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Das Ende seiner Existenz

von Yumestar
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
L Light Yagami Misa Amane OC (Own Character) Rem Ryuk
24.07.2020
06.08.2020
5
9.925
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24.07.2020 1.150
 
Death Note


Ein anderes Ende


Prolog


„Hab’s.“
In der Hand schwenkte ein Heft, welches sich von der Dunkelheit der Nacht kaum abhob. Der schwarze Ledereinband verströmte einen starken Verwesungsgeruch, doch davon ließ sich die neue Besitzerin nicht abschrecken. Die Person machte einen Schritt vor und trat aus dem Schatten, mit welchem sie bis eben noch verschmolzen gewesen war. Ihre schwarzen Haare glänzten genauso silbern wie der Umhang, den sie trug. Ihre roten Lackschuhe kamen nicht im selben Moment wie sie zum Stehen und so stolperte sie über die Dachziegel, die sich leicht abhoben. Sie rutschte bis ans Ende des Daches, drückte sich in die Regenrinne und stieß sich dann ab. Mit einem etwas holprigen Sprung landete sie auf dem benachbarten Dach, welches tiefer und ebener als das Vorherige war.
„Verdammt“, zischte sie und umschlang ihr Knie. Mit den Händen fuhr sie zu ihrem Knöchel und zog sich die Socke hinunter.
„Hast du das Heft?“
Die Frau erschrak, da sie für einen Moment vergessen hatte, dass auf diesem Dach noch jemand stand. Sie war es zwar gewohnt, für andere zu arbeiten, doch für gewöhnlich arbeitet sie nicht mit der Auftragsgeberin zusammen. Zumal diese ganz anders als ihre vorherigen Bosse war.

Die Auftragskillerin warf einen flüchtigen Blick auf die Wunde an ihrem Knöchel und schaute dann zu eben jener Person auf, die schon die ganze Zeit im Mondlicht stand. Unter der weißen Kapuze wehten platinblonde Haare hervor, die sich wie Tentakel nach dem Vollmond streckten. Die blauen Bänder am Umhang, welche die Person von Kopf bis Fuß in weiße Seide hüllte, spielten miteinander und verfingen sich. Dann fielen sie von ihrem Gewicht gedrängt zu Boden und rollten sich dort ein. Unter dem weißen Stoff zeigten sich nackte Füße, die ohne Verkrampfung auf dem Wellblech Halt gefunden hatten. Die blauen Augen der Person richteten sich zum Mond und leuchteten in einem Konkurrenzkampf mit dem Licht. Ihre Augen strahlten heller.

Sie schaute zu der Auftragskillerin, welche neben ihr kniete und ein Bein umschlungen hatte. Sie streckte ihre kleinen Hände aus und nahm das Notizbuch entgegen. Mit einem Flapp fiel es aufs Wellblech und die Killerin nahm es wieder an sich.
„Nun, nimm es schon“, sagte sie. In der Stille der Nacht klang es wie ein Schrei. Sie schob es der Blonden an die Füße, doch diese zuckte weg.
„Behalt das Besitzrecht“, flüsterte sie. Ihre Stimme war so ruhig und klar wie der Himmel. Ihre Augen funkelten heller als die Sterne, zu denen sie sich nun zuwendete, „Ich habe nicht vor, mir die Hände mit dieser Todeswaffe schmutzig zu machen.“
Die Killerin legte schnell ihre Hand auf das Heft, damit es nicht vom Wind weggetragen werden würde. Die raue Oberfläche, der Gestank, ja nicht einmal die Aufschrift ‚DEATH NOTE‘ schreckten sie ab. Es fühlte sich vielmehr vertraut an, als hielte sie an einem Gegenstand fest, den man ihr vor langer Zeit entrissen hatte. Sie drückte es fest an ihre Brust, als fürchtete sie, es erneut zu verlieren.

„Was ist mit Higuchi?“, fragte die Blonde und schluckte hörbar, bevor sie fortfuhr, „Ist er tot?“  
Die Killerin fasste sich an eine ihrer Haarsträhne und strich sich über die Spitzen, die blutgetränkt waren und bestialisch stanken. Ein Geruch, an den sie sich längst gewöhnt hatte.
Der Auftragsgeberin genügte ein Blick, um die Antwort zu kennen. Sie lachte heiser, „Dann sind wir jetzt Kira?“
Die Killerin senkte den Blick und starrte auf das Heft hinunter. Die Mordlust juckte ihr in allen Gliedern, doch sie rührte keinen Finger. Jemanden mit dem Schreiben eines Namens töten? Viel zu simpel. Wo bliebe denn dabei die Gefahr, die einem das Adrenalin durch den Körper schießen ließ? Wo wäre der Trigger, den man ganz fest drücken musste, damit eine Kugel mit Schallgeschwindigkeit durch den Kopf eines verängstigen Mannes drückte? Es würde nicht nach Blut riechen, keine Schreie, kein Geruch nach Angstschweiß. Eine langweilige Mordmethode. Und nicht ihre Art.

Die Auftragsgeberin lachte und zog sich die Kapuze hoch. Darunter kam ein Lächeln zum Vorschein, welches der Killerin das Blut in den Adern gefrieren ließ. Kein besonders beängstigendes Lächeln, doch zu vertraut.
„Schwesterherz, ich habe doch nur einen Scherz gemacht“, sagte sie und schnippte der Killerin an die Stirn. Sie drehte sich auf dem Absatz um und stieß an den Rand des Daches. Ihr Blick blieb dabei oben, als würde sie nicht mit ihrer Schwester, sondern mit dem Himmel reden.
„Kira ist man erst, wenn man jemanden umgebracht hat.“ Sie senkte den Blick und schaute auf die Menschen herab, die über die Straße liefen, ohne zu ihr aufzuschauen. Es war, als würde sie gar nicht existieren. Ganz sicher musste sie für die dort unten wie ein weit entfernter Stern wirken.

„Kira existiert nicht mehr“, sagte sie mit solch einer Sicherheit, dass man spöttisch über sie gelacht hätte, wenn wieder ein Verbrecher durch Herzversagen gestorben wäre.
Sie drehte sich zu ihrer Schwester um, die aufgestanden war, aber hinter ihr stehen blieb.
„Und was würdest du tun, wenn ich Kira werden würde?“, fragte die Killerin mit derselben Entschlossenheit, die ihre Schwester zuvor offenbart hatte.
„Du würdest nicht Kira werden, Magi.“
„Ich bin aber ein Killer.“ Sie sprach das L bewusst mit einem japanischen Akzent aus, sodass es fast wie ein gerolltes R klang.
„Ich kenne die Art, wie du tötest.“
„Und?“
„Dieses Notizbuch wäre dir zu langweilig. Komischerweise war Langeweile der Grund, warum es hierherkam.“ Die Blonde machte einen Schritt nach hinten und drehte sich zum Mond hin, vor welchem sich ein Wesen mit riesigen Schwingen auftat.
„Lass uns gehen“, zischte sie zu ihrer Schwester, „Ich möchte mich noch nicht einem Shinigami offenbaren.“
„Das hast du doch längst“, meinte die Killerin mit einem Schmunzeln und sah zu wie ihre Schwester verschwand. Oder besser gesagt; sah sie nur noch wie diese nicht mehr da war.

In dem Moment, in dem Magicant zum Mond geblickt hatte und Rem erspäht hatte, musste ihre Schwester Yume irgendwie mit dem Licht verschmolzen sein. Oder ohne einen Flügelschlag weggeflogen sein. Die Killerin verschmolz erneut mit den Schatten und verschwand, bevor irgendeine Menschenseele deren Existenz bemerkt hatte.
Und bevor jemand merkte, dass Kiras Existenz von einem Tag auf dem anderen erloschen war.
Den bereits in den nächsten Tagen geschahen erneut Morde. 13 Zivilisten starben in einer Freitagnacht und 19 weitere an einem Donnerstagmorgen.
Kira war zurückgekehrt, noch bevor sein Verschwinden überhaupt bekannt war.

Huhu!
Das ist meine zweite Death Note Fanfiktion. Seit ich Death Note geschaut habe und seit der verhängnisvollen Episode 25 arbeite ich an einem besseren Ende, mit dem alle zufrieden sein können. (Ihr wisst worauf ich hinaus will)
Die Fanfiktion könnte etwas (oder sehr) am Canon vorbeischießen. Trotzdem versuche ich die Atmosphäre und Stimmung von Death Note einzufangen und weiterzutragen, damit die Geschichte  ähnlich dem Original bleibt.
Ach, ich spare mir lieber lange Erklärungen und bitte euch stattdessen, über das witzige, verrückte Chaos meiner Gedanken hinwegzuschauen :D
Genießt einfach ein schönes, verrücktes (und unwahrscheinliches) Alternativende.

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