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Tödliche Spiele

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
22.07.2020
01.11.2020
5
17.205
4
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
11.08.2020 2.710
 
Hallo allerseits!
Dieses Kapitel ist nun doch ein Stück kürzer als vorgesehen, weil ich den Rest doch ins nächste Kapitel packen wollte. Nun wünsche ich euch wie immer viel Spass beim Lesen ^^

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Arya zählte zu denjenigen, die von der Kanone aus dem Schlaf gerissen wurden. Sie hatte eigentlich gar nicht vorgehabt einzuschlafen, doch nach fast zwei Tagen auf den Beinen konnte sie nicht mehr länger gegen die Müdigkeit ankämpfen. Sie fror zwar bitterlich und ihre Finger fühlten sich taub an, aber immerhin war sie in der Nacht nicht erfroren.
Sie rieb ihre Hände aneinander und tat alles Mögliche, um wieder warm zu werden. Oder zumindest wieder Gefühl in ihren Fingern zu bekommen. Nach einiger Zeit fühlte sie sich etwas besser und setzte ihren Weg fort, auch wenn sie kein Bestimmtes Ziel verfolgte. Ramsays Spur hatte sie längst aus den Augen verloren und seit gestern war sie keinem anderen Tribut mehr begegnet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie einem von ihnen begegnete. Wenn sie Pech hatte gleich einer ganzen Gruppe Karrieros.

In der Schneelandschaft fielen die Überreste eines Feuers sehr schnell auf. Vorsichtig und neugierig näherte sie sich, aber wer immer die Nacht hier verbracht hatte, war weitergezogen. Den Fusspuren nach zu urteilen waren sie zu zweit gewesen. Sie duckte sich, um zu sehen ob die Asche noch Wärme ausstrahlte. Diese Bewegung rettete ihr das Leben. Um Haaresbreite flog ein Pfeil über ihren Schädel hinweg, gerade als sie sich bücken wollte. Alarmiert warf sie sich hinter den nächstgelegenen Baumstamm und ging ihre Möglichkeiten durch, während ihr Herz raste. Das Adrenalin in ihrem Blut verdrängte die Kälte nun vollständig.
Weglaufen erschien ihr zu riskant. Sie wollte nicht mit einem Pfeil im Rücken enden. Eine Konfrontation erwies sich als ebenso schwierig. Zwei Tage ohne Essen und nur wenigen Stunden Schlaf hatten sie geschwächt und mit einem Schwert alleine kam sie gegen Pfeil und Bogen nicht an.
«Komm raus.» Sie kannte die Stimme. Sie gehörte dem Jungen aus Distrikt eins. «Wenn du willst, können wir ein Bündnis eingehen.» Ja genau, dachte sie sich. Deshalb hast du eben versucht, mich zu erschiessen. Doch sie schwieg und huschte einen Baumstamm weiter. «Wir haben Vorräte. Von denen könntest du sicher etwas gebrauchen.» Die Stimme war nun links von ihr, etwa auf gleicher Höhe. Sie schob sich langsam um den Baumstamm herum. Offenbar folgte Joffrey den falschen Fussabdrücken, nämlich denjenigen der Tribute, die das Feuer eigentlich entfacht hatten. So bekam sie die Gelegenheit, sich von hinten an ihn heranzuschleichen, was sie allerdings gründlich vermasselte. Sie trat versehentlich auf einen trockenen Ast, der unter dem Schnee verborgen lag. Noch während sich Joffrey zu ihr umdrehte, warf sie das Messer nach ihm- im selben Moment, in dem er einen Armbrustbolzen auf sie schoss. Beide trafen ihr Ziel, wenn auch nicht beide tödlich. Während sich der Pfeil in Aryas Arm bohrte, versank die Klinge in Joffreys Hals. Mit einem widerwärtigen Röcheln sank er zu Boden, schaffte es aber nicht, das Messer herauszuziehen. Kurze Zeit später wurde es still. Die Aufregung drängte den Schmerz ihrer eigenen Verletzung in den Hintergrund. Ihr blieb nicht mal die Zeit, das Geschoss aus der Wunde zu entfernen, da spürte sie bereits eine Klinge an ihrer Kehle.

Nur unweit dieses Kampfes entfernt assen Melisandre und Daenerys schweigend ihr Frühstück, welches aus einem Kanten trockenem Brot und eiskaltem Wasser bestand.
«Hast du eigentlich Familie?», fragte Daenerys nur um etwas zu sagen.
«Nein und ja.» Auf eine Ausführung dieser Antwort wartete sie vergeblich. Also versuchte sie es mit einem anderen Thema.
«Wie schaffst du es eigentlich immer aus dem Nichts ein Feuer zu machen?» Dany hatte seit jeher eine Faszination für dieses Element.
«Was weisst du von R`hllor?», stellte Melisandre diesmal eine Gegenfrage.
«Nichts», gab sie offen zu. Sie hatte des Nachts schon Stossgebete zu allen möglichen Göttern gesandt, jedoch nie eine Antwort oder auch nur ein Zeichen erhalten. Entsprechend hatte sie auch kein Bedürfnis, sich näher mit ihnen zu befassen.
«R’hllor ist der Herr des Lichts. Er vertreibt die Schatten der Nacht.»
«Warum antwortet er dann nicht, wenn man ihn ruft?» Ohne es zu wollen, klang sie verbittert.
«Es kommt darauf an, wie man ihn ruft. Du kannst ihn nicht um einen Gefallen bitten, wenn du sonst nie für ihn betest. Ausserdem braucht er hin und wieder ein Opfer.» «Was für ein Opfer?» Darüber schwieg Melisandre und vielleicht war das auch ganz gut so, sonst hätten sie die Stimmen überhört. Sie waren ziemlich weit weg. Dany hätte es vorgezogen, sich von ihnen weg zu bewegen anstatt auf sie zu, aber in ihrer Allianz hatte zweifellos Melisande das Sagen und sie hatte offenbar anderes im Sinn. Ihr Vater schämte sich bestimmt für den Anblick seiner Tochter, die sich hinter jemandem versteckte anstatt selbst anzugreifen. Und wenn schon , dachte sie. Er kann froh sein, wenn ich hier lebend rauskomme. Andernfalls wäre sein Erbe dahin.

Sie befanden sich nun nahe genug am Geschehen, um zwischen den Bäumen drei Gestalten ausmachen zu können. Vier, wenn man die Leiche am Boden mitrechnete. Das Gesicht des Toten konnte sie nicht sehen, dem blonden Haarschopf nach zu urteilen handelte es sich aber um den Jungen aus Distrikt 1. Die anderen drei waren die verbliebenen Tribute aus den Distrikten 1 und 2. Sandor Clegane hielt Arya Stark ein Messer an die Kehle während Margaery Tyrell auf und ab ging. Die schien ihre Machtposition sichtlich zu geniessen. Trotz der Klinge an ihrer Kehle sträubte sich das Mädchen immer wieder, doch der schraubstockartige Griff ihres Gegners liess ihr keine Möglichkeit zur Flucht.
«Was soll der Mist?», fauchte das Mädchen.
«Bis auf dich sind wir hier schon länger keinem Tribut mehr begegnet.», erklärte Maragery. «Du weist bestimmt von einigen, wo sie sich verstecken.»
«Warum sollte ich? Im Gegensatz zu euch bin ich keine Bündnisse eingegangen.»
«Das kann ich mir nicht vorstellen», erwiderte Margaery. «Jemand wie du überlebt nicht lange ohne Bündnisse.» Ohne Vorwarnung machte sie einen Schritt nach vorne und riss Arya den Bolzen aus dem Arm, der bis vorhin noch dringesteckt hatte. Sie keuchte, schrie aber nicht. Je länger Daenerys den dreien zusah, desto schneller wollte sie hier weg. Was brachte ihnen das Beobachten? Worauf wartete Melisandre?
Arya beugte sich leicht nach vorne. Nicht aus Schmerz, wie sich nun herausstellte, sondern mit Hintergedanken. Sie stiess sich vom Boden ab und liess ihren Kopf nach hinten sausen, direkt auf Sandors Nase. Das Knacken war selbst bis zu ihnen hörbar, so wunderte es Daenerys auch nicht, dass Sandor sie sofort losliess. Arya riss ihm das Messer aus der Hand, mit dem er sie vorhin noch bedroht hatte und stürzte sich auf Margaery. Die hatte ihrerseits bereits ein Schwert gezogen, womit sie Arya gegenüber im Vorteil war. Das Mädchen schaffte es jedoch erstaunlich wendig, jedem der Hiebe auszuweichen. Blitzschnell wie ein Kaninchen rannte sie mal hierhin, mal dorthin. Maragery stellte sich zwar geschickt an mit dem Schwert, aber es war schwerer als Aryas Messer und so war sie immer einen Sekundenbruchteil langsamer als ihre Gegnerin. In einem unachtsamen Moment bückte sie sich schnellte nach vorne und versetzte ihr einen tiefen Schnitt ins Bein, bevor sie augenblicklich zurückwich. Auf den ersten Blick sah die Wunde nicht tief aus, geschweige denn lebensbedrohlich. Doch dafür, wie klein der Schnitt war, spritzte das Blut geradezu aus er Wunde. Die Beinschlagader, erkannte Dany. Und Margaery offensichtlich auch, denn sofort liess sie das Schwert fallen und presste beide Hände auf ihre Wunde. Nun war es nicht mehr ihre erste Priorität ihre Gegnerin zu töten, sondern ihr eigenes Leben zu erhalten.

Wie gelähmt stand Arya da und beobachtete die Blutlache rund um Margaery, die mit jeder Sekunde grösser wurde. Ein Teil von ihr rief ihr zu, endlich weiterzulaufen. Sandor würde sich nicht ewig von seiner gebrochenen Nase aufhalten lassen. Doch wer sagte ihr, dass nicht schon hinter dem nächsten Baum ein weiterer Tribut lauerte? Je länger sie dastand, desto deutlicher spürte sie ihre Wunde. Es war reines Glück, dass Joffrey sie verfehlt hatte. erst der Knall der Kanone riss sie aus ihren Gedanken. Nun hatte also auch der erste Distrikt beide ihre Tribute eingebüsst und das gerade mal am dritten Tag der Hungerspiele.

Mittlerweile war es Sandor gelungen, sich wieder auf die Füsse zu kämpfen. Doch trotz ihrer Wunde war Arya eindeutig in besserer Verfassung. Hätte sie es darauf angelegt, stünde er nun nicht mehr hier. Aber es war ihr lieber, wenn jemand anderes ihn erledigte. Es fiel ihr leichter, jemanden umzubringen um ihn von seinem Schmerz zu erlösen oder weil sie ihn hasste. Bei Sandor war beides nicht gegeben und so zog sie sich schliesslich langsam zwischen den Bäumen zurück. Sandor tat nur kurz darauf dasselbe, wenn auch in eine andere Richtung. Keiner der beiden bemerkte dabei ihre beiden Beobachterinnen, welche die Gunst der Stunde nutzten um sich die Vorräte der toten unter den Nagel zu reissen. Auch wenn Daenerys sich fragte, wie den beiden der Rucksack entgangen sein konnte. Im Rucksack befanden sich neben Verbandmaterial auch noch eine Packung Kekse und eine Taschenlampe. Ersteres war für Daenerys allerdings von grösserem Interesse. Es gelang ihr jedoch nur einen zu essen, bevor Melisandre ihr die Packung bereits aus der Hand riss.
«Das reicht fürs erste. Wir müssen die Vorräte einteilen.» Sie nahm sich selbst auch einen davon und liess die Packung danach in ihrer Tasche verschwinden. tatsächlich waren sie von einem Keks auch wirklich satt genug. Daenerys hatte schon davon gehört. Dieses unscheinbare Gebäck hiess «Lembas» und gehörte zu den wertvollsten Dingen, die man in so einem Rucksack finden konnte. Somit konnten sie zumindest die Sorge nach Nahrung zurückstellen und sich stattdessen auf die Jagt nach ihren Gegnern begeben. Nachdem sie die Armbrust von Joffrey an sich genommen hatten, standen ihre Chancen gar nicht mehr so schlecht. Allerdings blieb für Daenerys die Frage, warum Melisandre ausgerechnet sie als Verbündete auserkoren hatte.

~ ~ ~

Der Lawinendonner liess auch Bronn aufhorchen. Wecken tat ihn das Geräusch allerdings nicht, er hatte die ganze Nacht über kein Auge zugetan. Nicht aus Angst vor seinen Feinden, sondern aus Angst vor der Kälte. Er wollte nicht als derjenige Tribut in die Geschichte eingehen, der im Schlaf erfroren war.

Am Rande eines kleinen Bachs trank er einige Schlucke Wasser. Als es seine Kehle hinunterrann, fühlte es sich an wie flüssiges Eis. Da es aber seinen Durst zuverlässig löschte, versuchte er den Schmerz während des Trinkens zu ignorieren. Danach ass den letzten Teil eines kleinen Tieres, welches er am Abend zuvor erlegt hatte. Heute musste er ebenfalls jagen, doch diesmal ging es um weitaus grössere Säugetiere. Ihm gefiel die Arena nicht, ein warmer Sandstrand mit giftigen Kobras wäre ihm lieber gewesen als diese Kälte. Entsprechend schnell wollte er seine Gegner los werden, denn erst wenn alle anderen Tribute tot waren, konnte er dieser eisigen Hölle entkommen.

Kaum hatte er den Gedanken in seinem Kopf zu Ende gebracht, hörte er ein tiefes Knurren. Noch war das Geräusch weit weg, aber Bronn zweifelte nicht daran, dass dieses Ding, was immer es auch war, bald seine Witterung aufnehmen würde. Wenn es das nicht schon längst getan hatte. Nur wusste er leider auch, dass es bei Raubtieren nicht ratsam war, davonzurennen. Das weckte nur ihren Jagdinstinkt. Er hatte einmal die Überreste eines Hundes gesehen, der von einem Luchs gerissen worden war. Und was immer das Knurren von sich gab, war eindeutig grösser als ein Luchs.

Mangels einer besseren Idee, begann er am nächstgelegenen Baum emporzuklettern. Er blickte nicht nach unten, nur nach oben. Als seine Arme so sehr brannten, dass er befürchtete bald den Halt zu verlieren, setzte er sich auf den nächstbesten Ast, der ihm stabil genug dafür aussah.

Er spürte den Ruck, der durch den Baum ging, als das Ding daran emporsprang. Es war in der Tat grösser als ein Luchs und grösser als jedes andere Raubtier, das er kannte. Es war ein Wolf, nur schätzungsweise dreimal so gross und offenbar auch dreimal so aggressiv. Seine Erleichterung darüber, vorerst sicher zu sein, hielt nicht lange. Denn irgendwann musste er wieder von diesem Baum herunter und das Vieh machte nicht den Eindruck, bald wegzugehen. Im Gegenteil, es heulte in den Wald hinein und seine Artgenossen gaben auch sogleich Antwort. Immer mehr dieser Geschöpfe lauerten dort unter ihm. Fieberhaft überlegte Bronn, wie er ihnen entkommen könnte. Von hier aus auf einen der anderen Bäume zu springen, wäre sinnlos. Dafür war er noch immer viel zu nahe am Boden. Sie konnten ihn sehen. Wenn es ihm gelänge, weiter hinauf zu klettern, war er vielleicht vor den Blicken der Wölfe geschützt und könnte sich so von Baum zu Baum schwingen. Bereits jetzt merkte er, wie ihm die Kälte in die Glieder kroch. Noch ein paar Stunden und er könnte sich ohnehin nicht mehr festhalten. Mit langsamen, gut durchdachten Bewegungen kletterte er Ast für Ast in die Höhe. Bald verschwanden Wölfe aus seinem Blickfeld. Sie waren zwar noch immer da, ihr Knurren machte das deutlich. Aber es war durchaus hilfreich, nicht jedes Mal in ihre blutrünstigen Fratzen zu sehen, wenn er nach unten schaute.

Nach einer Weile erreichte er eine Stelle, an der zwei der Baumstämme sich ganz besonders nahekamen. Er brauchte eigentlich nur heranzugreifen und mit seinen Füssen halt zu finden. Doch mit einem Mal sank sein Vertrauen in seinen eigenen Plan. Er überlegte sich sogar, es ganz bleiben zu lassen. Doch da ging ein weiterer Ruck durch den Baum und ein Knurren war zu hören, näher als zuvor. Was, wenn diese Biester lernfähiger waren als er geglaubt hatte? Er wollte es nicht auf die schmerzvolle Art herausfinden müssen und wagte den Sprung. Als er den nahegelegenen Stamm mit beiden Händen zu fassen bekam, durchströmte ihn eine Art Euphorie. Diese Euphorie verwandelte sich schnell in Resignation, als seine Füsse langsam den Halt zu verlieren drohten.
Der Ast direkt unter ihm war weggebrochen. Noch konnte er sich mit der Kraft seiner Arme und Beine halten, doch lange konnte das nicht gutgehen. Panisch sah er sich nach dem nächsten Baum um, vielleicht fand er dort mehr halt. Ein Krächzen dicht über ihm liess ihn zusammenzucken. Eine Krähe landete auf seinem Arm und starrte ihn an. «Verschwinde», murrte er und versucht den Vogel mit einer ruckartigen Bewegung von seinem Arm zu verscheuchen. Doch das Tier dachte gar nicht daran. Stattdessen bewegte es sich vor und pickte ihm mitten ins linke Auge. Reflexartig schlug er nach dem Tier, verlor nun aber endgültig den Halt. Noch während er fiel verfluchte er die Krähe, doch ein kleiner Trost blieb ihm. Wahrscheinlich war er bereits tot, bevor die Wölfe ihn schnappten.

~ ~ ~

Der Himmel blieb den ganzen Tag über klar. Die meisten der Tribute, die sich innerhalb des Waldes befanden, bekamen davon nicht viel mit. Lediglich Theon genoss die wenigen wärmenden Strahlen auf seiner Haut. Er kauerte unweit des Flusses hinter einem Felsen und versuchte ein provisorisches Netz zu flechten. In Distrikt 4 lernten sie das Flechten von Fischernetzen meistens noch vor dem Gehen, doch mit fast tauben Fingern und Gestrüpp anstelle von Schnur entpuppte sich das Flechten als deutlich schwieriger.
Seit seiner Ankunft in der Arena hatte er nichts gegessen. Dies musste sich schleunigst ändern, wenn er nicht vor Schwäche zusammenbrechen wollte. Aufgeregt warf er das Netz in den Fluss und hoffte, dass die Strömung es nicht gleich in Stücke riss. Hätte er sich nur etwas weniger auf das Netz und etwas mehr auf seine Umgebung konzentriert, wäre ihm sein Beobachter vielleicht früher aufgefallen. Doch seine Sinne waren ganz auf die Strömung vor sich konzentriert und die mühsame Arbeit zahlte sich erstaunlich rasch aus. Ein Zucken ging durch das Netz und obwohl seine Reflexe durch die Kälte etwas verlangsamt waren, schnellte Theon sofort nach vorne um seinen Fang an Land zu ziehen. Es war keine Fischsorte, die er je gesehen hatte, aber das war ihm zu diesem Zeitpunkt auch herzlich egal – es war sein Abendessen. Doch auf einmal spürte er ein Kribbeln in seinem Nacken, er wandte sich um. Nur für eine Flucht war es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät. Ein Stein kam auf ihn zugeflogen und es war mehr Glück als Reflex, dass er sich noch rechtzeitig ducken konnte. Der Stein verfehlte seinen Schädel nur um Haaresbreite. Für einen winzigen Augenblick verspürte Theon so etwas wie Hoffnung. Wenn er nur schnell genug war, konnte er seinem Angreifer, dem Mann aus Distrikt 12, vielleicht doch noch entkommen.
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