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When the night is darkest 4 - Verloren

von Tilajasar
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / MaleSlash
OC (Own Character) Pearl Rusty
24.07.2020
13.08.2020
17
14.880
2
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28.07.2020 1.098
 
21.01.

Ich habe mich schon lange nicht mehr so schlecht gefühlt. Liz sagt, es sei nichts Ernstes, aber ich fühle mich so mies. Gestern hab ich den ganzen Tag gefroren, jetzt hab ich das Gefühl ich glühe. Liz will mir auch nichts gegen die Kopfschmerzen geben. Ich könnte fast glauben, sie macht das extra um mir zu zeigen, was passiert, wenn ich den ganzen Tag in Eiseskälte draußen rumfahre. Das jedenfalls waren ihre Worte. Es ist fast Mittag und ich habe schon die ganze Zeit im Bett gelegen. Ich würde ja zu gern aufstehen und irgendetwas machen, aber das geht nicht. Als ich es vorhin versucht habe, konnte ich mich kaum fünf Sekunden auf den Beinen halten. Ich habe Liz auch versprochen keine Schlaftablette zu nehmen. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Wenn ich weiter so daliege… hoffentlich kommt sie bald vorbei. Sie sagte, ich soll die Zeit nutzen um nachzudenken. Aber warum? Alles ist gut so wie es ist und ich bin froh darüber. Ich will nicht über die Vergangenheit nachdenken. Was geschehen ist, ist geschehen…

Liz war vorhin da. Nun hat sie mir zum Glück doch was gegen das Fieber gegeben. Ich hoffe das wirkt bald. Als sie reinkam hatte ich sie gar nicht erkannt. Das muss ein Fiebertraum gewesen sein. Ich will nur noch schlafen.

So einfach war das mit dem Schlafen gar nicht. Ok, ich wollte eigentlich nichts über meine Gedanken hier reinschreiben, aber ich werde verrückt, wenn ich es nicht tue. Es dreht sich alles im Kreis. Kaum mache ich die Augen zu, um in den Schlaf zu finden, bin ich im Bunker. Ich höre Tims Stimme und es fühlt sich alles so echt an.


Der Eintrag war noch länger aber Pearl wandte die Augen ab. War es wirklich richtig, dass sie Rustys Gedanken las. Wenn er sie schon nicht mit Liz geteilt hatte, hätte er es sicher auch nicht mit ihr getan. Pearl spürte, dass sie dringend frische Luft brauchte. Sie klappte das Buch zu und schob es gemeinsam mit dem Foto unter ihr Kissen. Dann fuhr sie langsam hinaus.

Der kühle Wind tat tatsächlich gut. Sie sah sich um und überlegte, ob sie Papa einen Besuch abstatten sollte. Aber sie wusste, dass sie ein Gespräch mit ihm nur weiter runterziehen würde und sie konnte ihm auch keine Aufmunterung spenden. So fuhr sie etwas ziellos auf dem Gelände herum bis sie an einer Ausfahrt hielt. Blacco würde wohl noch eine Weile mit dem Frachtzug unterwegs sein. Da hörte sie wie der Personenzug auf der anderen Seite einfuhr. Einen Moment blieb sie noch stehen und blickte sehnsüchtig in die Ferne, dann fuhr sie ihnen entgegen.

„Hey Pearl, hat Tessa dir das Tagebuch schon gebracht?“, fragte Buffy ohne Umschweife.
Pearl nickte, während sie in die neugierigen Gesichter der anderen blickte. „Ja, Blacco hat es mir übergeben.“
„Und, hast du schon reingeschaut?“, fragte Dinah.
Als Pearl nicht sofort antwortete, fragte Ashley konkreter nach: „Schreibt er, warum er Liz umbringen wollte?“
Dinah sah Ashley entsetzt an. „Rusty hat Liz nicht umgebracht!“
„Ach, dann haben sich die beiden Züge, die es gesehen haben, wohl geirrt?“, gab Ashley patzig zurück.
„Vermutlich“, antwortete Dinah etwas unsicher und fügte mit festerer Stimme hinzu: „Rusty würde nie jemanden verletzen.“
Ashley machte ein abwertendes Geräusch. „Der Rusty, den wir kannten sicher nicht. Aber du hast ihn doch erlebt, als er das letzte Mal hier war.“
„Hört auf!“ Pearl konnte sich das nicht länger anhören. Natürlich waren ihre Gedanken dieselben wie Dinahs aber bisher deutete alles darauf hin, dass Ashley Recht hatte. Alle drei schauten sie erwartungsvoll an.

„Ich habe noch nicht viel gelesen. Die Einträge beginnen im Januar. Bisher waren es kaum mehr als Beschreibungen, was er so am Tag gemacht hat.“
Dinah konnte ihre Enttäuschung kaum verbergen. „Kein Wort über sein Verhältnis zu Liz?“
Pearl schüttelte den Kopf. „Nichts, was auf schwerwiegende Probleme hindeuten würde.“
„Was schreibt er denn so?“, hakte Buffy nach.
Pearl sah sie ernst an. „Würdest du wollen, dass jeder weiß, was in deinem Tagebuch steht?“
„Aber Rusty kann nichts mehr wollen. Du musst keine Rücksicht mehr auf ihn nehmen“, gab Buffy zurück.
Pearl spürte, wie sich ihr Herz bei diesen Worten zusammenkrampfte. Sie wandte sich ab. „Ich lese erstmal weiter. Bis später.“ Damit ließ sie ihre Freundinnen stehen und fuhr davon.

„Pearl!“ Dinah kam ihr nach. „Warte!“
Pearl blieb stehen und wischte sich über die Augen, bevor sie Dinah entgegenblickte.
„Pearl, nimm das was Ashley und Buffy sagen nicht so ernst. Greaseball hat auf der Fahrt ein paar wilde Theorien geäußert. Du hättest die Drei mal erleben sollen. Das war so absurd.“
„Ist schon ok. Ich kann sie ja verstehen. Es ist nur… ich will es nicht glauben.“ Sie seufzte. „Ich bin auch nicht sicher, ob ich wirklich weiterlesen sollte.“
„Warum nicht?“
Pearl zuckte mit den Schultern. „Es fühlt sich nicht richtig an. Ich hatte keinen Platz mehr in seinem Herzen, woher nehme ich das Recht jetzt in seinen Kopf zu schauen?“ Sie sah Dinah fragend an.

„Aber Pearl, wenn nicht du, wer soll es dann lesen?“ Dinah lächelte kurz. „Du kannst es natürlich Buffy geben.“
Pearl winkte ab. „Du hast ja Recht. Ich fürchte mich nur davor, dass ich falsch liegen könnte.“
„Das glaube ich nicht. Er kann sich innerhalb von ein paar Monaten nicht so verändert haben.“
Pearl nickte. Sie wollte das auch glauben. Aber sie wusste auch, dass während Rustys Gefangenschaft etwas vorgefallen sein musste, worüber er offenbar nicht einmal mit Liz gesprochen hatte und das hatte sicher seinen Grund.

„Du weißt, wo du mich findest, wenn du jemanden zum Reden brauchst.“ Dinah lächelte ihr aufmunternd zu und verabschiedete sich.
Pearl sah noch einmal kurz zu Buffy und Ashley, die in ein Gespräch vertieft waren, und fuhr dann in ihr Depot zurück.

Sie nahm das Buch zur Hand, setzte sich bequem hin und tippte zögerlich das Passwort ein. Augenblicklich wurde ihr die Seite, die sie zuletzt gelesen hatte, angezeigt und nachdem sie die letzten Zeilen noch einmal überflogen hatte, las sie weiter.


Mein Herz fängt an zu rasen, mir bricht der Schweiß aus, ich habe solche Angst, dass mir beinahe schlecht wird. Dabei ist das alles doch schon ein paar Wochen her. Aber selbst wenn ich mir dann immer wieder sage, dass Tim mir nichts mehr tun kann, wird es nicht besser. Normalerweise schlafe ich dann dank der Tabletten trotzdem schnell ein oder ich fahre noch mal kurz draußen rum. Aber jetzt kann ich das nicht. Ich kann hier nur rumliegen und versuchen nicht daran zu denken. Aber die Gedanken kommen wie von allein. Selbst jetzt muss ich aufpassen.
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