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When the night is darkest 4 - Verloren

von Tilajasar
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / MaleSlash
OC (Own Character) Pearl Rusty
24.07.2020
13.08.2020
17
14.880
2
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26 Reviews
Dieses Kapitel
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07.08.2020 725
 
Pearl kam erst am nächsten Tag, als Blacco auf Tour gehen musste, dazu Rustys Tagebuch wieder zur Hand zu nehmen. Eigentlich hatte sie sich in der Nacht entschlossen, es nicht mehr anzurühren. Was, wenn er tatsächlich, wie alle behaupteten für den Tod von Liz verantwortlich war. Sie wollte nicht lesen, dass sie sich in ihm irrte. Lieber wollte sie glauben, dass er unschuldig war. Aber konnte sie das noch? Pearl schüttelte langsam den Kopf. Nein. Sie musste es genau wissen.

Langsam schlug sie das Buch auf, gab das Passwort ein und fing von vorne an zu lesen. Sie überflog die belanglosen Stellen und konzentrierte sich auf das, was Bezug zu Rustys Erlebnissen mit Tim hatte. Tatsächlich musste sie zugeben, dass vieles unter dem Gesichtspunkt, dass Caboose Recht hatte, mehr Sinn ergab als zuvor. Zutiefst schockiert darüber las Pearl weiter.


Nein, ich muss allein entscheiden. Wenn ich mich nur nicht so verdammt hingezogen fühlen würde zu ihm. Ich weiß nicht, was er mit mir gemacht hat. Ich will so nicht fühlen.

31.01.

Jetzt ist es gerade kurz nach Mitternacht. Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft wieder einzuschlafen. Wenn Liz mir nur nicht alle Schlaftabletten weggenommen hätte. Ich muss dringend neue besorgen, sonst drehe ich völlig durch. Wie soll ich denn auch schlafen, wenn ich weiß, dass Tim irgendwo da draußen lauert. Dabei ist das nur ein Teil meiner Sorge. Ich habe schon überlegt, ob ich wieder zu Liz gehen sollte. Aber ich kann sie nicht mitten in der Nacht aufwecken. Ich will auch nicht neben ihr liegen und an Tim denken, das fühlt sich falsch an. Wenn ich ihn nur gestern Abend noch angetroffen hätte. Ich war ja wirklich noch mal an der Stelle aber er war verschwunden. Dabei hat er mir vorgespielt er könne sich kaum noch bewegen. Und ich bin darauf hereingefallen. Noch mal sehe ich nicht nach ihm.

Inzwischen ist es Nachmittag. Ich glaube ich bin eingeschlafen. Eigentlich wollte ich was aufzeichnen aber dann hat doch die Müdigkeit über Hand genommen. Die Vormittagstour war auch anstrengend. Die Mädels wollten unbedingt herausfinden, warum ich so schweigsam war. Besonders Tessa stachelte immer wieder in eine Richtung, die mir sehr unangenehm war. Dann musste ich mich die ganze Zeit bemühen an ihren Gesprächen teilzunehmen. Dabei war ich so müde. Das bin ich eigentlich immer noch. Ich habe jetzt frei. Vielleicht frage ich Liz einfach noch mal nach Schlaftabletten. Wenigstens eine kann sie mir doch geben. Ich kann nicht schlafen, wenn ich dauernd an Tim denken muss.

Es ist später Abend und ich bin eben erst zurückgekommen. Es ist eiskalt draußen aber ich habe das Gefühl ich komme um vor Hitze. Als ich vor vielleicht zwei Stunden noch mal meine Runde gedreht habe, kam ich wieder an dem toten Gleis vorbei. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt dorthin gefahren bin. Jedenfalls war Tim wieder da. Er sah noch schlechter aus als am Tag zuvor und bat mich wieder ihm zu helfen. Da konnte ich nicht nein sagen. Er bat ja auch nur darum, dass ich ihn zu einem elektrifizierten Gleis ziehe. Natürlich ist es unangenehm eine andere Lok ziehen zu müssen, noch dazu Tim, aber es war ja nicht so weit und ich dachte ja wirklich es ging ihm schlecht. Vielleicht stimmte das auch. Als er sich ankuppelte fühlte es sich so an, als ob er mich unter Strom setzen würde, aber er meinte, er habe gar nicht mehr die Energie dazu. Das Gefühl ließ auch die ganze Zeit nicht nach und war sehr irritierend. Aber ich habe auch noch nie eine E-Lok gezogen, vielleicht ist das normal. Während wir fuhren sagte er kein Wort. Das war schon irgendwie sehr surreal. Ich zog ihn dann noch ein Stückchen die elektrifizierte Strecke entlang, dann kam ich zum Stehen. Aber anstelle abzukuppeln hat er sich an mich herangezogen und seine Arme um mich gelegt. Ich war so überrascht, ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Es fühlte sich so verdammt gut an. Als ich das merkte, habe ich ihn natürlich weggestoßen. Aber er hat mich nur angelächelt und sich bedankt für die Fahrt. Ich konnte gar nichts mehr sagen, ich habe mich einfach umgedreht und bin davongefahren. Er rief mir noch nach, dass wir uns sicher wiedersehen werden, wenn ich möchte. Als ob ich das wollen würde.
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