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Magische Schneekugel

von ceeliinee
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Mix
Caboose Electra OC (Own Character) Papa Pearl Rusty
22.07.2020
25.07.2020
12
12.375
3
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.07.2020 1.094
 
Am nächsten Morgen wachte Delilah in ihrem äußerst bequemen Bett auf. Sie hatte sich damit abgefunden, dass das hier definitiv kein Traum war. Der junge Erste-Klasse-Waggon war schon äußerst gespannt, was ihn am heutigen Tag erwarten würde. Sie musste auf jeden Fall Electra finden und in Erfahrung bringen, wie das Gespräch mit Caboose verlaufen war. Vorher musste sie aber unbedingt etwas in den Magen bekommen, oder in den Tank oder was auch immer ein Waggon hatte. Delilah rollte in die Küche, wo sie bereits einen Karton mit allerhand Lebensmitteln vorfand. Dabei lag ein Zettel mit einer kurzen Nachricht: Ich hoffe, du findest etwas das du magst. Wenn du noch etwas benötigst frage gerne!

In der Kiste befanden sich allerhand Lebensmittel. Frisches Obst und Gemüse, Brot, Wurst, Käse, Marmelade, Kakaopulver, Kaffeepulver und Milch. Außerdem stand daneben ein Kasten Wasser. Damit konnte Delilah auf jeden Fall etwas anfangen, genau genommen war es sogar mehr, als sie in ihrem Kühlschrank vorfinden würde. Und vielleicht würde sie sich ja mit der Zeit an den Geschmack von Öl gewöhnen.

Zuerst bereitete Delilah sich ein Frühstück zu, bevor sie im Bad ihre Zähne putzte, ihre Haare stylte und ihr Make-up auffrischte. Sie nahm sich dafür richtig Zeit, wann sonst hätte sie nochmal Zeit dazu? Dann zog sie sich nur noch schnell ihr Outfit an und verließ ihr Depot. Vor der Türe erwartete sie schon Rusty, welche unsicher auf und ab ging. „Hey.“ begrüßte sie ihn, wollte jedoch weiter gehen, doch die Dampflok hielt sie auf. „Hey, ähm, ich wollte mich entschuldigen, wegen gestern. Ich wollte nicht abweisend sein und bin normal auch nicht so, ich weiß auch nicht, was mit mir los war.“ erklärte Rusty sein gestriges Verhalten. Jedoch war es eine glatte Lüge, er wusste genau, was los war – er wollte sich schützen und das tat ihm eigentlich auch nicht wirklich leid, doch Papa hatte ihn dazu überredet, schwor ihm, dass sie anders war, als normale Erste-Klasse-Waggons. Aber Papa hatte auch leicht reden, er wurde von jedem respektiert. Anders als er. Dennoch fasste er sich ein Herz, vielleicht hatte Papa ja recht. „Die anderen sind grade alle arbeiten, ich hab heute meinen freien Tag. Wenn du magst, zeige ich dir nen schönen Platz hier in der Nähe.“ schlug Rusty vor, hätte sich im letzten Moment aber am liebsten selbst geohrfeigt. Hatte er ihr grade wirklich vorgeschlagen, ihr seinen Lieblingsplatz zu zeigen – einer Lichtung abseits des Bahnhofs?

„Sehr gerne!“ meinte Pearl und lächelte ihn an. Vielleicht war er ja doch nicht so unsympathisch, wie er gestern schien. Zumindest hoffte sie das sehr. „Sicher, man wird über dich lachen, wenn du mit mir unterwegs bist.“ versuchte Rusty sich wieder herauszureden. Außerdem stimmte es, niemand wurde gerne mit ihm gesehen. „Glaub ich nicht, ich sehe zumindest keinen Grund dazu.“ meinte Pearl. Rusty seufzte, und bot ihr seine Kuppelringe an, damit sie gemeinsam zu der Lichtung fahren konnten. Als Pearls Hände die Kupplungsringe der Dampflok berührten, fuhr ein heftiges Kribbeln durch seinen Körper. Auch Pearl ging es nicht anders, eine seltsame, aber angenehme Wärme strömte durch ihren Körper, was sie jedoch beide hartnäckig zu ignorieren versuchten. Gemeinsam fuhren sie den Weg zu der Lichtung, wo sie eine halbe Stunde später ankamen. „Wow Rusty, hier ist es ja wirklich wunderschön!“ schwärmte Pearl. Sie standen auf einer großen Blumenwiese. Die Farben wirkten unglaublich intensiv, was durch die strahlende Sonne noch verstärkt wurde. Vom weiten konnte man Wasser rauschen hören. „Ist hier in der Nähe ein Fluss?“ fragte Pearl Rusty daher. Dieser schüttelte den Kopf. „Aber ein See, mit einem Wasserfall. Wenn du magst, können wir bis dahin fahren.“ schlug Rusty vor. Pearl schien sich hier so unglaublich wohl zu fühlen und auch er hatte das Gefühl, dass der Erste-Klasse-Waggon ihn akzeptierte, obwohl er eine veraltete Dampflok war.

Begeistert nickte Pearl und zog die Dampflok in die Richtung, aus der das Rauschen kam. Ziemlich schnell kamen sie beim Wasserfall an. Das Wasser war wunderbar klar, sodass man die Steine auf dem Boden und die Fische erkennen konnte. „Hier ist es wirklich wunderschön.“ flüsterte Pearl mit glitzern in den Augen. Rusty beobachtete sie und bemerkte, wie gut sie hierher passte. Der Erste-Klasse-Waggon war wunderschön, wie die Umgebung. „Danke, dass du mich hierher geführt hast!“ bedankte Pearl sich bei Rusty. „Kein Problem, das war das mindeste, nach gestern!“ sagte Rusty und setzte sich gegen einen Baum. Pearl setzte sich neben ihn. Gemeinsam genossen sie die Ruhe, hörten dem Wasser beim Rauschen zu und rochen die saubere Waldluft. „Mein Vater meinte, du kommst aus einem kleinem Land, wieso hat es dich hierher verschlagen?“ durchbrach Rusty irgendwann die Stille. Delilah überlegte, wie sie es erklären sollte. Niemand hier sollte von der Menschenwelt wissen, deshalb musste sie gut aufpassen. „Ich wurde nicht akzeptiert. Ich wollte Dinge erreichen, die vielleicht nicht typisch für einen Waggon wie mich sind. Deshalb brauchte ich einen Neuanfang.“ erzählte Delilah zögerlich. Damit hatte sie definitiv nicht zu viel verraten, war aber bei der Wahrheit geblieben. „Ich verstehe dich. Mich lachen alle aus, weil ich an der Weltmeisterschaft teilnehmen will, als unmoderne Dampflok. Niemand glaubt an mich.“ meinte Rusty. „Ich glaube, dass du das schaffen kannst!“ versuchte sie ihm Mut zuzusprechen. Rusty im Musical hatte auch gewonnen, dann hatte auch er eine Chance! „Das sagst du jetzt nur um nett zu sein, ich glaube ja nichtmal selber an mich. Außerdem finde ich sowieso keinen Partner.“ sagte Rusty niedergeschlagen. „Nein, ich glaube wirklich an dich. Wenn du willst bin ich dein Partner, also, wenn Caboose bei Electra zustimmt.“ meinte Pearl. „Da, siehst du, auch du fährst liebe mit der hochmodernen E-Lok anstatt dem unmodernen Dampfzug.“ redete Rusty traurig. „Das hat doch nichts mit lieber oder nicht lieber zu tun, ich habe einfach gestern Electra versprochen, dass ich mit ihm fahre, falls Caboose ablehnt, aber lieber würde ich mit dir fahren.“ widersprach Pearl sofort. Sie wollte wirklich lieber mit Rusty fahren. Für Electra war sie eben nur die zweite Wahl. Rusty lächelte sie an. „Wir reden da heute Abend nochmal drüber, wenn alle lachen, weil du mit mir unterwegs warst.“ sagte Rusty traurig und rappelte sich auf. Dann hielt er ihr die Hand hin, um Pearl aufzuhelfen. „Wir sollten zurückfahren, gleich beginnt die Mittagszeit, da wird es voll auf den Schienen.“ sagte Rusty und bot dem Erste-Klasse-Waggon wieder seine Kupplungsringe an. Gemeinsam fuhren sie zurück zum Bahnhof, wo sie schon von weitem Electra erkannte. „Danke für den schönen Vormittag, Rusty. Ich sag dir bescheid, wenn ich mit dir fahren kann.“ verabschiedete Pearl sich und umarmte die Dampflok.
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