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Ein verhängnisvolles Date

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
Molly Hooper Sherlock Holmes
21.07.2020
15.09.2020
15
36.733
11
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.08.2020 2.135
 
Anmerkung: Dieses Kapitel ist ein bisschen "dark" - würde der Engländer sagen. Handlungen ohne Einwilligung!
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Ruhig und völlig kontrolliert bewegte sich Sherlock durch sein Zimmer - seine Mimik völlig neutral und unleserlich. Er erinnerte an die glatte Wasseroberfläche einer ruhigen See, doch in seinem Inneren sah es etwas turbulenter aus. Winzige Strudel der Sorge und der Nervosität wühlten das Wasser auf, verursachten kleine Strömungen, die die glatte Oberfläche empfindlich störten.

Das hier würde schwierig werden. Er müsste äußerst behutsam vorgehen und Molly genauestens beobachten, um keinen Fehler zu machen.

Er öffnete seinen Kleiderschrank, zog in aller Ruhe sein Jackett aus und hing es ordentlich auf einen Bügel. Sein Shirt ließ er an, aber er öffnete die oberen Knöpfe, um sich ein bisschen freier und beweglicher zu fühlen. Dann streifte er Schuhe und Socken von seinen Füßen, stand barfuß vor seinem Schrank, fühlte den angenehm kühlen Boden unter sich, der ihn erdete.

Er nahm einen tiefen Atemzug.

Dann griff er entschlossen nach seiner Reitgerte, nahm sie heraus, schwang sie in seiner Hand. Es war Jahre her, dass er sie benutzt hatte, aber er wusste noch genau, wie sie anzuwenden war. Worauf er achten musste.

Nach einem kurzen Blick in den Spiegel straffte er seine Schultern und ging entschlossen zu seiner Zimmertür. Er musste Sicherheit ausstrahlen. Kontrolle. Nur so würde es klappen.

Die Reitgerte hinter seinen Rücken haltend ging er über den Flur und betrat das Wohnzimmer. Mollys Oberkörper lag wie gefordert auf dem Couchtisch, ihr Kopf zeigte zum Fenster, ihr Hintern streckte sich ihm entgegen.

Gut gemacht, Molly.

„Blick auf den Tisch“, sagte er knapp, als er näher trat. Molly sollte die Gerte nicht sehen, das hätte sie nur weiter beunruhigt. Sie sollte fühlen, langsam Bekanntschaft mit ihr machen, ohne dass ihre Gedanken sie schon im Vorfeld beeinflussten.

Sherlock betrachtete Molly sorgfältig und stellte zufrieden fest, dass die Striemen auf ihrer Haut gänzlich verschwunden waren. Der Anblick ihrer Rückansicht, die Blässe, die zarte Haut ihres Pos blieb nicht ohne Effekt auf seinen Körper, aber darum sollte es jetzt nicht gehen. Er würde sich zusammenreißen. Wie immer.

„Halte dich an der Tischplatte fest. Ich möchte, dass du dich nicht bewegst, verstanden?“

Sie nickte und tat, was er sagte. Sie war angespannter denn je, aber das hatte er erwartet, schließlich wusste sie nicht, was auf sie zukam.

Die kühle Zunge der Gerte berührte ihre Haut, fuhr langsam über ihren Rücken, während Sherlock sie Schritt für Schritt umrundete.

„Interessant, dass du mich ausgerechnet an dem Tag nach einem Kaffee gefragt hast, als ich mit Reitgerte in der Pathologie aufgetaucht bin, findest du nicht?“, fragte er brummend.

Mollys Finger krallten sich augenblicklich um die Tischkante, als sie realisierte, was gerade über über ihre Hauts trich. Sie antwortete nicht.

Sherlock klopfte sacht über ihre Seiten. Es war mehr ein geräuschloses und völlig schmerzfreies Antippen, aber Molly zuckte sofort zusammen.

„Sherlock...“, flüsterte sie, jeder Muskel ihres Körpers angespannt, beinahe verkrampft.

„Ganz ruhig, Molly. Atme“, sagte er ruhig, während er sie weiter umkreiste und wieder an ihrem Po angekommen war.
Er fuhr über ihre Hinterbacken und zwischen ihre Schenkel - drängte sie vorsichtig auseinander. Molly gehorchte nur zögerlich.

Gott, dieser Anblick! Er hätte sie einfach nehmen können. Hart und unerbittlich, ohne ihr eine Gelegenheit zu geben, ihm zu entkommen, gefangen zwischen dem Tisch und seiner Hüfte. Er hätte sich in ihr Fleisch gekrallt und…

Er schüttelte kurz den Kopf, als könnte er damit die Bilder loswerden.

Fluoreszierende Kaninchen! Tortenfressender Mycroft! Magnussen, der in meinen Kamin pinkelt! Ablenkung, Ablenkung, Ablenkung!

Durchatmen.

„Du siehst wunderbar aus“, sagte er leise, wollte ihr in ihrer Angst zumindest etwas Selbstsicherheit zurückgeben.
„Sherlock…“, sagte sie wieder. Schwach, so unendlich schwach. „Bitte, keine Schläge. Nicht nach…“

Er kam zu ihr nach oben, ging neben ihrem Kopf in die Hocke. Sie hatte angefangen zu zittern, ihre Augen waren geschlossen, sie schluckte schwer. Sherlock griff nach ihrem Handgelenk und nahm ihren Puls. Ihr Herz raste. Unschön, aber erwartungsgemäß.

„Molly, öffne deine Augen“, sagte er sanft. Sie hob schwer die Lieder, sah ihm zaghaft und gleichzeitig flehend ins Gesicht.
„Hör zu: Du bist hier in der Baker Street. Du bist bei mir. Okay? Ich werde mich um dich kümmern“, versicherte er so einfühlsam wie möglich, bevor er ihr einen Kuss auf den Scheitel hauchte und sich wieder aufrichtete.

Kontrolle.

„Zehn Schläge, Molly. Ich werde dich zehn Mal schlagen und du wirst es aushalten. Du wirst keinen Mucks machen, verstanden?“

Gott, eigentlich liebte er dieses Spiel. Er liebte die Macht, die ihm andere freiwillig überließen. Die diese Dinge genossen, die sich bereitwillig auslieferten, die loslassen konnten. Aber das hier etwas anderes. Das hier war nah an Nötigung, nah an Gewalt. Und doch musste er es tun. Sie mussten da durch. Sie beide.

Molly wollte noch etwas sagen, aber Sherlock unterbrach sie sofort.

„Still, Molly. Ich weiß, dass du das kannst.“

Und dann stand er hinter ihr, betrachtete ihre Pobacken, spürte das Gewicht der Reitgerte in seiner Hand. Er wirkte entschlossener, als er sich fühlte – und holte schließlich aus.

Klatsch, links. „Eins.“
Klatsch, rechts. „Zwei.“

Molly quiekte unterdrückt, ihre Zehen rollten sich zusammen, die Knöchel ihrer Finger traten weiß hervor, als sie sich an die Tischkante klammerte.

Er ließ Hieb drei und Hieb vier folgen, darauf bedacht, nicht wieder genau die gleichen Stellen zu treffen. Ihre Haut zeigte bereits rote, empfindliche Abdrücke.

Nachdem er sie das fünfte Mal geschlagen hatte, gönnte er sich und ihr eine kurze Pause.

Mollys Atmung hatte sich verändert. Ihr Körper zitterte nicht mehr, er bebte. Sie weinte, oder war kurz davor. Sherlock warf einen Blick in den Spiegel über seinen Kamin, als würde er hoffen, dass ihm sein Spiegelbild aufmunternd zunicken würde. Er tat es natürlich nicht, aber es gab keinen anderen Weg.

„Du machst das sehr gut“, lobte Sherlock sie. Der Hauch von Protest, den sie zu Beginn noch gehabt hatte, schien gebrochen, aber nicht, weil sie entschieden hätte, ihre Strafe auszuhalten, sondern weil sie aufgegeben hatte. Weil sie sich zu schwach fühlte, um sich zu wehren.

Sherlock schlug erneut zu. „Sechs.“ Dann ging er etwas tiefer und zielte auf ihre hinteren Oberschenkel.

Klatsch! Klatsch!

Molly zuckte zusammen, aber Sherlock wusste genau, dass seine Schläge zwar deutlich auf ihrer Haut zwiebeln mussten, aber nicht ernsthaft wehtaten. Dann hörte er plötzlich ein Wimmern und ein leises Schniefen.

Oh Molly.

Am liebsten hätte er abgebrochen, aber dafür war es zu spät. Er hatte zehn Schläge angekündigt und er würde zehn Schläge ausführen. Molly sollte sich auf sein Wort verlassen können - egal in welchem Kontext. Wenn er hier aufhörte, bewies er genau das Gegenteil und würde ihr schlimmstenfalls auch noch signalisieren, dass sie es eben nicht konnte. Dass sie es nicht schaffte. Dass sie weder in der Lage gewesen war, seiner ursprünglichen Anweisung Folge zu leisten, noch ihre Strafe auszuhalten.

Er holte noch einmal aus. „Neun.“ Und dann sauste die Gerte ein letztes Mal auf sie hinab. „Zehn“.

Geschafft. Er hatte es geschafft.

Sherlock fühlte sich mindestens so erleichtert wie Molly. Er ließ die Gerte einfach mit einem Knall auf den Boden fallen, dann griff er nach Mollys Arm und half ihr auf die Beine. Sie schwankte leicht und schlang die Arme um ihren Oberkörper. Ihre Unterlippe zitterte gefährlich, als sie ihn aus rot geränderten Augen heraus anschaute.

„Weine bitte, wenn dir danach ist“, sagte Sherlock und zog sie in seine Arme. Er wusste oft nicht, was genau Emotionen auslöste, aber er wusste sehr wohl, wie man sie wieder loswurde. Er spürte, wie sie zurückweichen wollte, spürte ihren Widerstand, aber er hielt sie fest in seinen Armen, wollte ihr das Gefühl geben, dass er für sie da war.

„Warum Schläge, Sherlock? Warum ausgerechnet Schläge?“, fragte sie mit erstickter Stimme. Ihre nassen Tränen berührten heiß seine Halsbeuge. Er fühlte sich unglaublich schlecht. Er wollte sie nicht so sehen. Nicht so gebrochen. Aber er wusste, dass es nicht seine Schuld war.

„Dass du es nicht willst, bedeutet nicht, dass du es nicht brauchst“, antworte er. Molly schien sich fassungslos über seine Worte und enttäuscht von ihm wegdrücken zu wollen.

„Ich habe dir gesagt, dass ich mich nie wieder so fühlen wollte. Warum hast du…“

„Falsch, Molly. Du hast gesagt, du willst dich nie wieder so hilflos fühlen. Ich frage dich: Warst du gerade zu irgendeinem Zeitpunkt hilflos?“

Für wenige Sekunden herrschte Stille, dann drehte Molly ihren Kopf nach oben und starrte ihn irritiert an. In ihren braunen Augen lag Schmerz, den er ihr nur zu gern genommen hätte. Aber Emotionalität half gerade nicht. Er wollte, dass sie verstand.

„Ich habe dir die freie Wahl gelassen, Molly. Rede weiter, oder ich diszipliniere dich. Du hast dich für die zweite Variante entschieden. Warum? Weil du es beim letzten Mal genossen hast, die Kontrolle abzugeben. Weil es dich beruhigt hat, dir um nichts Gedanken machen zu müssen. Richtig?“

Sie dachte kurz über seine Worte nach und nickte schließlich.

„Ich habe dich dazu aufgefordert, dich am Tisch festzuhalten. Ich habe dich weder festgebunden noch nach unten gedrückt, um dich zu fixieren. Ich habe dir mit nichts gedroht. Du hättest jederzeit einfach aufstehen und gehen können", fuhr er leise fort.

Und auf einmal wurde Molly plötzlich ganz ruhig in seinen Armen. Die Tränen schienen versiegt, ihre Atmung ging wieder regelmäßiger, als sie sich auf seine Worte konzentrierte.

„Die Schläge waren schmerzhaft – ich weiß – aber erträglich. Nichts, was einem die Tränen in die Augen treiben müsste. Habe ich recht?“

Wieder herrschte Stille. Molly schwieg. Er strich ihr über den Rücken, spürte ihren Herzschlag an seiner Brust.

"Molly?", hakte er noch einmal nach.

„Ich denke schon…“, flüsterte sie schließlich. Dann nahm Sherlock ihr Gesicht in beide Hände, wischte mit dem Daumen ihre Wangen trocken und sah sie eindringlich an.

„Der Punkt ist: Das Gefühl ist in dir, Molly", sagte er und tippte dabei mit dem Zeigefinger auf ihren Brustkorb. "Ich habe es nicht verursacht, ich kann dir aber dabei helfen, es loszulassen, indem wir es mit neuen, besseren Erfahrungen überschreiben. Extinktion genannt. Ich habe dich nicht "ausgerechnet" geschlagen. Ich habe dich genau aus diesem Grund geschlagen", erklärte er.

Mollys Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wusste sie zunächst nicht, was sie davon halte sollte.

"Ich fühle mich aber nicht besser, Sherlock",sagte sie.

"Ich weiß. Noch nicht. Aber das wird sich ändern", sagte er und legte schließlich seine Stirn an ihre, gab ihr die Möglichkeit, den Gedanken erst einmal einsickern zu lassen. Sie standen einige Momente genau so in seinem Wohnzimmer. Sie, nackt und verletzlich - er, bis auf seine Socken vollständig angezogen und bestrebt, die Wogen wieder zu glätten.

Doch schließlich zuckte ein leichtes, überraschtes Lächeln um ihre Mundwinkel, als sie verstand, dass er ihr nicht bewusst hatte schaden wollen. Dass er wie immer nichts dem Zufall überlassen hatte und sich ihrer annahm, wenn auch auf verquere Art und Weise.

„Komm“, sagte er, ergriff ihre Hand und führte sie in sein Schlafzimmer direkt vor seinen Spiegel.

„Schau dir deinen Hintern an. Der Vorteil eines Paddles oder einer Gerte: der Schmerz wird verteilt und hinterlässt nichts weiter als eine wunderschöne Farbe. Keine Blessuren wie blaue Flecken, rote Striemen oder gar aufgeplatzte Haut.“

Molly betrachtete ungelenk ihre Rückansicht, strich mit der Hand über ihren Po, bevor sie sich wieder Sherlock zuwandte.

„Erwartest du jetzt von mir, dass ich dir danke?“, fragte sie und wirklich plötzlich nicht mehr so verletzt wie noch wenige Augenblicke zuvor.

„Ich war sehr gnädig mit dir, findest du nicht?“, erwiderte er und lächelte.

„Warst du das? Na dann: Danke“, sagte sie scheu und unterwürfig.

Sherlock hätte sie am liebsten direkt auf sein Bett geworfen. Das war genau nach seinem Geschmack. Aber er zügelte sich.

Stattdessen zog er sie in seinem Arme und küsste sie. Ihre Nervosität und Distanz war verflogen, sie genoss seine Nähe und seine Berührungen wie sie es getan hatte, als er sie in ihrer Wohnung überrascht hatte. Sanft sog er an ihrer Unterlippe, kitzelte sie mit der Zungenspitze, bis sie ihm Einlass gewährte und er sie erkunden durfte. Sie schmeckte noch genauso süß, wie er es in Erinnerung hatte. Die Bewegungen seiner Lippen wurden drängender und leidenschaftlicher, entlockten ihr schließlich ein kaum hörbares Seufzen, das ihn beinahe süchtig machte. Er wollte noch ganz andere Laute aus ihr herauskitzeln, sie dazu bringen, den Verstand zu verlieren und sich ihm willenlos zu öffnen.

Der Platz in seiner Hose war plötzlich viel zu wenig, der Stoff spannte über seinem Schritt und erinnerte ihn daran, es nicht zu überstürzen. Nicht nach dem, was gerade passiert war.

Widerwillig ließ er von Molly ab. Ihre Lippen waren rot und geschwollen, ihr Blick benebelt. Verführerisch und vielleicht sogar… süß..., aber nein, nicht jetzt. Das durfte jetzt nicht passieren. Das war falsch, oder?

Doch Molly wirkte plötzlich gefestigt, sah ihn entschlossen und fast herausfordernd an. Und dann setzte sie sich - nackt wie sie war - auf sein Bett, ohne den Blick von ihm abzuwenden.

Verdammt.
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