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Ein verhängnisvolles Date

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
Molly Hooper Sherlock Holmes
21.07.2020
15.09.2020
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12.08.2020 2.992
 
Molly hatte einen anstrengenden Tag hinter sich. Im Barts waren heute überdurchschnittlich viele Operationen durchgeführt worden, die für ständigen Nachschub an Gewebeproben sorgten. Im Labor ist es so hektisch zugegangen, wie schon seit Wochen nicht mehr und der Tod fragte zwischendurch auch nicht, ob er gerade gelegen kam. Immerhin war der Tod jedoch endgültig genug, dass er auch noch auf die Nachtschicht warten konnte…

Der Londoner Berufsverkehr war so dicht, dass Molly vorzugsweise ihre Wege mit dem Rad erledigte. Obwohl sie erschöpft war, half ihr die Bewegung, ihren Stress abzubauen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Dennoch nervte sie der Wind, der fortwährend an ihrer Kleidung zerrte und in ihren Ohren rauschte. Besorgt warf sie einen kurzen Blick gen Himmel, der von Minute zu Minute dunkler wurde. Sie würde sich beeilen müssen, wenn sie trocken zuhause ankommen wollte.

Das Klingeln ihres Handys bemerkte sie erst, als sie an der nächsten roten Ampel zum Stillstand kam. Hastig stieg sie von ihrem Rad und schob es auf den Fußweg, bevor sie das Gerät aus ihrer Jackentasche kramte.

„Hallo?“, sagte sie schnell, bevor der Anrufer auflegen konnte. Schützend legte sie die Hand um das Telefon, um den Wind ein bisschen abzufangen.

„Molly, Liebes!“, sagte eine Frauenstimme. Molly runzelte die Stirn.

„Mrs. Hudson?“, fragte sie verunsichert, denn es gab niemand anderen, der sie so ansprach. Mit der Landlady hatte sie am wenigsten gerechnet. „Ist alles in Ordnung?“

„Ja, mir geht es gut. Hören Sie, ich störe wirklich ungern, aber könnten Sie bei mir vorbeikommen? Ich brauche Hilfe mit der kleinen Rosie.“

Rosie? Was war mit ihr? Und wo war John? Warum hatte er nicht selbst Molly angerufen?

„Ich bin in 15 Minuten bei Ihnen“, sagte Molly und legte auf, um keine Zeit zu verlieren. Sie schwang sich aufs Rad und fädelte sich wieder in den Verkehr ein. Der Wind unterwegs nahm deutlich zu, aber Molly kam gut voran. Als sie etwa zehn Minuten später in die Baker Street einbog, trafen die ersten Tropfen ihre helle Jeans und ihre Windjacke. Gott sei Dank würde sie gleich im Trockenen sein!

„Molly! Wie schön, dass Sie so schnell kommen konnten“, trällerte Mrs. Hudson, als Molly schließlich vor ihrer Tür stand. Im Hintergrund hörte sie schon das aufgeregte Geplapper ihres Patenkindes und die tapsigen Schritte, die ihr freudig entgegenkamen. Es war bestimmt schon zwei Wochen her, dass sie Rosie das letzte Mal gesehen hatte!

„Kein Problem, Mrs. Hudson. Was ist denn los?“, fragte Molly und entledigte sich sowohl ihrer Tasche als auch ihrer Jacke.

„Diese Jungs! John war mit Rosie zu Besuch, als dieser Inspector vom Yard wieder angerufen hat. Innerhalb von Sekunden waren Sherlock und John schon zur Tür hinausgeeilt und haben die Kleine einfach zurückgelassen. Also wirklich, so etwas würde einer Mutter nie passieren! Sie sollten sich was schämen!“, schimpfte Mrs Hudson, während Rosie schon energisch nach Mollys Hand griff und sie mit sich zog. „Ich weiß nicht, wo sie sind und wie lange sie weg sein werden, ich habe aber selbst noch ein Arzttermin in einer halben Stunde und muss gleich aufbrechen. Was ein Glück, dass Sie kommen konnten!“, sagte sie erleichtert und eilte den beiden mit einem Teller voller Kekse hinterher.

Rosie stand an einer Spielzeugkiste, die Mrs. Hudson einst extra für sie erstanden hatte. Das Spielzeug war längst nicht mehr altersgerecht, aber das schien die Kleine nicht zu kümmern. Rasseln, Bälle, Bauklötze, Autos – alles lag quer über den Fußboden verteilt und sie war noch längst nicht fertig damit, den Inhalt der Kiste zu erkunden.

„Machen Sie sich keine Sorgen, Mrs. Hudson. Ich passe gern auf Rosie auf“, versicherte Molly und schenkte der alten Dame ein mildes Lächeln. Innerlich schüttelte sie jedoch den Kopf über die Verantwortungslosigkeit der beiden Männer. Sie konnten doch nicht einfach davon ausgehen, dass sich schon irgendjemand des Kindes annehmen würde!

***

Etwa eine Stunde später saß Molly mit der kleinen Rosie an Mrs. Hudsons Küchentisch und stopfte sich das letzte Stück ihres Sandwiches in den Mund, während Rosie noch an einem Stück Gurke knabberte. Es war bereits 18:30 und Molly hatte der Magen geknurrt. Normalerweise lud sie sich nicht einfach so zum Abendessen ein, aber heute war es wohl nur fair, dass sie eine Ausnahme machte.

„Mrs. Hudson, es tut mir so leid!“, hörte sie plötzlich Johns Stimme durch das Treppenhaus hallen und kaum, dass er seinen Satz beendet hatte, flog auch schon die Wohnungstür auf.

„Du solltest dich lieber bei Rosie entschuldigen“, sagte Molly und wischte kurz Rosies beschmiertes Gesicht sauber.

„Molly...“, entgegnete John nur gedehnt, dann kam er großen Schrittes auf seine Tochter zu, die ihm bereits ihre angeknabberte Gurke entgegenstreckte. Sanft streichelte er ihren Kopf und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Wo ist Mrs. Hudson?“

„Sie hatte noch einen Termin, stell dir vor“, sagte Molly und konnte den Vorwurf in ihrer Aussage nur unzureichend unterdrücken. Sie war John nicht wirklich böse, sie kümmerte sich wirklich sehr gern um ihr Patenkind, aber John musste allmählich einsehen, dass er nach der Geburt seiner Tochter und nach Marys Tod nicht einfach weiter machen konnte wie bisher.

Jetzt streckte auch Sherlock den Kopf zur Tür herein und Molly fühlte augenblicklich, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer, aber sie versuchte angestrengt, sich nichts anmerken zu lassen.

„Oh! Molly...“, sagte Sherlock und sah sie dabei eine Spur zu lange an. Ein wissendes Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Gott sei Dank hatte John gerade seine Aufmerksamkeit auf seine Tochter gerichtet.

„Wo ward ihr denn?“, fragte sie so unverfänglich wie möglich.

„Lestrade wollte, dass wir uns einen Tatort anschauen. Leider nicht so interessant, wie ursprünglich angenommen. Meine Hinweise sollten ausreichen, dass er den Fall alleine gelöst bekommt“, erklärte Sherlock knapp.

Molly nickte nur. Als Rosie den letzten Bissen ihres Abendessen herunter geschlungen hatte, hörten sie die Tür zur 221b krachend ins Schloss fallen.

„Da wartet man selbst mit Termin knapp eine ganze... Oh, da seid ihr ja wieder“, unterbrach sich die aufgebrachte Mrs Hudson selbst, als sie den beiden Herren ansichtig wurde. Sie warf vor allem John einen missbilligenden Blick zu. „John! Also seine eigene Tochter zu vergessen, das ist unverzeihlich!“, ereiferte sie sich und er sah betreten zu Boden. Molly bemerkte, dass sich seine Ohren rot färbten.

„Kommt nicht wieder vor, Mrs. Hudson. Entschuldigen Sie die Umstände, die ich Ihnen bereitet habe“, sagte er kleinlaut und hob seine Tochter aus ihrem Sitz. „Na los, kleine Watson. Zeit nach Hause zu fahren und dich ins Bettchen zu bringen.“

„Nein! Spielen!“, protestierte die Kleine lautstark auf seinem Arm und wollte runter.

„Nur noch zwei Minuten!“, sagte John und fing an, die ganze Unordnung, die seine Tochter verursacht hatte, einzudämmen.

„Danke euch beiden“, murmelte er leise. „Molly, ich bringe dich natürlich gern nach Hause.“

„Nicht nötig“, antwortete Sherlock an ihrer statt. Er hatte sich mit verschränkten Armen gegen den Kühlschrank gelehnt und verzog keine Miene. Molly blinzelte irritiert und warf ihm schließlich einen fragenden Blick zu. Auch Johns Augen zuckten zwischen den beiden hin und her.

„Wieso nicht?“, fragte er schließlich und grinste verschmitzt.

„Weil sie mit dem Fahrrad hier ist und das passt nicht in dein Auto. Sie bleibt bei mir“, erklärte er und hielt seinen Blick unentwegt auf Molly gerichtet. Ihr wurde heiß und kalt.

„Ah. Wegen dem Fahrrad. Verstehe“, sagte John höchst amüsiert, aber ebenso überrascht. Molly starrte vor sich auf die Tischplatte, um sämtlichen Blicken auszuweichen und wischte sich ihre schwitzigen Finger an der Hose ab. Mrs. Hudson war mit Sicherheit auch die Kinnlade herunter geklappt oder hatte vielleicht sogar eine Herzattacke erlitten, denn sie machte keinen Mucks.

„Na dann...“, sagte John, als er das ganze Spielzeug zurück in die Kiste gepackt und Rosie wieder auf dem Arm genommen hatte. Die beiden verabschiedeten sich und auch Sherlock begab sich langsam in Richtung Tür.

„Molly“, sagte er schlicht und ließ sie damit aus ihrer Schockstarre erwachen. Sie räusperte sich und schob schließlich ihren Stuhl zurück, um aufzustehen.

„Danke, dass Sie so schnell einspringen konnten“, sagte Mrs. Hudson leise und zwinkerte ihr schließlich wissend zu. Gott, ging es peinlicher?

„Ich helfe gerne, wirklich“, versicherte sie ihr noch einmal, verabschiedete sich höflich und folgte schließlich Sherlock nach oben. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Meinte er wirklich, sie solle über Nacht bleiben? Oder wollte er nur noch etwas mit ihr besprechen?

Nachdem er die Tür geöffnet hatte, setzte sie sich schweigend und verunsichert auf die Couch. Sherlock legte seine Schlüssel geräuschvoll auf seinem Schreibtisch ab, dann ging er wortlos in die Küche und kam wenige Sekunden später mit einem Glas Wein zurück.

„Das sollte deine Nerven ein wenig entspannen“, sagte er, ohne seinen Blick von ihr abzuwenden. Wenn er sie weiter auf diese Weise ansah, bräuchte Molly vermutlich mehr als nur Wein. Sie nahm das Glas entgegen, ohne daran zu nippen.

„Danke“, murmelte sie, als Sherlock auf dem Sofa neben ihr Platz nahm. Da angespanntes Schweigen ihre Nervosität nur vergrößert hätte, fügte sie hinzu:

„Sherlock, wirklich, das muss aufhören, dass ihr euch einfach davon schleicht. Ihr könnt Rosie nicht einfach sich selbst überlassen. Die Zeiten haben sich geändert seit...“, sagte sie, doch sie konnte und wollte Marys Tod nicht direkt ansprechen. Sie wusste, sie sehr es an Sherlock nagte. Dass er sich verantwortlich machte für ihren Tod. Konnte sich immer noch gut an den Schmerz in seinen Augen erinnern, als John sich so sehr von ihm distanziert hatte.

„Wäre ich mir dessen nicht bewusst, würdest du gerade nicht hier sitzen“, sagte Sherlock brummend und stützte sich mit dem Arm an der Rücklehne seines Sofas ab.

Wow.

Was sollte sie nur dazu sagen? Oder davon halten?

Gott, ihrer Anspannung half das gerade absolut nicht. Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas. Sherlocks Augen musterten sie eingehend.

„Warum... bin ich denn hier?“, fragte sie schließlich verunsichert.

„Um zu reden.“

„Reden? Worüber?“

„Unser letztes Treffen.“

Oh. Darüber.

Sie schluckte. Die Bilder von ihrer letzten Begegnung flackerten sofort vor ihrem geistigen Auge auf.

„Habe ich... etwas falsch gemacht?“, fragte sie. Moment - Wie bitte? Habe ich etwas falsch gemacht? Sie klang wie ein Teenager nach ihrem ersten Mal! „Ich meine...“, fügte sie hinzu, ohne zu wissen, was sie eigentlich sagen wollte. Erdboden? Bitte öffne dich!

„Wir sollten noch einmal über deine Rolle sprechen, aber Nein“, sagte Sherlock und legte ihr eine Hand auf den Oberschenkel. Molly zwang sich durchzuatmen, was mit den plötzlich auffliegenden Schmetterlingen in ihrem Bauch nicht ganz einfach war.

„Ist alles in Ordnung, Molly? Du bist angespannt.“

„D-Du machst mich nervös“, erwiderte sie scheu und wich seinem Blick aus.

„Warum?“

„Weil du mich nackt gesehen hast, und verwundbar und verletzt und erregt. Und du das fortsetzen wolltest. Irgendwie...“, platze es aus ihr heraus während sie an ihren Fingern herum nestelte. Sherlock strich die Haarsträhne, die ihr ins Gesicht gefallen war, wieder hinter ihr Ohr.

„Aber du wolltest, dass ich dich so sehe. Und dass ich diese Dinge mit dir mache.“

Oh Gott, ja! Vielleicht nicht auf diese Art und Weise – es war mehr als sie sich je hätte erträumen können und ging viel tiefer, als sie es Sherlock zugetraut hätte – aber sie hatte nur allzu bereitwillig mitgemacht und sich ihm hingegeben.

Sie nickte scheu.

„Molly, das hier klappt nur, wenn wir absolut offen zueinander sind“, setzte er fort. Molly wusste, dass er recht hatte, aber ihre Kehle war dennoch wie zugeschnürt. Wieder nickte sie nur stumm.

„Du warst ziemlich... zurückhaltend... als ich dich nach deinen Fantasien gefragt habe.“

Nein! Fing er jetzt wirklich wieder damit an?

„Ich habe noch nie über so etwas gesprochen, Sherlock. Und bis dato habe ich mir nicht einmal vorstellen können, dass es dir ähnlich geht...“, erklärte sie leise. Außerdem war es so unglaublich intim!

„Nun, jetzt weißt du es und wenn du noch nie darüber gesprochen hast, dann solltest vielleicht jetzt damit anfangen.“

„Was?“

„Erzähl mir von deinen Fantasien, Molly“, wiederholte Sherlock noch einmal. Mollys Magen krampfte sich vor Aufregung zusammen, das Herz pochte ihr plötzlich bis zum Hals. Ihr klappte der Mund auf, aber ihm entwich kein Laut.

„Wenn es dir hilft: Das war eine Anweisung“, setzte Sherlock nach und wirkte plötzlich herausfordernd. Ein flüchtiger Blick in den Spiegel über dem Kamin reichte aus, um feststellen, dass ihre Wangen bereits rot angelaufen waren.

Wollte sie ihm das wirklich sagen? Molly räusperte sich verlegen, starrte auf ihre Hände und das halbvolle Glas Wein, als sie wieder die Stimme erhob.

„Einmal habe ich...“

„Sieh mich an“, unterbrach Sherlock sie.

Gott, was das nicht so schon schwer genug für sie? Scheu hob sie die Lider und begegnete seinem Blick.

„Einmal habe ich mir vorgestellt, wie du einfach in die Damenumkleide des Barts gestürmt kommst. Ich war alleine und gerade frisch geduscht, war nur in mein Handtuch gewickelt...“, begann sie und stockte, schloss für einen kurzen Moment die Augen.

„Und dann?“, hakte Sherlock noch einmal nach. Molly zwang sich, ihn wieder anzusehen und setzte fort:

„Du... du hast mich geküsst. Leidenschaftlich. Mit diesem wilden Blick... Gott, Sherlock, das klingt lächerlich. Bitte“, sagte sie und betete kurz gen Himmel, Petrus möge ihr Schnaps verabreichen – am besten intravenös.

„Red weiter“, sagte Sherlock unnachgiebig. Er schien weder amüsiert noch sonderlich fasziniert, sondern bedachte sie lediglich mit einem geduldig abwartenden Blick. Als würde sie ihm ein Gedicht vortragen, das sie morgen vor der ganzen Klasse aufsagen musste.

Mollys Blick blieb an seinen Lippen hängen, als sie an ihre Fantasie anzuknüpfen versuchte. Nun, da sie wusste, wie er schmeckte und sich anfühlte, wurde das Szenario in ihrem Kopf um einiges lebhafter.

„Du hast mich geküsst. Unnachgiebig. Drängend. Ich hatte keine Gelegenheit zu intervenieren. Nicht, dass ich gewollt hätte... Ich bin nach hinten getaumelt, bis ich gefangen war zwischen dir und den Spinden in meinem Rücken. Du...“

„Sieh mich an“, sagte Sherlock noch einmal, als Molly wieder unwillkürlich den Blick abgewandt hatte.

„Du... hast dich gegen mich gepresst. Selbst durch das Handtuch habe ich deine... deine Erregung...“ Sie brach erneut ab. Dass es ihr derart schwer fiel, sich ihm zu offenbaren, enttäuschte sie. Und vermutlich auch ihn. Warum war sie nur so gehemmt?

„Sherlock, ich kann das nicht“, flüsterte sie und hoffte, er würde sie endlich vom Haken lassen.

„Okay, Molly. Du willst also hier aufhören?“, fragte er und sie nickte erleichtert. Wein. Ganz schnell ein Schluck Wein!

„In anderen Worten: Du widersetzt dich meiner Anweisung?“, setzte er plötzlich nach. Herr im Himmel, dieser Unterton in seiner Stimme gefiel ihr ganz und gar nicht.

„Wie bitte?“, fragte sie ungläubig.

„Ich habe dir eine Anweisung erteilt, der du nicht Folge leisten willst. Entweder, du sprichst weiter oder ich muss dich für dein Verhalten bestrafen.“

Die Welt schien für wenige Augenblicke stillzustehen, als Molly seine Worte verarbeitete. Vielleicht hätte man ihm Erpressung vorwerfen können, aber ihr war klar, dass das hier ein Spiel war. Dass er dort anknüpfte, wo sie aufgehört hatten. Sie hatte geglaubt, sie wäre aufgeregt gewesen, aber das war nichts im Vergleich zu dem, was gerade in diesem Moment von ihr Besitz ergriff. Der Gedanke, ihm wieder unterworfen zu sein – auf höchst erotische Weise – entfachte ihre Libido und doch hatte sie Angst vor dem, was er unter Strafe verstand.

„Du hast die Wahl“, fügte Sherlock noch hinzu, während seine Finger über ihren Oberschenkel strichen und Zentimeter für Zentimeter nach oben zu ihrer Mitte wanderten. Molly sog scharf die Luft ein und schwieg. Sie schwieg bewusst, presste ihre Lippen fest aufeinander, als sie Sherlocks Blick begegnete und stand hielt.

Er musterte sie für einige Sekunden, dann trat ein Funkeln in seine Augen und ein herausforderndes Lächeln zuckte um seine Mundwinkel.

„Ich verstehe“, sagte er. „Aber zu allererst, Molly, möchte ich, dass du dich ein bisschen entspannst“, sagte er und ließ seine Hand zu den oberen Knöpfen ihrer Bluse wandern.

„Du hilfst mir gerade dabei, mich auszuziehen, damit du mich nach deinem Gutdünken disziplinieren kannst. Wie soll ich mich da entspannen?“, fragte sie leise während er ihre Bluse aufknöpfte. Sherlock lächelte milde.

„Vielleicht hilft das hier...“, sagte er brummend, als er sich nach vorn beugte und sie küsste. Vorsichtig, fast scheu, bewegten sich seine Lippen auf ihren. Dann legte er ihr seine Hand in den Nacken und zog sie näher zu sich. Molly spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging, schloss die Augen, genoss seine Nähe. Als seine Zungenspitze die ihre suchte, war sie plötzlich wie Wachs ins seinen Händen. Ja, das half definitiv!

Sie vertraute ihm, oder? Oder?

In wenigen Sekunden hatte Sherlock sie von ihrer Bluse befreit und zog sie mit sich nach oben ohne den Kuss zu unterbrechen. Zaghaft tastete Molly nach seinem Hemd, wollte es aufknöpfen und die Haut darunter erkunden, weil es ihr beim letzten Mal verwehrt geblieben war, aber Sherlock ergriff ihre Handgelenke und führte sie wieder nach unten, während er kaum merklich den Kopf schüttelte.

Die Botschaft war klar: Sie sollte empfangen, was auch immer er zu tun gedachte und sich seiner Führung unterwerfen.

Seine Hände fanden den Knopf ihrer Jeans und öffneten ihn zielstrebig, bevor sie sich in den Saum einhakten und sie nach unten streiften. Er unterbrach kurz den Kuss, gab ihr die Gelegenheit aus ihrer Hose zu steigen und Molly bemerkte plötzlich, dass sie nicht gerade die schönste Unterwäsche dieser Welt trug. Ihr schwarzer BH war schon einige Jahre alt, aber unglaublich bequem und ihr blauer Slip passte so gar nicht dazu. Wenigstens war sie im Barts duschen gewesen...

Sherlock warf ihre Hose auf das Sofa, dann räumte er plötzlich den Couchtisch frei und breitete seine Sofadecke darauf aus. Molly schluckte.

"Schalte dein Handy auf lautlos, dann gib es mir. Ich möchte nicht dabei gestört werden", sagte er streng. Molly wurde angesichts seines Tonfalls etwas mulmig zumute, griff aber nach ihrer Tasche und tat, wozu er sie aufgefordert hatte. Dann sagte er:

"Zieh deine Unterwäsche aus und leg dich auf den Tisch - Knie auf den Boden. Ich bin gleich zurück."

Mit klopfenden Herzen stand Molly in der 221b Baker Street und starrte Sherlock immer noch hinterher, nachdem er die Tür zu seinem Zimmer geschlossen hatte. Gütiger Gott, vielleicht hätte sie doch einfach weiter reden sollen...
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