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Eine traurige Rückkehr nach Berlin!

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Carsten Reimann Leonhard "Lenny" Cöster
22.07.2020
22.07.2020
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22.07.2020 2.405
 
Guten Abend alle zusammen!

Lange habe ich nichts mehr über Lenny und Carsten geschrieben, aber zurzeit ist man im Internet sauer darüber, dass nach Alexanders Tod, die beliebten Charaktere nicht einmal durch eine Erwähnung einbezogen wurden, als hätte sie es nie gegeben.

Ich nehme das zum Anlass und schreibe eine kleine Geschichte über die traurige Rückkehr der beiden Jungs nach Berlin, hoffentlich wird trotz allem,  bei dem einen oder anderen Leser/Inne schöne Erinnerungen geweckt.

In diesem Kapitel werden uns nicht nur die Gefühle der beiden Jungs mitgeteilt, die  Alexanders Tod verarbeiten müssen, aber trotzdem geht es hauptsächlich um ihre Beziehung. Wieso, weshalb und warum? Einfach lesen ;-)).

Viel Spaß beim Lesen! ;-))

Über Reviews von euch würde ich mich sehr freuen! ;-))

Habt alle noch einen schönen Abend, und schlaft später schön, viele liebe Grüße

eure black cat/Sammy ;-) ;-) ;-) ;-)
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Über zehn Jahre später, eine traurige Rückkehr nach Berlin …

Es gab Augenblicke zwischen uns, die man nicht verstand. Momente in denen einem alles egal war. Worte, die uns verletzten. Erinnerungen, die uns das Herz brachen. Gefühle, die wir nicht steuern konnten. Tränen, die unweigerlich über uns kamen. Geschehnisse, die uns nicht aus dem Kopf gingen. Einiges, was wir beide hätten besser machen können. Tage, an denen wir beide nicht mehr weiter wussten. Tage, an denen wir uns allein gelassen fühlten. Minuten, in denen wir begriffen hatten, was uns wirklich fehlte. Sekunden, in denen du und ich verzweifelt waren. Aber auch Liebe, die wir uns immer schenkten. Orte, wo wir uns an alles Schöne erinnerten. Liebe, die zwischen uns alles bedeutete, lieber Papa, du fehlst mir so sehr.

Warum und wieso uns Maren Seefeld nichts über deinen Tod gesagt hatte, spielte jetzt keine Rolle mehr, denn dich lieber Papa gab es nicht mehr. Eine Träne des Dankes  lief über meine Wange, dass es dich gab. Eine Träne der Freude lief über meine Wange, für die Zeit mit dir. Eine Träne des Schmerzes lief über meine Wange, weil du so fehlst. Eine Träne der Gewissheit lief mir über die Wange, dein Platz blieb  leer. Eine Träne der Liebe lief mir über die Wange, aus meinem Herzen würdest du nie gehen … und plötzlich war da neben allem Schmerz eine tiefe Dankbarkeit. Dankbar für gemeinsame Jahre, für Liebe und Nähe – für einen unvergesslichen Papa.

Als ich vor über zehn Jahren mein Leben an die Wand gefahren hatte, warst du immer für mich da. Alles war um mich herum düster, ich wusste nicht mehr weiter, hatte jede Hoffnung schon verloren, aber du hast mich nicht in Stich gelassen, sondern alles dafür getan, damit ich wieder hoffen konnte. Du hast mir gesagt, dass Lucy und ich das Beste wären, was dir passieren konnte. Wir haben beide Fehler in unserer Vater-Sohn-Beziehung gemacht, aber Zweifel an unserer Liebe, die gab es nie ...

Ich stand da und guckte tief traurig auf Papas Grab, und spürte gleichzeitig Carsten starke Kraft. In Carsten Armen ließ ich mich fallen, die mich auffingen, er wusste auch ohne Worte, was in mir vorging …

Die wenigsten waren darauf vorbereitet – und selbst wenn, war es ein furchtbarer Einschnitt: Der Tod eines nahen Angehörigen riss auch uns aus unserem gewohnten Leben. Wenn ein Elternteil starb, war nichts mehr wie zuvor. Dennoch hatten wir in den ersten Tagen oft gar keine Zeit für die so wichtige Trauer. Zu viel gab es zu erledigen. Deshalb war es eigentlich gut, die Aufgaben auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Jetzt war die Zeit, in der Familie und Freunde zusammenhalten mussten. Wir waren  anfangs oft kaum in der Lage, unseren Alltag zu organisieren, brauchten den Zuspruch und die Hilfe anderer. Dabei trauerte jeder von uns anders. Niemand wurde unter Druck gesetzt. Wir, Lucy und Mama, die ihm sehr Nahe standen, brauchten vor allem Geduld. Es war vollkommen normal, wenn Gedanken und Gespräche immer wieder um die gleichen Themen kreisten. Papa war tot. Noch immer konnte ich es nicht glauben, das wollte ich auch gar nicht, aber ich wusste dennoch, dass es so war. Ich malte und zeichnete wieder sehr viel, und brachte so meine Gefühle zum Ausdruck.

Carsten stärkte mir wie immer meinen Rücken. Er war der Fels in meiner Brandung. Bei ihm konnte ich mich fallen lassen, meinen Verlust-schmerz ausleben. Aber auch Carsten trauerte um Papa, die beiden mochten sich sehr gerne, mehr noch, sie liebten sich. Papa war froh, dass ich Carsten an meiner Seite hatte, er sagte immer, dass mir nichts Besseres hätte passieren können, damit hatte er absolut recht. Carsten liebte mich bedingungslos und ich ihn. Papa liebte Carsten, wie er mich liebte!  


Carsten

Alexander, du bist für immer fortgegangen, und wir bleiben darüber in unserem Schmerz gefangen. Als Trost bleibt nur die Gewissheit, dass auch dieser Schmerz vergänglich ist, wie der Winter, die Nacht und die Stille. Nur unsere Erinnerungen, unsere Sehnsucht und unsere Liebe sind unsterblich. Du warst immer mehr ein Vater für mich, als es Frank war. Ich danke dir für deine Liebe, denn du hast mich geliebt wie deinen eigenen Sohn. Sehr dankbar bin ich dir für Lenny, ohne dich, würde es ihn nicht gegeben. Du bist still und leise gegangen – aber – es bleibt die Liebe und Erinnerung …

„Carsten, lass uns bitte gehen“, bat mich Lenny mit verheulter Stimme, der sich aus meinen Armen löste, und kurz darauf mit seiner Hand nach meiner griff, diese miteinander fest vereinte.
Mit schweren langsamen Schritten entfernten wir uns von Alexanders Grab, wir würden, solange wir noch in Berlin waren, es jeden Tag aufsuchen. Heute waren wir das zweite Mal an seinem Grab, beim ersten Mal waren noch Iris, Lucy und meine Oma dabei. Meine Oma Hannelore hatte uns angeboten bei ihr zu wohnen, solange wir in Berlin sein würden. Wir alle waren meiner Oma sehr dankbar, die ein großes Haus mit drei Gästezimmer besaß.
Durch Oma hatten wir auch von Alexanders Tod erfahren, sie hatte seine Todesanzeige in der Zeitung entdeckt, diese las sie immer regelmäßig durch. Wir alle waren absolut geschockt, entsetzt und fassungslos darüber, dass wir so über Alexanders Tod erfahren mussten, da es niemand für nötig gehalten hatte, uns persönlich Bescheid zusagen. Aber das spielte keine Rolle mehr, jetzt waren wir nur in Berlin, um von Alexander Abschied zunehmen.  
„Oh man, schon so spät? Ich habe gar nicht mitbekommen, dass die Zeit so schnell vergangen ist, mir kommt es eher so vor, als sei sie stehengeblieben“, meinte Lenny sehr traurig, als wir in das Auto meiner Oma stiegen, und kurz darauf los fuhren.

„Hast du ein wenig Hunger?“, hakte ich einfühlsam nach, dass Lenny nicht wirklich nach essen war, konnte ich sehr gut nachvollziehen.

„Nicht wirklich“, antwortete er, als ich vor dem Haus meiner Oma einparkte. „Aber Mama und Hannelore haben heute eines von Papas Lieblingsessen gekocht, und deshalb werde ich auch etwas essen. Papa hat sein Lieblingsessen immer in vollen Zügen genossen, das werde ich jetzt für ihn übernehmen“, ließ mich Lenny, auf dem Weg zur Haustür, wissen.

„Okay, ich unterstütze dich dabei. Ich mag Alexanders Lieblingsgerichte auch sehr“, stellte ich liebevoll klar, bevor wir das Haus meiner Oma betraten.

Eine Stunde später …


Lucy

Gemeinsam stießen wir auf Papa an, und ließen uns sein Lieblingsessen richtig gut schmecken, er hätte es so gewollt. Mama und Hannelore hatten das Gericht so gekocht, wie es Papa immer getan hatte. Es war fast so, als hätte er es für uns alle gekocht. Als würde er an unserem Tisch sitzen und sein gekochtes Essen in vollen Zügen mit uns genießen …

In der Trauer gab es kaum passende Worte, kaum Trost, der hilfreich war. Aber Menschen die mitfühlten in den Tagen des Abschieds. Und genau diese Menschen saßen mit mir an einem Tisch. Sie fühlten, was ich fühlte. Sie liebten Papa, genauso wie ich ihn liebte. Papa war gegangen, und ich konnte nichts dagegen tun. Still und ohne Schmerz, hoffte ich jetzt, konnte er ruhen. Die Liebe, die er uns hat gegeben, dafür war jeder Dank zu klein. Was wir an dir verloren hatten, wussten wir nur allein.

Ich erinnerte mich daran, dass ich  mich vor über zehn Jahren in meinen Schwager Carsten verliebt hatte, damals war ich total eifersüchtig auf Lennys Hafturlaub gewesen, weil er Carstens uneingeschränkte Aufmerksamkeit hatte, und von ihm innig geliebt wurde. Papa war damals alles andere als begeistert von meinem Verhalten gewesen, fand es sogar zunächst total unangemessen, einfach absurd. Es war schon verrückt, dass ich mich ausgerechnet zu der Zeit, in den Freund meines Bruders verknallt hatte.

Mir war klar, dass ich keine Chance bei Carsten hatte, dennoch konnte ich nichts gegen meine Gefühle ausrichten. Letztendlich kam dann auch noch die Wahrheit heraus, weil meine Verliebtheit Carsten zunehmend belastete. Aber Lenny hatte mir keine Vorwürfe gemacht, sondern, er hatte Verständnis dafür, dass ich mich in seinen Freund verliebt hatte, schließlich war er derjenige, der das am besten verstehen konnte. Nach der Aussprache mit Lenny, hatte ich später auch noch eine längere Unterhaltung mit Papa, der mir zu verstehen gab, dass da draußen „mein ganz persönlicher Carsten“ war, ich musste ihn nur noch finden.

Ein paar Mal hatte ich in den letzten zehn Jahren das Gefühl, dass ich „meinen eigenen Carsten“ endlich gefunden hatte, aber leider war dem dann doch nicht so. Ich beneidete Lenny, dass er einen so tollen Mann wie Carsten an seiner Seite hatte, aber ich gab trotzdem die Hoffnung nicht auf, dass ich „meinen ganz persönlichen Carsten“ noch finden würde. Papa war jetzt nicht so der große Beziehungsmensch, aber an die wahre Liebe hatte er trotzdem geglaubt, und das tat ich auch. Ich guckte zu Lenny und Carsten hinüber, die beiden Jungs waren wirklich unzertrennlich und unvergänglich, genauso wie meine Liebe zu Papa.


Iris

Hannelore und ich hatten wirklich gute Arbeit geleistet, Alexanders Lieblingsessen schmeckte genauso, wie er es immer gekocht hatte. Noch immer konnte und wollte ich nicht glauben, dass er nicht mehr unter uns war, gerade jetzt, wo wir nach über zehn Jahren gemeinsam an einem Tisch in Berlin saßen, und sein Lieblingsessen verspeisten. Ich beobachtete Lenny und Carsten, die mir gegenüber saßen. Es war eine sehr schwere Zeit damals gewesen, mein Lenny musste in den Knast, weil er damals einen Kiosk überfallen, und den Kioskbesitzer dabei schwere körperliche Schäden zugefügt hatte.

Ich war damals am Boden zerstört, aber Alexander hatte mich aufgefangen, und mir den nötigen Halt gegeben, den ich so dringend gebraucht hatte. Die ganze Zeit haben wir als Familie zusammengehalten, nichts und niemand konnte uns auseinander bringen. Alexander hatte auch Größe für unseren Lenny bewiesen, als er Joachim Gerner um juristischen Rat gefragt hatte, der sogar später die Verteidigung  unseres Sohnes übernommen hatte, dabei konnten sich die beiden gar nicht ausstehen, aber das war von keiner Wichtigkeit mehr gewesen.  Für Alexander zählte nur unsere Familie, unser Sohn, den wir alle vor dem Gefängnis bewahren wollten, leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung.

Damals hatte ich auch Alexander eine weitere Chance gegeben, die aber wieder daran zerbrochen war, weil er mich erneut betrogen hatte. Ich wusste noch, wie wir Lenny unsere Trennung verheimlicht hatten, als wir ihn im Gefängnis besuchen konnten, Lucy war davon alles andere als begeistert gewesen. Ich liebte Alexander immer noch, und jetzt war er nicht mehr da. Alexander war bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt, ich konnte es immer noch nicht glauben.

Ich weinte um meine große Liebe Alexander, mit dem ich zwei wundervolle Kinder hatte, und einen sehr einfühlsamen Schwiegersohn, der unseren Sohn Lenny sehr glücklich machte. Trotz, dass ich soviel weinen musste, ließ ich mir auch Raum um zu lächeln, immer dann, wenn ich an ihn dachte. Ich bewahrte unsere gemeinsame glückliche Zeit, die wir miteinander hatten, wie einen kostbaren Schatz in meinen Herzen. Ich war dankbar für die schönen Erinnerungen, die für immer bleiben würden.

Immer würde ich mich daran erinnern, was für ein Mensch Alexander war, was er für unsere Kinder, Carsten, Hannelore und mich war. Man war niemals auf den Augenblick vorbereitet, der ein ganzes Leben veränderte, aber er war das beste  Geschenk, das es in meinen Leben gab …

Hannelore

Unerwartet und sehr leise hattest du dich auf den Weg gemacht. Ich wünsche dir eine gute Reise und Gottes Licht in dunkler Nacht. Ich bin sehr traurig, dass du von uns gegangen bist, aber auch sehr dankbar, dass es dich gab, und ich dich kennen lernen durfte. Ich danke dir für Alles, was du für meinen Enkel Carsten getan hast.
Du hast ihn wie deinen eigenen Sohn geliebt, dafür werde ich dir auf Ewig dankbar sein.

Du hast ihn damals in schweren Zeiten bei dir aufgenommen, warst für ihn da, während sich sein lieblicher Vater einen Dreck um ihn kümmert hatte. Natürlich musstest du auch erst einmal damit klar kommen, dass dein Sohn und Carsten ein Paar waren, aber weißt du was? Mir haben auch schon immer die Jungs besser gefallen als die Mädchen, schmunzelte ich. Das Gleiche hatte ich nämlich damals zu Carsten gesagt, nachdem Lenny einfach in mein Krankenzimmer gestürmt war, um ihm zusagen, dass er ihn liebte.

Carsten war immer bei dir willkommen, und als er damals nach diesem schrecklichen Einsturz des Moccas im Krankenhaus musste, hast du dich um ihn gesorgt, und uns  Bescheid gesagt. Lenny war damals fast vor Sorge um Carsten zerbrochen, weil er nicht wusste, was genau seinem Freund fehlte, aber durch diesen Gerner hast du es möglich gemacht, und für Entwarnung gesorgt. Carsten durfte sogar Lenny danach im Gefängnis besuchen. Carsten war ja so aufgeregt, dass er außerhalb der regulären Besuchszeiten nach seinen Lenny durfte, fragte Dominik, ob er leckerer aussehen würde als Döner und Pommes, schmunzelte ich ein weiteres Mal.

Ich danke dir auch für deine Hilfe, besonders, als ich mir bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte, da bist du für mich einkaufen gefahren oder hast anderweitig Aufgaben bewältigt, die im Haus gemacht werden mussten. Carsten war so froh darüber, dass du mir zur Seite standest. Auch wenn es ein sehr trauriger Anlass ist, danke ich dir, dass du uns alle an einen Tisch zusammengebracht hast.

Endlich habe ich Carsten, Lenny, Lucy und Iris nach über zehn Jahren wiedergesehen. Und weißt du was? Wir haben nicht vor, wieder zehn Jahre vergehen zu lassen, bis wir uns wiedersehen werden, die Jüngste bin ich auch nicht mehr. Auch, wenn unsere Familie in wenigen Tagen Berlin wieder verlässt, wird es nicht lange dauern, dann sehen wir uns schon wieder. Ich werde unsere Jungs besuchen, und für längere Zeit bei ihnen bleiben, darauf haben sie bestanden, das ist echt super!
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