen…“
„Trotzdem möchte ich Ihnen mein Bedauern darüber ausdrücken, Ma…Goku.“
Der große Saiyajin atmete tief durch. „Schon gut.“
„Und…ich möchte mich noch einmal bedanken, dass Sie mir hier so selbstlos helfen.“
Goku kratzte sich etwas verlegen am Hinterkopf. „Du brauchst dich dafür nicht zu bedanken, wirklich. Ich mach das gern…außerdem hilft mir das ein wenig beim Nachdenken…“
„Worüber müssen Sie denn nachdenken, wenn Sie mir diese unverschämte Frage gestatten?“
Goku blinzelte ein paar Mal. Die Ausdrucksweise des alten Mannes war mehr als gewöhnungsbedürftig für ihn. „Ähm…ja, natürlich…ähm…gestatte ich dir diese Frage, Kanji. Ich muss über meine…also…meine Zukunft nachdenken. Das heißt, wie ich in Zukunft leben will. Was ich mit meinem Leben anfange und…naja…über eine wichtige Beziehung.“
„Das sind sehr tiefgründige und wichtige Gedanken…“
„Ja…also…schätze schon.“
Der alte Mann musterte Goku eine Weile intensiv. Sein Blick war nachdenklich und ernst. Goku legte seinen Kopf nur leicht schief und sah Kanji fragend an.
„Wenn wir oben sind, sollten wir uns gegebenenfalls ein wenig ernster und eingehender darüber unterhalten. Vielleicht…kann ich Ihnen ein Angebot machen, dass Ihnen weiterhilft und mich so für Ihre tatkräftige Unterstützung bedanken.“
„Oh…ähm…okay, ja, wenn du willst.“ Goku wusste nie so richtig, wie und was er antworten sollte.
„Nun gut…lasst uns zurück in die Burg gehen, bevor uns das Unwetter erreicht.“
„Ja, klar…“

Fast in Zeitlupe drehte sich Kanji wieder um und setzte seinen mühseligen Weg hinauf zum Seitentor fort. Goku hingegen wandte seinen Blick in die Richtung, in der das Haus lag, indem sich Vegeta zur Zeit aufhielt. Ein kalter Windhauch fegte über ihn hinweg und wehte seine Haare zur Seite. Er schloss seine Augen währenddessen.

In seinem Inneren suchte er nach all diesen herrlichen, alles ausfüllenden Gefühlen, die er versucht hatte, sich in den vergangenen Tagen immer wieder tief in sein Bewusstsein zu rufen. Suchte nach diesem innerlichen Glück, dieser alle Hindernisse überwindenden Liebe, die er doch für Vegeta empfand.

Suchte nach all diesen Worte seines Prinzen…die sich eigentlich so tief in seine Seele gebrannt hatten, die jedoch von diesen wenigen Worten ‚Ich liebe sie. Ich werde sie immer lieben.‘ vollkommen überschattet worden waren…

Suchte nach diesen Worten des Einen, der…der sein Leben war…

‚Ich liebe Trunks…Bra…Shanks und auch…Bulma…aber was ich für DICH empfinde…für das…gibt es auf dieser Welt kein passendes Wort. Was ich für dich empfinde……was ich für DICH empfinde……geht so unendlich weit darüber hinaus…‘

Wärme umhüllte Gokus Herz als er sich daran erinnerte…wie hatten sich nur so viele Zweifel in ihn schleichen können…? Immerhin hatte Vegeta Bulma wirklich geliebt. Wahrhaftig und aufrichtig, im Gegensatz zu ihm selber und Chichi…umso…umso bedeutungsvoller waren doch Vegetas Worte gewesen. Ihre Gefühle gingen so weit über gewöhnliche Liebe hinaus…so weit, dass…dass man wohl ohne den anderen nicht mehr leben konnte…

Goku öffnete seine Augen wieder. Und endlich, nach Tagen, schlich sich endlich wieder ein besseres Gefühl in ihn. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen folgte er dem alten Mann, der nun doch schon ein ganzes Stück weit gekommen war…
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Vegeta spielte mit dem Kommunikator in seiner Hand, während er auf einem der unzähligen Sofas in einem der vielen Zimmer des Hauses lag. Blitze erhellten den Raum immer wieder. Jedes Mal sah er fasziniert aus der großen Glasfront des Raumes nach draußen und wartete sehnsüchtig auf den lauten Donner, der alles vibrieren ließ.

Der Kommunikator gab gleichmäßig lang gezogene Töne von sich, bis sich endlich eine Stimme aus ihm meldete.
„Hallo? Vegeta? Bist du noch da? Hab das blöde Teil erst nicht gefunden…“
„Ja, Goppa, ich bin noch da.“, antwortete Vegeta monoton.
„Zum Glück.“
„…wie geht’s Sera, dir und den zwei Kleinen?“
„Immer noch alles bestens.“
„…schön zu hören…“ Vegeta legte seinen Kopf zurück und schloss seine Augen. Gleich würde wieder ein Donner über das Haus niederbrechen…

„Wie geht's dir und Goku?“

Bevor Vegeta antworten konnte, ertönte der ohrenbetäubende Donner.

„Was war das denn?“, fragte Goppa verwundert, nachdem das laute Geräusch wieder abgeklungen war.
„Ein Donnerschlag.“
„Oh…ihr habt also gerade ein Gewitter?“
„Mhm…“
Eine Weile herrschte Stille zwischen den beiden, bis Goppas Stimme wieder durch den Kommunikator zu hören war. Sie klang ungeduldig. „Vegeta…! Was ist denn los mit dir? Ist was passiert?“

Vegeta öffnete seine Augen wieder. Er hatte es ihm eigentlich erzählen wollen. Ihm sein Herz ausschütten wollen. Doch er brachte es einfach nicht über seine Lippen. Für einen kurzen Augenblick huschte ein Lächeln über seine Lippen, als er sich ausmalte wie Goppa wohl reagieren würde. Wahrscheinlich würde sich der kleine, alte Mann zusammenpacken und zu ihm fliegen. Wahrscheinlich würde er wieder alles daran setzen, dass er sich mit Kakarott wieder zusammen raufte und erneut den Vermittler zwischen ihnen spielen.
Bei der Erinnerung daran, huschte noch einmal ein Lächeln über Vegetas Gesicht. Er konnte sich Goppa richtig gut dabei vorstellen, wie er ihn und Goku an ihren Ohren packen und hinter sich herziehen würde. Sie schimpfen würde, dass sie sich endlich zusammenreißen und verdammt noch mal endlich glücklich werden sollten…

Doch diesmal war es anders. Wenn sie ihre Probleme nicht alleine hin bekamen, würden sie niemals eine Zukunft haben…

„Es ist nichts…Goppa. Ich wollte nur…ich…“ Vegeta begann zu zittern.
„Was ist los, mein Freund?“

Das letzte Wort trieb dem Prinzen Tränen in die Augen, als ihm bewusst wurde, dass irgendwo in diesem Universum jemand war, der zu ihm halten würde. „Verdammt, Goppa. Ich…ich halt das kaum noch aus.“
„Was denn, Vegeta?“, fragte der Mediziner besorgt.
„Ich…ich träume in letzter Zeit ständig von…“
„Von?“
„…von ihm.“
„Wen meinst-, oh, du meinst Freezer, nicht wahr?“
Das Zittern wurde stärker. „Ja…“
„Ach man…ich hab dir ja prophezeit, dass es eines Tages so kommen würde. Schätze, jetzt, wo du endlich mit Goku zusammen bist und die anderen Dinge, die dich belastet haben, weggefallen sind, kommt das alte Trauma, das du erlitten hast, durch. Aber siehst du? Genau deswegen hab ich Goku damals für dich eingeweiht. Du solltest mit ihm darüber reden. Er wird für dich da sein, davon bin ich überzeugt und du wirst sehen, gemeinsam bekommt ihr das hin und die Träume werden abnehmen. Dein Geist ist wahrscheinlich einfach zur Zeit ganz schön durcheinander, weil du dein bisheriges Leben verloren hast.“

Vegetas Gesichtsausdruck war mit jedem Wort, das Goppa von sich gab, ausdrucksloser geworden. Ein Blitz fuhr senkrecht in den Boden und erhellte das Zimmer.

„Goppa. Es wird gleich wieder donnern. Wir sollten auflegen. Ich……danke.“
„Oh…okay…aber Vegeta?“
„Ja?“
„Das wird wieder. Ganz sicher. Halt dich einfach an deinen Goku. Und wenn es wirklich nicht besser wird, dann kannst du mich jederzeit wieder anrufen.“
Vegeta starrte den Kommunikator an, bis sich ein trauriges Lächeln auf seine Lippen legte.
„……mach’s gut, Goppa.“
Der kleine Echsen-Mann seufzte. „Du auch, mein Freund.“

Endlich erklang der ohrenbetäubende Donner, der es Vegeta unmöglich machte, seine eigenen Gedanken zu hören. Danach stand er auf und ballte seine Fäuste. Und endlich, nach Tagen, brach alles aus ihm heraus. Er schrie, packte das Sofa, pfefferte es durch den Raum, während er sich gleichzeitig in einen Super-Saiyajin verwandelte. Lampen, Stehtische und Kästen folgten, bis er alles in dem Zimmer kurz und klein geschlagen hatte.

Zum Schluss stand er keuchend inmitten des Chaos, bis die innerliche Wut langsam wieder abebbte und er sich während des nächsten Donnerschlags zurück verwandelte. Er starrte die Zerstörung lange an, bevor er sich umdrehte und einfach aus dem Raum ging.

Er fühlte sich nur noch ausgelaugt. Beim nächsten offenstehenden Zimmer, in dem sich ein Sofa befand, bog er wieder ein und ließ sich nur noch auf die weichen Kissen fallen. Er vergrub sein Gesicht darin, bis sein Kopf endlich aufhörte zu denken und er ins Reich der Träume abdriftete…

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„Du hättest mir nicht in den Rücken fallen sollen, mein geliebter Prinz...dann hättest du dir all das Leid hier erspart…“

Zärtlich strich Freezer dem stolzen Prinzen mit seinem Handrücken über die Wange.

„Ich vermisse dich…Vegeta. Prinz der Saiyajins.“

Der Tyrann sah den stolzen Prinzen mit einem seltsam sanften Ausdruck in den Augen an.
Ein beklommenes Gefühl machte sich in Vegeta breit. Was war das nur für ein komischer Blick?

Doch plötzlich änderte sich die Umgebung und auf dem Gesicht des Tyrannen erschien wieder dieses wahnsinnige Grinsen.

„Vegeta…sieh dir all diese Sterne…all diese Planeten an. Irgendwann gehören sie alle mir.“ Erneut erschien dieses sanfte Lächeln auf Freezers Gesicht, als er sich selbst korrigierte: „Irgendwann gehören sie alle uns…“

Vegeta sah das Monster neben sich verwirrt an. Hatte er tatsächlich ,unsʼ gesagt? Langsam wandte er seinen Blick wieder ab und sah aus der riesigen, runden Frontscheibe ins Weltall vor ihnen.

„Was ist, Vegeta, mein Lieber? Denkst Du schon wieder an Son Goku?“
„W…was?“ Sofort wandte der stolze Prinz dem Tyrannen wieder sein Gesicht zu.
„Jetzt sag ich dir mal was! Überleg mal wie VIELE Narben du von mir hast!“ Dabei packte Freezer den stolzen Prinzen an seinem Hinterteil und drückte fest zu. „Und dann sieh dir die eine kleine Narbe an deiner Schulter an, die du von Son Goku hast! Und dann sag mir…WEM gehörst du wirklich? Hohoho!“

Vegetas Augen weiteten sich entsetzt. Dann packte Freezer ihn und drückte ihn gegen die große Scheibe. Seine zweite Hand schnellte um Vegetas Hals und drückte fest zu, sodass Vegeta die Luft wegblieb. Dann näherte sich Freezers Gesicht dem seinen und küsste ihn…

Vegeta wehrte sich, zappelte und versuchte den Tyrannen von sich zu drücken, doch er konnte sich einfach nicht aus diesen eisernen, eiskalten Händen befreien.

Und dann gab er auf. Seine Arme sanken nach unten. Er schloss seine Augen und ließ es über sich ergehen…

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Schweißgebadet riss der Prinz der Saiyajins seine Augen auf. Panisch tastete er nach seinem Unterkiefer und den Fingern seiner linken Hand. Erst nachdem er sich vergewissern hatte, dass alles noch da und an seinem richtigen Fleck war, atmete er erleichtert auf. Er zog sich an der Sofalehne hoch und setzte sich auf. Erst jetzt bemerkte er, dass es bereits hell im Zimmer wurde…

Während Vegeta seine Augen schloss und tief einatmete, legte er seine Hand auf seine Brust, um sein schnell schlagendes Herz zu beruhigen.

„…Freezer verrottet in der Hölle…er verrottet…in der Hölle…du hast ihn selbst getötet.“ , flüsterte er zu sich selbst, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er seiner eigenen Hölle bereits entkommen war. Dieser Traum war um so vieles realistischer gewesen als jene zuvor…wie sollte das bloß weiter gehen…?
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Goku öffnete seine Augen und starrte an die Decke, die an vielen Stellen mit Holzbrettern vernagelt war. Er lag auf einem großen, einladenden Bett zwischen vielen Kissen. Schnell setzte er sich auf und sah zu dem offenen Fenster. Die Morgendämmerung hatte wohl gerade erst angefangen.

Und da war es wieder. Schon gestern Abend hatte er es deutlich gespürt.

Vegetas Ki, dass erneut beträchtlich angestiegen war. Er rief doch nach ihm…oder?
Goku hüpfte aus dem Bett und ging schnellen Schrittes zu dem doppeltürigen Fenster. Er stellte bereits seinen Fuß auf die Fensterbank, um hinaus zu hüpfen und loszufliegen, doch er hielt inne. Ganz langsam nahm er seinen Fuß wieder herunter.

Er schloss seine Augen und atmete tief durch.

Der Drang zu Vegeta zu fliegen war fast unerträglich. Erneut, wie so oft in den bereits verstrichenen Tagen, stellte sich Goku die Frage, ob er bereit dazu war. Ob er bereit dazu war, sich Vegeta zu stellen. Ob er bereit dazu war, ihm voll und ganz zu vertrauen. Denn schließlich war das das Problem. An ihrem anderen arbeitete er schließlich gerade…

Jeden Tag war Goku bereits kurz davor gewesen zu Vegeta zu fliegen, um ihm zu erzählen, was er hier auf dieser Burg tat. Was sich hier ergeben hatte. Was er sich hier für…für sie beide überlegt hatte.

Schon allein die Tatsache, dass er versuchte hier eine Zukunft aufzubauen, in der er sich Vegeta an seiner Seite vorstellte, hatte ihm bewusst gemacht, dass er mit diesem Vertrauensproblem klar kommen wollte. Vielleicht war er noch nicht soweit, dass diese aufkeimenden Gedanken von Betrug und Eifersucht für immer weg waren. Vielleicht würde er das auch nie sein, aber von Tag zu Tag wurde ihm eine Sache immer bewusster…getrennt voneinander würde sich daran jedenfalls nichts ändern…

Goku öffnete seine Augen wieder und stellte erneut seinen Fuß auf das Fensterbrett.

Dann liebte Vegeta Bulma eben. Er selbst liebte Bulma doch auch. Genauso wie Kuririn, Muten Roshi, Gohan, Trunks…einfach alle seine Freunde und seine Familie. Wahrscheinlich liebte er auch Chichi, denn sie war doch auch ein Teil von ihm…von seinem Leben und von seiner Vergangenheit, die er niemals gegen eine andere eintauschen wollen würde…

Vegeta hatte das schon so viel früher erkannt als er selbst…

‚Bulma wird immer ein Teil meines Lebens sein! Aber diesen Teil hab ich aufgegeben. Für dich! Also entweder du kommst damit klar oder……oder wir lassen es!‘

Mit fest entschlossenem Gesichtsausdruck flog Goku endlich los.
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Vegeta öffnete seine Augen wieder, nachdem sich sein zitternder Körper und sein schnell schlagendes Herz wieder etwas beruhigt hatten und sah dem anbrechenden Tag entgegen.

„Wieviel Zeit brauchst du denn noch, Kakarott…?“, flüsterte er in die Stille.

Sein Herz begann zu schmerzen. Er vermisste den jüngeren Saiyajin. Er brauchte ihn einfach…
Schmerzlich wurde ihm bewusst, dass er ohne ihn…dass er ohne ihn einfach nicht…nicht sein konnte…nicht sein wollte.

Plötzlich erregte etwas Vegetas Aufmerksamkeit. War da gerade ein Schatten vor dem Fenster vorbeigehutscht?

Er sprang auf und stürmte zu dem Fenster, riss es auf und flog hindurch. Er sah sich nach allen Seiten um.
„…Kakarott?!“, rief er der Morgendämmerung entgegen, doch da war nichts…hatte er sich denn wirklich geirrt? Trieben ihn dieses Warten und diese elenden Alpträume langsam in den Wahnsinn?

„…verdammt!“ Vegeta presste seine Augen zusammen und ballte seine Hände zu Fäusten. Sein ganzer Körper begann zu zittern und vibrieren.

„GOKUUU!!!“, schrie er einfach nur noch laut, während erneut alles aus ihm herausbrach, sich seine Haare golden färbten und Tränen unaufhaltsam seine Wangen hinabrannen.

„…Vegeta…“

Der stolze Prinz riss geschockt seine blauen Augen auf. Und tatsächlich…Kakarott schwebte vor ihm, mit ernstem und besorgtem Blick…

Eigentlich hätte Vegeta ihm eine verpassen sollen…hätte ihn anschreien sollen, was er sich einbildete, einfach hier aufzutauchen, ohne sich bemerkbar zu machen…hätte ihm Vorwürfe machen müssen, wie Kakarott es wagen konnte, zu glauben, er könnte sich nicht selbst versorgen und er gedacht hatte, er müsste ihn mit Essen versorgen…hätte ihm die Hölle heiß machen müssen, wie er…wie er ihn einfach so lange hatte alleine lassen können…!

Vielleicht waren es die Nachwirkungen seines Alptraumes oder die Angst…die Angst, dass er dabei war, Goku zu verlieren, denn er gab nichts dergleichen von sich. Stattdessen fiel der stolze Prinz Goku einfach nur um den Hals, während die goldene Farbe von seinen Haaren wich. Er drückte sich eng an ihn. Und als Goku seine Arme um ihn schlang und sein Gesicht in seinen Haaren vergrub, begann Vegeta erneut, stumme Tränen zu vergießen, übermannt von dieser unendlichen Sehnsucht. Dieser unendlichen Liebe, die er für den letzten seiner Art empfand…

„Ve…Vegeta……“

Der stolze Prinz krallte sich in den Stoff von Gokus Kampfanzug und zog sich noch enger an ihn heran. Sog seinen Duft, seine Wärme ein. Er hatte so ein verdammt ungutes Gefühl…fast schon leichte Panik vor den nächsten Worten seines Artgenossen. Einfach Angst davor, dass Gokus nächste Worte es beenden würden. Für immer…und er nie wieder seinen Duft riechen, nie wieder seine Wärme spüren würde…nie wieder dieses Licht in der Dunkelheit seiner Seele wahrnehmen würde…

Noch nie…noch nie war sich Vegeta so verletzlich vorgekommen wie in diesem Moment. Es war kaum auszuhalten.

„…Vegeta, es tut mir leid…“, flüsterte Goku in sein Ohr.

Das Herz des stolzen Prinzen blieb für einen Moment stehen. Seine Tränen versiegten schlagartig.
Langsam drückte er sich von Goku weg und flog ein Stück zurück. Er…er wollte ihm in die Augen sehen. Er musste einfach in sein Gesicht sehen, wenn Goku alles beenden würde…

Er wischte sich die Spuren seiner Tränen von seinen Wangen und hob seinen Kopf, bis sich ihre Blicke trafen. Gleich würde Goku die Worte aussprechen…würde ihm sagen, dass es ihm leid tat, aber er ihm einfach nicht mehr vertrauen konnte, dass er immer glauben würde, dass er ihn erneut betrügen würde und dass er das nicht ertragen konnte und es besser wäre, sie würden es hier und jetzt beenden. Für immer.

„…was tut dir leid, Kakarott…?“, fragte Vegeta mit belegter Stimme. Sein Körper zitterte unmerklich. Sein Herz raste. Gleich war es vorbei…

„…es tut mir leid, dass…dass ich so lange weg war…“
„…und?“

Goku senkte seinen Kopf und sah in die unendlich wirkende Tiefe der Schlucht unter ihnen.
„…ich hab einfach Zeit gebraucht, um über alles nachzudenken.“

Goku hob seinen Kopf wieder, um Vegeta in die Augen sehen zu können.
„…ich hatte es wohl einfach noch nicht überwunden……ich hatte oder eigentlich hab ich immer noch Schiss davor, dass du nochmal zu ihr zurück willst. Und…dass ich das Ganze nochmal durchmachen muss. Keine Ahnung, wie ich das sagen soll…deine Worte haben einfach diesen…diesen Flashback ausgelöst.“

Plötzlich wurde Vegeta innerlich ganz ruhig. Wie hatte er auch hoffen können, dass ein paar Tage ausreichen würden, dass sich an Gokus Gefühlen auch nur irgendetwas ändern würde? Wie sollte Kakarott innerhalb weniger Tage das verlorene Vertrauen in ihn wiederfinden? Natürlich hatte sich nichts geändert…natürlich musste es so kommen…es hatte gar nicht anders enden können…

„…du hast jetzt wunderbar unser Problem beschrieben, Kakarott. Du vertraust mir immer noch nicht, was bedeutet, dass…es vorbei ist.“

Vegeta verschränkte seine Arme vor seiner Brust. Unwillkürlich versuchte er eine Mauer hochzuziehen, um nicht vollkommen zusammenzubrechen. Um zu verbergen, dass sein Herz bereits zerbröckelte…

„Ich will aber nicht, dass es vorbei ist, Vegeta.“
„Es hat aber keinen Sinn, wenn du mir nicht vertraust.“
„…und wie soll ich dir wieder vertrauen, wenn du mir nicht mal die Chance dazu gibst…? Wieso muss es gleich vorbei sein? Das kapier ich einfach nicht.“

Plötzlich wurde der stolze Prinz stutzig. „W…was…?“
„…wir haben uns doch auch früher nicht von Anfang an blind vertraut. Dass…kam doch auch erst mit der Zeit…denk doch mal an die Zeit, in der wir gegen Boo gekämpft haben…da hatten wir auch so unsere Probleme mit dem gegenseitigen Vertrauen…aber letzten Endes wussten wir doch, dass wir uns aufeinander verlassen können…und dieses Vertrauen wurde danach immer stärker…also…keine Ahnung…vielleicht ist es diesmal auch so. Mit der Zeit…werde ich dir vielleicht auch wieder ganz vertrauen…“

Vegetas Augen weiteten sich ein Stück. Die vielen Rädchen in seinem Kopf begannen wieder wie wild zu rattern, als er über Kakarotts Worte nachdachte. Währenddessen legte sich ein Lächeln auf Gokus Lippen, als er förmlich die Fragezeichen über dem Kopf des stolzen Prinzen sehen konnte. Er flog näher an Vegeta heran und umfasste seine Schultern mit seinen Händen. Behutsam legte er seine Stirn auf die seines Artgenossen.

„Ich will bei dir sein, Vegeta. Auch ich…will mit dir alt werden. Und ich habe nicht vergessen, was du mir alles gesagt hast…besonders, dass…“, Goku wurde leicht rot auf seinen Wangen, während er Vegeta tief in die Augen sah. „…dass du mehr als…als Liebe…für mich empfindest. Dass ich…alles für dich bin und…dass du mir gehörst…und schon allein deswegen kannst du es nicht einfach beenden, nur weil ich zurzeit ein kleines Vertrauensproblem habe, was Bulma betrifft…du gehörst doch mir…wenn, dann…kann doch nur ich das zwischen uns beenden…“, Goku grinste ihn etwas neckisch an, bevor er weitersprach, „…und ich habe nicht vor, das zu tun…“

„Ka…Kakarott…“ Vegeta löste die Verschränkung seiner Arme und ließ sie langsam sinken. Die Mauer, die er versucht hatte innerhalb kürzester Zeit hochzuziehen, stürzte mit einem Mal wieder ein. Gokus Worte…hatten sie wie ein Vorschlaghammer einfach durchbrochen, ohne Vorwarnung.

„Und noch etwas…“ Goku wich mit seinem Kopf ein Stück zurück und hob seine rechte Hand hoch. Er hielt dem stolzen Prinzen seine Handfläche vor sein Gesicht, auf dem immer noch deutlich die roten Bissspuren unterhalb seines Daumens zu erkennen waren. Sein Blick war vollkommen ernst als er die nächsten Worte aussprach: „…ich gehöre auch dir, Vegeta…“

Sofort schossen dem stolzen Prinzen Tränen in die Augen. Goku ließ seinen Arm wieder sinken und als er Vegetas Tränen erblickte, legte sich wieder ein Lächeln auf seine Lippen. „Also…wir kriegen das hin. Wir bekommen alles hin. Zusammen. Irgendwie, okay…?“

„…Kakarott…ich……“ Eine Träne rann seine Wange hinab. „…ich…es tut…mir leid.“
Gokus Augen weiteten sich. Noch…noch nie hatte sich Vegeta jemals bei ihm entschuldigt! Sein Herz hüpfte wie verrückt ihn seiner Brust.
„…alles, was ich dir angetan hab…“
„Ve…Vegeta……“
„…ich hab so ziemlich alles falsch gemacht und trotzdem…du hast nie aufgehört zu mir zu stehen…egal wie sehr ich dich verletzt, vor den Kopf gestoßen oder wie lange ich gebraucht habe, um…um…“ Vegetas Körper zitterte.
Mit einer schnellen Bewegung zog Goku ihn einfach nur noch in seine Arme. Diese Worte aus seinem Mund zu hören war mehr als Goku jemals erwartet hatte.

„Vegeta…ich werde immer zu dir stehen…und…unser gemeinsames Leben beginnt doch jetzt erst…also…lass es uns doch endlich…etwas genießen…“, flüsterte Goku wieder in Vegetas Ohr.

Und endlich legte sich auch auf das Gesicht des Prinzen ein Lächeln. Er packte Goku nur noch im Nacken und küsste ihn.
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