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Verbundenheit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Robin Sturm
21.07.2020
20.12.2020
34
39.927
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20.12.2020 2.172
 
Die Stunden vergingen und bald hatte Robin jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren. Ab und an döste er ein, die letzten Nächte in denen er kaum hatte schlafen können, hatten ihn erschöpft.
Immer wenn ein Arzt den Gang betrat, schreckten die beiden hoch und verspannten sich auf ihrem Stuhl.
Doch die Menschen eilten wortlos vorbei und nahmen überhaupt keine Notiz von ihnen. Irgendwann glitt Robin endgültig in einen festen Schlaf und zusammengesunken auf dem Wartestuhl schlief er für einige Stunden.

Entsprechend verspannt und mit starken Nackenschmerzen wachte er auf und sah sich verwirrt um.
Er musste sich erst einmal wieder orientieren.
Zu seiner Verwunderung saß jemand anderes neben ihn und Marion war weg.
Es war Ralf der mit seinem Handy spielte und einen Becher Kaffee in der Hand hielt.

„Hey."

Meinte Robin und versuchte vorsichtig seine verspannten Muskeln zu lockern.

„Ahh. Hallo Schlafmütze.
Das sah nicht so wirklich bequem aus. Rückenschmerzen?"

Robin nickte und zog eine Grimasse.

“Ja. Gibt es was Neues? Wo ist Marion?"

„Sie holt sich kurz einen Kaffee und wirft sich eine Ladung Wasser ins Gesicht.
Ne, nichts Neues, sie operieren wohl noch."

Robin seufzte und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht.
Ein kurzer Blick auf die Uhr gegenüber an der Wand verriet ihm, dass es schon ein Uhr morgens war.
Er hatte vier Stunden auf dem unbequemen Stuhl geschlafen.
Die Operation dauerte nun schon acht Stunden.
War dies ein gutes Zeichen oder doch eher ein schlechtes?
Nervös stand Robin auf und streckte sich erst einmal.

„Ich vertrete mir auch mal kurz die Beine.
Du hältst hier die Stellung?"

Ralf nickte und Robin verließ den Flur in Richtung Empfangsbereich.
Dort standen gerade Paula und Stephan die sich mit Schwester Birgit an der Rezeption unterhielten.

„Hi ihr drei."

Meinte Robin, winkte den dreien dann aber zu und verließ das Krankenhaus durch die große Eingangstür.
Tief atmete er die kühle Nachtluft ein und schloss kurz die Augen.
Dann ging er ein paar Schritte in Richtung Krankenhauspark.
In seinem Kopf fuhren die Gedanken weiterhin wild im Kreis.
Was sollte er nun tun?
Was wenn Jana starb?
Was würde aus Skip werden?
Was wenn sie nicht wieder richtig gesund werden sollte und auf Hilfe angewiesen wäre?
In seiner Wohnung wäre jemand mit einer Behinderung aufgeschmissen, da könnte Jana nicht mit einziehen.
Er würde also etwas anderes für sie suchen müssen.
Aufjedenfall würde er sie so gut er konnte unterstützen.
Das stand für ihn außer Frage.

Nach einer viertel Stunde hatte er das Krankenhaus umrundet und war wieder am Eingang angekommen.
Er betrat das Krankenhaus, außer Birgit war niemand mehr in der Eingangshalle. Sie nickte ihm kurz lächelnd zu und konzentrierte sich dann wieder auf den Computerbildschirm vor sich.
Er machte sich auf den Weg zurück zum Wartebereit.
Ralf, Stephan und Marion saßen da und unterhielten sich.
Robin setzte sich zu seinen Freunden und hörte ihnen zu.
An den Gespräch beteiligen, wollte er sich aber nicht, zu sehr war er damit beschäftigt den Gedanken zu verdrängen das Jana es vielleicht nicht schaffen würde.
Gegen drei Uhr verabschiedete Ralf sich, da er müde war und morgen wieder Spätschicht hatte.
Auch Stephan machte sich auf den Weg nach Hause.
Marion und Robin wollten bleiben.
Wieder herrschte Schweigen zwischen ihnen. Marion gähnte und kuschelte sich dann unvermittelt an Robins Schulter.
Mit ihrem Kopf auf seiner Schulter döste die Rettungssanitäterin etwas vor sich hin.
Robin blieb stillsitzen und beobachtete wieder den Sekundenzeiger der Uhr, der sich langsam immer weiter im Kreis bewegte.

“Hat eigentlich jemand ihren Vater benachrichtigt?"

Fragte Marion plötzlich und richtete sich auf. Robin zuckte mit der Schulter.

„Ich weiß nicht ob die Nato das getan hat.
Ich glaub ihr Vater weiß gar nicht, dass sie Soldatin ist.
Der denkt sie wäre Sekretärin bei einer Botschaft oder so."

„Das solltest du vielleicht morgen machen.
Es wäre Jana bestimmt wichtig, dass ihr Vater sie noch einmal sieht."

Dieser letzte Satz von Marion, der zeigte das sie davon ausging das Jana es nicht schaffen würde, versetzte Robin einen Stich.
Er selber wollte diesen Gedanken gar nicht erst zulassen.
Er wusste das Marion nun einmal viel öfters mit dem Tod in Berührung kam und Janas Verletzungen vermutlich so schlimm waren, dass es aus medizinischer Sicht unwahrscheinlich war, das sie überlebte.
Aber das hieß nicht das er sich damit abfinden konnte.

„Sie wird nicht sterben."

Flüsterte er kaum hörbar.
Marion sah ihn an, Tränen traten ihr in die Augen.
Stumm nickte sie und legte ihren Kopf dann wieder an seine Schulter.

Erst um sechs Uhr morgens, kam endlich ein erschöpft aussehender Arzt aus dem OP-Bereich und ging auf sie zu.
Vorsichtig weckte Robin die schlafende Marion.
Der Arzt berichtete ihnen in knappen Worten wie die Operation gelaufen war.
Die Blutungen konnten gestoppt und die Kugelfragmente entfernt werden.
Doch trotzdem war Janas Zustand noch sehr kritisch.
Die nächsten zwei Tage würden zeigen, ob sie es schaffen konnte oder nicht.
Robin nickte und sie folgten dem Arzt zur Intensivstation.

Auch Jana sah erschöpft aus.
Das bisschen Farbe was noch in ihrem Gesicht gewesen war, war nun auch verschwunden.
Sie sah beinahe aus wie tot.
Robin nahm ihre Hand und drückte sie. Vorsichtig strich er eine Strähne ihres Haares von ihrer Wange.

Sie blieben noch eine halbe Stunde bei ihr, dann entschieden sie das es Zeit war nach Haus zu fahren.
Dort legte Robin sich sogleich ins Bett.
Skip legte sich neben ihn auf den Boden.
Das ruhige Atmen des Hundes beruhigte Robin ein wenig, doch einschlafen konnte er nicht.

Als die ersten Sonnenstrahlen unter der Jalousie hindurchschienen, gab er es auf und kletterte aus dem Bett.
Eine eiskalte Dusche weckte seine Lebensgeister ein wenig.
Er machte sich auf den Weg zur Wache.

Dort begrüßten Tom und Muri ihn, die beiden Frühschicht hatten.

“Hey. Wie geht es dir? Gibt es was Neues zu Jana?"

Robin seufzte und begrüßte die beiden mit einem Handschlag und einer kurzen Umarmung.

„Die zweite Operation verlief erfolgreich, war aber sehr kompliziert.
Ihr Zustand ist nach wie vor sehr kritisch und die nächsten zwei Tage wird sich jetzt zeigen ob sie es schafft."

Tom nickte und legte ihm die Hand auf die Schulter.

“Wenn du wen zum Reden brauchst, ist hier immer jemand für dich da. Das weißt du oder?"

Robin nickte dankbar.

„Ich brauch jetzt erstmal eure Hilfe.
Ich würde gerne Janas Vater informieren.
Ich weiß aber noch nicht einmal wie er heißt oder wo er wohnt."

Tom nickte und schob ihn in sein Büro.
Der große Polizist setzte sich an seinen Computer und sah Robin dann an.

„Wie heißt Jana nochmal mit Nachnamen?"

„Frommel"

Tom tippte auf der Tastatur herum und klickte sich dann durch ein paar Menus.

„Also laut EMA, gibt es fünf Personen mit diesem Nachnamen in der Stadt.
Katrin Frommel, 68 Jahre ahh neh warte, vor einem Jahr verstorben.
Ihr Mann heißt Heino Frommel. 73 Jahre alt. Die anderen Frommels sind zu jung, das müsste er sein oder?"

Robin nickte erleichtert.

„Ja, dass ihre Mutter gestorben ist hatte sie erzählt. Kannst du mir die Adresse geben?"

Tom schüttelte den Kopf.

„Nene. Das gibt doch Ärger, wenn wir das so machen.
Komm wir fahren da zusammen hin."

Robin nickte dankbar.
Tom sagte kurz bei Michael bescheid der im Funkraum saß und holte dann Ilka die in ihrem Büro saß und einen Bericht tippte.

„Auftrag für uns."

Meinte Tom und Ilka blickte vom Bildschirm auf.
Sie nickte, griff sich ihre Jacke und folgte Tom in den Flur wo Robin bereits wartete.

„Ohh hallo Robin. Ich hoffe du bist nicht unser Auftrag?"

Robin begrüßte seine Kollegin und schüttelte den Kopf.

„Wir müssen Janas Vater unterrichten. Ich glaube nicht, dass ihr Arbeitgeber das getan hat."

Ilka seufzte und nickte dann.

„Solche Nachrichten zu überbringen, ist das schlimmste an unserem Job."

Zustimmend nickte Robin und zu dritt gingen die beiden zum Streifenwagen.
Sie fuhren aus der Stadt heraus und bogen auf die Landstraße ab. Janas Elternhaus schien etwas außerhalb von Köln zu liegen.
Als Tom den Streifenwagen in einer Sackgasse parkte, verkrampfte Robin sich regelrecht.
Das würde bestimmt nicht leicht werden. Einem Mann, der vor einem Jahr seine Frau verloren hatte nun auch noch mitzuteil das seine Tochter solch schlimme Verletzungen erlitten hatte?
Hoffentlich würde Janas Vater bei dieser Nachricht nicht zusammenbrechen.
Tom öffnete ihm die Fahrzeugtür, die aus Sicherheitsgründen beim Streifenwagen nur von außen geöffnet werden konnte.

„Möchtest du reden? Oder soll ich das machen?"

Fragte Tom. Robin atmete noch einmal tief durch und strafte dann die Schultern.

„Ich mach das."

Meinte er überzeugt. Tom nickte und ging voran zu einem kleinen gelb gestrichenen Häuschen, das am Ende der Sackgasse stand. Robin klingelte und sie mussten nicht lang warten, bis ein älterer Mann mit harten Gesichtszügen öffnete.
Verwundert sah er sie an und registrierte sogleich das zwei Uniformierte vor seiner Tür standen.
Er öffnete die Tür weiter und sah sie dann fragend an.

„Herr Frommel?"

Fragte Robin.

„Ja. Wer will das wissen? Ich habe nichts verbrochen!"

Robin hob beschwichtigend die Hände.

„Deshalb sind wir nicht da Herr Frommel. Mein Name ist Robin Sturm. Ich bin Polizeikommissar und ein guter Freund ihrer Tochter Jana. Wegen ihr sind wir hier.
Könnten wir vielleicht reinkommen?"

“Hat sie etwas verbrochen?
Ich hol sie da nicht raus!
Sie hatte es nicht einmal nötig ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen.
Sie kann schön im Gefängnis schmorren, hat sie vielleicht so verdient."

Meinte der alte Mann und sein Gesicht verfärbte sich rot vor Wut.
Doch er drehte sich um und bat sie hinein.
Sie folgten ihm ins Wohnzimmer wo er sich auf dem Sessel vor dem Fernseher niederließ. Fotos zierten die Wände und interessierte betrachtete Robin die Bilder.
Jana als Kind oder als Jugendliche war dort zu sehen. Zusammen mit ihrem Eltern oder auch mal ganz alleine beim Skifahren oder anderen sportlichen Aktivitäten.
Robin setzte sich gegenüber auf die Couch.
Ilka setzte sich neben ihn während Tom in der Tür stehen blieb.

„Herr Frommel. Ich muss ihnen leider mitteilen das Jana im Dienst schwer verwundet wurde.
Ich weiß selber nicht genau was passiert ist, aber es ist wirklich ernst."

Erklärte Robin mit ruhigen Worten und beobachtete Janas Vater dabei aufmerksam.
Der schien Robins Worte nicht so ganz verstanden zu haben, Verwirrung machte sich in seinem Gesicht breit.

„Was heißt im Dienst verletzt? Was soll einer Sekretärin denn passieren?
Klar sie arbeitet im Ausland, aber doch nicht irgendwo wo es gefährlich ist."

Kurz überlegte Robin, wie es diesem Mann am besten alles erklären sollte.

„Also wissen sie, Jana hat ihnen da nicht so ganz die Wahrheit gesagt. Sie wollte denke ich einfach nicht, dass sie und ihre Frau sich sorgen macht.
Jana ist Soldatin bei einer Nato-Spezialtruppe. Sie wurde bei einem Einsatz schwer verwundet."

Herr Frommel schüttelte verständnislos den Kopf.

„Nein, quatsch. Meine Jana ist doch keine Soldatin.
Sie könnte keiner Fliege etwas zu leider tun, geschweige den ein Gewehr richtig herum halten."

Der Mann lachte und sah Robin dann erwartungsvoll an, ganz so als würde dieser ihm gleich verkünden, dass sie sich dann doch geirrt hatten.
Doch Robin bleib stumm und sah ihn weiterhin an ohne eine Miene zu verziehen.
Langsam veränderte sich das Gesicht des Mannes, umso länger sie schweigend dasaßen. Entsetzten machte sich breit, gefolgt von Trauer.

“Sie darf mich nicht auch noch alleine lassen."

Flüsterte Herr Frommel und sank in sich zusammen.
Tränen liefen ihm über das Gesicht und er versteckte sie in seinen großen Händen.
Robin stand auf und ging zu dem Mann herüber.

“Jana und Skip haben die letzten Monate bei mir gewohnt.
Ihr Tochter ist wirklich eine außergewöhnliche und starke Frau.
Sie wird das schaffen.
Aber wir sollten jetzt zusammen zu ihr ins Krankenhaus fahren. Komm sie."

Meinte Robin und legte dem Mann tröstend die Hand auf die Schulter.
Dieser blickte auf und sah Robin an. Er wischte die Tränen aus dem Gesicht.

„Sie hat bei ihnen gewohnt? Mit Skip? Woher kennen sie meine Tochter denn überhaupt?"

„Wir haben uns zufällig beim Hundespaziergang kennengelernt.
Sie hat mich einfach gleich beeindruckt. Wie toll Skip auf sie hört und naja alles an ihr.
Sie strahlt gleichzeitig soviel Selbstdisziplin und trotzdem eine gewisse Lockerheit und Lebensfreude aus."

Verträumt sah Robin aus dem Fenster während er von Jana berichtete.

„Sie haben sich in meine Tochter verliebt."

Stellte Herr Frommel fest. Es war eine nüchterne Feststellung, ohne jegliche Emotion. Robin wurde rot.

„Ähm. Also naja."

„Wir sollten jetzt ins Krankenhaus Fahren Herr Frommel. Wollen sie sich noch umziehen?"

Unterbrach Ilka sie und rettete Robin damit aus der peinlichen Lage.
Herr Frommel erhob sich und nickte.
Er verließ den Raum, kehrte aber nach wenigen Minuten wieder.
Tom und Ilka brachten sie in die Klinik am Südring.

„Gib mir deinen Autoschlüssel dann bringen wir dein Auto her."

Meinte Tom. Robin gab ihm den Schlüssel und bedankte sich.
Zusammen mit Janas Vater machte er sich auf den Weg zur Intensivstation.
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