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Magische Schneekugel

von ceeliinee
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Mix
Caboose Electra OC (Own Character) Papa Pearl Rusty
22.07.2020
25.07.2020
12
12.375
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22.07.2020 857
 
Genervt betrat Delilah ihre Wohnung. Die junge Studentin hatte einen anstrengenden Tag an der Uni. Erst hatte sie, mal wieder, Streit mit ihrem Freund, oder besser gesagt Exfreund. Seit die junge Frau sich dafür entschieden hatte, Maschinenbau zu studieren, wurde sie von allen Seiten doof angeguckt. Maschinenbau ist nur was für Männer – Delilah konnte diesen Satz nicht mehr hören, besonders nicht aus dem Mund von Linus.

Aber auch einige ihrer, selbstverständlich männlichen, Professoren könnte man als Definition für Arschloch nennen. Gefühlt die Hälfte ihrer Professoren sagte mindestens einmal in der Vorlesung, dass Frauen in diesen Berufen ja sowieso keine Chance hatten. Einige ihrer, sowieso schon wenigen, weiblichen Kommilitonen hatten schon aufgegeben, doch das kam für Delilah eher nicht in Frage. Sie wollte es allen zeigen. Ihren Eltern, die sie nicht unterstützten, ihren ehemaligen Freunden, die sie ausgelacht hatten, als sie ihnen gesagt hatte, dass sie ihr BWL Studium abbrechen wolle, ihren Professoren, die nicht an sie glaubten und auch allen Frauen, die sich genau wegen solcher dummen Sprüche gegen ihren Traumberuf oder ihren Traumstudiengang entschieden.

Delilah musste heute unbedingt dem Alltag entkommen, weshalb sie sich kurzerhand ein Ticket für den Starlight Express besorgte – ihr Lieblingsmusical seit vielen Jahren. Sie würde das niemals zugeben, aber sie hatte sich ihre Uni – in Bochum – auch wegen dem Musical ausgesucht. Zuvor hatte sie vier Stunden bis dorthin gebraucht – nun war es eine halbe Stunde mit der U–Bahn. Auch wenn Delilah der Meinung war, dass das Frauenbild in dem Musical überaltet war, liebte sie die Musik, die Choreos auf den Rollschuhen und die Liebesgeschichte von Pearl und Rusty. Manchmal (also ständig) wünschte sie sich einen Freund wie Rusty – vielleicht mit ein wenig mehr Selbstvertrauen. Gewissermaßen war er ihr Vorbild. Auch er hatte sich getraut, es allen zu zeigen, obwohl er ausgelacht wurde und hatte das Rennen – nach vielen Schwierigkeiten – gewonnen. So ähnlich, dachte sie, war ihre Situation. Ihr Studium war gewissermaßen ihr Rennen.

Zwei Stunden später betrat sie endlich das Theater und schnupperte die Luft des Theaters nach einigen Monaten wieder. Viele der Besucher standen verwirrt im Raum, auf der Suche nach dem Weg zu ihren Plätzen. Das Theater war aber einige Zeit praktisch ihr zweites Zuhause gewesen, so oft hatte sie das Musical in kurzer Zeit geschaut. Deshalb kannte sie die Wege manchmal sogar besser als die Wege zu ihren Vorlesungen.

Nach dem Musical ging Delilah noch zu dem kleinen Shop, welcher einige Fanartikel anbot. Sie hatte zwar schon das meiste zu Hause, doch sie stöberte dort trotzdem gerne. Sofort sprang ihr eine Schneekugel ins Auge, die sie noch nicht besaß. Sie war wunderschön. Rusty stand in der Mitte und sah zum Himmel, wo man den Starlight Express erahnen konnte. Delilah nahm sie in die Hand und schüttelte sie. Der Glitzer, welcher den Schnee ersetzte, flog durch die mit Wasser gefüllte Kugel und segelte langsam wieder zum Boden herab. Delilah war so fasziniert von ihrem Fund, dass sie gar nicht bemerkte, wie die Verkäuferin sich neben sie stellte. „Die Kugel ist wunderschön, nicht war?“ fragte sie, worauf Delilah sich erschreckte und die Kugel beinahe fallen ließ. „Entschuldigung. Ich wollte dich nicht erschrecken. Die Kugel gehörte einmal Andrew Lloyd-Webber, er hat sie dem Shop gespendet. Er selbst besitzt davon noch eine Zweite. Verkauft sie an eine Person, die sie wirklich verdient hat! wurde uns von ihm gesagt.“ erzählte die liebe Verkäuferin. „Sie ist wirklich wunderschön, aber dann stelle ich sie besser wieder hin, bevor ich sie kaputt mache.“ meinte Delilah und wollte sie hinstellen, doch die Verkäuferin hielt sie auf. „Lass, nimm sie mit. Du hast sie dir verdient, so oft, wie du das Musical schon besucht hast!“ Freundlich lächelte die Verkäuferin. „Ach Quatsch, außerdem kann ich sie mir eh nicht leisten.“ widersprach Delilah. „Doch kannst du, wir sollen sie verschenken und ich will, dass du sie bekommst. Nimm sie mit, ich bin sicher, dass du die richtige bist!“ sagte die Verkäuferin lächeln. Wieder wollte Delilah widersprechen, das konnte sie doch nicht annehmen, doch die Verkäuferin ließ sich nicht von ihrer Idee abbringen und widmete sich anderen Kunden. „Vielen Dank.“ sagte sie noch zu der Verkäuferin und verließ mit einer neuen Schneekugel das Theater.

Zu Hause setzte sie sich mit ihrer neuen Errungenschaft auf ihr Sofa und sah die Kugel an. Sie war wirklich unglaublich schön und erinnerte sie daran, dass es sich lohnte zu kämpfen. „Manchmal würde ich dem Alltag gerne entfliehen und die Welt vom Starlight Express erkunden. Oder endlich eine Person finden, die an mich glaubt, die mich liebt wie ich bin.“ beichtete Delilah der Schneekugel, als wäre sie ihr Freund. Sie staunte, als die Glitzerpartikel durch die Kugel schwebten und ein helles Licht erzeugten. Plötzlich wurde Delilah in dieses Licht gezogen, merkte, wie sie aus ihrer Wohnung gezogen wurde und landete plötzlich wieder. Überrascht sah Delilah sich um. Überall waren Gleise zu sehen, von weitem sah sie einen Zug auf sich zukommen. Dann sah Delilah an sich runter. Ihre Klamotten hatten sich verändert – sie trug das Kostüm von Pearl. Und plötzlich wurde ihr klar, was passiert war. Sie war in der Welt von Starlight Express gelandet – und auf sie zu kam Papa, die alte Dampflok.
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