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When the night is darkest 4 - Verloren

von Tilajasar
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / MaleSlash
OC (Own Character) Pearl Rusty
24.07.2020
13.08.2020
17
14.880
2
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Dieses Kapitel
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04.08.2020 1.606
 
30.01.

Ich glaube ich habe gestern etwas zu heftig reagiert. Ich bin wirklich abends noch zu Liz gefahren und bei ihr geblieben. Sie hat sich sehr gefreut. Naja, ich habe ihr ja auch nicht gesagt, warum ich wirklich da war. Wobei sie gemerkt hat, dass etwas nicht stimmte, dafür kennt sie mich einfach zu gut, aber sie hat nicht weiter nachgefragt. Jetzt habe ich Mittagspause, die Sonne scheint wieder, auch wenn es eiskalt draußen ist und ich bin guter Stimmung. Das mag an der Nacht mit Liz liegen oder an dem Traum, den ich in den Morgenstunden hatte.

Verdammt… ich bin jetzt schon eine Stunde hier im Depot umhergefahren. Ich weiß nicht weiter. Was soll ich machen? Ich kann doch nicht zu Liz gehen. Am liebsten würde ich einfach verschwinden. Nein, das sollte ich wollen. Aber ich will nicht. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kann doch nicht wieder hinausfahren. Aber genau das will ich. Nur warum? Verflucht, ich werde verrückt. Nein. Ich muss mich beruhigen. Es gibt keinen Grund Angst zu haben. Ist das überhaupt Angst, was ich empfinde? Es sollte Angst sein. Aber es fühlt sich anders an. Das macht keinen Sinn!

Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mich nicht getäuscht hatte gestern. Tim ist wirklich hier. Er hat mir vorhin an der Stelle, wo ich immer eine kurze Pause mache, aufgelauert. Er stand plötzlich hinter mir und sprach mich an, als ob wir die besten Freunde wären. Im ersten Moment hatte ich ihn gar nicht erkannt, er hat sich komplett umspritzen lassen und sieht jetzt noch unscheinbarer aus. Aber er funkelte mich mit seinen Augen noch genauso an wie früher. Er entschuldigte sich und bat mich ihm zu helfen. Glaubt er wirklich, ich würde ihm helfen? Nach all dem, was er mir angetan hat? Da kann er mir mit noch so weinerlicher Stimme erzählen, dass er Strom braucht und nirgendwo mehr hin kann. Er hat doch genug Freunde, die er ausnutzen kann. Warum kommt er überhaupt zurück? Sicher nicht, weil er mich wiedersehen wollte, wie er behauptet. Wer weiß, was er vorhat. Auf der anderen Seite, er sah wirklich schlecht aus. Aber hat es ihn gekümmert, wie es mir ging? Er kann doch nicht erwarten, dass ich ihm helfe. Ich könnte natürlich einfach melden, dass ich eine defekte Lok gefunden habe. Aber dann wird Liz hingeschickt. Ich will sie da nicht mit hineinziehen. Nein, ich muss allein


Ein lautes Pochen an der Tür riss Pearl aus Rustys Gedanken. Schnell schloss sie das Tagebuch und schob es wieder unter das Kissen. Dann rollte sie zur Tür und öffnete.

„Hallo Pearl“, grüßte Caboose mit einem Grinsen auf dem Gesicht.
Pearl war nicht sicher, was der Besuch des Bremswagens zu bedeuten hatte. „Hallo Caboose, seid ihr schon zurück? Was gibt’s?“, fragte sie so freundlich wie es ihr möglich war.
„Blacco musste noch zu Control, da dachte ich, ich nutze mal die Gelegenheit mit dir allein zu sprechen. Darf ich reinkommen?“
Pearl gefiel das gar nicht aber sie nickte, ließ ihn hereinrollen und schloss die Tür wieder.

Caboose sah sich kurz im Zimmer um, dann wandte er sich wieder Pearl zu. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass du Rustys Tagebuch hast.“
Woher wusste er das nun schon wieder? Da musste doch eins der Mädels geplaudert haben. Dabei hatte sie ihnen doch ganz klar gesagt, dass das unter ihnen bleiben soll.
„Gibst du es mir, wenn du durch bist?“
Pearl sah ihn groß an. „Auf keinen Fall!“
Caboose lachte. „Schade.“
„Warum interessierst du dich dafür?“
Caboose lächelte sie an. „Ich habe eine Theorie was passiert ist und würde gern wissen, ob ich richtig liege.“
„Was für eine Theorie?“
„Wenn du mir das Buch gibst, verrate ich sie dir.“

Pearl überlegte einen Moment, dann schüttelte sie entschieden den Kopf. „Das kann ich nicht.“
„Zu schade. Aber vielleicht können wir Informationen tauschen. Du sagst mir, was ich wissen will und ich verrate dir ein paar seiner Geheimnisse. Was meinst du?“ Caboose sah sie erwartungsvoll an.
„Ich will nichts über sein Leben mit Liz wissen“, gab Pearl entschieden zurück.
„Ach, der kleine Reparaturwagen interessiert mich nicht“, winkte Caboose ab. „Sie hat ihre Rolle gespielt so gut sie konnte und am Ende einfach Pech gehabt. Nein, ich rede von Tim.“
Pearl wurde hellhörig. „Du wusstest, dass er in Naiva war?“
Caboose grinste sofort. „Was schreibt er denn über ihn?“
„Moment. Ich habe dir schon mehr gesagt, als ich wollte. Jetzt bist du dran.“

Caboose nickte bereitwillig. Das war nur fair. „Was willst du wissen?“
Er beobachtete Pearls Reaktion. Sie schien zu überlegen und Caboose merkte deutlich, dass sie eigentlich nichts wirklich wissen wollte. Daher beschloss er vorsichtig anzufangen. „Vielleicht, was damals in der Scheune passiert ist?“
Pearl sah ihn leicht irritiert an. „Das weiß ich doch. Tim hat ihn gezwungen diese Drogen zu nehmen.“
„Ja und weiter?“, fragte Caboose mit schiefem Lächeln.
„Nichts weiter. Am nächsten Morgen war er völlig durch den Wind und hat versucht mich vor Tim zu warnen. Und ich…“, Pearl senkte den Kopf, „…habe ihm nicht geglaubt.“
„Ja, das hättest du besser tun sollen. Dabei hat der arme Rusty in diesem Abend weit mehr mitmachen müssen, als nur Fire Pills verabreicht zu bekommen.“
Pearl sah entsetzt auf. „Was meinst du? Hat er ihn geschlagen?“
Caboose musste lachen. „Das ist die falsche Richtung. Tim ist doch kein Schlägertyp. Nein, er…“ Caboose suchte kurz nach einer für Pearl angemessenen Formulierung, „…er war sehr zärtlich zu ihm.“
Pearl blinzelte ihn verständnislos an.
Gut, dann musste er deutlicher werden. „Er hat’s mit ihm getrieben.“
„Was?!“ Pearls Augen weiteten sich vor Entsetzen.
„Tim wollte eine Wette gewinnen, dass er Rusty rumkriegt. Nur darum ging es ihm damals.“
„Du meinst er hat Rusty…“, Pearl schlug die Hände vor den Mund und Caboose sah, wie sie immer blasser wurde.
„Nein. Deshalb sollte er ja vorher die Drogen nehmen. Er hat gut mitgemacht.“ Caboose grinste in sich hinein.

Eine ganze Weile starrte Pearl nur auf den Boden und sagte gar nichts mehr. Caboose konnte nur ahnen, was in ihrem Kopf vorging. „Tja, wer hätte das von unserem guten Rusty gedacht?“
Jetzt sah Pearl auf und in ihrem Blick lag etwas Trotziges. „Wer sagt mir, dass du mir nicht nur Lügengeschichten erzählst?“
Caboose nickte langsam. „Niemand. Du könntest natürlich Tim fragen, aber ich bin nicht sicher, ob du noch an ihn rankommst.“ Er lächelte verschmitzt und fuhr ernst fort: „Nun bin ich an der Reihe. Wie beschreibt Rusty sein Verhältnis zu Tim?“

Pearl starrte ihn weiterhin mit zusammengepressten Lippen an. Sie schien nicht bereit ihm zu antworten. Caboose entschied, dass er, bevor er sich anlügen ließ, doch noch mehr preisgeben würde um ihr Vertrauen nicht zu verlieren. Er atmete hörbar aus. „Was glaubst du, warum hat Tim ihn die ganzen Tage im Bunker gefangen gehalten?“
Als Pearl nur langsam den Kopf schüttelte, fuhr Caboose fort: „Er hat ihn nicht hungern lassen, er hat ihm keine größeren Verletzungen zugefügt. Nach allem was ich weiß, hat er ihn nur gezwungen die Fire Pills zu nehmen. Warum sollte er das tun, wenn nicht um ihn gefügig zu machen?“
„Hör auf!“, rief Pearl. „Ich will das nicht hören!“
„Weil es wahr sein könnte?“, fragte Caboose lauernd.

Pearl sah ihn an und er bemerkte Tränen in ihren Augen. Caboose seufzte. Jetzt hatte er es wohl etwas übertrieben und würde vermutlich nichts mehr von ihr erfahren. „Es ist wohl besser, wenn ich später wiederkomme.“ Er wandte sich um und fuhr zur Tür.
„Warum erzählst du mir das alles?“, hörte er Pearls tränenerstickte Stimme hinter sich.
Caboose blieb in der geöffneten Tür stehen und sah sich um. „Weil Rusty mich darum gebeten hat.“

„Wie meinst du das?“ Pearl starrte ihn an aber Caboose lächelte nur vielsagend, drehte sich um und fuhr einfach hinaus.
„Warte!“, rief Pearl und wollte ihm nacheilen.
Aber als sie an der Tür ankam, lief sie Blacco direkt in die Arme.
„Was für ein stürmischer Empfang“, begrüßte er sie, bemerkte dann ihre Tränen und fragte besorgt: „Was ist denn los? Was hat Caboose gemacht?“
Pearl sank weinend in seine Arme.

Erst nach einer Weile beruhigte sie sich wieder und ließ sich von ihm ins Zimmer zurückschieben.
„Warum weinst du?“, fragte Blacco vorsichtig.
Pearl schniefte. „Ich weiß nicht. Caboose hat eben von Rusty erzählt...“
„Du hängst immer noch an ihm.“ Blaccos Stimme klang ein wenig traurig. Pearl konnte ihn nicht ansehen und sie spürte, wie ihr wieder die Tränen in die Augen stiegen.
„Komm her“, sagte Blacco und schloss sie wieder in die Arme. Pearl drückte sich fest an ihn und weinte.

Nach einer Weile hörte sie Blaccos leise Stimme. „Das ist jetzt vielleicht nicht der richtige Augenblick, aber ich muss es dir sagen. Ich war eben bei Control.“ Blacco holte tief Luft. „Weil in Naiva jetzt eine Lok fehlt, werde ich versetzt.“
„Was?“, entfuhr es Pearl. Sie löste sich von ihm und starrte ihn an. „Warum du? Warum versetzt er nicht Greaseball?“
Blacco seufzte. „Das habe ich ihn auch gefragt. Aber er meint, die anderen Loks sind hier gut integriert und ich habe ja vorher schon mal in Naiva gearbeitet.“
„Das darf doch alles nicht wahr sein.“ Pearl kehrte ihm den Rücken zu und ließ sich aufs Bett sinken. „Kann ich wenigstens mitkommen?“
„Möchtest du das wirklich?“, fragte Blacco. „Du hast doch all deine Freundinnen hier und du weißt, dass Becca nicht gut auf dich zu sprechen ist.“
Pearl sah ihn aus Tränen gefüllten Augen an. „Ich will dich nicht auch noch verlieren.“
Blacco setzte er sich neben sie und legte einen Arm um ihre Schultern. „Wir werden eine Lösung finden.“
Pearl lehnte ihren Kopf an ihn. „Das hoffe ich“, flüsterte sie.
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