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Tödliche Spiele

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
22.07.2020
01.11.2020
5
17.205
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01.11.2020 3.014
 
Fröstelnd kroch Meera aus ihrem nächtlichen Lager. Eigentlich konnte sie sich glücklich schätzen. Bis jetzt war sie um das Töten herumgekommen und bis auf ein paar Schrammen, die sie einem Sturz verdankte, auch völlig unverletzt geblieben. Doch gerade das Warten darauf, dass etwas geschah, zerrte heftiger an ihren Nerven als sie es je für möglich gehalten hatte. Fast wünschte sie sich, dass jeden Moment ein Tribut zwischen den Bäumen hervorstürmte und ihr so die Gelegenheit gab, etwas anderes zu tun als zu warten. Doch so wie die Dinge lagen, konnte sich das hier noch in die Länge ziehen. Sie waren noch nicht mal eine Woche in der Arena, für Meera fühlte es sich aber an wie Monate.

Sie hörte das Knacken eines Astes und zuckte heftig zusammen. Sofort verwünschte sie sich für ihren vorherigen Gedanken, alleine gelassen zu werden brachte doch seine Vorteile… Dann erkannte sie jedoch, dass es sich bloss um ein Kaninchen handelte, welches offenbar unweit von ihr seinen Bau besass. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen. Ausser trockenem Brot und ein paar Pflanzen hatte sie während der letzten Tage nichts zu essen bekommen. Ein Kaninchen würde ihren Speiseplan da sicher aufwerten. Zwar hatte sie einige Fallen aufgestellt, aber sie wollte sich nicht darauf verlassen, dass ihr Mittagessen den Weg dorthin fand. Mit einer schnellen Bewegung schoss sie auf das Tier zu, unterschätzte dabei jedoch die Reflexe des kleinen Säugetiers. Der Hase war schon wieder im Unterholz verschwunden, bevor sie auch nur ansatzweise in seine Nähe kam.

Missmutig setzte sie sich auf einen umgestürzten Baumstamm und dachte nach. Am liebsten hätte sie sich selbst auf die Jagd nach ein paar Tributen gemacht um die Langeweile zu vertreiben. Doch wenn sie nicht mal ein Kaninchen erwischte, wie sollte sie darauf hoffen, einen Tributen zu töten, geschweige denn einen Karriero? Sie hatte bereits gemordet, doch das war etwas anderes gewesen. In Distrikt vier lebten neben den «normalen» Distriktbewohner auch ein eigenwilliges kleines Volk, die Eisenmänner. Sie machten in der Bevölkerung zwar die Minderheit aus, waren aber gefürchtet, weil sie weder vor Mord, noch vor Raub und schon gar nicht vor Vergewaltigung zurückschreckten. Einer der Eisenmänner hatte sie zu seinem Salzweib machen wollen. Stattdessen hatte sie ihn zu Fischfutter gemacht. Ein schlechtes Gewissen plagte sie deshalb nicht im Geringsten. Sie wusste, dass auch ihr Mittribut zu den Eisenmännern gehört hatte und war daher schon fast froh, dass er bereits tot war. Auch wenn er für die Verhältnisse seines Volkes eigentlich immer recht freundlich gewirkt hatte. Schnell drängte sie den Gedanken beiseite. Was half es ihr schon darüber nachzudenken, wer freundlich war und wer nicht? Letzten Endes wollten sie alle überleben.

Sie ging ein paar Schritte hin und her um ihren Körper aufzuwärmen. Dabei machte sie sich unbewusst zur Zielscheibe.

~ ~ ~

Mühselig setzte Thoros sich auf. Da es bereits wieder Tag wurde, musste er wohl für einige Stunden geschlafen haben. Kaum zu glauben also, dass er sich noch geräderter fühlte als am Abend zuvor.
Lyanna sass noch immer an den Überresten des nächtlichen Feuers. Sie schien sich keinen Millimeter vom Fleck bewegt zu haben. Ihre Augenringe waren unübersehbar, dennoch wirkte ihr Blick wach und aufmerksam. Thoros hätte nie geglaubt, in der Arena ein Bündnis einzugehen, schon gar nicht mit einem Kind. Doch dann war er in der ersten Nacht der Spiele wortwörtlich über ihr Lager gestolpert. Anstatt vor Angst zu erstarren, hatte sie sich auf ihn gestürzt und ein Messer gegen seine Kehle gepresst. Ihr Fehler war bloss, dass sie zögerte und ihm so die Möglichkeit gab, den Spiess umzudrehen. Doch auch Thoros zögerte. Mit Töten hatte er grundsätzlich keine Probleme, aber ihr junges Alter machte ihm dennoch etwas zu schaffen. Gerade als er sich dazu durchrang, es tatsächlich zu tun, unterbreitete sie ihm einen Vorschlag.
«Wir könnten zusammenarbeiten», schlug sie vor, während sie so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Klinge zu bringen versuchte. «Ich locke die Tribute an, du tötest sie.» Thoros liess das Messer wo es war und lockerte den Griff kein Stück, doch er dachte über ihre Worte nach. Die Idee war nicht dumm. Auch die schwächeren unter den Tributen würden sich dazu verleiten lassen, ein kleines Kind anzugreifen. So wäre es nicht weiter schwer, Stück für Stück weitere Tribute auszuschalten. Doch wer garantierte ihm, dass die Kleine sich doch noch umentschied und ihm mitten in der Nacht die Kehle aufschlitzte? Auf der anderen Seite war die Gefahr von einem anderen Tribut gefunden und getötet zu werden wohl nicht viel geringer. Schliesslich liess er von ihr ab, allerdings jederzeit dazu bereit, einen erneuten Angriff abzuwehren. Doch das war nicht nötig, offenbar meinte sie es durchaus ernst mit dem Bündnis. Und das tat er auch, jedenfalls für den Moment.

Ihre Übereinkunft hielt nun schon mehr als drei Tage, eine beachtliche Zeit für die Verhältnisse der Arena. Am gestrigen Abend bot sich ihnen schliesslich die erste Gelegenheit, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Ihr Erfolg dabei war allerdings eher mässig. Es wurmte Thoros, dass ihm dieser Mord nicht glückt war. Mit dem Messer auf den Tributen loszugehen, war ihm zu riskant vorgekommen, also hatte er eine Methode gewählt, bei der er besser Abstand halten konnte. Wie hätte er auch erwarten können, dass es Ramsay gelang, nach einem solchen Schlag die Flucht zu ergreifen. Thoros entging nicht, dass seine junge Begleiterin nervöser wirkte als gewöhnlich.
«Hast du etwas gehört?», fragte er und lauschte ganz besonders aufmerksam auf die Geräusche des Waldes.
«In der Nacht hat eine Frau geschrien. Sehr lange. Aber es war weit entfernt, sonst hätte ich dich geweckt. Ehrlich gesagt hat es mich gewundert, dass du von dem Kanonendonner nicht wach geworden bist.» Das wunderte ihn auch. Offenbar verliess er sich viel zu sehr darauf, dass jemand neben ihm Wache hielt.
«Das nächste Mal, wenn du so etwas hörst, weckst du mich. Verstanden?» Lyanna nickte.
«Was jetzt?», fragte sie. Thoros Magen gab eine deutliche Antwort, denn er knurrte vernehmbar.
«Jagen, würde ich mal meinen.» Sie befanden sich im Besitz einer Armbrust, besassen aber nur noch zwei Bolzen. Mit diesen mussten sie sorgsam umgehen. Ursprünglich hatten sie diese für die anderen Tribute aufbewahren wollen, doch der Hunger verleitete sie dazu, für den Moment lieber auf Wild Jagd zu machen.
So lautlos wie möglich schlichen sie durch das Unterholz, was Lyanna aufgrund ihrer Statur etwas besser gelang. Deshalb war sie es auch, die die Armbrust bei sich trug. Mit einem Mal blieb sie stehen, hob die Waffe auf Brusthöhe und betätigte den Abzug. Das alles geschah schneller als Thoros überhaupt blinzeln konnte. Nur Sekunden später erklang lauter Kanonendonner. In der Zwischenzeit hatte Thoros Lyanna eingeholt und sah, was sie da erlegt hatte. Kein Wild, sondern eine Tributin. Das Mädchen aus Distrikt vier, wenn er sich nicht täuschte. Ein sauberer Schuss durch den Hals. Viel gespürt hatte sie sicher nicht, trotzdem war er überrascht davon, wie schnell Lyanna gehandelt hatte. Wieder überkamen ihn leise Zweifel betreffend ihres Bündnisses. Was, wenn sie eines Abends entschied, dass es doch klüger war, ihn loszuwerden? Wollte er wirklich so lange warten, oder musste er einfach schneller sein als sie? Für den Moment schob er den Gedanken beiseite, wusste aber, dass er sich bald damit befassen musste. Schliesslich waren nicht mehr allzu viele Tribute übrig.

Mit einem Übelkeit erregenden Geräusch zog Lyanna den Bolzen aus dem Hals ihrer Gegnerin. Das wirkte vielleicht für manche Zuschauer im Kapitol etwas pietätlos, allerdings mussten sie sparsam mit ihren verbliebenen Bolzen umgehen. Aufmerksam blickte er sich nach anderen Tributen um, sah aber nichts Verdächtiges. Wie denn auch? Von einer Seite des Waldes her kam ein dichtes Schneegestöber auf sie zu. Das liess ihn doch etwas stutzig werden. Für ein gewöhnliches Schneegestöber hatte es eine viel zu klare Linie, es kam nur aus einer Richtung.
«Wir sollten weiter.» Genaugenommen war das kein Vorschlag. Er hatte sich schon dutzende der vergangenen Hungerspiele angeschaut. Da diese nur einmal im Jahr stattfanden, zeigte das Kapitol gerne Wiederholungen im Fernsehen. Es mochte sich hier um völlig normalen Schnee handeln, der keinen anderen Zweck besass, als ihnen die Sicht zu erschweren und Spuren zu verwischen. Doch so recht glauben tat er es nicht. Auch Lyanna wirkte skeptisch und folgte ihm ohne Widerworte. Wobei er grossen Wert darauf legte, dass er nicht vor ihr ging und sie so freie Schussbahn auf seinen Rücken hatte. Ihr kamen offenbar ähnliche Gedanken und so gingen sie stattdessen nebeneinander her.

~ ~ ~

Die Stimmen waren wieder verklungen, die Luft offenbar rein. Also näherte sich Arya Ramsay erneut, der den Schauplatz seines letzten Mordes offenbar sogar Lagerplatz auserkoren hatte. Das war wohl auch der einzige Grund, weshalb Missandeis Leiche noch nicht von einem Hovercraft abgeholt worden war. Vielleicht erwarteten die Kapitolbewohner ja, dass er ihre Leiche noch mehr schändete als ohnehin schon.
Arya kannte die junge Frau nicht persönlich, sie hatten während der Zeit im Trainingscenter nicht ein einziges Wort miteinander gewechselt. Trotzdem verspürte sie mit ihr dasselbe Mitleid wie mit Heisse Pastete.

Sie war drauf und dran, einen Angriff zu erwägen, als sie aus dem Augenwinkel das Schneegestöber näherkommen sah. Das mochte ihre Gelegenheit sein, sich ungesehen an Ramsay heranzuschleichen. Doch ganz wohl war ihr dabei dann doch nicht. Sie konnte das Gefühl nicht ganz einordnen, es war etwas tief in ihrem Unterbewusstsein, was ihr davon abriet länger an diesem Ort zu verweilen.

Wieder zog sie sich in ihr Versteck zurück und beobachtete die Flocken, die munter vom Himmel rieselten. Ein Eichhörnchen huschte über den schneebedeckten Boden. Als es von der ersten Schneeflocke erreicht wurde, stiess es ein Geräusch aus, so durchdringend und gequält, dass Arya erschauderte. Sie traute ihren Augen kaum, als sie sah, wie sich innerhalb kürzester Zeit Haar und Fleisch von dem Eichhörnchen zu lösen begannen, bis nur noch Knochen und eine undefinierbare Pfütze übrigblieben.

Sie musste sich beide Hände auf den Mund pressen, um nicht laut loszuschreien. Ohne weiter zu zögern machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte in die entgegengesetzte Richtung des Schnees davon. An Ramsay verschwendete sie keinen einzigen Gedanken mehr – bis sie ihn schreien hörte. Das trieb sie nur immer weiter zur Eile an. Sie hatte nicht mal die Gelegenheit, sich wirklich darüber zu freuen, als sie den Kanonendonner hörte.
Alles in ihr konzentrierte sich jetzt nur noch darauf, möglichst schnell möglichst viel Abstand zwischen sich und diesen Wald zu bringen. Gleichzeitig wollte sie am Leben bleiben, weshalb es keine gute Idee gewesen wäre, kopflos über eine offene Fläche zu rennen. Stattdessen legte sie sich am Waldrand flach auf den Boden, ihr weisser Fellmantel machte sie unter diesen Bedingungen fast unsichtbar. Stück für Stück kroch sie über den kalten Boden, ihr Ziel war der Felsen, welcher ihr schon zu Beginn der Spiele als Versteckt gedient hatte. Nur war die Strecke auf dem Bauch kriechend eindeutig weite als auf den Füssen. Besonders, da sie alle paar Meter innehielt und sich zu allen Seiten umblickte. Ein durchaus gerechtfertigtes Vorgehen, denn auf ihrem Weg vom Waldrand zum Berghang sah sie gleich drei Tribute. Zwei Frauen, die neben dem Füllhorn kauerten und dort offenbar nach liegen gebliebenen Vorräten suchten und ein weiterer Tribut direkt über ihr am Berghang. Die beiden Frauen waren ihr kleinstes Problem, sie waren weit weg und würden sie von dort aus kaum erkennen. Doch der Tribut über ihr hatte sich unwissentlich ihr Versteck geschnappt. Sie konnte nicht genau erkennen wer es war, somit war es auch schwierig abzuschätzen, ob ein Angriff erfolgsversprechend war oder nicht. Vielleicht löste sich ihr Problem aber auch bald von selbst, denn hinter dem Dieb ihres Verstecks näherte sich eine weitere Gestalt.

~ ~ ~

Oberyn hätte gut und gerne noch eine Weile so daliegen können. Er war müde, ihm war warm und er hatte für den Moment wenig Lust, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Doch Ellaria kroch unter der Decke hervor und so machte auch er wieder mit der beissenden Kälte Bekanntschaft. Auch wenn die Decke sich gleich darauf wieder über seinen Körper legte, ohne den warmen Körper neben sich war es nicht mehr dasselbe. Ausserdem erinnerte er sich noch gut daran, wie ihr letzter Morgen begonnen hatte und war mit einem Mal wieder hellwach. Ruckartig setzte er sich aufrecht hin und sah sich um. Nichts deutete auf eine Lawine oder Naturkatastrophe hin, auch Angreifer war keiner in Sicht. Trotzdem hörte er Ellaria leise fluchen und er ahnte auch weshalb. Sie versuchte immer wieder, ihren verletzten Knöchel zu belasten, was ihr aber offenbar grosse Schmerzen bereitete.

Er hasste es, sie so zu sehen. Er wollte, dass sie überlebte. Genau genommen wollte er auch selbst überleben. Aber mindestens einer von ihnen musste es schaffen und wenn es mit ihrem Fuss nicht bald besser wurde, würde es wohl nicht Ellaria sein. Natürlich sprach er das nicht aus, sie wusste es auch selbst, das sah er an ihrem Blick. Trotzdem mussten sie langsam weiter. Es grenzte schon an ein Wunder, dass sie diese Nacht unbeschadet überstanden hatten und im Geiste dankte er ihrem Mentor für seinen Einsatz und den Sponsoren für die Wärmedecke.

Schweigend packten sie die wenigen Habseligkeiten und teilten den letzten Rest Proviant unter sich auf. Wenn sie von nun an etwas essen wollten, mussten sie entweder jagen oder einen Rucksack finden. Doch das war für den Moment ein vergleichbar kleines Problem. Durch den Schnee um sie herum liefen sie zumindest keine Gefahr zu verdursten, wie es in einer Wüste der Fall wäre.

Oberyn gab sich zwar Mühe besonders langsam zu gehen, doch selbst da hatte Ellaria Mühe, mit ihm Schritt zu halten. Es kostete ihn doch mehr Überwindung als gedacht, sich seine Ungeduld nicht anmerken zu lassen. Sie waren schon so lange keinem anderen Tributen mehr begegnet, dass es schon fast unheimlich war. Es war einfach viel zu still in dieser Arena.
Sie gingen zwar in den Wald hinein, blieben jedoch dicht an dessen Rand, um sich nicht im Gewirr der Bäume zu verirren. Oberyn behielt gerne die Kontrolle. Die Orientierung in einem dichten Wald zu behalten, gehörte nicht unbedingt zu seinen Stärken. Also musste der Waldrand als Orientierung dienen, wobei sie sich nun seinem Gefühl nach wieder dem Füllhorn näherten. Vielleicht trafen sie ja dort auf andere Tribute, eine Vorstellung, die ihn nicht einmal besonders ängstigte. Bisher hatte ihnen die Arena selbst mehr zugesetzt als die Menschen, welche sich darin bewegten und Oberyn war durchaus gewillt, seine Kampfkraft unter Beweis zu stellen. Schliesslich sollten seine Mädchen ihn ja auch nicht für einen Feigling halten.

Auch wenn sie nur sehr langsam vorankamen, Ellaria biss die Zähne zusammen und beklagte sich nicht ein einziges Mal. Sie legten nur dann eine kurze Pause ein, wenn sie den Kanonendonner hörten. Zweimal seit Tagesanbruch.
«Es kommt mir so vor, als würden sie diese Spiele so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen», sagte Ellaria. Da musste er ihr recht geben. Und es gefiel ihm nicht. Mit menschlichen Gegnern konnte er sich messen, doch wenn die Arena plötzlich entschied wer lebte und wer starb, gab es keine faire Chance. Doch welchen Grund sollte der Spielemacher haben, dermassen in das Geschehen mit einzugreifen?

Oberyn verstand sich gut darauf, seine Aufmerksamkeit zu teilen. Während die eine Hälfte seiner Aufmerksamkeit der Frage nachging, warum diese Spiele so anders verliefen als alle anderen zuvor, richtete sich die andere Hälfte ganz auf seine Umgebung. So hörte er das Knirschen von Schritten, welche weder ihm noch Ellaria gehörten, relativ früh. Doch egal wer sich ihnen näherte, hatte sie wohl ebenfalls bemerkt, denn die Schritte verstummten zeitgleich mit ihnen. Angestrengt starrte er in das Dickicht von Bäumen und trockenem Gestrüpp, konnte aber niemanden entdecken. Sie hingegen gaben offenbar eine perfekte Zielscheibe ab, denn nur Sekunden später zischte ein Armbrustbolzen haarscharf an seinem Hals vorbei. Oder eher weniger als haarscharf, denn er spürte einen brennenden Schmerz. Beinahe rechnete er schon damit, dass nun eine Fontäne aus Blut folgte, doch dem war nicht so. Der Bolzen hatte lediglich seine Haut geritzt.

Sofort flutete eine grosse Welle Adrenalin seinen Körper. Sein Herzschlag erhöhte sich und er fokussierte sich ganz auf seinen Gegner. Ellaria hatte sich längst in der Nähe eines Baumes verschanzt und ihr Messer gezückt. Oberyn selbst kauerte sich hinter einen anderen Baum. Obwohl sein Ego ihn dazu drängte, stürmte er nicht einfach zwischen die Bäume um seinen Gegner zu stellen. Erstens wusste er zurzeit nicht, ob es einer oder mehrere waren. Zweitens hatte er das Tageslicht im Rücken und war darum viel leichter auszumachen. Also lauschte er stattdessen und hörte, wie sich die Schritte Stück für Stück entfernten. Es waren also mindestens zwei Personen, da war er sich nun völlig sicher.

Oberyn nahm die Verfolgung auf während Ellaria immer weiter hinter ihm zurückfiel. Allerdings nicht so weit, dass er sie nicht mehr gesehen hätte, was sein schlechtes Gewissen ein wenig beruhigte.
Irgendwann, so seine Vermutung, wollten die beiden Tribute den Wald verlassen, deshalb hielten sie sich so nahe an dessen Rand auf. Allerdings erschloss sich ihm noch nicht ganz, warum sie das tun sollten. Was auch immer der Grund sein mochte: Von einem Moment auf den nächsten schossen zwei Gestalten zwischen den Bäumen hervor. Beide suchten sofort das Weite, waren also nicht auf eine Konfrontation aus. Es waren der Mann aus Distrikt fünf und das Mädchen aus Distrikt elf. Oberyn war egal, wen von beiden er zuerst in die Finger bekam, aber die Chance darauf liess er sich nicht einfach so entgehen.

Er kam den beiden Stück für Stück näher. Seine Kräfte hatte er seit dem gestrigen Morge etwas schonen können, während die beiden Verfolgten offenbar schon mehr als einen Sprint hinter sich hatten. Die Jugend sorgte dafür, dass das Mädchen langsam ihren Vorsprung auszubauen begann. Doch welches Bündnis die beiden auch immer gehabt haben mochten, es hielt Thoros nicht davon ab, die Kleine am Mantel zu packen und zurück zu schleudern, sodass Oberyn beinahe über ihren Körper gestolpert wäre. Geistesgegenwärtig trat er ihr gegen den Kopf, damit sie sich gar nicht erst aufrappeln konnte. Das machte es deutlich einfacher, ihr das Schwert durch die Brust zu stossen. Als die Kanone erklang, hatte er schon längst wieder die Verfolgung des anderen Tributen aufgenommen. Doch den Vorsprung seines Gegners konnte er nicht mehr einholen, darüber machte Oberyn sich keine Illusionen.
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