Doubting Hero

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Hizashi Yamada / Present Mic Nemuri Kayama / Midnight Shouta Aizawa / Eraserhead Toshinori Yagi / All Might
23.07.2020
07.08.2020
16
14.778
4
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
23.07.2020 1.576
 
Lass uns gemeinsam auf Patrouille gehen, hatte er gesagt, dass wird so witzig wie früher! Schließlich waren wir schon immer ein unschlagbares Team. Die Worte des Voiceheros erklangen in seinem Kopf, immer wieder als wäre es in Dauerschleife und der Plattenspieler war kaputt gegangen. Witzig war an der Lage, in der sie im Moment steckten, rein gar nichts. Vor allem aber erinnerte sich Eraserhead nun auch wieder daran, wieso er es seit Jahren vermieden hatte, mit seinem ehemaligen Klassenkameraden nachts durch die Straßen zu ziehen und nach Schurken Ausschau zu halten. Wie hatte er es auch vergessen können? Vermutlich hatte er es einfach verdrängt, oder seine Tätigkeit als Lehrer hatte ihn etwas weich werden lassen.

Doch nichts daran änderte etwas an der Tatsache, dass sie nun Rücken an Rücken in einer Seitengasse standen, umzingelt von einer Bande Schurken, die allesamt nicht so wirkten, als würden sie mit sich reden lassen. Dabei war sein Plan wirklich gut durchdacht gewesen.

*


Aber wie kam es dazu?

Seit der Gefangennahme von Stain, dem Heldenmörder, hatte sich einiges in der Unterwelt getan. Viele neue Schurken waren aufgetaucht, angestachelt von der Philosophie des Verhafteten. Sie alle waren unzufrieden mit der Lage und fühlten sich von den Helden unterdrückt, die ihrer Meinung nach alles für Geld und Ruhm machen würden. Shota konnte den Frust gut nachvollziehen, schließlich hatte er lange genug als Untergrundheld gearbeitet, um viele Seiten kennen zu lernen. Es war auch nicht selten vorgekommen, dass er mit Zivilisten zusammengearbeitet hatte, und sogenannte Vigilante ungestraft die Tätigkeiten eines Helden ausführen ließ, während sie ihm halfen. Dabei war es per Gesetz verboten und nur jenen erlaubt, die eine entsprechende Lizenz erworben hatten. Macken gehörten schließlich reguliert, meinte die Regierung, sonst gäbe es Chaos.

Da er noch ein paar Kontakte in gewissen Kreisen hatte, erfuhr er recht rasch von einer heimlichen Versammlung, die in der Nähe stattfinden sollte, in der es um die Verbreitung von Stains Gedankengut ging. Um nicht vollkommen alleine zu agieren hatte Aizawa gemeinsam mit Tsukauchi den Plan entwickelt, sich einzuschmuggeln und Informationen zu sammeln. Die beiden hatten schließlich schon ab und an zusammengearbeitet, und wussten, dass auf den jeweils anderen verlass war. Da Eraserhead kein sonderlich bekannter Held war, war es einfach für ihn, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Leider hatten sie die Rechnung ohne Present Mic gemacht.

Nach dem USJ-Vorfall war Hizashi ganz versessen darauf, Shota nicht mehr von der Pelle zu rücken, sobald dieser sich aufmachte, um ein wenig zu patrouillieren. Schließlich waren sie immer noch Profihelden und sollten auch ihrer Arbeit nachgehen, also konnten sie dies auch gemeinsam machen, war zumindest die Meinung des Blonden. Das war für Aizawa zwar einleuchtend, aber dennoch empfand er es als störend, einen Schatten an seiner Seite zu haben, wo er doch lieber allein arbeitete. Außerdem war es doch sehr auffällig, dass Yamada gerade jetzt den Drang entwickelte, neben seinen anderen drei Jobs wieder mit den nächtlichen Patrouillengängen anzufangen.

*


„Dachtet ihr wirklich, dass ihr uns so einfach verarschen könnt?“, fragte einer der Schurken ziemlich wütend und zog ein Messer. Stichwaffen aller Art waren dank dem Heldenmörder wieder voll im Trend. Manche Läden verkauften sogar Masken und anderen Merchandise, damit man sich diesem Verbrecher näher verbunden fühlen konnte. Daher war es kaum verwunderlich, dass auf der Versammlung einige so gekleidet waren wie Stain. Auch die Hälfte jener, die sie umzingelt hatten, waren lächerliche Cosplayer. Shota hoffte, dass sie sich ebenso große Amateure entpuppten und wenigstens leicht zu besiegen waren.

„Wenn du es genau wissen willst: Sure!“, antwortete Hizashi und zwinkerte, während Aizawa hinter ihm stöhnte. Provokation war in diesem Moment keine gute Idee. Sie waren eindeutig in der Unterzahl und das Überraschungsmoment war auch hinfällig. Warum um alles in der Welt musste Mic also dumme Sprüche klopfen?

„Ihr beschissenen Helden, stolziert herum und glaubt ihr seid was Besseres. Als ob“, spuckte ein anderer aus, „nur weil ihr so ne beschissene Lizenz habt, die euch erlaubt euer Geburtsrecht einzusetzen. Und wenn wir das tun, sind wir Schurken. Aber ihr seid nur auf Geld und Ruhm aus und seid es nicht wert, euch Helden zu nennen.“

*


Die Stimmung war geladen und die Polizei noch meilenweit entfernt. Kein anderer Held war in der Nähe, weil das hier nur eine einfache Undercovernummer hätte werden sollen. Doch in der Menge unterzutauchen war Yamada schon immer schwergefallen, auch wenn Shota wirklich gehofft hatte, dass die Tarnung halten würde. Tatsächlich hätte es fast funktioniert.

Die beiden Helden hatten sich ebenso wie andere Fans in die Maske des Heldentöters gehüllt, und zusätzlich Hoodies mit Kapuzen getragen. Bis zum Ende der Versammlung, die sie vom Rand des Geschehens aus, verfolgt hatten, waren sie nicht aufgefallen. Erst nachdem sie den Versammlungsort verlassen hatten, waren sie in diesen Hinterhalt gelangt. Einer aus der Bande hatte Mics Stimme wiedererkannt, die Tag für Tag durch Radio und Fernsehen hallte. Deswegen hasste Eraserhead die Medien so sehr. Sie machten das Heldendasein verdammt schwer.

*


„Dachtet ihr, dass ihr euch einschleichen könnt, und uns so zum Schweigen bringt? Das lassen wir nicht zu. Ihr habt lange genug arrogant auf uns herabgesehen! In Wahrheit seid ihr der Abschaum!“ Der Zorn des Schurken war kaum zu leugnen. „Darum sterbt ihr jetzt! Stains Vermächtnis muss fortgeführt werden!“

Als ob es ein Stichwort gewesen war, stürmten die zehn Männer zeitgleich auf Mic und Eraser, die ebenso nicht starr stehen blieben. Die hinderlichen Hoodies waren schnell verschwunden, womit es für Aizawa einfacher wurde, sein Fangtuch einzusetzen. Schnell löschte er die Macken seiner Angreifer und schaffte es in Windeseile zwei Schurken festzusetzen. Es waren zum Glück tatsächlich nur Amateure, die ihre Klappe zu weit aufgerissen hatten. Vermutlich hatten sich geglaubt, dass ihre Überzahl die Erfahrung und das Können überwiegen würden. Einzig die Messer und Schwerter stellten eine Herausforderung dar, weil man ihnen nur ausweichen konnte.

Während Shota im Nahkampf bereits den vierten Schurken besiegte, versuchte Mic etwas an Distanz zu gewinnen, um besser mit seiner Macke kämpfen zu können, die seinem Kollegen bereits jetzt schon Kopfschmerzen bereitete, aber da musste er wohl durch. Schließlich hielt es die anderen Angreifer davon ab, ihn anzufallen, während er mit seinem Fangtuch die ausgeschalteten Gegner fesselte.

Blieben noch immer sechs Gegner gegen zwei Helden, die ebenso darauf achten mussten, dass nicht einer der bereits gefesselten wieder befreit wurde. Ein schwieriges Unterfangen, vor allem als Aizawa feststellen musste, dass das Fläschchen Augentropfen kaputt gegangen war, als einer der Schurken ihn mit einem Kick getroffen hatte. Seine Augen brannten wie Feuer, was es nicht sonderlich einfach machte, seine Macke weiter einzusetzen, da er ständig blinzeln musste.

„Wo bleibt die Polizei, dammit!“, fluchte Hizashi, ehe er mit einem lauten „YEAH!“ die auf sie zustürmenden Angreifer zurückwarf. So hatte er sich die Sache nicht vorgestellt.

„Mach einfach weiter, solange es geht“, versuchte Aizawa ihm Mut zu machen, ehe er seine Fangwaffe dazu nutzte, einen der Schurken zu sich heranzuziehen, damit er ihn mit ein paar Schlägen ausschalten konnte.

Im Grunde genommen, waren sie wirklich ein gutes Team. Während die laute Stimme von Present Mic die Gegner ins Straucheln brachte und in die Knie zwang, war es ein Einfaches für Shota, sie auszuschalten und zu fesseln. Ein paar Moves noch, und es wäre gewonnen. Doch er hatte sich zu früh darauf verlassen, ein Fehler, den er eigentlich niemals machte. Einer der letzten Angreifer hatte acht Arme und ohne, dass sie es bemerkt hatten, hatte er die Waffen seiner Kollegen aufgelesen. Da es keine wirkliche Macke war, konnte Eraserhead die zusätzlichen Arme nicht auslöschen. Dabei war er sicher gewesen, dass der Kerl als erster von Mic bewusstlos geschlagen worden war und hatte ihn daher außer Acht gelassen.

Jede Waffe wild herumwirbelnd stürzte der Schurke auf die beiden zu, nutzte die Möglichkeit, um unbemerkt eines der Messer zielsicher nach Hizashi zu werfen. Shota sprang sofort los, nutzte sein Fangtuch, um zu versuchen, dem Angreifer die Schwerter zu entreißen. Ein wilder Kampf entstand, auch die anderen über gebliebenen Schurken griffen weiter an.

Shota fühlte sich zurückversetzt in das USJ, wo die Situation ebenso wenig einfach gewesen war. Hier hatte er jedoch die Hilfe und den Beistand eines Kollegen, der sich ebenso wacker schlug wie er. Dachte er zumindest. Erst als er sich umwandte, sah er die zwei Messer, die aus Yamadas Oberkörper ragten, während jener langsam zurücktaumelte. „MIC!“, brüllte Aizawa und war durch den Anblick seines Freundes abgelenkt, was ein Schurke zu seinen Gunsten nutzte. Die Klinge des Schwertes schnitt sauber durch sein Hosenbein und durch die Haut, doch Eraser nahm es nicht wahr.

Schnell wandte er sich wieder den Schurken zu, führte ein paar schnelle Bewegungen und Schläge aus. Er musste es schnell zu Ende bringen. Fast mechanisch kämpfte er weiter, achtete nicht darauf, dass bei einem seiner Schläge ein bedrohliches Knacken zu hören war, doch er könnte ohnehin nicht beurteilen, ob es sein Knochen, oder der des Gegners gewesen war. Ein paar Minuten später lagen alle Schurken in festverschnürten Paketen am Boden.

Schweißgebadet und schwer atmend eilte er schnell zu Yamada, der an die Wand gelehnt dasaß, die Waffen, die ihn getroffen hatten, neben ihm liegend. „Tut mir leid, Shota“, flüsterte er und war bereits dabei das Bewusstsein zu verlieren.

Aizawa ging nicht darauf ein. Schnell riss er die Kleidung des Voiceheros auf und benutzte den letzten Rest seines Fangtuchs dafür, ihm einen Druckverband umzulegen. Nur kurz zog er sein Handy aus der Tasche und schrieb eine Nachricht an Tsukauchi, ehe er Yamada auf seinen Rücken zog und loslief Richtung UA. „Bleib bei mir. Hörst du. Bleib verdammt nochmal wach!“