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20. Juli: 20. Juli [by NamiraKayleighFaolan]

OneshotSchmerz/Trost / P12
Chester Bennington
20.07.2020
20.07.2020
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20.07.2020 1.898
 
Tag der Veröffentlichung
20. Juli 2020  

Zitat
"Wenn die Menschen nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden können … Ich glaube, dann gehen sie kaputt." [Rozen Maiden]

Titel der Geschichte
20. Juli

Autorin
NamiraKayleighFaolan

Hauptcharaktere
Chester Bennigton

Nebencharaktere
Mike Shinoda, Joe Hahn, Rob Bourdon, Dave Farrell,  Brad Delson

Pairings
/

Kommentar des Autors
Eigentlich schreibe ich nichts zu realen Personen und das hier wird eine Ausnahme bleiben. Hier lest ihr keine erfundene Geschichte, sondern einen Teil meines Lebens …

Heute vor drei Jahren …

Heute vor drei Jahren stand die Welt still. Meine Welt. Aber auch die Welt so vieler anderer Menschen. Heute vor drei Jahren hattest du keine Kraft mehr gehabt, um dich aus der Dunkelheit und den Fängen deiner Dämonen zu befreien.

Heute vor drei Jahren war ein sonniger Tag. Ein Tag voller Leben. Voller Licht und Freude. Und ehe er zu Ende war, wurde er zu einem Tag voller Dunkelheit. Voller Schmerz. Voller Tränen.

An jenem 20. Juli 2017 habe ich es noch nicht gewusst, welche Wunden schon bald in mein Herz gerissen werden würden. Wobei nein … tief in mir habe ich es gewusst, doch ich habe es von mir geschoben. Weit weg geschoben. Am nächsten Tag, den 21. Juli, war ich bei einem Vorstellungsgespräch. Ich habe mich gefreut, habe gelacht. Und doch blieb das drückende Gefühl, das mich seit dem Moment begleitet hatte, als ein Bekannter in der Skype-Gruppe die Nachricht geteilt hatte. Ich habe es ignoriert. Irgendwie. Heute ist mir schleierhaft, wie ich das geschafft habe.

Eine Woche später – am 29. Juli – bin ich das erste Mal zusammengebrochen. Meine Welt ist eingestürzt. Das Realisieren hatte eingesetzt. Du warst fort. Einfach so. Keiner hatte verstanden, wieso ich (für sie) aus heiterem Himmel in Tränen ausbrach. Meine Familie hat nicht den gleichen Bezug zur Musik wie ich. Für sie ist es einfach Musik. Doch für mich ist es mehr. Heute – drei Jahre später – sitze ich hier und schreibe und weiß doch, dass die Wunde niemals heilen wird. Nicht vollständig. Die Schuldgefühle werden immer bleiben. Über das Jahr werden die Gedanken weniger, doch sobald der Juli vor der Tür steht, kehrt alles wieder zurück. Vielleicht ist es lächerlich, so sehr noch immer um einen Menschen zu trauern, den man nicht kannte. Nicht wirklich jedenfalls. Doch Chester … Chester war nicht irgendein Mensch, den man tagtäglich auf der Straße sieht, den man vielleicht grüßt und doch nie wieder sieht. Chester war ein Mann, der aussprechen konnte, was seine Fans nie aussprechen konnten. Der schrie, wenn wir verstummt waren. Chester war ein Mensch voller Freude, voller Hoffnung. Aber auch voller Schmerz. Er war jemand, der nicht wegsah, der da war. Und jetzt ist er nicht mehr da.

Diesen unteren Text habe ich damals geschrieben, um … zu verarbeiten … zu verstehen und zu begreifen, was man nicht begreifen kann. Noch immer nicht.

Dear Chester,

Ich wünschte, RIP würde bedeuten: Return is possible.

Ich weiß, du kennst mich nicht und wirst es auch niemals können. Auch ich hatte nie die Chance dich persönlich kennenzulernen. Nun gibt es Menschen, die einem das Recht absprechen wollen zu trauern, eben auf diese Tatsache bauend. Meine Geschichte zu dir und Linkin Park ist seltsam und ich würde jede Chance ergreifen das zu ändern. Ich kann dir nicht sagen, wann genau ich euch das erste Mal gehört habe, es muss aber nach 2006 gewesen sein, vielleicht auch schon davor. Was ich weiß, ist, dass mir nach und nach bewusst wird, wie viele Lieder ich eigentlich schon seit Jahren kenne, ohne es wirklich zu realisieren. Ihr ward irgendwie immer da gewesen, habt mich unbewusst begleitet. Ich habe in meiner Jugendzeit andere Prioritäten gesetzt. Tokio Hotel zum Beispiel. Jetzt, Jahre später kann ich sagen, das war ein Fehler. So sehr ich Tokio Hotel damals gemocht habe, sie können euch doch niemals das Wasser reichen. Ich wünsche mir, ich hätte mich schon damals mit euch befasst. Richtig befasst. Und dass ich euch niemals aus den Augen verloren hätte. Denn beim Ausmisten meines Zimmers sind mir so viele Artikel über euch in die Hände gefallen, die ich früher gesammelt habe. Das hat auch meine Erinnerungen angerührt. Ich weiß, dass es damals eine Zeit gab, wo ich eure Alben gehört habe – vor allem Meteora. Und irgendwann habe ich euch aus den Augen verloren. Ich wünschte, ich hätte es nicht. Ich wünschte, ich hätte Unterstützung aus der Familie oder meinen Freunden wie viele andere Fans auch, die mit euch aufgewachsen sind… die hatte ich nicht und habe ich immer noch nicht…

Es ist jetzt zwei Wochen her, seit du gefunden worden warst. Leblos. Ohne eine Chance zur Rettung. Es heißt, Zeit heilt alle Wunden. Tut sie das wirklich? Ich glaube nicht. Es tut weh. Und nicht nur mir. So viele Fans trauern, deine Kollegen, deine Familie und Freunde. Zeit kann die Wunden nicht heilen. Sie konnte deine Wunden nicht heilen. Ich dachte, ich könnte an Gott glauben, doch wo war Gott, wo Jesus, als du um Hilfe geschrien hast? Wo war der Erlöser? Er war nicht da. Du, der so viele Menschen gerettet hast, der so viele Menschen am Leben erhalten hat, dir hat die Kraft gefehlt. Ich will dich hassen, dich verfluchen, dass du uns, aber vor allem deine Familie und deine Kinder alleine gelassen hast, aber ich kann es nicht. Wann immer Wut aufflammt, wird sie gleich von einer Eiseskälte vertrieben. Ich kann dich nicht hassen. Es geht einfach nicht, weil ich zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann. Es gibt immer Momente, in denen man nicht weiter weiß, in der der Kampf unerträglich wird. Du, Chester, warst immer so tapfer. Ich bewundere dich. Habe ich schon immer und werde ich immer. Bis zu dem Tag, an dem auch ich diese Welt verlassen werde. Jetzt, wenn ich die Videos schaue, die Lieder höre, steigt mein Respekt vor dir. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen, den 19 & 20. Juli ausradieren. Nein, ich wünschte, ich könnte den 18. Mai ausradieren. Ich wünsche mir, Chris würde noch leben. Obwohl ich deinen Freund gar nicht kenne, Soundgarden nie gehört habe, anders als euch, weiß ich, dass du daran endgültig zerbrochen bist. Wieso ist diese Welt nur so ungerecht? Es gibt da einen Spruch aus einem meiner Lieblings-Anime. Er lautet: This world is merciless but until beautiful. Das ist wahr, auch wenn es schwer fällt, an das Schöne zu glauben. Ich wünsche mir so sehr, dass du jetzt frei bist, dass du deine Dämonen los bist und mit Chris den Himmel rockst. Die Leere, die du hinterlassen hast, wird nie verschwinden, vielleicht wird dieses Gefühl eines Tages weniger und leichter zu händeln sein, aber es wird nie verschwinden. Du warst die Stimme so vieler Menschen, du hast geschrien, wo wir nicht schreien konnten. Wieso muss man erst einen Menschen verlieren, um zu realisieren, wie viel er einem gegeben hätte. Oh dear, wenn es nur eine einzige Möglichkeit gibt, wir würden sie ergreifen. Du warst so jung… 41 Jahre ist einfach kein Alter zum Sterben. Es heißt, man soll nie ein Leben gegen ein anderes aufwerten, doch wenn es nur eine einzige Möglichkeit gebe, ich würde sofort einen Donald Trump gegen dich eintauschen. Ohne Wenn und Aber.

Ich bete jede Nacht, dass wir einfach nur in einem Alptraum leben, dass wir am nächsten Tag aufwachen und nichts war geschehen, dass du, die Legende unserer Generation noch lebst und uns beschützt. Dass du die Bühnen rockst, mit deinen Freunden Spaß hast, deinen Kindern der Vater bist, den sie lieben und brauchen, für deine Frau Talinda da bist. Und jeden Morgen muss ich mich erinnern, dass nichts davon wahr geworden ist. Du bist immer noch tot. Es ist keine gute Fee vorbei gekommen und hat uns drei Wünsche erfüllt. Himmel, wäre dem so, ich wüsste sofort, was ich mir wünschen würde: Dich zurück und auch Chris. Gott, wieso musstest du gehen… das ist einfach nicht fair. Wir alle wissen, dass wir dem Tod nicht entkommen können, aber wieso jetzt? WIESO? Verflucht, ich hasse diese Welt so sehr, die so gute, talentierte Menschen gehen lässt, während richtig Arschlöcher gefühlt ewig leben können. Ich weiß, es war deine Entscheidung, aber es fällt schwer, sie zu akzeptieren. Gerade jetzt, wo ich zu euch zurück gefunden habe, tut es weh. Jede verdammte Nacht träume ich von dir, von den Momenten, die ich verpasst habe und wache jeden Morgen mit einem deiner Lieder im Kopf auf. Vielleicht wird es besser, wenn ich mich mit anderen Fans zusammen verabschieden kann, wenn wir gemeinsam trauern und uns an dich erinnern können. Chester, wir werden dich niemals vergessen, auch wenn du nicht mehr unter uns weilst, wir werden uns wiedersehen, eines Tages und bis dahin werde ich deine Jungs weiter die Treue halten und hoffe, du kannst mir vergeben, dass ich deine geniale Musik aus den Augen verloren und viel zu spät wiederentdeckt habe. Doch eines weiß ich, meine Kinder werden mit dir aufwachsen und ich werde ihnen berichten, was für ein toller Mann, Musiker, Freund und Vater du doch warst. Ruhe in Frieden, Chester, und rock den Himmel!


Es ist und bleibt die Wahrheit. Ich habe noch immer Schuldgefühle und frage mich noch immer, wieso ich sie aus den Augen verloren habe. So viel Wieso. So viel Warum. Es gibt keine Antworten. Noch immer nicht.

Sicherlich fragt ihr euch, wieso ich diesen Text für den Jahreskalender schreibe, wo es doch sonst um fiktive Figuren geht. Als ich damals dieses Zitat gelesen habe, da musste ich wieder daran denken.

"Wenn die Menschen nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden können … Ich glaube, dann gehen sie kaputt."

Ich kenne Rozen Maiden nicht, doch in jedem einzelnen Wort dieses Zitat schwingt die Wahrheit mit. Damals konnte ich es kaum unterscheiden, habe mich wie in einer Zwischenwelt gefangen gefühlt. Ich habe oft gegoogelt, habe gehofft, dass ich mir alles nur einbilde, dass ich noch eine Chance hatte mit Chester zu sprechen. Und jedes einzelne Mal bin ich unsanft in der Realität aufgekommen, als ich das † auf Wikipedia sah. Jedes einzelne Mal, wenn ich gesehen habe, dass der Text in Präteritum stand. Es war wahr. Er nicht mehr da.

Und doch … und doch ist er noch da. Bei uns. In seiner Musik lebt er weiter. Und auch in jedem einzelnen Regenbogen.

Als es meinen Großvater in diesem und dem folgenden Jahr so schlecht ging, hatte ich oft einen Regenbogen gesehen und ich habe gewusst: Chester ist da. Er begleitet mich durch die schwere Zeit.

Am 20. Juli 2017 zerbrach meine Welt ein Stück weit. Ich stand wieder auf. Doch ich war nie wieder ganz ich selbst. Und doch … durch den Schmerz begriff ich, dass ich kämpfen muss, dass ich nicht aufgeben darf. Niemals. Für meine Familie. Für meine Freunde. Für Chester.
2017 ist und bleibt mein Hassjahr, doch ich lasse nicht zu, dass es mich zerstört. Nicht mehr.

Who cares if one more light goes out?
Well I do!

Für immer. Heute kann ich One More Light nicht hören, kann keine Musik hören, doch sie bleibt immer in meinem Herzen. Genauso wie du in meinem Herzen bleibst.

Lieber Chester.

Du wirst niemals vergessen sein.

#MakeChesterProud






~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine wirklich schöne Geschichte und so ganz anders als die meisten Beiträge zum Jahreskalender. Das Zitat hat hierzu jedenfalls sehr gut gepasst.

Eure lula-chan
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